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Amtliches Gegsu für SlaM= »sd Fsnitkreis Kass».

Erscheint täglich mit Ausnahme der S»nn- and Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einräckungsgebüs»

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Serantmortl. R^akteur:. Schrecker I» Hann».

Ml. 141 ^erulprechanschlusj Nr. 605.

Donnerstag den 20. Juni

Aernsprecharrschluß Nr. 605. 1907

Amtliches.

Leichenfund.

Am 3. d. M. wurde hier im Stadtwalde die Leiche eines unbekannten Mannes, anscheinend dem Arbeiterstande ange­hörend, erhängt aufgefunden, dessen Personalien noch nicht bekannt sind.

Beschreibung: 4045 Jahre alt, 1,651,70 Meter groß, dünne graue Haare, grauen Vollbnrt, ist untersetzter Statur.

Kleidung: dunkler Sackanzug, Arbeiterschnürschuhe, graue Strümpfe, bläuliches Halstuch und Mütze. In den Taschen wurde ein Taschenmesser (Knicker) gefunden. Erforderlichen­falls steht die Photographie der Leiche zur Verfügung.

Frankfurt a. M., 14. Juni 1907. III. L. K. 499 Königl. Polizei-Präsidium.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas Inhalt, 1 Kettenarmaand, 1 künstliches Gebiß (Oberkiefer), 3 silberne Damenuhren.

Verloren: 1 braunledernes Zigarrenetuis, 1 Porte­monnaie mit 56 Mk. und mit 2 kleinen Schlüsseln, 50 Mar? in Papier eingewickelt (bestehend ans 2 Zwanzig- und 1 Zehnmarkstück), 1 braunes Sammet-Portemonnaie mit 2 Mark, 1 goldenes Medaillon mit weiblicher Photographie, 1 silbernes Armband, 1 goldene Damenuhr.

Entlaufen: 1 deutscher Schäferhund, 1 schwarz- brauner Dachshund m. Gesch.

Zugelaufen: 1 schwarzes Huhn.

Hanau den 20. Juni 1907.

Die großpolnifchc Bewegung.

Daß das letzte Ziel der Polen die Wiedererrichtung eines großpolnischen Reiches ist, wird zwar von ihnen in Abrede gestellt, wird aber wieder aus verschiedenen Vorgängen dentlich klar.

Aus Zürich, dem Sammelpunkt der Polen, hat die Schief. Ztg." wiederholt gut unterrichtete Briefe veröffent­licht, welche die lichtscheuen Machenschaften der Polen ent­hüllten. So wurde mitgeteilt, daß verschiedene preußische Polenführer sich in Galizien mit den österreichischen Polen ein Rendezvous gegeben hätten, um eine Einmischung Oester­reichs in die preußische Polenpolitik in Szene zu setzen, welcher Versuch allerdings recht kläglich gescheitert ist. Diese interessanten Enthüllungen setzte das genannte Blatt fort, in­dem es die Statuten der Nationalliga, des Mittelpunktes der großpolnischen Agitation, veröffentlichte. Dieses in echt polnischer Weise äußerst weitschweifige Machwerk gibt in 52 Paragraphen und 9 Abschnitten ein genaues Bild von der bis ins kleinste ausgearbeiteten Organisation.

Nach diesem Statut ist Aufgabe der Liga, alle nationalen Kräfte vorzubereiten und zu sammeln zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens. In den Annexionsstaaten, in denen die Polen am politischen Leben teilnehmen, soll das Komitee Schließung von Bündnissen mit denjenigen politischen fremden Parteien unterstützen, die gewisse politische und wirt­schaftliche Vorteile vergewissern können. In Staaten, in denen die polnische Bevölkerung zur Teilnahme am politischen Leben nicht zugelassen ist, soll das Komitee die revolutionären Tätig­keiten unterstützen, die, sei es die Aenderung des Regierungs­systems, sei es den Sturz der Regierung bezwecken. Im Falle eines Krieges zwischen Annexionsmächten soll des Komitees wich­tigste Sorge sein, dem Polenlande im entscheidenden Momente eine angesehene Stellung und Stimme zu sichern. Es soll auch sorgfältig Kriegsnachrichten sammeln, die sich beziehen auf die Zahl und Beschaffenheit der Truppen, auf deren Dis­lokation, auf die Verkehrsmittel, auf die Mobilisationsarten der Festungs- und Feldsortifikationen, auf die Magazine, auf Geheimnisse der Technik u. s. w. Agenten sollen aus­ersehen werden, die bevollmächtigt sind, Beziehungen anzu­knüpfen zwischen dem Zentralkomitee und polnischen Militär- personen, die in fremden Heeren dienen, um unter diesen eine möglichst aus polnischen Elementen bestehende Organi­sation im Sinne des Geistes und der Ziele der Liga zu schaffen.

