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General-Anzeiger
Amtliches Organ für AM- und FaMreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Anzeiger
EberückungSgebL-,;
Die jilüfgefpLÜm« Petttzeile oder been Raun SO ^, im Nektameateü die Zeile 85 Pf^
Nr. 26 Fernsprechanschlutz Nr. 605
Donnerstag den 31. Januar
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1907
N
Handelskammer Hanau,
Auf Einladung der Handelskammer Frankfurt wird Exzellenz Dernburg Sonntag den 3, Februar, pünktlich 5 Uhr, in Frankfurt im Hippodrom über Kolonialfragen sprechen.
ES ist uns eine Anzahl Karten zur Verfügung gestellt worden.
Reflektanten bitten wir um sofortige Benachrichtigung.
Hanau den 80. Januar 1907.
Die Handelskammer zu Hanau.
Eanth al.
Der Syndikus.
2949 Dr. phil. Grambow.
Aus Hanau Stadt und fand.
Hanau, 81. Januar.
Zur Wahlbtwcgung.
Das Ziel am 5. Februar.
Nachdem der Hauptwahltag am 25. Januar mit so Beispiellosen Erfolgen für die bürgerlichen Parteien geendet hat, dürfte eS angebracht erscheinen nun mehr auf daS Schluß- und Endziel der ReichStagSwahlkampagne hinzuweisen. Dies Schluß- und Endziel aller bürgerlichen Wähler, gleichviel welcher politischen oder konfessionellen Schattierung, muß darauf ausgehen, die Sozialdemokratie so weit als möglich in dem zukünftigen Reichstag zurückzudämmen, um dadurch einer gesunden nationalen Politik, einem gesunden Fortschritt auf allen Gebieten politischen und wirtschaftlichen Lebens die Bahn frei zu macken.
Man ging mit großen Hoffnungen in die Hauptwahl, alle Parteien waren ihres Erfolges sicher, aber keine dachte auch nur annähernd daran, daß es gelingen könnte, der Sozialdemokratie eine solche Anzahl von Mandaten gleich im ersten Wahlgang zu entreißen. Dieses überaus günstige Resultat im ganzen Reich läßt den berechtigten Schluß zu, daß eS nunmehr in der Stichwahl gelingen wird, den Einfluß der Sozialdemokratie, wenn auch nicht völlig zu brechen, so doch wenigstens weiter und weiter in die Stellung zurückzu- dämmen, die ihr ihrer, wie die Haupiwahlen schlagend beweisen, zunehmenden Bedeutungslosigkeit nach zukommt. Die Sozialdemokratie rechnet selbst mit einem erheblichen Zurückgang ihrer Mandate im zukünftigen Reichstag, sie will froh sein, wenn sie nur die Hälfte ihrer ehemaligen Sitze wteder- gewinnt. Allerdings klingt durch die Resignation immer wieder der Ruf, unsere Reserven sind noch intakt, sie müssen uun heran, sie werden uns nun aus der Patsche reißen und der bürgerlichen Wählerschaft zeigen, daß die Sozialdemokratie noch den Boden unter den Füßen hat. Dieses sich selbst Mut zusprechen mutet so an, als ob ein KnirpS seinen großen Bruder zur Verteidigung herbeiruft. Die Sozialdemokratie weiß selbst nur zu gut, daß fite auf niemandes Unterstützung in der Stichwahl zu rechnen hat und, daß sie alle ihre Reserven bereits in der Hauptwahl auSgegeben hat, denn erfahrungsgemäß pflegen die stramme sozialdemokratische Organisation und die noch strammere terroristische Partei- diSziplin bereits in der Hauptwahl alle Wähler an die Urne zu bringen. Diese Floskeln sind nur darauf berechnet, die bürgerliche Wählerschaft, die den politischen Dingen nicht sehr nahe steht, zu täuschen. Die sozialdemokratischen Reserven sind ein Scheinmanöver darauf berechnet, die bürgerlichen Wähler so ins Boxhorn zu jagen, daß sie glauben sollen, alle Anstrengungen helfen ja doch nichts, die Sozialdemokratie hat noch die großen Reserven, mit denen sie ihren Sieg erfechten wird. Wir möchten wünschen, daß sich kein bürgerlicher Wähler durch dieser Windmachen irre lassen machen wird.
