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General-Anzeiger

Aintlilhes Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die fLnfgespaltelu Petitzeil« oder deren Raum M Pfg, im Nülameateil die Zeil« 3b Pfg.

Berauteooetl. Nedakreur: S. Schoeck«, i* Heman,

Nr. 252 fe __

Fernsprechanschlusj Nr. 605

Montag den 28. Oktober

Fernspr-chanschlutz Nr. 605. 1907

Amtliches.

Oan äKreis Ran au.

BtklNNitimchiiHtii des Sönijli^tn SnnbratSamtS.

Der telegraphische Wettervorhersagedienst der Wetterdienst­stelle zu Weilburg ist mit dem 30. September d. Js. ge­schlossen worden. Die Wetterdienststelle wird indessen auch «ährend deS Winters Wettervorhersagen fortlaufend aufstellen.

Die telegraphische Uebermittelung der unter Benutzung der Schlüssels abgefaßten Vorhersagen, sowie der Bezug der täglich erscheinenden Wetterkarten des öffentlichen Wetter­dienstes kann auch während der Wintermonate gegen Ent­richtung mäßiger Gebühren bei den Postanstalten bestellt werden.

Hanau den 21. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

V 10227 v. Beckerath.

Unter den Schweinen zu Kilianstädten ist die Schweine- seuche erloschen.

Hanau den 25. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

V 10802 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Politische Rundschau.

3"m Besuche des Kaiserpaares in England nnb Holland. Berlin, 26. Oktbr. Den Kaiser wird, wie dieKreuzztg." hört, auf der Englandreise der Gesandte in Darmstadt Dr. Frhr. v. Jenisch als Vertreter des Aus­wärtigen Amts begleiten. DemB. T." wird an- London gemeldet: Bei seiner Ankunft in Portsmouth wird das deutsche Kaiserpaar vom Prinzen von Wales empfangen werden. Große Flottenvorbereilungen werden getroffen. Admiral Lord Beresford wird mit einer imposanten Flotte non 14 Schlachtschiffen erster Klasse und 4 gepanzerten Kreuzern, mit dem ersten Kreuzergeschwader und 24 Torpe­dobootszerstörern, vielleicht auch mit dem zweiten Kreuzerge­schwader dem Kaiserpaar den ersten Gruß Englands ent­bieten. Die großen Schlachtschiffe werden in zwei Reihen Aufstellung nehmen. Die Zerstörer werden eine dritte Linie nach der Küste zu bilden. DieHohenzollern" wird diese Linien passieren. Der Salut wird von den Landverteidigungs- werken gefeuert werden. Während der Anwesenheit des Kaiserpaarcs auf Schloß Windsor am 14. und 16. Novbr. werden Theatervorstellungen stattfinden. Das deutsche Kaiserpaar wird Haag am 21. November nicht besuchen,

Feuilleton.

II. Wissenschaftliche Sitzung der Sencken- bergischen Naturforschende,e Gesellschaft.

Frankfurt a. M., 26. Oktober.

Vorsitzender Direktor Professor Dr. August Knob­lauch.

Der zweite Vortrag, für den sich ein besonders lebhaftes Interesse voraussehen ließ, fand in dem schmucken Festsaal des neuen Museums statt. Der lichte, hohe Saal, der etwas geräumiger als der große Hörsaal ist und für etwa 320 Personen Raum bietet, mar dicht besetzt. Er ist dem Stil oer Fassade und des Treppenhauses entsprechend im Frank­furter Barock gehalten und mit seinen mächtigen, die Decke

Pilastern aus Marmor und Stuckmarmor, mit seinem Podium, den geschmackvollen Türen und Stühlen aus Rüstern- yolz von vornehmer Einfachheit. An einer Längswand des fenaleâ finb auf Konsolen die Marmorbüsten des Grafen Ka rl A ug u st Bose und der Gräfin Luise Bose geb. ® Reiche nbach-Lessonitz aufgestellt.

