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ètâlSdruck und Verlaz der Buchdruckerei des verein, ta, Waisenhauses m Hanau.
vezngSpreiSr
«ertelsShrNch 1,80 M., monatlich 60 Pfg., fftr m* »ârüge Abonnenten mit dem bettessenden Po ftaufjchtag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
GinrsiAtugSgeb^r.
Amtliches Orga» für Stadt- und Faadkrets Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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verantwort!. Webasteur: G. Schrecker in Hasaa.
Nl. 18 Fernsprechanschlntz Nr. 605»
Dienstag den 22. Januar
^ernsprechanschlutz Nr. 605. 1907
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Amtliches.
Candkreis Rana«. NeliimtmaGUtii des Königlichen LnndrntsamtS.
An die Herren Wahlvorsteher für die Reichstagswahl.
Nach den Reichstagswahlen von 1903 haben zahlreiche Strafverfolgungen wegen Wahlfälschung gegen Personen durchgeführt werden müssen, die unter falschem Namen oder mehrfach in verschiedenen Wahlbezirken gewählt hatten. Die Wahlvorsteher sind berechtigt, von den zur Wahl erscheinen- dm Personen bei Zweifel über ihre Identität eine Legitimation zu verlangen, und, erscheinende Wähler, die neu« zugezogen sind oder von denen sonst anzunehmen ist, daß sie auch anderwärts in die Wählerliste eingetragen sind, in geeigneter Weise darauf aufmerksam zu machen, daß jedermann nur in einem Wahlbezirke nnd bei der Haupt- und Stichwahl je nur einmal wählen darf. Jede Zuwiderhandlung ist zur Bestrafung anzuzeigen.
Hanau den 19. Januar 1907.
Der Königliche Landral.
J V Nr. 495 v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Zwicker mit Etuis, 1 schwarzseidener Beutel mit grünem Schleier.
Liegen geblieben: 1 Handtäschchen.
Zugelaufen: 1 junger Pinscher (Fuchs), 1 brauner Jagdhund.
Hanau den 22. Januar 1907.
Zur Fleischtenernng.
0 Cassel, 21. Jan. Auf der Tagesordnung der 13. Vollversammlung der L a n d w i r t s ch a's t s k a m m e r für den Regierungsbezirk Cassel stand u. a. die ft rage der Fleisch- teuerung, deren Bebandlung im gegenwärtigen Zeitpunkt besondere Beachtung verdient. Nach längeren Verhandlungen wurde eine Resolution angenommen, welche sich gegen etwaige Aufhebungen oder Abschwächungen der Seuchenschutzmaßregeln wendet, dafür aber eine Reihe von Maßnahmen empfiehlt, welche der Förderung der heimischen Viehzucht und der Verbilligung der inländischen Fleischproduktion zu dienen bestimmt sind. Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
Die 13. Vollversammlung der LandwirtschaftSkammer für den Regierungsbezirk Cassel erkennt an, daß die Jahre 1905 und 1906 zeitweise Fleischpreise gebracht haben, welche zu der Kaufkraft eines Teiles der Konsumenten in unerwünschtem Verhältnisse standen. Sie bedauert diese Tatsachen, legt aber entschieden dagegen Verwahrung ein:
1. daß die Landwirte allein für den Hochstand der Fleischpreise verantwortlich gemacht werden und
2. daß die Abhilsemittel gegen die auch jetzt noch, wenn auch vermindert bestehende Teuerung, in einer wei- teren Begünstigung der Vieh- und Fleischeinfuhr aus dem Auslande gesucht werden.