Andererseits darf die in unserem Wahlkreis erreichte bürgerliche Stimmenzahl, die mehr als die der Sozialdemokratie beträgt, nun nicht dazu führen, sich falschen Hoffnungen hinzugeben und in der Arbeit und in der Agitation 'für den gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten Dr. LucaS nachzu- lasten. Im Gegenteil, nun miis t alle verfügbaren Kräfte zu weit aukholendem Schlag nod) einmal aufS äußerste angespannt werden. Das Ziel am 5. Februar ist den Sozialdemokraten aus unserem Wahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb endgültig zu verdrängen und nie mehr zuzulassen, daß eine andere, denn die nationale Fahne über ihm weht. Nur die gemeinsame, intensive Arbeit aller Parteien, die sich auf den Namen deS Herrn Dr. L u c a s geeinigt haben, verbürgt den Sieg am Stichwahltage. Die Arbeit darf auch nicht darauf beschränkt werden, daß nur alle die Wähler herangeholt werden, die am 25. Januar ihren Zettel in die Urne für unseren Kandidaten Dr. Lucas gelegt haben. Nein, auch die große Zahl der Wähler, die allen Ermahnungen zum Trotz am Hauptwahltag der Urne fern blieben, muß nochmals auf die ungeheure, für Jahre ausschlaggebende Bedeutung des Stichwahlresultotes aufmerksam gemacht werden. Gerade jetzt nach dem Hauotwahltag wird er leichter sein
mit dem Hinweis auf die herrlichen Resultate im ganzen Reiche, die dem nationalen Gedanken wieder überall zum Durchbruch verhalfen haben, neue Bundesgenossen und neue Anhänger für die Wahl deS gemeinsamen Kandidaten Dr. LucaS zu gewinnen.
ES bedarf auch wiederum von neuem der Hinweises, daß alle kleinen Parteirücksichten, alle Differenzpunkte und alle Eifersüchteleien im Hinblick auf daS große Ziel zurückgestellt werden müssen. Allen Wählern, allen Bürgern sollte nur daS eine vorschweben, der Wahlkreis Hanau-Geln- hausen-Orb muß durch einen Kandidaten vertreten sein, der daS Vaterland über die Partei stellt. Einen solchen Kandidaten haben wir in unserm altbewährten VertreterDr. LucaS, der bewiesen hat, daß er glücklich zu verbinden weiß, die Sorge für die Interessen der heimischen Bevölkerung mit denen unsere- weiten schönen Vaterlandes. Der Kandidat ver vereinigten bürgerlichen Parteien wird sich bemühen in dem von ihm bisher bewiesenen Sinne weiter zu arbeiten zu des Vaterlandes und des Wahlkreises Wohl
Alle die am 5. Februar wiederum zur Urne schreiten — und alle bürgerlichen Wähler sollten e- sein — mögen bedenken, daß Re Wahl eines Sozialdemokraten sie selbst persönlich aufs empfindlichste schädigt und auf Jahre hinaus zurückwirft. Jeder, der seinen Zettel abgibt, sollte sich vorher noch einmal die Frage vorlegen, was tust du dir und dem Vaterland. Dann kann die Antwort nicht anders lauten, als meine Stimme dem bürgerlichen Kandidaten Dr. Luc asi
Wenn jedermann nach diesen Gesichtspunkten handelt, dann wird und muß am 5. Februar D r. LucaS siegreich aus der Urne heroorgehen. Möchte die gesamte bürgerliche Wählerschaft der übermütigen Sozialdemokratie, die ihrer Herrschsucht keine Grenzen wähnte, zeigen, daß sie auch noch einen Faktor im deutschen politischen Leben bildet. Möchte am 5. Februar die nationale Begeisterung überall sieghaft durchbrechen und möchte daS deutsche Volk am 5. Februar der Welt zeigen, daß eS seiner Väter würdig ist und fest steht zu Kaiser und Reich! Wie Nelson in der Seeschlacht von Trafalgar, so erwartet auch Deutschland am 5. Februar, daß jedermann seine Pflicht tut. Im WahlkreisHanau» Gelnhausen-Orb tut nur der Wähler voll und ganz seine Pflicht, der seine Stimme gibt dem Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien
Dr. Lueas. H. E.
