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MtqtienSdruL und Verlag der Buchdruckerri dB wM

General-Mzeiger

KUtMts Grgllil für Stadt- und Landkreis Hanau.

EimücknngsgBÜyè»

Die füufgesprlteae Petttzeil« oder deren Naum ÄS W. im Neklamenteil die Arid SS Pf^

CK Waisenhauses in Hanam

Erscheint tägüch mit AuSrrahmß der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

Berantmorü. Nedrkteur: T. Schreiter in Hamm.

Nr. 249 Mernsprecha»kchl»h Nr. 605.

Donnerstag den 24. Oktober

^ernsprechanschltttz Nr. 605*

SB

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Das erneute Auftreten der Tollwut Bet Hunden in mehreren Kreisen des Regierungsbezirks Cassel und in den benachbarten Regierungsbezirken läßt die ernstliche Bekämpfung dieser die Gesundheit von Menschen und Tieren in hohem Vrade bedrohenden Krankheit erforderlich erscheinen.

Aus diesem Grunde mache ich wiederholt auf die Polizei- verordnung vom 5. Februar 1904 betreffend den Maulkorb­zwang für Hunde aufmerksam. Nach § 1 dieser Verord- tumg müssen Hunde der nachbenannten Rassen:

k Bernhardiner,

2. Doggen (deutsche, Ulmer, dänische Doggen und ihre Abarten),

3. Bullenbeißer und Bulldoggen,

4. Fleischerhunde jeder Art,

8. alle bissigen Hunde

sofern sie auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie an Orten, an denen Menschen zu verkehren pflegen, umherlaufen oder sich aufhalten, mit einem Maulkorb versehen sein, welcher öaS Beißen unmöglich macht. Dem Maulkorbzwang unter­liegen ferner Kreuzungen der unter Ziffer 13 aufgeführten Hunderassen sowie auch Ziehhunde, solange sie eingespannt sind.

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden bestraft.

Der Wafenmeister ist angewiesen, die Hunde, welche obigen Bestimmungen zuwider frei ohne Maulkorb umher- laufen und ebenso auch die herrenlos ohne Maulkorb umher- laufenden Hunde einzufangen. Die eingefangenen Hunde werden getötet, falls nicht innerhalb 5 Tagen gegen Erlegung deS Futtergeldes von 2 Mk. ihre Einlösung auf der Tammel­wasenmeisterei erfolgt.

Mit dem Hundefang wird spätestens drei Tage nach der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung begonnen werden.

Hanau den 15. Oktober 1907.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8846 v. Beckerath.

Bei einem im hiesigen Schlachthof geschlachteten Schweine des Fuhrunternehmers Kurz, Erbrnstraße 16 hier, wurde Rotlaufseuche festgestellt.

Ueber das Gehöft wurde die Sperre verhängt. Hanau den 23. Oktober 1907.

Königliche Polizeidirektkon.

P 9683 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor,

.......... . >» II

Feuilleton,

Der dritteliterarische Abend" I« Stadttheater.

Gettos Blumenboot" von Hermann Sudermann.)

---- Hanau, 23. Oktbr.

Es gehört seit einigen Jahrenzum guten Ton", sich an der Sudermannhetze möglichst aktiv zu beteiligen. Fast jeder literarische Grünschnabel glaubt sich seine ReeensenleN- sporen dadurch zu verdienen, daß er dem Dichter Hermann Sudermann, dessen Welterfolge in der Theatergeschichte bei­spiellos dastehen, dessen Hauptgestalten zu verkörpern in den 90er Jahren amLessing-" undDeutschen" Theater zN Berlin Agnes Sorma und Josef Kainz wetteiferten in einem Zusammenspiel, wie eS ein vollendeteres nie und nirgends gegeben hat, dessen mannhaftes Eintreten endlich für die freie Entwicklung der Kunst in allen gebildeten Kreisen rückhaltlos anerkannt wurde, daß er diesem Dichter möglichst derbe und plumpe Fußtritte versetzt. Mit Recht sprach Sudermann von derVerrohung der Theaterkritik" . . . Ueber die Gründe dieserSudermannhatz" will ich hier nicht reden... Mir ist der Dichter trotz mancher bedauerlichen Entgleisung und eine solche ist auch entschiedenDas Dlumenboot" immer lieb geblieben. Mir und auch wohl allen dar­stellenden Künstlern; denn nicht mit Unrecht äußerte einmal Agnes Sorma,baß Sudermann's Rollen verhältnismäßig leicht einzustudieren seien, und daß sie stets amüsierten " Langweilig" wird Sudermann nie. Auch nicht imBlumen­boot". Im Gegenteil, dasZwischenspiel" in diesem Schau­spiel ist geradezu köstlich. Mit Virtuosität zeichnet Suder­mann hier einige zum Packen lebenswahre Gestalten aus jener Welt, die für den Philister ewig mystisch bleibt, und für jeden Künstler dieVorrede zur Akademie, zum Hospital oderzurMorgue^tz". aus der Bohème. <, Und doch ist

Eandkreis Ran au.

