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GMÜUMvvk mtb -erlag der Buchdruckerei dB Mh o, «raisachaastS in Hamm.
AMchts Organ für Stadt- uu) Landkreis Sanas.
Erscheint täglich mit Ausnaüme der Term- mtb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 228 Fernsprechanschltch Nr. 6V5.
Amtliches.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Es ergeht an alle diejenigen, welche von der letzten Ein- quartierung her Quartierzettel in Händen haben, die Aufforderung, dieselben zwecks Empfangnahme der Vergütung im Rathaus, 2. Obergeschoß, Zimmer 14, vorzulegen.
Hanau den 14. September 1907.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 18851
Hus Ran au Stadt und Tand.
Hawaii, 30. September.
* Drethimdertjahrfeier des Kgl. Gymnasiums. Den Schluß dieser für unsere Anstalt so bedeutungsvollen Feier bildete am Samstag nachmittag eine zwanglose Zusammenkunft in dem Kurpark von Wilhelmsbad. Unsere Ulanenkapelle hatte ein vorzügliches Konzertprogramm zusammengestellt und hielt ihr vortreffliches Spiel die zahlreich erschienenen Gäste in angenehmer Stimmung beisammen, während die Schüler auf den geräumigen Plätzen sich in munteren Spielen tummelten. Ein flottes Tänzchen im Kurhaussaale hielt die Schüler der Oberklassen noch einige Stunden fröhlich beisammen und schloß hiermit eine Feier, die allen Schülern wie Festteilnehmern unvergeßlich bleiben wird.
* Verliehen. Dem Herren Kanzlei - Inspektor a. D. Wilhelm Hübsch dahier wurde der Kronenorden 4. Klasse verliehen.
• Gegen den AlkoholtsmuS. Wir machen auch an dieser Stelle ganz besonders aufmerksam auf die heute Montag den 80. d. M., abends 8 Uhr, in den Sälen der „Concordia" stattfindenden beiden Vorträgen: „Der Alkoholgenuß vom ärztlichen Standpunkt aus" und „Was will derDe utsche Verein gegen den Mißbrauch g e i st i g e r Getränke?". Bei der Wichtigkeit des zur Besprechung stehenden Gegenstandes und dessen Bedeutung für das allgemeine Wohl sollte sich niemand die Gelegenheit entgehen lassen, diese Vorträge zu besuchen.
* Stadttheater. Als erste Abonnements - Vorstellung wird am Mittwoch das erfolgreiche Lustspiel Kadelburg's: „Der Familientag" zum ersten Male zur Aufführung kommen. Das humorvolle Stück hat sich auf den meisten größeren Bühnen bereits bewährt und überall so stürmische Heiterkeitserfolge erzielt, daß es sich als zugkräftiges Repertoirestück erwies. In trefflicher Inszenierung durch Direktor
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Feuilleton.
Hanauer Stadttheater.
(Zur Eröffnung der Saison: „Die Rabensteinerin", Schauspiel von E. v. Wildenbruch.)
Die Theatersaison hat begonnen, begonnen das Hasten and Jagen nach dem Erfolge, die fieberhafte Spannung der Theaterleute und des Publikums nach dem „Stück der Saison." Nicht allein die Spannung nach dem „Stück der Saison" hat hier die Gemüter in Wallung gebracht, sondern in erhöhtem Maße der Wechsel in der Direktion unseres Stadttheaters und damit auch ein vollständiger Wechsel'unseres darstellenden Personals. Die Frage, was uns die neue Saison, die neue Direktion bringen werde, bildete den Gegenstand lebhafter Erörterung in allen Kreisen, die sich für das Theater interessieren, mit Spannung wurde das Verzeichnis des engagierten Personals und die Ankündigung des in Aussicht genommenen Spielplanes erwartet, bis endlich die Erlösung eintrat, eingehende Veröffentlichungen Klarheit brachten und sich nunmehr die Spannung auf die Eröffnungsvorstellung konzentrierte. Weder die prächtige Herbstwitterung, noch die Fülle anderer Veranstaltungen vermochten Abbruch zu tun, das Theater war ausverkauft, ein günstiges Zeichen für den Beginn der Saison, für die neue Direktionstätigkeit, denn erhöhten Ansprüchen muß auch ein erhöhtes Interesse des Publikums die Wage halten.