Damit ist der hochverräterische Zweck der ganzen polnischen Bewegung in aller Form festgelegt. An diesen Sätzen läßt sich nicht drehen und deuteln: sie verlangen mit klaren Worten die Lostrennung der ganzen ehemals polnischen Ge­biete non dem bestehenden Deutschen Reich und die Bildung des alten Polens. Zur Erreichung dieses Zweckes erscheinen den edlen Bolen alle Mittel gerechtfertigt, vor allem wird 8

die Züchtung von Spionen mit anerkennenswerter Offenheit gepredigt. Und diese Bewegung, deren erstes und letztes Ziel der Kampf gegen das Deutschtum und das Deutsche Reich ist, hat einen solchen Umfang angenommen, daß sie heute zu einer direkten Gefahr geworden ist. Schrieb doch auch am Gedenktage der Schlacht am Grunwald ein pol­nisches Blatt:Unsere innere Wiedergeburt steht bevor, aber wir müssen jetzt an Taten denken. Wir haben uns bereits davon überzeugt, daß die bei Grunwald besiegte (deutsche) Hydra auch jetzt für uns nicht allzu gefährlich ist. Immer­hin fehlt unS noch viel, bis wir auf die Höhe des Polens der Jagellonen gelangen." Auch hier ist das Ziel, die Wiedererrichtung eines großpolnischen Reiches, deutlich aus­gesprochen.

Das polnische Reich ging zugrunde in wütenden Partei­kämpfen und am Uebermut seines Adels. Der preußische Staat erstarkte durch den schlichten, arbeitsamen Sinn der Bevölkerung und durch den kühnen, weit voransschauenden Idealismus der Hohenzollern, die in strenger Gerechtigkeit jede Selbstsucht in den Dienst des Ganzen zwangen. Wer den preußischen Staatsgedanken erhalten will, muß den groß­polnischen Gedanken in heißer Fehde bekämpfen, der noch heute davon träumt, den weißen Adler auf der Grünen Brücke von Königsberg aufzurichten.

Hus hanau Stadt und Eand.

Hanau, 20. Juni.

Beamtstt-Psksoualnachrichten.

Ernannt: der Landrichter A s e l m a n n in Cassel zum Landgerichtsrat, die Referendare K i ß n e r und Dr. Sommerfeld zu Gerichtsasscssoren, die Rechtskandidaten Hufnagel, Rocholl und Swart zu Referendaren, der Hilfspfarrer Frankenberg zu Fechenheim, Klasse Bergen, zum Pfarrer in Marjoß, Klasse Schlüchtern, die Bauassistenten Wagner, Schiebe und T o u rt 6 bei der Zentralverwaltung des Bezirksverbandes des Regierungs­bezirks Cassel zu Landesbausekretären.

* Konkltvsmitteilimgen. In dem Konkursver­fahren über das Vermögen des Architekten und Bauunter­nehmers Heinrich U s e n e r in Hanau, alleinigen Inhabers der Firma J. C. Jäger & I. M. Rumpf, Haupt­niederlassung in Hanau, mit Zweigniederlassungen in Gießen und Cannstadt sind folgende Vergütungen festgesetzt worden: Für den Verwalter Rechtsanwalt Osius in Hanau 12 000 Mark, auf welche Summe sich der Verwalter die für ihn bereits festgesetzten 6000 Mk. anzurechnen hat. Für die Mitglieder des Gläubigerausschusses, sämtlich in Hanau: Justizrat Uth 2500 Mk., Rechtsanwalt Eberhard 800 Mark, Amand Fürth 1000 Mk., Wilhelm Jäger 1000 Mark, Jakob Wirth 300 Mark. Als Auslagen sind für den genannten Verwalter 1187.02 Mk. und als weitere Ver­gütung einschließlich der Auslagen 658.91 Mark festgesetzt worden.

