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General-Anzeiger
Amtliches Organ für $UM* uni FaMreis Zana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der 2»nn- und Feiertage. mit belletristischer Beilage.
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BeruntywrtL Redakteur:
Ml. 73 F«r»!prccha»schl»b Nr. 605
Mittwoch den 27. Mörz
Wernsprechanschluf; Nr. 605. 1907
Ne heitWÜliiiiimer Mfoiit Mr S.UnterhMnBllti 14 Seiten.
^LNiti.Mes.
Eandkreis F)anau.
VkkiniülmMmigci! des Kötli-Ilchtti SanirafSamtS.
In Niederdorfelden ist die Schweineseuche ausgebrochen.
Die Gehöftssperre ist angeordnet.
Hanau den 25. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 2021 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
In Langendiebach ist die Schweine seuche ausgebrochen. Die Gehoflssperre ist angeordnet.
Hanau den 25. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 2076 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
' I In Kilianstädten ist die Schweineseuche erloschen.
Die Gehöits'perre ist aufgehoben.
Hanau den 25. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 2095 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kleiderhändlers L'onis Gertenbach in Hanau ist zur Abnahme ^ . der von dem Verwalter gelegten Schlußrechnung und Anhörung der Gläubiger über die für den Verwalter festzu- (etzeude Vergütung Termin aus den
12. April 1907, vormittags it1/» Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte 5, Hanau, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5, bestimmt.
Hanau den 26. März 1907.
Der Gerichtssckreiber 6679 des Königlichen Amtsgerichts 5. __
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung
die Hundesteuer-Veranlagung betr.
Anläßlich der bevorstehenden Hundesteuer-Veranlagung für das Rechnungsjahr 1907 werden alle Hundebesitzer, deren Hunde noch nicht versteuert sind, aufgefordert, dieselben zur Meldung von Weiterungen und Strafen möglichst bald beider S t e u erv e r w a l t u n g zur Steuer anzumelden.
Wer einen bisher versteuerten Hund bis Ende März d. I. abgeschafft und die Abschaffung noch nicht angezeigt hat, wolle diese Anzeige längstens bis zum 15. April d. J. nachholen, andernfalls er zur Fortentrichtnng der Hundesteuer für das kommende Halbjahr verpflichtet ist.
Hanau den 22. März 1907.
Der Magistrat.
Bode. 6708
Gefundene und verlorene Gegenstönde rc.
Gefunden: 1 weiße Halskrause, Einreiher und 1 kleine Haarspange, 1 altes rotes Portemonnaie mit einigen Pfennigen, 1 Kaiser-Wsthelm-Erinnerungs-Medaille, 1 schwarzer Herren-Schirm (auf der Leih bank stehen geblieben, Empfangnahme daselbst), 1 gehäkelte weiße Decke, 1 Regenschirm, 1 weiße Damen-Unterbose, 1 brauner Schmeck von einem Boa, 1 altes Taschenmesser mit Perlmutterschalen, 1 silberne Zylinder-Herren-Uhr.
Verloren: 1 rot- und blaugewürfelte Decke (zum Zudecken einer Bäckermahne), 1 schwarzes Damenporte- monnaie mit Inhalt, 1 länglich braunes Portemonnaie mit 78 Pfg., 1 Iltis-Pelz.
Abhanden gekommen: 1 Mülleimer.
Zugelaufen: 1 braungrauer Spitz, 1 gelb und weißer Stallhase.
Entlaufen: 1 grauer Pinscher.
Hanau den 27. März 1907.
Hus Ranau Stadt und Eand.
Hanau 27. März.