Mrt einem pietätvollen Hinweis auf die großen Verdienste ^' Gräfin Bose um die Senckenbergische Gesellschaft eröffnet der Vorsitzende die Sitzung. Gräfin Luise Bose hat durch ihre 1880 errichtete, ausschließlich Unterrichts- und wissenschaftlichen Zwecken dienende, groß- artige Stiftung die materielle Grundlage für den gewaltigen Aufschwung geschaffen, den die Gesellschaft in dem ver­gangenen Vierteljahrhundert genommen hat. Die edle, für Naturforschung begeisterte Frau, hat es der Sencken- krgischen Gesellschaft zur Pflicht gemacht, ihrer Stiftung, wie es m demTestament heißt,die größtmöglichste Publi- L1 1 ,)U geben, damit ihr leuchtendes Vorbild Nacheiferung ande bei allen. denen es ein gütiges Geschick oergSuat hat.

sondern am 20. November abends von Amsterdam direkt nach Deutschland reisen.

Beisetzung. Samstag nachmittag fand im Schlosse Monrepos die Beisetzung des Fürsten zu Wied statt. Zur Beisetzungsfeier waren erschienen die Königin von Rumänien, Prinz Eitel-Friedrich als Vertreter des Kaisers, der König von Württemberg, der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, der Fürst von Hohenzollern und Prinz Heinrich der Niederlande. Nach Beendigung der Trauerrede hoben fürst­liche Jäger den Sarg auf den Leichenwagen, dann setzte sich der Leichenzug nach dem Friedhofe in Bewegung. Hinter dem Leichenivagen folgten die Allerhöchsten und höchsten Leid­tragenden, dann die Vertreter souveräner und standesherr- licher Häuser, Vertreter der Staats- und Kommunalbehörden, Deputationen von Offizierkorps, fürstliche Abgeordnete usw. Am Grabe sang der Seminarchor den Choral:Selig sind die Toten". Dann folgte die Einsegnung durch die Geist­lichkeit, das Schlußgebet und der Segen.

Die Abschiedsfeierlichkeiten für den Fürsten Hohenlohe. Aus Straßburg, 25. Oktober, wird ge­schrieben : In schöner Steigerung der Gefühle der Dankbar­keit und Anhänglichkeit reiht sich Abschied an Abschied für den kaiserlichen Staathalter. Nachdem der Fürst am Mitt­woch sich von den höheren Beamten des Landes unter den herzlichsten Worten des Dankes für die ihm erwiesene Liebe und Treue verabschiedet hatte, Worte, die ein gleich warm­herziges Echo in der Erwiderung de? Staatssekretärs v. Köller fanden, vereinigte am Abend des Tages ein Festmahl im Roten Hause" die Spitzen der bürgerlichen und militärischen Behörden des Reichslandes. Auch dort wurden dem schei­denden Statthalter die herzlichsten Huldigungen dargebracht. Den schönsten Ausdruck der Empfindungen beim Scheiden des Fürsten bot aber der gestern von 157 Vereinen ver­anstaltete Fackelzug mit anschließender Serenade. Aus allen Kreisen der Bevölkerung war die Teilnahme außerordentlich groß, und die Feier trug einen herzlichen Charakter durch die an den Fürsten gerichteten Worte des Vorsitzenden des Elsaß-Lothringischen Sängerbundes, Rechtsanwalts Dr. Zenner, und die Erwiderung des Fürsten. Hier fehlte jede Phrase, es kam nur das warme Gefühl zum Ausdruck, des Puls­schlags einer Stunde, in der eine Epoche der reichsländischen Geschichte abschließt, die durch ruhige Fortentwicklung gegen­seitiges Verständnis zwischen Volk und Fürst gekennzeichnet ist. In der Ansprache betonte Dr. Zenner besonders die gerechte, wohlwollende Negierung des Fürsten, die Schonung berechtigter Eigenarten des eisaß - lothringischen Volkes und die pietätvolle Achtung alter Erinnerungen. In bewegten Worten drückte der Statthalter seinen Dank aus, der sich dahin zusammenfassen läßt: Möge der Samen, den ich aus­

über den Kreis ihrer Familie hinaus segnend und fördernd zu wirken. Das Andenken an diese hochherzige Frau wird für alle Zeiten in Ehren bleiben.