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* Dom Wahl-Ausschutz für Dr. Suens wird : unS mitgeleilt, daß sich der erste Führer der National- ’ liberalen Partei Herr Bassermann angeboten hatte, nächsten Samstag in einer Versammlung in Hanau zu sprechen. Da kein Saal an diesem Tage zu haben war, konnte von dem Anerbieten leider kein Gebrauch gemacht werden. Statt dessen findet Sonntag nachmittag 4 Uhr in der Turnhalle (Jahnstr.) eine Versammlung statt, in welcher Herr Dr. Becker- Sprendlingen sprechen wird.
* Welcher niedrigen Mittel sich die Sozialdemokratie bedient, um den erhofften Sieg bei der Stichwahl zu erringen, gebt daraus hervor, daß ste, wie jetzt festgestellt worden ist, die gestern erwähnten Flugblätter in Großauheim unter den katholischen Wählern verbreitet hat. Natürlich sollte der Verdacht erweckt werden, als ob die Versendung dieser Flugblätter vom Wahl-Ausschuß für Dr. Lucas geschehen sei. «Hoffentlich wird sich auch diesmal das Sprichwort bewähren: „Wer andern line Grube gräbt, fällt selbst hinein."
Statistik.
Im Jahre 1906 wurden in Hanau lebendgeboren 762 Kinder, 393 männlichen und 369 weiblichen Geschlechts, 710 ehelich und 52 außerehelich geborene. Auf 10 000 Einwohner kommen 240 Geburten und damit sind wir in unserer Stadt auf derselben niedrigen Geburtsziffer angelangt, wie sie in Frankreich besteht.
Die Gesundheitsverbältnisse waren im Jahre 1906 sehr gute, die Sterblichkeit eine sehr.geringe.
Gestorben sind mit Ausschluß von 14 Totgeborenen 518 Personen, 282 männlichen und 236 weiblichen Geschlechts, darunter 111 Ortsfremde. Für Hanau selbst bleiben 407 und es kommen auf 1000 Einwohner berechnet nur 12.8 Todesfälle. In den letzten 80 Jahren ist eine so niedrige Zahl, wie 407 Todesfälle aus der Stadt, noch niemals vor- grkommen. Mit den Ortsfremden kommen 16.8 Todesfälle auf 1000 Einwohner gegen 19.2 im Vorjahre.
Die höchste Sterblichkeit war im Janugr mit 51, die niedrigste im Juni mit 84 Todesfällen.
Die Sterblichkeit der Kinder unter 1 Jahr war hauptsächlich infolge der kühleren Sommermonate eine niedrigere,
wie in den Vorjahren. Gestorben find 106 Kinder untei 1 Jahr alt, 90 ehelich und 16 außerehelich geborene.
Auf 100 Lebendgeborene kommen 18,9 gegen 18,6 Todesfälle im Jahre 1905. Ehelich geboren waren 710 Kinder, davon starben 90, auf 100 ehelich geborene Kinde,
kommen 12,68 Todesfälle. Außerehelich geboren waren 52, davon starben 16 und es kommen auf 100 außerehelich geborene Kinder 80,8 Todesfälle.
