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Mx. 201 Fernsprechanschüch Nr. 605.
poliMcke Runâsckau.
Die neuen Steuern bringen auch jetzt noch fast weniger auf, als von ihnen erwartet wurde. Lediglich die Algarettensteuer und der Frachturkundenstempel gewähren die Aussicht, daß der Etatsansatz nicht bloß erreicht, sondern überschritten werden wird. Die erstere ist mit 11,2 Millionen Mark in den Etat eingestellt und hat im ersten Jahresdrittel bereits 3,8 Millionen Mark abgeworfen, bei der letzteren sind 4,9 Millionen Mark vereinnahmt, während der Jahresetatsansatz 13,7 Millionen Mark beträgt. Bei der Braustreuer dagegen zeigt es sich schon, daß die Wirklichkeit mit der Schätzung schwerlich übereinstimmen wird. Einem Jahresetatsansatze von 51,7 Millionen Mark steht eine Jahresdritteleinnahme von 15,1 Millionen Mark gegenüber. Und nun erst die übrigen neuen Steuern! Der Stempel von den Personenfahrkarten war in dem Etatentwürfe, den Lie verbündeten Regierungen zuerst dem Reichstage vorgelegt hatten, in der ganzen Jahreseinnahme aus 45 Millionen Mark geschätzt worden und zwar entsprechend den Berechnungen, die man bei der Einführung der Steuer vorgenommen hatte. Schon bei den Reichstagsberatungen war es, namentlich auf Grund der bis dahin festgestellten tatsächlichen Einnahmeverhältnisse, klar, daß die Stempelsteuer unmöglich den hohen Betrag abwerfen würde. Im Reichstage wurde deshalb der für 1907 zu erwartende Betrag auf 30,4 Millionen Mark herabgemindert. Aber auch diese Summe wird, wenn sich die Einnahmeverhältnisse nicht wesentlich ändern, schwerlich erreicht werden. Im ersten Jahresdrittel wurden vom Personenfahrkartenstempel 5,7 Millionen Mark eingenommen. Danach würde am Ende deS Jahres nicht viel mehr als die Hälfte des Etat-ansatzes erreicht werden. Die Erträge der Kraftfahrzeugsteuer sowie der Besteuerung von Vergütungen an Mitglieder von Auf- stchtsrälen fallen nicht sehr ins Gewicht, aber auch bei ihnen lassen die bisherigen Einnahmen nicht den Schluß zu, daß die Etatsansätze werden erreicht werden. Bei der Erbschaftssteuer haben ja wegen der Uebergangsbestimmungen immer noch keine geregelten Verhältnisse Platz gegriffen. Man kann hier hoffen, daß der Etatsansatz schließlich doch noch erreicht werden wird, groß ist die Hoffnung aber nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, daß im ersten Jahresdrittel tatsächlich nahezu 7 Millioneu Mark vereinnahmt wurden, im Etat aber für das ganze Jahr 37 Millionen Mark eingesetzt sind. Auf jeden Fall hat man sich von den neuen Steuern mehr versprochen, als sie gehalten haben.
Siitdienreise Dernburgs. Staatssekretär Dernburg wird mit seinem Gefolge zwischen dem 8. und 10. September in Tabora eintreffen und dort voraussichtlich vier
Feuilleton.
Der Flitterwochen Ende.
Humoreske von M. Rochon- Deutsch von A. F r i e - h e i m.
(Nachdruck verboten.)
Jeanne hatte ihrem Bräutigam Gustav anvertraut, daß sie als Hochzeitsreise oder vielmehr als Aufenthalt während der Flitterwochen nichts Alltägliches, sondern etwas ganz Besonderes haben möchte.
Was das Besondere war, konnte Jeanne aus zärtliches Befragen ihres Gustav nicht näher angeben.
Sie wußte nur, daß ihr die Reise nach Italien, der Schweiz, Norwegen usw. Abscheu einflößte; daß sie sich schüttelte bei dem Gedanken an langweiliger „table d'höte" mit einer Unzahl von Menschen zusammen zu essen ... es haßte in den großen Hotels zu wohnen I
Gustav wußte das nun auch. Aber ihm kam es hauptsächlich darauf an, zu wissen, was Jeanne nicht haßte, was sie nicht verabscheute, mit anderen Worten: was sie wohl bevorzugen würde.