* Stadttheater. Ein genußreicher Theaterabend wird morgen durch die AuMbruna des hier so überaus beliebten
Raupachfchen Schauspiels „Die Schule des Lebens" bevorstehen. Von Ernst Raupochs Werken sind „Der Müller und sein Kind", „Die Royalisten", besonders aber sein Schauspiel „Die Schule des Lebens" stets gerngesehene Repertoirstücke aller Bühnen. Ausgestaltet mit wirkungsvollen dramatischen Szen"n und einer spannenden Handlung, offenbart das letztere Stück manche gute Lebensweisheit und fesselt den Hörer bis zum Schluß. Bei vortrefflicher Inszenierung durch Herrn Hauser und vorzüglicher Besetzung wird es einen genußreichen Abend bieten. Die Hauptrollen sind vertreten durch die Herren: Kempf, Hauser, Müller, Gehrmann, Nygrin, Hop- kirk und Heidemann, sowie durch die Damen : M a c - donald, Holm, Reinhardt und I a i d a. — Der Reinertrag dieser Vorstellung ist für den langjährigen Ka'fierer Herrn Kempf-Bamberger, sowie für sonstige Gratifikationen bestimmt.
* Turnerisches. Dem Kassenbericht, den der Geschäftsführer der Deutschen Turnerschaft, Stadtschulrat Prof. Dr. Rühl-Stettin, vor kurzem erstattete, entnehmen wir folgendes: Die Kasse hatte einschließlich des Barbestandes vom 1. Januar 1906 im Betrag von 12 042.20 Mk. eine Einnahme von 53 276.76 Mk., darunter an eingegangenen Steuern 32 276.75 Mk., an Zinsen 1885.20 Mk. und an Ertrag der „Deutschen Turnzeitung" 7029.11 Mk. Die Ausgaben betrugen 41 043.11 Mk., davon wurden an die Abgeordneten- und Kampfrichterkasse 6455.35 Mk. und an die Stiftung für Errichtung deutscher Turnstätten 9455.35 Mark abgeführt und 8912.75 Mk. in Wertpapieren angelegt. Es bleibt ein Barvorrat von 12 233 65 Mk. Die „Deutsche Turnzeitung" ergab eine Einnahme von 49 248 Mk. und eine Ausgabe von 42 218.89 Mk. Die Kasse für die Abgeordneten und Kampfrichter hat die Höhe von 27 076.06 Mark erreicht. Die Stiftung zur Errichtung deutscher Turnstätten beträgt nunmehr 80 2 34.7 9 Mk. Ihr floß der Ertrag der Sammlung von 21 152.88 Mk. zu, die atls Anlaß des 80. Geburtstages des Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, Dr. Götz-Leipzig, veranstaltet wurde. Ans ihr erhielten 27 Vereine Beiträge zu Turnhallebauleit mit insgesamt 9255 Mk. Die Kasse der Deutschen Turnerschaft besitzt ein Vermögen von 64 700.15 Mk.; das IahNmuieum in Freiburg a. d. U. hat einen Wert von 34 725.19 Mk. Als Gesamtvermögen ergibt sich am 1. Januar 1907 für die „Deutsche Turnerschaft" eine Summe von 209 037.16 Mk.
* Ehrenvoller Anstrag. Dem Kreisvertreter des 9. Kreises, Herrn Turninjpeklor S ch m u ck in Darmstadt, wurde der ehrenvolle Auftrag 31t teil, die Deutsche Tirrner- schaft bei dem Mitte Mai in Venedig flattfindenden 7. italienischen BnndeSrurnsest zu vertreten.
* Die Gesellenprüfung für das Bardier- und Friseurgewerbe soll Mute April stattfinden. Es wollen sich deshalb diejenigen Lehrlinge, welche sich der Prüfung unterziehen wollen, baldigst bei dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses K. Ganter, Friseur, Nürnbergerstraße 32, anmelden.
* Großes Miliiarkouzert. Am 1. Osterfeiertag abends findet im Saale deS „Deutschen Hauses" ein großes Militärkonzert statt, ausgeführt von der gesamten Kapelle des Thüringischen Ulanen Regiments Nr. 6, worauf wir besonders aufmerksam machen.