Der Vorsitzende begrüßt sodann mit herzlichen Worten Dr. Fritz S a r a s in aus Basel, der seit 1898 der Sencken- bergischen Natursorschenden Gesellschaft als korrespondierendes Mitglied augehört. In Gemeinschaft mit seinem Vetter Dr. Paul S a r a s i n hat der Vortragende durch seine wiederholten Forschungsreisen in Ostasien wesentlich zur Er­schließung der Fauna der Insel Celebes und ihrer tier­geographischen Stellung im indo-australischen Faunengebiet beigetragen und namentlich durch den gelungenen Nachweis einer alten Steinzeit in den Höhlen von Ceylon und Celebes der Wissenschaft hochbedeutsame Aufschlüsse über die Urbevöl­kerung dieser Inseln gebracht.

Hierauf spricht Dr. Fritz S a r a s i n über

Die niedersten Mcn schenforme n des süd­östlichen Asien s."

In den Urwäldern des tropischen Asiens leben Trümmer primitiver, zurückgedrängter und aussterbender Völkerschaften, Ueberreste einer alten Menschenschichte. Am längsten bekannt sind davon die Wed da von Ceylon und einige vorder­indische Stämme. Zu dieser weddaischen Urschichte gehören aber auch die S e n o i im Innern von Malakka und die Toüle von CelebeS. Des weiteren sind auf Sumatra, Banka, Borneo und auf vielen anderen Inseln solche Stamm­reste nachweisbar, nicht minder in großen Gebieten Hinter- indiens. Sie bilden somit einen dünnen, vielfach zerrissenen Schleier über ungeheure Gebiete hin.

An der Hand von Bildern werden hierauf die gemein­samen körperlichen Eigenschaften der Wedda, Senoi und Toâla erläutert und unter vielem anderen namhaft gemacht der kleine Körperivuchs, die dunkle Hautfarbe, das wellige, buschige Haar, die breite Gesichtsform, die tiefliegenden Augen, die breite Nase, die dick geschwollene Lippenpartie, das fliehende Kinn und die primitive Fubbildung. Auch einige

zustreuen versucht habe, aufgehen, möge das Land, aus dem ich so schwer scheide, blühen und gedeihen. Hoch Elsaß- Lothringen ! An die Serenade schloß sich ein Empfang der Vereinsvorstände durch den Fürsten, dem die Bewegung der Stunde sichtbar ans Herz gegriffen hat.

Deutsch-Südwefiafrika. Wie dem Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft aus Windhuk telegraphiert wurde, hat dort am 20. Oktober die Grundsteinlegung deS Elisabeth-Hauses (WöchnerinnenheimS) stattgefunden. Wie dieDeutsche Kolonial-Zeitung" von unterrichteter Seite er­fährt , hat die Liebig Company in Südwestafrika große Ländereien käuflich erworben, um dort Betriebe zur Erzeugung des bekannten Fleischextraktes zu schaffen. Man kann das nur mit großer Freude begrüßen und die Farmer beglück­wünschen, daß sich ihnen im Land selbst eine solche Abnahme­quelle für ihr Vieh öffnet.