Velmtmachmgeii des Achten Lrnidratsmts.

Zwecks Vermeidung nachträglicher Weiterungen und un- nöüger Kosten werden die Inhaber nicht konzessionspflichtiger gewerblicher, insbesondere auch handwerksmäßiger Betriebe wiederholt darauf hingewiesen, daß eS in ihrem eigenen Inter­esse liegt, bei Errichtung und Veränderung ihrer Anlagen die Gewerbeaufsichtsbeamten zu Rate zu ziehen, damit von vornherein alle diejenigen Einrichtungen vorgesehen werden können, die von dem Unternehmer zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit nach den Bestimmungen der §§ 120 a bis 120 d der Retchsge- Werbeordnung zu treffen sind.

Hanau den 18. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

V 9956 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Mit Berichterstattung auf meine Verfügung vom 30. März 1899, V 3243, betreffend Aufräumung der Flut-, EntwâsserungS- und Abzugsgräben ist noch eine Anzahl Bürgermeister und GutSvorsteher im Rückstände. Es wird daher an die Erledigung der genannten Verfügung mit lOifigiger Frist erinnert.

Hanau den 16. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat.

V 9953 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

*........- ------------------------------------- ".» ^Mi.^n

Handelsregister.

Firma: Metallgießerei, Modellier- it. Ziselier- Werikftâtte Jean Wagner.

Unter dieser Firma betreibt in Hanau der in Hanau wohnhafte Ziseleur und Modelleur Jean Wagner ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.

Hanau den 18. Oktober 1907.

Königliches Amtsgericht Abt. 5. 21837

Gefundene und verlorene Geoenstünde re.

Gefunden: 2 Päckchen graue Papierdüten, 1 Milch­kanne.

Verloren: 1 graue Pferdedecke (blau und rot ein­gefaßt), 1 silberner und 1 goldener Ehering (beide zusammen­gelötet), 1 Portemonnaie mit 10 einzelnen Markstücken, 1 schwarzer Damengürtel mit gelber Schnalle, 1 Porte­monnaie mit Monogramm & W. und 56 Mk. Inhalt.

Hanau den 24. Oktober 1907.

gerade dasZwischenspiel" der wundeste Punkt des G es a m t- dramaS, dessen Handlung es anstatt zu fördern nur aufhält . . . Man könnte es ganz gut für sich spielen . . . In dem Schauspiel selbst kehrt Sudermann zu seineralten Liebe", zu demBerliner Westen" zurück.Salonluft, in der sich ein Gewitter präpariert. . .. Männer, die Trottel sind undleben" und ihre Geschäfte durch tüchtigeProkuristen" besorgen lassen . , . Eine Frau, die Nietzsche gelesen und nicht verstanden hat, daher aberdas Recht auf Sünde" betont, vonHöhenmoral" faselt und, um sich als Millio­närin bei ihrenSeitensprüngen" von armseligen Plebejer­frauen zu unterscheiden, inBlumenbooten" dahingleitet... Und als diese würdige Baronin Erfflingen nicht mehr so recht mittun kann (von wegen hohen Alters"), dawendet sie sich", nicht wie viele ihresgleichenzur Tugend", nein, da schwelgt sie in lieben Erinnerungen und gibt sich Mühe, ihre beiden Töchter zu ihrer Lebensauffassung zu bringen. Die jüngste Tochter, die kaum dem Backfischalter entwachsene Thea, gleicht ihrer Mutter denn auch in vielem. Diese frivole junge Dameflirtet" â laNixchen" und lebt in steter Angst, daßihr etwas passiert" ; aus diesem Grunde allein sehnt sie sich nach der Ehe, in der sieohne Ge­fahr" sich gründlichauszuleben" gedenkt. Sie soll einen ehrenwerten, vornehm schlichten Offizier heiraten, findet aber dessenabgestandene Phrasen von der Heiligkeit der Ehe" durchaus nicht nach ihrem Geschmack und nimmt daher lieber ihren noch frivoleren Vetter, der ihr die ersten Elementar­lektionen in derLiebe" erteilt hat. . . . Ganz anders ge­artet ist die ältere Tochter Raffaella. Sie hat absolut kein Talent zur Sünde und ist ihrem Gatten, dem wackeren Brösemann, der zwar kein Salonheld, aber ein ehrenhafter und arbeitsamer Mann ist, eine treue Ehefrau. . . . Aber diese schwüle Luft! . . . Das Gewitter kommt. . . . Ganz anders freilich, wie man nach den beiden ersten Akten meint, meinen muß. Die lüsterne Thea entwickelt sich im Hand­umdrehen zu einer durchaus braven Frau, der junge Viveur

^nbirlWIiijtt Krelsverein Ham.

Die für nächsten Samstag anberaumte Ver­sammlung ist auf einen späteren Termin verschöbe«

worden.

Politische Rundschau.