Aber Jeanne erklärte, keinerlei besondere Vorliebe zu haben. „Alles Alltägliche verstimmt mich, alles Originelle gefällt mir . . . Du siehst also, daß meine Psychologie nicht gerade sehr kompliziert ist."
Der arme Gustav grübelte und grübelte, um etwas Originelles, nicht Alltägliches zu finden, wo er mit seiner jungen Frau die Flitterwochen zubringen konnte. Er las Stöße von Reisebeschreibungen; phantastische Erzählungen, Schilderungen von Entdeckungsreisen, immer in der Hoffnung, daß ihm dabei ein glücklicher Einfall kommen würde.
Endlich, eines Abends, als Gustav sich ganz kleinmütig zu Bett legte, kam ihm urplötzlich der rettende Gedanke.
Gleich am nächsten Tage sagte er zu seiner Braut:
„Jeanne ich mochte Dir einen Vorschlag in Betreff unseres Aufenthalts während der Flitterwochen machen... ich
Donnerstag be« 29. August
bis fünf Tage verweilen. Wie aus Tabora gemeldet wird, werden schon große Vorbereitungen zum Empfange getroffen. Die Askarikompanie wird dem Staatssekretär entgegenmarschieren und ihn einholen. Tabora ist die bedeutendste Stadt des Innern von Ostafrika, sie zählt 38 000 Einwohner, ist hübsch angelegt, allerdings etwas weitläufig. Die Bevölkerung, Neger und Araber, sind Ackerbürger und Viehzüchter. Tabora ist zurzeit das Handelszentrum von Deutschostafrika, es liegt an der großen Karawanenstraße von Dar-es-Salaam nach dem Viktoriasee, die hoffentlich später einmal Eisenbahntrasse für die Zentralbahu werden wird. Seit Eröffnung der Ugandabahn hat sich der Handel Taboras vollständig nach dem Viktoriasee verschoben und der Verkehr auf der Karawanenstraße nach Dar-es-Salaam hat sehr nachgelassen. Der ganze Handel geht von Tabora über Muansa jetzt nach Port Florence, von da mit der Ugandabahn nach Mombassa. Man sieht hieraus, wie wichtig für Tabora und den Viktoriasee eine Eisenbahnverbindung mit Dar-es-Salaam wäre.
Vertagung des englischen Parlaments. Das Parlament wurde mit einer Thronrede vertagt, worin es heißt: Der neuliche Besuch des Königs und der Königin von Dänemark, die nahe mit mir verwandt sind, bereitete der Königin und mir eine große Freude und wird nicht verfehlen, die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, zu verbessern. Die Thronrede spricht dann den Dank für den Besuch des Prinzen Fuschimi aus, der von dem verbündeten Kaiser von Japan in besonderer Mission nach England gesandt wurde; die Beziehungen zu den anderen Mächten seien fortdauernd freundschaftlich. „Meine Regierung", sagt der König, „ist von dem Wunsche beseelt, auf jede mögliche Weise zur Erhaltung des Friedens beizutragen; sie hat ein Abkommen mit der spanischen Regierung zum Schutze der beiderseitigen Interessen in dem Teil des Mittelländischen Meeres und des Atlantischen Ozeans, an welchem beide Länder interessiert sind, geschlossen." Auf Einladung Rußlands habe er, der König, Delegierte für die Haager Konferenz ernannt; er hege das Vertrauen, daß die Beratungen der Konferenz den Abschluß von Uebereinkommen im Gefolge haben werden, die darauf hinzielen, die Kriegsleiden zu mildern und den Weltfrieden zu sichern. In Indien hätten gewisse vorübergehende Schwierigkeiten die englische Regierung nicht entmutigt, Pläne für die Verbesserung der Verwaltungsmaschinerie zu entwerfen; es seien bereits Schritte getan, um die Teilnahme und den Rat indischer Mitglieder im indischen Staatsrat zu sichern. Die Thronrede nimmt sodann Bezug auf die kürzlich abgehaltene Kolonialkonferenz und die Vereinbarung künftiger ähnlicher Zusammenkünfte unter der Bezeichnung Reichskonferenzen, zur freien Aus
weiß nicht, ob er Dir zusagen wird . . . wenn Du ihn dumm, oder lächerlich, oder unpassend findest, so versprich mir wenigstens, daß Du mich deswegen nicht auslachen wirst."