Gestorben sind:
106
Kinder
im
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von
0—
1
Jahr
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M
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1-
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Jahren
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*
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60—
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An DiphtheritiS starben 12 Kinder, 4 ortsfremde und 8 aus der Stadt und zwar je 2 aus der Nordstraße und Hirschstraße und je 1 aus der Erbsengaffe, WolfSgaffe,
Marktstraße und Bruchköbeler Landstraße.
An Scharlach starb ein Kind aus der Sternstraße im August.
An Masern starben 6 Kinder in den ersten 8 Monaten und an Keuchhusten 7 Kinder auch in den ersten Monaten des Jahres.
An Typhus starben 2 Personen im Dezember, eine OrtS» fremde und eine Person aus der Hirschgasse und an Wochenbettfieber eine Frau aus der Stadt und eine Ortsfremde. An Tuberkulose starben 89 Personen und zwar 64 an Lungenschwindsucht, 18 an tuberkulöser Hirnhautentzündung, je 3 an Bauchfell- und Knochentuberkulose, 2 an tuberkulöser Spondilitis und je eine an akuter Miliartuberkulose, Tuberkulose der Nebennieren, Darmtuberkulose und Bauchdrüsentuberkulose. Von den 63 an Lungenschwindsucht gestorbenen Personen waren 43 aus der Stadt, im Vorjahr war ihre Zahl 53, eS ist auch wieder, wie in den letzten Jahren, ein Rückgang der Zahl der an dieser Krankheit Gestorbenen zu verzeichnen.
An nicht tuberkulöser Erkrankung der Atmungsorgane starben 54 Personen.
In 53 Fällen war die Todesursache Erkrankung deS Magens und Darms und zwar starben 43 Kinder an Magen- und Darmkatarrh, 4 Personen an Blinddarmentzündung, 8 an eingeklemmtem Bruch und je eine Person an chronischem Magenkatarrh und Magengeschwür und eine ortsfremde
Person an Ruhr.
An Nierenkrankheit starben 12 Personen, 6 an Leberleiden, 4 an Bauchfellentzündung und je eine an Bauchwassersucht, eitriger Entzündung der Gallenwege und an chronischem Blasenleiden.
Durch Erkrankung des Herzens und der Blutgefäße war der Tod in 62 Fällen verursacht, 33 Personen starben an akutem und chronischem Herzleiden, 5 an Herzlähmung und 24 an Aderverkalkung.
7 Personen starben an Hirnhautentzündung, 23 an Schlag» anfall, 9 Kinder an Krämpfen, 2 Personen an Idiotismus und je eine Person an Kleinhirngeschwulst, GehirnabSzeß, Altersblödsinn und Epilepsie.
An KrebSleiden starben 25 Personen, an Sarkom 9 und je eine an Schilddrüsengeschwulst und Gebärmuttergeschwulst, außerdem eine ortsfremde Person an Gebärmutterzerreißung.
10 Personen starben an Zuckerruhr, 9 Kinder an Kinderzehrung, 8 an Rachitis, 4 Personen an perniziöser Anaemie und je eine Person an Osteomalaeie und Anaemie und je ein Kind an Ernährungsstörung und angeborener LueS.
An Winostarrkrampf starben 3 Personen, 2 an Osteomyelitis, 2 Kinder an Blasenausschlag und je eine Person an Basedowscher Krankheit, eitriger Hüftgelenksentzündung und Spina bifida.
Nicht durch Krankheit war der Tod in 83 Fällen bedingt : 35 Personen starben an Altersschwäche, 22 kleine Kinder an Lebensschwäche, 14 Personen verunglückten und 12 verübten Selbstmord.
Im Juli wurde eine unbekannte Kindesleiche aufgefunden. Hanau im Januar 1907. Dr. Zeh
* Koloutaldirektor Dernburg wird auf Einladung der Frankfurter Handelskammer und der dortigen äeuung der Deutschen Kolonialgesellschaft nächsten Sonntag 5 nachmittags im Hypodrom in Frankfurt a. M. in öffentumet Versammlung einen Vortrag über Kolonialpolitik halten.