* Erfreulich! Die kräftige Entwickelung der Ge­schäfte der landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossen- schaft Hanau macht die Erweiterung der Geschäftsräume des Kornhauses, einen Erweiterungsban erforderlich. Eine außer­ordentliche Generalversammlung der Genossenschaft genehmigte eine dahin gehende Vorlage.

Pflege der Kriegergräber. Der Kyffhäuserbund der deutschen Landes-Kriegerverbände hatte im September 1905 beschlossen, nach Maßgabe der ihm hierfür zur Ver­fügung stehenden Mittel überall da, wo es nach Lage der Umstände notwendig erscheint, zunächst in Elsaß-Lothringen, für die Schmückung und Erhaltung der Kriegergräber ein­zutreten, ohne indes der Wirksamkeit der bestehenden lokalen Vereinigungen irgendwie entgegenzutreten. Durch diese Maß­nahme ist dem Kyffhäuserbunde als Zentralstelle die Aufgabe zugefallen, 1. für die Schmückung zunächst der Kriegergräber auf den Schlachtfeldern in Elsaß-Lothringen zu sorgen, 2. zu verhüten, daß unsere Vereine und Kameraden bezüglich der Sammlungen für denselben Zweck von mehreren Seiten gleichzeitig angegangen werden und dadurch Irrtümer ent­stehen können, und 3. dafür zu sorgen, daß die seit langen Jahren bewährte Tätigkeit der in Frage stehenden beiden Körperschaften in Elsaß-Lothringen nicht nur erhalten bleibt, sondern auch bei der Gesamtvertretung des Deutschen Krieger­vereinswesens eine wünschenswerte Unterstützung und Förderung findet. Zur Durchführung dieses Beschlusses bittet der Vor­stand des Kyffhäuserbundes, alle Beiträge, seien es frei­willige, satzungsgemäße oder feste Jahresbeiträge, welche zur Erbaltuna und Ausschmückung der Krieaergräber in Elsaß-

Lothringen bestimmt sind, nicht mehr an die Vereinigung in Metz oder an den Elsaß-Lothringischen Krieger-Landesver­band, sondern unter der Bezeichnung:Für die Krieger­gräber in Elsaß-Lothringen" an den Vor st and des Kyffhäuser-Bundes der Deutschen Landes- Kriegerverbände, Berlin W. 62, Kurfürstenstr. 97, zu senden.

* DieArchiiekten-Zeitrmg" Berlin, erhielt soeben auf der unter dem Protektorat des Erzherzogs Eugen statt­gehabten Allgemeinen Frühjahrs-Ausstellung zu Wien 1907 die Große goldene Medaille nebst Ehren - d i p l o m (offiziell anerkannt und amtlich beglaubigt). Die Architekten-Zeitung" wurde schon früher und zwar 1905 in Brüssel und 1906 in Paris mit der goldenen Medaille prämiiert.

* Doppelkonzert. Die beiden Hanauer Regiments­kapellen veranstalteten gestern nachmittag in dein Kurpark Wilhelmsbad ein großes Konzert, dessen Reinertrag zur Unterstützung deutscher Invaliden und deren Hinterbliebenen bestimmt war. Ein Verweilen in den herrlichen Wilhelms­bader Parkanlagen gewährt z. Z. schon an und für sich einen Hochgenuß, der noch verstärkt wird, wenn zwei aner­kannt vorzügliche, auf der Höhe ihrer Ausbildung stehende Musikkapellen, wie es gestern der Fall war, ihre Weisen zum Besten geben. Die Leiter der beiden Regimentskavellen, die Herrn A. Urbach und C. Schmidt, hatten ein Ge­nuß versprechendes Programm aufgestellt und für eine ent­sprechende Ausführung Sorge getragen, sodaß der wohlver­diente Beifall nicht ausbleiben konnte. Um 9 Uhr war das Doppelkonzert zu Ende. Viele Besucher konnten sich von dem herrlichen Erholungsorte nicht so schnell trennen und verweilten noch längere Zeit an dieser, einen lauschigen Aufenthalt bietenden Stätte.

* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Geln­hausen: Gelnhausen, Wächtersbach, Waldensberg; Landkreis Hanau: Enkheim; Kreis Marburg: Marburg (Verdacht); Kreis Schlüchtern: Schlüchtern, Altengronau, Vollmerz, Bellings, Steinau, Jossa (Verdacht), Züntersbach, Kloster­höfe (Hof Raith); Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: Niederzwehren, Wilhelmshausen, Oberkaufungen, Ihringshausen, Ochshausen, Helsa, Waldau; Kreis Eschwege: Wanfried, Niddawitzhausen; Kreis Fritzlar: Metze, Obervorschütz; Kreis Frankenberg: Rosenthal; Kreis Gelnhausen: Hettersroth, Eidengesäß, Geis- litz, Rothenbergen, Kirchbracht; Landkreis Hanau: Langen­selbold, Niederdorfelden, Niederrodenbach, Ostheim, Hochstadt, Kinzigheimerhof, Kilianstädten, Roßdorf; Kreis Hersfeld: Niederaula, Hersfeld, Gershausen; Kreis Hofgeismar: Immen­hausen; Kreis Homberg: Borken, Homberg, Holzhausen; Kreis Hünfeld: Hünfeld, Wehrda, Rückers, Burghaun; Kreis Melsungen: Altenburg, Spangenberg; Kreis Rotenburg: Lindenau; Kreis Grafschaft Schaumburg: Hessendorf; Kreis Witzenhausen: Fürstenhggen, Rittergut Hasselbach; Kreis Ziegenhain: Obergrenzebach; Geflügel ch olera: Kreis Witzenhausen: Laudenbach, Rommerode; Influenza der Pferde: (A. Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel; (B. Pferdestaupe): Landkreis Cassel: Ochshausen.

* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschläge von 5 vom Hundert für den Monat Juni 1907 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 10 Mark 84 Pfg., für Heu 3 Mk. 51 Pfg., für Stroh 3 Mk. 02 Pfg. pro Zentner.

* Pforzheimer Hehlereiprozeh. Die Karlsruher Strafkammer beschäftigte sich gestern mit einem größeren Pforzheimer Hehlereiprozeß. Angeklagt waren der 48 Jahre alte Goldarbeiter Friedrich N i x aus Ninklingen und der 40 Jahre alte Goldarbeiter Karl Schwenker aus Oeschel- bronn, beide in Pforzheim wohnhaft. Sie wurden beschul­digt, daß sie ihres Vorteiles wegen Sachen, von denen sie wußten, daß sie mittelst strafbarer Handlungen erlangt waren, an fick brachten, beziv. zu deren Absatz mitwirkten und diese Hehlerei gewerbs- unb gewohnheitsmäßig betrieben haben, indem Nix vom Jahre 1901 bis zu seiner Verhaf­tung von bisher nicht ermittelten Personen gestohlenes oder gehehltes Edelmetall, meist in Form von Doublkschnipfeln, im Werte von mindestens 2400 Mk. gegen Entgelt sich zu- tragen ließ ; Schwenker im Jahre 1906 verschiedene Stückchen Goldblech, die in dem Geschäfte des Fabrikanten Karl Bauer in Pforzheim von einem Kettenmacher entwendet worden waren, an sich nahm und dafür 1 Mk. bezahlte; beide in der Zeit von März 1904 bis Ende 1905 fünf Manschen Gold im Werte von 361 Mk. 33 Pfg., die ihnen von Dieben ruaetraaen worden waren, einschmolzen und bei