Das Interesse zog noch weitere Kreise, einige Intendanten benachbarter Bühnen, wir bemerkten u. a. Herrn Intendanten v. Mutzenbecher-Wiesbaden, waren erschienen, . ebenso Vertreter auswärtiger Zeitungen. Mit einer gut gespielten Ouvertüre wartete die Kapelle des Jnf.-Regts. Hessen-Homburg (Dirigent Herr Mufikdir. Schmidt) auf,
Montag den 30. September
Steffter wird es auch hier sicher ein dankbares Publikum finden. — Am Freitag geht die Sensations-Novität: „Staatsanwalt Alexander" erstmalig in Szene und am Sonntag wird das erste Gesangsstück dieser Spielzeit: „Eine lustige Doppel-Ehe" zur Aufführung kommen.
* Das fünfzigjährige Diensijitbilänm und gleichzeitig den 30. Gedenktag der Uebernahme seiner jetzigen Dienststellung, begeht am 1. Oktober der landgräfliche Hof- portier Herr August Kantzenbach zu Philippsruhe. Nm 1. Oktober 1857 in das Regiment der Gardes-du-Corps in Potsdam eingetreten, hat der Jubilar die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht und an mehreren Schlachten teilgenommen. Nach LOjähriger Militärdienstzeit übernahm Herr Kantzenbach am 1. Oktober 1877 die Stelle als Hofportier Sr. Königl. Hoheit des Landgrafen von Hessen, in der er noch heute in Rüstigkeit seines Amtes waltet. Möge diese Rüstigkeit dem Jubilar auch auf seinem ferneren Lebenswege beschieden sein.
* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. findet im kommenden Winter wieder eine Reihe von Symphonie-Konzerten unter Leitung des Herrn Kapellmeister Iwan Schulz statt. Diese 1882 vom verstorbenen Kapellmeister Keiper eingeführten Konzerte, in denen ebensowohl klassische wie auch moderne Musik gepflegt wird, werden, wie immer, von der Gartenkapelle ausgeführt unter Hinzuziehung geeigneter Kräfte aus dem Homburger Kurorchester zur Verstärkung des Streichquartetts und der Bläser-Gruppen, je nach dem es für die stilgerechte Aufführung der jeweilig zum Vortrag kommenden Werke erforderlich ist. Wie seither haben die Abonnenten des Gartens freien Zutritt auch zu diesen Konzerten, die bei Restauration stattfinden. Für solche Besucher, die nur hören wollen, wird die Galerie serviert. Das erste Symphvnie-Konzert soll am 18. Oktober sein und die anderen in Abständen von in der Regel 14 Tagen folgen.
* Herren-Abend. Der Gesangverein „Tonblüthe" beging am Samstag sein 36. Stiftungsfest durch den üblichen Herren-Abend in der „Centralhalle". Es ist bekannt, daß die Gesangvereine an ihren herblichen Stiftungsfesten eine Probe ihres Könnens ablegen und daher sich naturgemäß jeder Verein bemüht, mit dem besten, was die Gesangesliteratur bietet, vor den Kreis der Zuhörer zu treten. Der löbliche Eiser und das gewissenhafte Streben, von Dirigenten wie von Sängern sind gewiß anzuerkennen, ob aber nicht doch inbezug auf die Reichhaltigkeit der Programme manchmal des Guten etwas zu viel getan wird, dürfte in den beteiligten Kreisen einer Prüfung zu unterziehen sein. Wenn man zuweilen 26 Nummern auf dem Programm für einen Abend trifft, deren Abwickelung sich trotz rascher Folge bis lange nach Mitternacht hinzieht, so dürfte dies auch für den enragiertesten Musikfreund etwas zu viel sein. Die
dann trat der neue Direktor, Herr Adalbert Steffter, stürmisch begrüßt, auf die Bühne und sprach folgenden von ihm selbst verfaßten Prolog:
Nun steh'n die Pforten wieder offen,
Willkommen dem, der Rast begehrt.
