vezagSprettr
ÄwWiä^tlU 1,80 Mk^ monatlich 60 Pfg-, für ai* wertige Abonnenten mit dem betreffenden Postauffchlsg, Sie einzelne Stummer kostet 10 Pf-.
Eiarück««gsgedü-r
WotationSdruck und Verlag der Buchdruckerei bei oerri». es. köarseuHauses in Hemau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sinn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die [Aas gespaltene Petitzeile oder deren Raa s 80 Pla im Sküamcateü die Zeile 36 Pfg.
verantwort!. Rü>aLeur: V. Schrecker w Hau«.
Mk. 121 Fernsprechauschlich Nr. 605.
Montag den 27. Mai
Nernsprechanschlus; Nr. 605. 1907
a
Amtliches.
Stadt- und Eandkreis Fjanau.
Am Mittwoch den 29. d. Mts.^ von 12 bis 1 Uhr mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Hanau den 25. Mai 1907.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
P 4370 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Eandkreis Fjanau.
MmimchiW» des Königlichen Lnnörntsanits.
An der Königlichen Kunstschule zu Berlin findet in der Zeit vom 29. Juli bis 24. August für Lehrer an Volksschulen und Mittelschulen ein Kursus für leichte Holzarbeit in Verbindung mit Linearzeichnen nach der Frenkel'schen Methode statt.
Ferner wird vom 29. Juli bis 24. August inDüssel- dorf ein Zeichenkursus für Volks- und Mittelschullehrer abgehalten.
Der Herr Minister hat sich bereit erklärt, den Teilnehmern an dem Kursus in Berlin zu den Kosten des Aufenthalts eine Beihilfe von 120 Mk. zu bewilligen und ihnen den (Preis der Fahrkarte III. Klasse für die Hin- und Herreise zu erstatten, ferner den Teilnehmern an dem Kursus in Düsseldorf im Bedarfsfälle eine Beihilfe von 60 Mk. und den Preis der Fahrkarte zu bewilligen.
Die Kosten der Stellvertretung haben die Teilnehmer selbst zu übernehmen.
Diejenigen Lehrer an öffentlichen Volksschulen des Landkreises, welche an einem der Kurse teilzunehmen beabsichtigen, wollen ihre Anträge durch die Hand der Herren Ortsschulinspektoren bis zum 3. Juni bei mir vorlegen. Dem Anträge ist eine schriftliche Erklärung beizusügen, wonach Antragsteller bereit ist, unter den erwähnten Bedingungen an dem Kursus teilzunehmen, auch ist die Höhe der Kosten der Fahrkarte auzugeben.
Hanau den 25. Mai 1907.
Der Königliche Landrat.
V 3713 v. Beckerath.
Die Herren Bürgermeister erinnere ich an meine Verfügung vom 10. 5. 05 — A 2146 — nach welcher am 1. Juni der Bestand des Rindviehs festzustellen ist. Die vorgeschriebene Nachweisung ist bis spätestens den 20. Juni einzureichen.
Hanau, 25. Mai 1907.
Der Königliche Landrat.
A 2437 v. Becker a th.
Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen im Regierungsbezirk Wiesbaden die weiteren Nummern 2601 bis 3200 überwiesen.
Hanau den 24. Mai 1907.
Der Königliche Landrat.
J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 27. Mai.
* Sprechstunde des Gewerbeinspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Mittwoch den 29. d. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
* Ferienkolonie. Der Vorstand teilt uns mit, daß noch eine beschränkte Anzahl Kinder am 1. September nach Orb verbracht werden soll. Die Anmeldungen haben bis zum 31. Mai zu erfolgen. — Nächsten Samstag den 1. Juni, mittags halb 12 Uhr erfolgt die Abreise der zum Junikursus angemeldeten kranken Kinder in die Kinderheilanstalt Orb. Dieselben haben sich jedoch zwecks Verlesens u. s. f. eine Stunde vorher am Ostbahnhofe einzufinden und die ärztliche Bescheinigung, daß das Kind an keiner ansteckenden Krankheit leidet, mit der Unterschrift des Vaters versehen, dem die Kinder begleitenden Vorstandsmitgliede, Herrn Lehrer Hebebrand, einzuhändigen. Ohne diese Bescheinigung müßte das Kind von der Aufnahme in die Anstalt ausgeschlossen werden.
* Der Kontraktbruch ländlicher ausländischer Arbeiter. In der vorgestrigen Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hanau wurde durch Herrn Domänenpächter K ü m m e l -Rüdigheimerhof die Frage der Bekämpfung des Kontraktbruches ausländischer Arbeiter angeregt. Zweifellos gehört diese Angelegenheit nHt zu den brennendsten Fragen des landwirtschaftlichen Betriebes. Der landwirtschaftliche Kreisverein beschloß, an die Landwirtschaftskammer eine Eingabe zu richten, mit dem Ersuchen, es möge darauf hingewirkt werden, durch reichsgesetzliche Regelung dem Kontraktbruche ausländischer ländlicher Arbeiter vorzubeugen.