Die Interessen der Landwirte als Produzenten und der Konsumenten begegnen sich in Schlachrviehpreisen mittlerer Höhe. Solange aber derartig niedrige, hinter den Produktionskosten zurückbleibende Viehpreise vorkommen, wie sie 1903 und 1904 (insbesondere für Schweine) zu verzeichnen waren, solange muß auch eine zeitweise Steigerung über den Durchschnittspreis als berechtigt anerkannt werden. Die Viehpreise der letzten 4 Jahre im Durchschnitt berechnet ergeben keineswegs einen Preis, welcher dem Landwirt einen unberechtigten Gewinn in den Schoß wirft, umso weniger, als innerhalb dieses Zeitraumes die Produktionskosten für Vieh und Fleisch erheblich gestiegen sind. Bei einer Fortdauer der jetzigen allgemeinen Wirtschaftslage muß an sich damit gerechnet werden, daß die Preise für die Produkte der Viehhaltung sich dauernd höher stellen, als die Preise früherer Zeiten. Für diesen landwirtschaftlichen Betriebszweig liegt die Möglichkeit einer Verbilligung der Produktion durch Anwendung von Maschinen oder auf andere Weise nicht vor, sondern die Steigerungen der Arbeitslöhne, der Futter- und Düngemittelpreise, sowie der Preise der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel muß in einem gesteigerten Preis des Produktes zum Ausdruck kommen. Was dem einen recht ist, muß dem andern billig sein. Die Steigerung der Arbeitslöhne und der Preise der Jnduftrieprodukte der letzten Jahre ist sogar eine weit größere und eine allgemeinere gewesen, als diejenige der Erzeugnisse der Landwirtschaft. Letztere hat
lediglich sogar in erhöhten Preisen für Vieh und tierische Produkte einen Ausgleich für die Erhöhung der Produktionskosten erfahren, während die ebenfalls erhöhten Produktionskosten der Erzeugnisse des Ackerbaues dieser Ausgleich bisher fehlt. Brotgetreide ist nicht teurer geworden, Kartoffeln ebenfalls nicht, Zucker hat 30—40 Prozent gegen den Durchschnittspreis früherer Jahre eingebüßt, Obst mußte zum Teil im letzten Herbst zu wahren Spottpreisen abgelassen werden.
Die Teuerung der Fleischpreise hängt nicht mit der Zollgesetzgebung zusammen, denn sie hatte längst vor dem Inkrafttreten der neuen Zölle eingesetzt und erstreckt sich nicht nur auf Deutschland, sondern auf fast alle Kulturländer. In London sind beispielsweise — trotzdem England Vieh- und Fleischzölle nicht hat, — die Fleischpreise teurer, als in Berlin.
Wenn anch die Viehpreise zeitweise eine erhebliche Steigerung erfahren hatten, so haben sie doch nicht allein die Steigerung der Fleischpreise verschuldet. Erwiesenermaßen wird vielmehr die Spannung zwischen Viehpreisen auf dem Lande und den Fleischpreisen in den Städten immer größer. Ein Teil der Aufschläge, welche die gesteigerte Spannung auSmachen, ist berechtigt, ein anderer Teil aber könnte sehr wohl herabgemindert oder ausgeschaltet werden. Und hier, nicht bei der Auslandseinfuhr, müßte der Hebel zur Besserung angesetzt werden. Als Maßregeln dieser Art sind zu empfehlen:
1. die Aushebung der städtischen Verbrauchsabgaben auf Fleisch und andere Lebensmittel;
2. die Herabsetzung der Gebühren für die Benutzung der städtischen Vieh- und Schlachthöfe auf einen Stand, daß diese Anlagen sich nicht höher als mit dem landesüblichen Zinsfüße verzinsen;
8. die Aushebung der unbegründeten Bestimmungen der Großstadt; gegen die Einfuhr von tierärztlich untersuchten, in Deutschland geschlachtetem Fleisch;
4. eine anderweite Organisation der in städtischer Verwaltung stehenden Vieh- und Schlachthöle nach der Richtung, daß ein Teil des übermäßig ausgebildeten Zwischenhandels ausgeschaltet, der Metzger und der Landwirt einander wieder näher gebracht werden und dem letzteren ein Preis für sein Vieh gesichert wird, welcher mit dem amtlich notierten Preis der Echlachtviehmärkte im Einklang steht;
5. Ermäßigung oder Aufhebung der direkten Kosten der inländischen Fleischbeschau durch teilweise oder gänzliche Uebernahme dieser Kosten auf das Reich oder den Staat;
6. Errichtung staatlicher Schlachtviehversicherungen oder Gewährung von StaatSbeihilfen zu derartigen Versich-rungen ;
7. Bereitstellung erheblicher StaatS- oder Reichsmittel zu einer ausgiebigen Seuchenforschung und einer energischen Seuchentilgung.