Mit neuer Leitung frohes Hoffen,
Ist hier im Hause eingekehrt.
Nicht wiegt es sich in bunten Träumen,
Es will erst kämpfen um die Gunst,
Mit Ernst und Fleiß in diesen Räumen,
Sich mühen am Altar der Kunst.
Der Kunst??
Mag man auch nichtig schelten,
Der leichtgeschürzten Musen Tanz:
Des Tages Last will sie vergelten,
Mit laubdurchranktem Blnmenkranz.
Sie will erfreu'n mit heit'ren Scherzen,
Nur Frohsinn strahlt aus ihrem Blick,
Und sie entbehrt mit leichtem Herzen
Die sorglich wägende Kritik.
Gemess'ner ist der Schwester Walten
Die sich Thalia zugesellt
Sie zeichnet Bilder und Gestalten,
Vom lauten Jahrmarkt uns'rer Welt.
Im Buch der Zeit strebt sie zu lesen,
Was gut, was schlecht erkennt sie bald.
Ernst ist ihr Blick, schlicht ist ihr Wesen
Und kein Kothurn höht die Gestalt.
So sollen denn ihr Heim hier finden,
Die Beiden, göttlich von Geschlecht,
Sich treu und schwesterlich verbinden
Zum Wechselwirken schön und recht:
Tanzt auf der Bühne heut den Reigen,
Der Possengeister tolle Schaar-
Soll morgen sich das Leben zeigen,
In Bildern zeitgerecht und wahr.
Und wird im Haus man nicht versäumen,
Zu üben ernste Künstlerpflicht,
Dann fehlt wohl auch in diesen Räumen,
Die kunstesstohe Menge nicht.
Dann schwebt durch des Theaters Halle
Der schöne Geist der Harmonie
Und steundlich spinnt es um uns alle
Den Zauberpfaden „Sympathie".
^ernsprechanschlutz Nr. 605. 1907
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„Tonblüthe" hatte bei Aufftellung ihres Programm- insofern sich in den richtigen Grenzen gehalten, als der gesanglich« Teil um 11 Uhr beendet war und dann Raum blieb für einen lediglich der heiteren Muse gewidmeten Teil, der ein aufmerksames ruhiges Verhalten nicht mehr erforderte. Die gesanglichen Darbietungen der „Tonbluthe" standen im übrigen wieder auf der Höhe der an einen erstklassigen Gesangverein zu stellenden Anforderungen. Die Chöre waren stimmlich von großer Reinheit, der Vottrag sicher und gut durchgearbeitet. Der starke Chor war _ in der Hand seines Dirigenten ein prächtiges Instrument, das sicher und präzis funktionierte. Herr Jean B y ck erwies sich wieder als ein sehr geschickter Rezitator, dessen Deklamationen ernsten und heiteren Inhalts sich berechtigten Beifalls erfreuten. Im weiteren enthielt das Programm noch Kupletts, Duette und in seinem späteren Teil ein zweiaktiges Volksstück mit Gesang „Der Wildschütz". Der instrumentale Teil lag bet der Ulanen-Kapelle mit Herrn Musikdirigenten Urbach an der Spitze in bewährten Händen und brachte den Hörern manche genußvolle Nummer.