Wahlrechtsreform für den oldenburgischen Landtag. Die Regierungsvorlage, die den Landtags- abgeordneten zugegangen ist, enthält die Einführung deS all­gemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts für den oldenburgischen Landtag. Wahlfähig und wählbar wird künftig jeder Reichsangehörige, der 25 Jahre ist, sein. Be­dingung ist jedoch, daß er drei Jahre lang im Großherzog­tum seinen Wohnsitz gehabt hat. Die oldenburgische Staats­angehörigkeit ist nicht mehr Bedingung. Auch den nicht selbständigen männlichen Personen, die bei ihrem Arbeitgeber Wohnung und Beköstigung haben, soll das Wahlrecht zu­erkannt werden. Die Wahlperiode wird von drei auf fünf Jahre verlängert und die Zahl der Wahlkreise auf 18 ver­mehrt. In jedem Wahlkreise kommt auf je 10000 Ein­wohner ein Abgeordneter, so daß fünftig statt 40 44 Abge­ordnete zu wählen sein werden. Ferner ist den Abgeordneten der Entwurf eines Berggesetzes zugegangen.

Anstedlungsmöglichkeit. Um dem von Jahr za Jahr mehr drohenden Arbeitermangel auf dem platten Lande und der dadurch bedingten unerwünschten Heranziehung russischer und polnischer Arbeiter zu begegnen, beabsichtigt die mecklenburgische Regierung, einen Fonds von 2 Millionen Mark zu begründen, aus welchem einheimischen Arbeitern in weitgehendstem Maße Darlehen gewährt werden sollen, um deren Anfiedlungsmöglichkeit besonders in der Ritterschaft tatkräftig zu fördern.

Das französische Flottenprogramm. Der höhere Marinerat hat in seiner letzten Tagung das Flottenprogramm erörtert, welches der Marinemiuister der Kammer vorlegen wird. Es handelt sich den Blättern zufolge hauptsächlich um die in den Jahren 1909 bis 1910 zu erbauenden Panzer­schiffe. Im Jahre 1909 soll der Bau von sechs Panzer­schiffen von je 20 bis 21 000 Tonnen in Angriff genommen

gemeinsame Merkmale am Skelett werden erörtert, nach denen diese drei Stämme als nahe miteinander verwandte, zartgebaute Wildformen des Menschen erscheinen.

Ferner zeigt die Ergologie der drei Stämme weitgehende Uebereinstimmungen im Denken und in der Lebensweise. Die von Kultur noch unberührten Reste find nomadisierende Jäger ohne Ackerbau und ohne Haustiere außer dem Hund, in Höhlen oder unter primitiven Hütten (Schutzschirmen), auch wohl ganz im Freien übernachtend. Die Kleidung ist eine Schamschürze aus Baststoff, eingetauschtem Tuch oder auch aus buschigen Zweigen. Nahrung liefert die Jagd und das Sammeln von Waldprodukten. Metalltechnik, Töpferei und andere Künste fehlen. Die Stammesorganisation ist patriarchalisch, ohne titulierte Häuptlinge. Dabei sind sie monogam, ehrlich, zufrieden mit ihrer einfachen Existenz, fremdenscheu und stolz auf ihre Eigenart. Mit den hoher stehenden, sie umgebenden Völkern, treiben sie häufig einen geheimen Tauschhandel, wobei sich die beiden Parteien nicht zu Gesicht bekommen. Die Leichen blieben ursprünglich ein* .fach am Todesorte unbestattet liegen, was heute wohl nirgends mehr geschieht. Religiöse Vorstellungen sind nur sehr wenig entwickelt und die Kenntnisse naturgemäß gering; viele können nur auf eins zählen usw.

Hierauf wird ein Blick nach Australien geworfen, dessen Ureinwohner gleichfalls als aus einer weddaartigen, wellig- haarigen Urschichte entwickelt und eigenartig ungeprägt ange­sehen werden kann.

Neben der weddaischen Urbevölkerungsschichte besitzt Südostasten noch eine zweite mit wolligem oder Neger­haar, deren vornehmste Vertreter die Bewohner der Andaman- Jnseln, die S e m a n g von Malakka und die N e g r i t o der Philippinen sind. Auch diese Völkertrümmer verbindet ein enges körperliches und ergologisches Band.

Die ungeheuer weite Verbreitung der weddaischen und der negritischen Urschichte setzt ein sehr hohes Alter dieser Stämme voraus, da ihre Wanderungen sich sicherlich lang-