„Ich versprech' es Dir bestimmt ... sag nur rasch, was Du Dir ausgedacht hast," rief Jeanne ganz erregt.
„Also: mir ist eingefallen, daß mir von einer Großtante durch Erbschaft ein Bauerngut in der Bourgogne gehört. Ich habe mich nie viel darum gekümmert... es ist verpachtet... mein Bankier zieht die Pacht für mich ein. Wenn ich mich nun recht erinnere, so gehören zu den Gehöften einige Morgen Land. Das wäre alles nichts Besonders und verdient kein weiteres Interesse, wenn nicht zu dem Grund und Boden ein See gehörte. Ja, ein See! Der Mönchsee! . . . Mach kein so verächtliches Mündchen, sondern hör' nur erst weiter zu ... es ist ein ganz klarer See, so klar, daß man bis auf den Grund sehen kann . . . wie in einer Talmulde liegt er gebettet und die hochstehenden Ufer sind rings herum bewaldet . . . Wald und wieder Wald . . . Stille und Einsamkeit .... keine menschliche Wohnung im Umkreise einer Meile . . . Frieden und Ruhe . . der See .... der Wald, der blaue Himmel. Ein Versteck voller Poesie!"
„O, das ist ja köstlich," rief Jeanne und klatschte in die Hände.
„Warte! Das ist nur die Staffage. Nun will ich Dir unser „Schloß" .... unsere romantische Hütte, beschreiben, wie ich mir das denke . . . vielleicht findest Du es komisch und . . ."
„Laß mich doch nicht so zappeln, Gustav!"
„Nun also 1 Jeanne, was würdest Du dazu sagen, wenn wir einen Pfahlbau bewohnten? ... Ich habe bei meinem Vorschlag natürlich nicht die Pfahlbauten der Vorzeit im Sinn! ... Ich werde schon für den nötigen Komfort sorgen, aber im Prinzip würde es den Pfahlbauten entsprechen . . . auf festen Pfählen würde unser Heim auf dem Wasser ruhen, eine kleine, hochziehbare Laufbrücke würde uns mit dem Festland verbinden. Eine Art Galerie, die rings um das Haus herumführt, wäre ein herrlicher Aufenthalt zum Ruhen, zum Träumen und zum Angelsport .. ."
Ja ja, so etwas hat nur vorgeschwebt," rief Jeanne begeistert. „Das ist doch nicht alltäglich .... das ist doch
Fenisprechanschlits; Nr. 605. 1907
.. =gj—?y-"^^ '-".--— »gg spräche über Fragen von allgemeinem Reichsinteresse. Det König gibt sodann der Hoffnung Ausdruck, daß die Einführung der Selbstverwaltung des Volkes die Oranjefluß-Kolonie zur Wohlfahrt und Zufriedenheit führen werde. Bei der Parade über die kürzlich gebildete Heimatflotte habe der König einen tiefen Eindruck von der guten Verfassung und der wunderbaren Erscheinung der Schiffe sowie der ausgezeichneten Haltung und der Manneszucht der Offiziere und Mannschaften empfangen. Weiter gedenkt die Thronrede der erfolgreichen, auf breiter Grundlage durchgeführten Reorganisation der heimischen Streitkräfte durch Einteilung in sech- große Divisionen und Umgestaltung der Hilfsstreitkräfte zu einer zweiten Hcereslinie. Zuletzt gibt die Thronrede einen Ueberblick über die in der nunmehr schließenden Tagung verabschiedeten Landesgesetze.
Die Vorgänge in Rnstland. In dem Der» schwörerprozrß wurden gestern die Plädoyers der Ankläger und der Verteidiger beendigt. Die Angeklagten wiederholen in ihrem Schlußwort ihre früheren Aussagen. Das Urteil wird heute gefällt werden.