* Zwangsweiser Sommerurlaub für Hand- lungshülsen wird wieder einmal von verschiedenen Seiten gefordert. Eine solche Forderung kehrt gewöhnlich wieder, wenn irgendein pflichtvergessener Angestellter eine Unterschlagung begangen hat, deren Entdeckung er durch übereifrige Arbeit und Vermeidung jeden Urlaubs zu verhindern suchte. So wahr es in einzelnen Fällen sein mag, schreibt uns der Verband Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig, daß eine zeitweilige Entfernung von seinem Posten einen solchen Menschen eher dem Strafrichter überliefern würde, so sehr müssen sich doch die ehrlichen, pflichtbewußten Handlungsgehülfen dafür bedanken, daß aus solchen Gründen Sommerurlaub gewährt werde. Der Urlaub soll nicht etwa nur eine bessere Kontrolle ermöglichen, er soll vor allem dem würdigen und arbeitsamen Mitarbeiter eine Erholung sein, ihm frische Kraft verleihen, den Lebensmut heben und seine Gesundheit kräftigen. Glücklicherweise wird aus diesem Grunde schon vielfach den Handlungsgehülfen Sommerurlaub erteilt, und die Prinzipale, die bisher sich zu solchem Entgegenkommen noch nicht bereit zeigten, dürfte der Hinweis auf die guten Erfahrungen, die in dieser Beziehung alle anderen Firmen machten, gewiß zur Einführung eines Sommerurlaubs veranlassen.
* Schmarotzer. Daß sich an Bäumen Moos ansetzt, ist ein Anblick, an den das Auge gewöhnt ist, weil man es allerwärts und jederzeit sehen kann. Daß sich aber größere Gebilde der Vegetation als Schmarotzer an dem gedeckten Tisch der Bäume breit machen und es dort selbst zur Blüte bringen, dürfte doch seltener so ausgiebig zu sehen sein, wie auf den Weiden zwischen Zollhaus und Ruderhaus am Mainkanal. Dort sieht man außer Gras die Brennessel, den Löwenzahn, das Schöllkraut in üppigen Exemplaren und nicht zu knapper Zahl seine Blüten treiben. Während ein Buchenzweig scheinbar ein weniger speckiges Fortkommen findet, machen sich H ol lunde rbüsche ihrem Gastgeber sehr aufdringlich und tritt deren einer nächstens in Blüte. Naturfreunde werden vor einem solchen „Nassauer" den Hut ziehen müssen und beim Anblick über analoge Verhältnisse unter den Menschen philosophische Betrachtungen anstellen.
* Silberne Hochzeit feiern heute Herr Ernst Nohl und Frau, Gärtnerstraße 44,
* Jubiläum. Mittwoch den 29. d. M. kann der in weiten Kreisen bekannte Herr Christian Schuckhardt als Oberkutscher bei der Firma Jean Goebel (Inhaber Carl Farr) hier, auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken.
* Im Deutschen Hause gibt nächsten Donnerstag das Trompeterkorps des Husaren-Regiments Nr. 13 (König Humbert von Italien) aus Diedenhofeu ein großes Konzert, worauf wir schon jetzt Hinweisen wollen.
* Raupenfraß. In den hiesigen Waldungen tritt in diesem Jahre wieder der Eichenspinner verheerend auf. Besonders im Wilhelmsbader und Hochstädter Walde wie auch in der Bulau sind die Eichenbestände kahl gefressen und ein ununterbrochenes Rieseln verrät dem Beobachter die unausgesetzte Zerstörungstätigkeit des gefräßigen Ungeziefers.
* Ertränkt hat sich am Samstag in dem „Franzosenloch" benannten Sumpfe in der Oberförsterei Neuhof eine hiesige 24 Jahre alte Lageristin. Die Leiche konnte bis jetzt noch nicht gelandet werden. Der Fall ist als ein recht betrübender und tragischer zu bezeichnen. Seit einigen Jahren war das Mädchen mit einem jungen Manne verlobt, der jetzt in Frankfurt bei der Schutzmannschaft angestellt ist und im Begriffe steht, sich mit einem andern Mädchen zu verheiraten. Angeblich sollen verschiedene Handlungen des früheren Verlobten das Mädchen in eine nervöse Stimmung versetzt haben, in der wohl der eingangs erwähnte Schritt unternommen worden ist.
* Rättberleben. Drei etwa 16jährige Burschen wurden gestern früh festgenommcn, die sich in der Bulau eine Höhle ausgegraben hatten, um in dieser ein Räuberleben führen zu können. Die Höhle war schon mit allen möglichen nützlichen Gegenständen versehen worden. Die in den letzten Nächten ausgeführten Einbrüche in Baubuden fallen auf das Konto dieser jugendlichen Höhlenbewohner. Ein Feldschütz hatte
ihr Treiben beobachtet und Anzeige erstattet, worauf gestern früh die Aushebung erfolgte.