* Wahluschklänge vor Gericht. Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich gestern der Fabrikarbeiter Konrad Westphal in Oberissigheim zu verantworten unter der Beschuldigung der schweren Körperverletzung. Er geriet an einem Abend kurz vor der Rcichstagswahl auf dem Wege vom Bahnhof Bruchkokel nach seinem Heimatso-te mit einem Kollegen Zacharias Nickel über die bevorstehende Wahl in einen hitzigen Wortstreit, in dessen Verlaufe er bett Vater des Nickel als Anhänger der bürgerlichen Parteien unb als „Lncasbruder" bezeichnete. Der „Geschmähte" konnte natürlich den Vorwurf einer so ruchlosen Handlungsweise nicht auf seinem Vater sitzen lassen und ging zu Tätlichkeiten über. Man katzbalgte sich hin und her, doch ohne ernste Folgen. W. gab aber keine Ruhe und begann den Kampf von neuem. Ais ihm ein Bannrast, mit beut er auf seinen Gegner ein- dringen wollte, von Kollegen entrissen wurde, riß er eine Baumstütze heraus und versetzte dem N. damit einen Schlag über den Kopf, daß dieser bewußtlos zuiammenbrach. Einschließlich einer kürzlich in Offenbach gegen ihn erkanntet: 14tägigen Gefängnisstrafe 'diktierte das Gericht dem „schlagfertigen" Politiker sechs Monate Gefängnis.
* Der Ferertagskucken in Gefahr. Die in einer Lohnbewegung siebenden hiesigen Bäckergebilren fabelt in einer gestern abgehaltenen Versammlung beschlossen, heute das Gewerbegericht als Einigungsamt anzurufen, da die von den
Meistern gemachten Zugeständnisse als ungenügend angesehen werden. Falls vor dem Gewerbegericht keine befriedigende Einigung erfolgt, soll morgen in den Streik eingetreten werden. Die hauptsächlichsten Forderungen der Bäckergehilfen sind: Arbeitszeit 12 Stunden einschließlich einstündiger Parste, Mindestlohn 21 Mk., Gehilfen in verantwortlicher Stellung entsprechend mehr, und zwar für Teigmacher mindestens 3 Mk., für Schießer 5 Mk. pro Woche mehr, Ueber- ftunben sollen mit 50 Pfg. bezahlt werden, weiter wird ein Tarifabschluß bis zum 31. März 1909 verlangt. —> Der Bäckerverein „Frühauf" hat sich mit den organisierten Ge- . Hilfen solidarisch erklärt.
* Das 3. Volkskirchenkonzert in der Marienkirche findet am Karfreitag den 29. März, abends 8 Uhr statt, veranstaltet vom Marienkirchenchor unter Leitung seines Dirigenten, des Herrn Lehrers G. Wagner. Mitwirkende: Frau Elisabeth W 0 h l fa h rt-Hancni (Sopran), Fräulein L. Schlichter- Wiesbaden (Alt), Herr D. P a u l st i ch (Orgel). Dem Programm liegt der nachfolgende Gedankengang zugrunde: Gott hat in seiner allumfassenden Liebe den eingeborenen Sohn zum Sühnopfer für die Sünden der Menschheit bestimmt (1 u. 2). Sein schmachvolles Leiden (3) und qualvolles Sterben (4) erwecken im Menschen das reumütige Bekenntnis der eigenen Schuld (5 u. 6) und die demutsvolle Bitte um Erbarmen und Gnade. (7). „Sei stille dem Herrn" (8) und „Gib dich zufrieden" (9) läßt Gott den nach Trost Suchenden und Schuldbewußten zurufen. Die Klänge der Orgel lenken die Blicke der unter dem Kreuze Trauernden nach dem offenen Grabe (10) und der Chor verkündigt die Auferstehung des Gekreuzigten (11). Kraft seiner göttlichen Natur hat Jesus dem Tod die Macht genommen und das Erlösungswerk besiegelt. Der gläubige Christ gewinnt die frohe Zuversicht, daß auch er durch den Tod zum ewigen Leben eingehen wird (12).- Dankerfüllten Herzens beugen wir die Knie vor dem Auferstandenen mit der Bitte, sich auch unser in seiner unermeßlichen Liebe annehmen 31t wollen (13). Nun tritt uns Jesus als der gute Hirte entgegen (14a), der alle Menschen um ihrer Seligkeit willen zur Nachfolge einlädt und den Mühseligen und Beladenen Erquickung und Ruhe für ihre Seelen verspricht. Mit Freuden ergreift der sich nach Rettung sehnende Christ die ihm dargereichte Hand, verspricht dem Heiland gerne zu folgen (14b), ihn zu lieben (15) und seine Gegenliebe dadurch zu bezeugen, daß er sich ihm als Eigentum beständig- lich verschreibt.