Die Türkei und Persien. Die Pforte überreichte gestern abend der persischen Botschaft im Anschluß an das gestern erlassene Jrade eine Note. Sie ist kurz und kündigt nur die Ernennung der türkischen Mitglieder für die gemischte Untersuchungskommission in der türkisch-persischen Grenzangelegenheit an. Außer dem Wali von Bulis und dem Mutessariflik von Kerkuk gehören der Kommission der Rat am Kassationshofe, Emin Bey, ein Brigadegeneral und ein Oberst an. Der persische Botschafter fand die Note nicht befriedigend, namentlich, weil sie nicht eine Erklärung über die Zurückziehung der türkischen Truppen enthält. Er unternahm heute neue Schritte beim Minister des Aeußern und im Jildizi. — Wie Reuters Bureau aus Teheran meldet, besagen die letzten Nachrichten, daß die türkischen Truppen sich in den Gegenden, die sie besetzt haben, einrichteten und von den durchgeführten Gütern Zoll erheben. Die Stämme würden im Zaum gehalten, die Unruhen in der Umgegend von Urmia hörten auf. Der türkische Kommandeur habe den russischen Vizekonsul in Urmia davon in Kenntnis gesetzt, daß die in das Konsulat Geflüchteten ungefährdet in ihre Dörfer zurückkehren dürften, wenn sie die türkische Herrschaft anerkennen würden. Die gleichfalls benachrichtigten persischen Ortsbehörden hätten noch keinen Befehl erhalten, ihre Posten zu verlassen. Tatsächlich kämen immer mehr Truppen an. Zehi Pascha würde in Urmia zur Untersuchung erwartet. Die Ministerkrisis sei vorbei, doch habe das Kabinett große Schwierigkeiten, die durch den türkischen Einmarsch hervorgerufene Erregung des Volks zu beseitigen. Die durch die Wahlen verursachten Unruhen in Rescht dauerten noch an.
noch Romantik .... ein Paradies auf dem Wasser!" Und ganz begeistert lehnte Jeanne ihr Köpfchen an Gustavs Schulter, und er küßte seine Braut zärtlich.
„Aber, Gustav," seufzte Jeanne gleich danach . . . „um das alles Herrichten zu können, brauchst Du doch sehr viel Zeit.....dann werden wir die Hochzeit wohl noch verschieben müssen."
„O, Jeanne, sorg Dich nicht! Es soll Tag und Nacht gearbeitet werden .... die Hauptsache ist mir, daß Deine Wünsche, mein Herzblatt, in Erfüllung gehen."
Mitte Mai bezog das junge Paar einen Pfahlbau.
In Wirklichkeit bestand derselbe aus einem koketten Häuschen im Schweizerstil, umfaßte zwei große Zimmer, eine Küche und einen großen Erker, der mittels einer Marquise in einen wundervollen Sommersalon zu verwandeln war. Die breite Galerie fehlte nicht, ringsherum war ein Gitter angebracht, auch die hochziehbare Brücke war vorhanden, und von den Pfählen im Wasser war nichts zu sehen.
Um ganz sich selbst zu gehören, hatte das junge Paar auf jede Bedienung verzichtet.
Nur die Frau des Hofbesitzers brachte täglich die notwendigen Lebensmittel; denn ganz von der Liebe konnten Jeanne und Gustav doch nicht leben!
Aber das Essen war dennoch Nebensache. Jeanne ging in Gustav auf. Gustav in Jeanne. Sie konnten stundenlang nebeneinander sitzen, ohne ein Wort miteinander zu sprechen. Das Bewußtsein, daß sie zusammen, daß sie allein zusammen waren, genügte ihnen.
Tagelang betraten sie überhaupt nicht das „Festland"; Das Wort „Festland" wirkte schon wie ein Zauber auf fiel Sie waren für sich . . . fern vom Getriebe der Menschen... fern von der Welt ... in ungestörtem Frieden, vollkommenster Ruhe. . .
Gegen Abend warfen sie manchmal die Angeln aut. Und wenn Jeanne oder ihr Mann ein Fischlein am Köder zvppeln sahen, so gerieten sie darüber in so große Aufregung, wie sie nur ein Jäger emvfinden kann, der in den Dschungeln auf Raubtiere lauert. Im übrigen verging dem Paar die Zett in zärtlichstem Nichtstun.
Eines Nachts fuhr Jeanne erschreckt aus dem Schlafe