* Kellerfest. Bei günstiger Witterung wird morgen abend auf der „Schönen Aussicht" Kellerfest abgehalten, wobei die Ulanenkapelle konzertiert. Die tanzlustige Jugeud wird am Schluß Gelegenheit haben, noch ein bischen zu „walzen".
* Von der Messe. Das mechanische Variötö» Theater Schicht! übte gestern eine große Zugkraft aus. Das Programm ist ein äußerst abwechslungsvolles und interessantes, ein Besuch daher sehr zu empfehlen. — Der Kinematograph hatte bei jeder Vorstellung einen zahlreichen Besuch aufzuweisen.
* Gefesselt wird Auge und Ohr der Meßbesucher von dem zu Hirdt's Kinematograph gehörigen Orchestrion, das in seinen Darbietungen Beweis gibt von den großen Fortschritten auf dem Gebiete der mechanischen Musik. Auch die äußere figürliche Ausstattung derselben zeugt von dem guten Geschmack der Weltfirma Ä. Ruth & Sohn in Waldkirch. Wie wir hören, kostet dasselbe 14 000 Mk. und der Wagen dazu 3000 Mk.
* Eine diebische Elster. Das Dienstmädchen S ch e i b e r t von Neuenschmitten wurde im Herbst v. I. von der Inhaberin eines Silberwaren-Verkaufsgeschäftes hier in Dienst genommen. Während des Winters besuchte die Holde die Tanzstunde und versah ihren Dienst recht oberflächlich. Nach und nach bemerkte die Dienstherrin den Verlust von allerlei Kleidungsstücken, von denen sie vermutete, daß niemand anders als ihr dienstbarer Geist sie entwendet haben könnte. Auf energisches Vorhalten und Drohen mit der Polizei schaffte die Diebin die Kleidungsstücke herbei, was sich aber nachher herausstellte, dagegen erwies sich das Eskamotieren der paar Kleidungsstücke als die reine Bagatelle. Als man nämlich ihren Koffer durchsuchte, fand es sich, daß sie gestohlen hatte wie eine Rabe. Eine ganze Menge Gold- und Silberwaren waren von ihr nach und nach aus dem Ladengeschäft entwendet und bei Seite geschafft worden, u. a. auch zu ihrer ebenfalls hier dienenden Schwester, die dadurch in einen bösen Verdacht geriet, später aber ihre Unschuld beweisen konnte. Es waren für 1500 Mark Waren, die bei der Diebin beschlagnahmt wurden, daneben deuten noch Einlagen in ihrem Sparkassenbuch darauf hin, daß sie auch Verkäufe gemacht hat, doch meint der Verteidiger, daß sie damit wohl wenig Glück gehabt hätte, falls sie es probiert haben würde. Selbst die Biergläser, in denen sie ihrer Dienstherrin Bier geholt hatte, gab sie nicht, wie ihr aufgegeben wurde, an den Wirt zurück, sondern ließ sie in ihrem Koffer verschwinden. Heute war die Angeklagte vor der Strafkammer sehr zerknirscht und brach in heftiges Weinen aus, als der Staatsanwalt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis beantragte. Das Gericht sah die Sache wegen der Jugend der Angeklagten etwas milder an und erkannte auf 8 Monate 2 Wochen Gefängnis.
•
* Marköbel, 27. Mai. (Waldfe st.) Unter freundlicher Mitwirkung des Gesangvereins „Frohsinn" hatte gestern der hiesige Kriegerverein ein Waldfest arrangiert, dessen Verlauf bei allseitiger Beteiligung ein sehr gemütlicher war. Ein echt kameradschaftlicher Geist beseelte die Teilnehmer und machte die kleine Feier im frischen Maiengrün M Wald's zu einer fröhlichen und animierten.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Dien st stelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 27. Mai bis zum nächsten Abend.
Morgen vielfach heiter, nur strichweise Gewitter. Etwa* kühler.
u _____ . . - - -
G-rechsaal^
An der Nordstraße, vor der jetzigen Zigarrenfabrik Kehl & Gustine, befand sich seit Menschengedenken eine Stätte, an der die Fuhrwerksbesitzer in Zeiten sommerlicher Hitze ihre Pferde durch einen kurzen Ritt, church ein Einlenken mit dem Fuhrwerk erquicken konnten. Seit ein paar Tagen ist diese Stelle des Stadtgrabens mit einem Zaun versehen, also zugenagelt worden, was in den Kreisen der Interessenten, also der kleineren und größeren Fuhrwerksbesitzer und Pferdehalter recht unangenehm berührt. Würde sich nicht eine gemeinsame Eingabe an die städtische Behörde ermöglichen lassen? Ein Interessent.