* Eine Tuellaffäre vor dem Kriegsgericht. Gestern wurde vor dem Kriegsgericht der 21. Division aus Frankfurt im Saale des Gouvernemeutsgerichts zu Mainz die Duellaffäre, die sich am 25 Februar, vormittags 7 Uhr, im Festungsgraben am Fort Drums abspielte, verhandelt. Zu verantworten hatte sich Oberleutnant Friedrich Frank und Leutnant Rahlenbeck, beide vom Jnf.-Reg. Nr. 87, wegen Zweikampfs mit tödlichen Waffen (Pistolen), Hauptmann v. LangSdorff vom selben ^Regiment wegen Kartelltragens. I Als Zeugen waren anwesend mehrere Offiziere, Oberstabs- : arzt Dr. Klippstein, sowie ein im Hause des Oberleutnants Frank wohnhafter Kaserneninspektor, dessen Frau und Tochter, sowie eine andere im Hause wohnende Beamtenfrau. Von den Angeklagten wurde nur Leutnant Rahlenbeck durch Rechtsanwalt Dr. Probst verteidigt. Vor Eintritt in die Verhandlung wurde die Ocffentlicbkeit wegen Gefährdung militärdienstlicher Interessen ausgeschlossen. ' Die Verhand- ■ lung währte l’/z Stunden und wurden die Zeugen sofort nach ihrer Vernehmung entlassen. Nach kurzer Beratung wurde Leutnant Rahlenbeck zu 1 Jahr, Oberleutnant Frank zu 3 Monaten und Hauptmann v. Langsdorfs zu 1 Tag Festungshaft verurteilt. R. wurde sofort in Haft genommen. I — Die Ursache zum Duell war ein Verhältnis des R. zu der Frau des Oberleutnants F. Leutnant Ra' lenbeck wurde im Duell verletzt und erst vor einigen Tagen als geheilt aus i dem Lazarett entlassen. Die Frau des Oberleutnants hatte fiel) einige Tage vor dem Duell mit ihren zwei Kinbem zu ihrem Vater nach Berlin begeben.
i * Verworfene Neviston. An: 29. Oktober v. J. i wurde ein hiesiger Kaufmann durch die Hanauer Sttaf- i kämm er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er , unter dem nachweislich falschen Vorgeben, er habe einen ! Käufer für die Steine, dem früheren Weinhändler G. hier für 6000 Mk. Edelsteine entlockte, die dieser vom Kredit- verein erhoben hatte, wo sie verpfändet waren. Der Kaufmann machte die Steine zu Geld, verwendete dieses aber in seinem eigenen Interesse. Mit Mühe und Not nur sonnte | der Geprellte 1000 Mk. wieder erlangen. Der Rest ist bei der gänzlichen öermögcnèlofigTeit des Kaufmanns jedenfalls verloren. Die vom Verurteilten eingelegte Revision wurde ! gestern vom Reichsgericht verworseu, sodaß das Urteil nun- ' mehr rechtskräftig geworden ist.