* Festkommers. Aus Anlaß der 25jährigen Wirksamkeit des Herrn Prof. Schultz an der hiesigen Zeichenakademie hatten seine Kollegen und Freunde sowie hiesige Korporationen am Samstag abend zu Ehren des Jubilars im Saale der Turngemeinde einen Festkommerß veranstaltet, der der Besucher so viele aufwies, daß Saal und Galette sie nicht alle zu fassen vermochten und der einen imponierenden Beweis der Popularität und allseitigen Beliebtheit des Herrn Prof. Schultz darstellte. Gratulationen und Geschenke wurden dem Gefeierten in reicher Zahl und aus allen Reden klang neben der Anerkennung seiner künstlettschen Wirksam«- keit hohe persönliche Wertschätzung, aufrichtige Freundschaft .und wärmste Verehrung für den Jubilar. Die Eröffnungsansprache hielt Herr Otto Schatt, darauf hinweisend, daß der Jubilar vor 25 Jahren, als er von München nach Hanau übersiedelte, wohl nicht ahnte, daß ihm unsere Stadt zur zweiten Heimat werden würde. Anfangs fremd im neuen Wirkungskreis, sei es Herrn Schultz doch gar bald gelungen/ sich die Achtung und Verehrung weiterer Kreise zu erringen, die nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen in ihm achteten und schätzten, sodaß man heute mit Recht behaupten könne, der Jubilar ist einer der unserigen. Der Name Schutz ist auf das engste verwachsen mit der Königs. Zeichenakademie, mit der Industrie und dem Kunstleben unserer Stadt. Herr Prof. Schultz hat es verstanden, in den jugendlichen Herzen seiner Schüler die Liebe und Begeisterung für die Kunst zu wecken, er wirkte durch die Eigenatt künstlerischer Begabung vorbildlich für unsere Industrie, ein ganz besonderes Verdienst habe er sich um das Vereinsleben unserer Stadt erworben, indem er sein reiches Können auf das bereitwilligste in den Dienst der Allgemeinheit stellte, denn aHi Vereine, alle Private, die sich an ihn wandten, sei es um Rath bei festlichen Veranstaltungen, sei es zur Ausschmückung der Festräumö oder zur Erstellung künstlettscher Arbeiten, sanden stets williges Gehör und tatkräftige Unterstützung.
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Als Eröffnungsvorstellung hatte Herr Direktor Steffter E. v. Wildenbruchs Schauspiel „Die Rabensteinerin" gewählt, womit der größte Erfolg des letzten Theaterwinters auch bei uns zum Ereignis wurde. Das Stück versetzt uns in das 16. Jahrhundert und zeigt die Gegensätze des Ritter- tums und des aufstrebenden Großkaufmannstandes. Auf der Burg Waldstein, belegen zwischen Augsburg und Nürnberg/ lebt der verarmte Ritter von Rabenstein und fristet uut seiner frommen Schwester und seinem Töchterchen Bersabe ein kümmerliches Dasein. Da er nun doch leben will, wird er zum Wegelagerer, zum „Schnapphahn". Eines TageA gilt es, den reichen Brautzug des jungen Bartolme Welsep aus Augsburg abzufangen, der die Ursula Melberin auS Nürnberg einholen will und ein über alle Maßen kostbares, aus fremdem Lande stammendes Geschmeide als Brautgeschenk bei sich führt. Es kommt zu einem harten Kampfe, denn ber. alte Raubritter hat sich in dem wehrhaften jungen Städter getäuscht. Der Rabensteiner wird tödlich verwundet und stirbt, zurückgekehrt in die Burg, in den Armen seiner Schwester; zuvor überreizt er derselben das dem jungen Welser abgenommene Geschmeide, welches der Aebtifsin in Augsburg gebracht werden soll, um der Bersabe eine gute Aufnahme im Kloster zu sichern. Inzwischen hat Bersabe, den tödlich verwundeten jungen Bartolme Welser auf die Burg bringen lasten, ihm seine schwere Kopfwunde verbunden und vom Tode gerettet. Als sie vor ihm kniet, fühlt sie zum ersten Male die Allgewalt eines seinen Gefühls in ihrem wilden Herzen. Als der Fiebernd- erwacht, glaubt er seine ihm noch unbekannte Braut zu sehen und verlangt den ersten Kuß, den ihm Bersabe gee währt. Der zweite Akt bildet den dramatischen Höhepunkt Der junge Welser ist genesen, im Hause seines Vaters er» wartet er die Braut, deren holdes Bild ihm während bei ganzen Zeit in der Erinnerung an die Szene aufdemWall^ stein vorgeschwebt hat. Als nun Ursula erscheint, ist bi( Enttäuschung groß, denn es ist eine andere, als die w»