Abschied des Statthalters von Hohenlohe. Aus Straßburg, 23. Oki., wird berichtet: Der Kaiserliche Statthalter nahm heute nachmittag Abschied von den höheren Beamten des Landes, die sich unter Führung des Staats­sekretärs v. Köller dort eingefunden hatten. Der Fürst be­tonte in einer Ansprache, daß es ihm ein Herzensbedürfnis gewesen sei, den Beamten für die ihm erwiesene Liebe und Treue zu danken. Die Verhältnisse des Landes seien ja recht schwierig. Die Beamten, namentlich die Kreisdirektoren, müßten mit Strenge und Gerechtigkeit ihres Amtes walten, aber auch mit Liebe und Freundlichkeit der Bevölkerung nähertreten. Auf diese Weise werde die Entwicklung des Landes gefördert werden, die er im Ruhestande immer mit regem Interesse verfolgen werde. Staatssekretär v. Köller dankte im Namen der Beamten in warmen Worten. Sämt­lichen Beamten falle der Abschied von dem langjährigen Vertreter des Kaisers im Lande schwer und sie würden ihm ihre treue und dankbare Erinnerung bewahren, wie sie ihn ihrerseits bäten, ihnen auch weiterhin sein warmes Interesse zu erhalten. Fürst Hohenlohe verabschiedete sich dann von jedem einzelnen Beamten mit herzlichen Worten. Heute findet ihm zu Ehren ein Festmahl der Spitzen der bürger­lichen und militärischen Behörden deS Reichslandes statt.

Erhöhung der badischen Zivilliste. Der Regie» rungsantritt des Großherzogs Friedrich II. macht, wie man aus Karlsruhe schreibt, die neue Festsetzung der Zivilliste notwendig. Der Artikel 59 der badischen Verfassung be­stimmt darüber, daß die Zivilliste ohne Zustimmung des Landtages nicht erhöht und ohne Bewilligung des Großher- zogS niemals gemindert werden kann. Sie war während der Regentschaft Friedrichs I. durch Gesetz auf 652 490 Gulden festgesetzt, 1858 durch Gesetz um 100 000 Gulden und 1875 durch den Staatshaushalt um 300 000 Mark erhöht worden, so daß sie seitdem 1 589 983 Mark betrug. Da inzwischen der Geldwert erheblich gesunken ist, die Ausgaben für die Hofhaltung, sowie der Zuschuß zum Karlsruher Hoftheater aber ganz bedeutend gestiegen sind und zudem eine Aufbesse­rung der Bezüge der Hofbediensteten nicht länger aufzuschieben

wird erstaunlich schnell gegen jedeAbmachung" der beste und treueste Ehemann auf der Welt, und die ehrsame Raffaella entpuppt sich ebenso plötzlich als raffinierte ........ Aber es kommt nicht ganzso weit", denn der steifnackige, unbeugsam ehrliche Brosemann schlägt ihren Liebhaber im entscheidenden Augenblicke mit dem Blumenboot­haken tot. . . . Man braucht kein Freund von psycho­logischen Finessen zu sein, wie sie unS die gequälten Milieu" - Dramen der Gegenwart zum Ueberdruß bieten, aber ein Schauspiel, daS so grob gegen die primitivste Logik der Wahrscheinlichkeit verstößt, muß man bei aller Hochachtung vor dem Dichter ent­schieden ablehnen.Das Blumenboot" wurde denn auch in der vorigen Theatersaison nach seiner Premiöre im Lessing-Theater" in Berlin von der gesamten Kritik (ein sehr seltener Fall bei Sudermann!) einhellig glatt ver­urteilt . . .Aber das Zwischenspiel ist gut, und seinet­wegen wurde wahrscheinlich daS ganze andere üble Much­werk geschrieben." (Erich Schlaiker) . . .

Ueber die hiesige Aufführung läßt sich wieder manches Gute sagen. Die Regie hätte sich allerdings mit der Aus­stattung etwas mehr Mühe geben können; ein Salon im Tiergartenviertel" Berlins ist bedeutend stilvoller und eleganter, als der, wie wir ihn hier in den beiden ersten Akten sahen . . . Die Hauptrollen warm im ganzm gut besetzt. Geradezu entzückend war Frl. Käthie H o r st e n als Thea. Mit virtuoser Geschicklichkeit gab sie daS wieder, was dem Dichter bei der Gestaltung dieser frivol-lüsternen Tiergartenpflanze vorgeschwebt haben mag. Und es gelang ihr sogar durch ihr außerordentlich fein abgetöntes Spiel, die psychologische Unglaublichkeit des Schlusses zu mildern. Ihr Gegenspieler, Herr Werner Bernhardy, war als Fred Hoyer ebenso gut. Auch er gab überall des Dichters Ideal" in hervorragender Weise wieder und trug ebenfalls wesentlich dazu bei, das Ganze wahrscheinlich zu machen. Auch das Zusammenspiel von Frl. Hörsten und Herrn,