Im Gegensatz zu den gemeinhin gemachten Vorschlägen, sind die hier niedergelegten Forderungen darauf gerichtet, die heimische Viehproduktion und das heimische Gewerbe zu stärken. Nur auf diesem Wege kann aber dauernde Abhilfe ; gegen das Auftreten von Fleischteuerungen geschaffen werden, i denn der Schwerpunkt bei der Versorgung deS heimischen Marktes ruht in der Jnlandsproduktion. Sie liefert 95—97 Prozent des Bedarfs, daS Ausland 3—5 Prozent.
Der Schutz und die Förderung der inländischen Viehzucht kommt in erster Linie dem Kleinbauern, dem Landarbeiter, dem Handwerker und den übrigen Berufsständen des Landes zu gute, welche Viehzucht als Nebenbetrieb pflegen; da diese Berufsstände nahezu '/« sämtlicher Schweinebestände und die Hälfte der Rindviehbestände ihr eigen nennen. Daß die deutschen Viehzüchter sich die vollständige Deckung deS heimischen Fleischbedarfs zur Aufgabe gestellt und diese Aufgabe durchzuführen in der Lage sind, wenn ihnen auskömmliche Preise für ihre Produkte gewährt werden, davon wird die am 1. Dezember stattgehabte Viehzählung Zeugnis ablegen. Soweit die bisher zu beschaffenden Unterlagen einen Schluß zulassen, darf allein für den Bezirk Cassel, für den Zeitraum der letzten 2 Jahre, mit einer Vermehrung der Rindviehbestände um etwa 15 000 Stück und der Schweinebestände um etwa 42 000 Stück gerechnet werden.
Die Aufhebung oder Abschwächung der Seuchenschutzmaßregeln gegen das Ausland muß in Anbetracht der gestiegenen Auslandspreise als ein untaugliches Mittel zur Bekämpfung der Fleischteuerung angesehen werden. Sie würde bei dem derzeitigen Seuchenstand des Auslandes aber auch ein Nationalvermögen von 8 Milliarden Mark, welches die Viehbestände Deutschlands darstellen, aufs ernsteste gefährden und sich in letzter Linie gegen die Interessen der Konsumenten richten. Von einer weiteren Begünstigung der Auslandseinfuhr hat nur eine verschwindende Minderheit des deutschen Volkes Vorteil, die energische Förderung der heimischen Viehproduktion aber muß zu Gunsten des Gesamtwohles ausschlagen, da sie mittelbar allen Gliedern des Volkes zu gute kommt.
Hus Hanau Stadt und Cand.
Hanau, 22. Januar. Zur WaWewcgnng.
Auf, zur Wahl!
Niemals lauter und verführerischer als in der Zeit beS Wahlkampfes lockt und buhlt die Stimme LokiS, vor der Bismarck einst eindringlich gewarnt hat, die Stimme jenes bösen Geiste-, der den Wähler Hödur, der die Tragweite der Dinge nicht beurteilen kann, verleitet, daß er das eigene Vaterland erschlage. Was ist alles wochenlang gesprochen und geschrieben worden, um die deutsche Volksseele zu verderben, die deutsche Ehrlichkeit zu beugen, die deutsche Treue zu brechen! Es wurde geschmeichelt und gedroht, gefälscht und verleumdet, geschürt und gewühlt, um in den Wählern die Keime und Kräfte zu tilgen, die im vaterländischen Boden wurzeln, um aus des Menschen Brust zu reißen daS Beste und Edelste, das Teuerste und Heiligste, das zur Treue an der Nation und deren Gütern und Errungenschaften bindet und verpflichtet!
Darum : Auf zur Wahl! Niemand bleibe an diesem Freitage gleichgültig daheim! Jeder gebe seine Stimme ab und suche säumige Wähler heranzuziehen! Und noch eins: Gehe jeder so früh wie möglich zur Wahlurne, damit noch Zeit genug übrig bleibe, Freunde und Bekannte dazu auf» zumuntern, ebenfalls der Wahlpflicht zu genügen. Wenn auf diese Weise jeder Vaterlandsfreund seine Schuldigkeit tut, dann wird rin Reichstag aus der Urne hervorgehen, der dem deutschen Namen keine Schande macht!
Hoch das Panier der ruhmreichen deutschen Vergangenheit!
Hinein in eine ehrenvolle Zukunft! Mit Gott für Kaiser und Reich!
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x Langenselbold, 20. Jan. Heute abend fand im Saale des Herrn Konrad Schweinsberger eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung der reichstreuen Wähler statt. Auf Vorschlag des Herrn Schornsteinfegermeisters Link wurde Herr Amtsgerichtsrat B o h n é als Vorsitzender einstimmig gewählt. Dieser gab den Gnind der Zusammenkunft an: Wiederwahl des Herrn Dr. Lucas. Er nehme an, daß alle Anwesenden sich zur Reichstreue bekennen; Sozialdemokraten brauchten sich nicht zu entfernen, doch erwarte er von ihnen ein ruhiges Verhalten, wie es sich für anständige Männer gezieme. Herr Grund wies in längerer Rede auf die Reichsfeindlichkeit der Sozialdemokratie hin, zeigte, daß diese keineswegs die Partei der Arbeiter sei und wiederholt gegen die Gesetze gestimmt hätten die das Wohl des Volkes im Auge hätten. Die soziale Frage für immer zu lösen sei unmöglich, da jede Zeitepoche neue soziale Fragen stelle. Er empfahl den reichstreuen Männern : Organisation, Op'erwilligkeit und Idealismus, dann wird an das schwarz- weiß-rote Banner sich der Sieg heften! Nunmehr erhielt Herr Amtsrichter Dr. Lucas das Wort. Er knüpfte an die kürzlich im Saale des Herrn Hamburger stattgehabte vertrauliche Zusammenkunft an und betonte, eS sei keineswegs bo'er Wille gewesen, daß etliche keine Einladung bekommen hätten. Leider sei auch in unserer Gemeinde der Terrorismus der Sozialdemokratie so groß, daß Bürger und Bauer häufig gezwungen seien, erst den „Genossen" zu fragen, ob sie dies tun, oder jenes lassen dürften. An einigen Beispielen zeigte der Herr Redner, welche eigenartige Früchte die st h so kulturfrenndlich stellende Sozialdemokratie zeitige. Betreffs unserer Kolonien wies er hin aus das Urteil eines Unparteiischen, eines Nichtdeutschen, des Herrn Prof. Hahn in Kapstadt. Die'er halte unsere Besitzungen in Südwest« alrika keineswegs für Sandwüsten, sondern für ertragreiches Land. Dies bestätigt ein Ansiedler, der in 5 Jahren sein Besitztum um das Vierfache vergrößert hat, dies ist zu erkennen aus der Bitte von 793 Soldaten der Schutztruppe um Land, damit sie sich dorten ansiedeln können. Die Schandtaten, von denen die kürzlich verteilten sozialdemokratischen Flugblätter zu erzählen wissen, sind so nicht vorgekommen; Bebel hat seine Worte vorsichtig mit der Formel eingeleitet: „Es ist mir hinterbracht worden." Die Stellung der Sozialdemokratie zur Kultur beleuchtete Herr Dr. Lucas dadurch, daß er auf den Parteikalender hinwies. Dieser bringt von Wilhelm I. nichts als — das Attentat durch Hödel. Der meuchlings ausgeführte Mord des Großfürsten Sergius werde in diesem Vorwärtskalender als Hinrichtung bezeichnet. Welche Freiheit der Einzelne innerhalb der Partei hätte, ersehe man an den 6 „Vorwäns"-Nedakteuren, die gehen mußten, als sie es wagten, eigene Meinung zu haben. Jetzt