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Gencral-Anzeiger

EinriicknagSzetSyrD

Vie lüafgef-Lkea« PetüM oder der« Ran« A M.

KMlliâts Orga« für Mt- und FMKreis Sakaa.

fa MameM di« SV Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sorm- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Vee-ntmortl. «Bak«,: «. «chrecke, ta (cm

Air. 296 N«»»spr<chanschkch Nr. 605.

Donnerstag den 19. Dezember

Fernsprechanschliiz Nr. 605. 1907

Die Hentlze Ammer mMt Mee t.llitMtmMtt

13 Seiten.

Amtliche Beilage Nr. 20".

Amtliches. Stadtkreis Hanau. MM AckiismutittelWsW,

Landstraße Nr. 41.

Kostenfreie Arbeitsvermittelung werktäglich vorm 81/»121/» Uhr, nachm. 36 Uhr.

Städtisches Arbeitsamt, RatbauS Zimmer Nr. 12. Kostenfreie Auskunft in Sachen der fozialen Gesetz­gebung (Unfall-, Invaliden-, Kranken- usw. Gesetze.) Hanau am 10. Juni 1907.

Der Magistrat.

Dr. G«beschuS. 166

Coiito-Cbrmt-Vttkthr -er Ltih-iink.

Für Einlagen 41/s°/o Zinsen, bei Ausleihungen 6°/o

Zinsen. 25353

Mikliche ga^ink sät die Kleioei'm- mid Eta|lioarcn= Industrie zn 8Hmn laldea.

Die Anstalt beginnt zu Ostern 1908 einen neuen Nnterrichtskursus und nimmt hierzu neue Schüler auf.

Sie bietet befähigten jungen Leuten Gelegenheit, in mit neuzeitlichen technischen Hilfsmitteln reich ausgestatteten Muster­werkstätten eine sorgfältige und vielseitige, auf der Grund­lage neuzeitlicher Technik fußende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverarbeitung, besonders in der Werk- zeugtechnik, zu erlangen und jene zeichnerischen, fachtheoretischen und wirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebe- für zukünftige Vorarbeiter und Werkmeister oder für selbständige Gewerbe­treibende in der Kleineisen-, Werkzeug- und Metallwaren- Jndustrie unbedingt erforderlich sind.

Aufnahmefähig sind junge' Leute mit guter Elementar-

Feuilleton.

Allerhand Weihnachtsbäume.

Von M Kossak

(Nachdruck verboten.)

Seit langen Jahren haben die Sachverständigen über das Alter de- Weihnachtsbaumes gestritten, aber daS letzte Wort in dieser Angelegenheit ist immer noch nicht gesprochen worden. DaS Publikum glaubt im allgemeinen, daß der immergrüne Baum im Lichlerglanz, der die Seligkeit unserer Kleinen ist und selbst in den Herzen der Greise noch ein milde- Feuer entzündet, auf ein weit höhere- Alter zurück­blickt, als eS tatsächlich der Fall ist, denn wenn wir in ver­staubten Chroniken und Pergamenten über den Gegenstand nachblättern, so finden wir ihn zum ersten Mal in einem Memoirenwerk auS dem Anfänge des achtzehnten Jahr­hunderts erwähnt. Es ist hier davon die Rede, daß ein Nürnberger Ratsherr am ersten WeihnachtSfeiertag morgens in dem größten Raum seines Hauses drei Fichten aufzu­stellen pflegt, um darunter die Christgeschenke für die Seinen niederzulegen. Unter einem Baum fanden die Gaben für die Kinder, unter dem zweiten die für das Gesinde und unter dem dritten jene, welche das Ehepaar sich gegenseitig bescherte, ihren Platz. In einem Brief aus der gleichen Zeit wiederum wird erzählt, daß die Frau eines deutschen Fürsten der Name desselben ist mir leider nicht gegen­wärtig ihren Gemahl zu Weihnachten mit einem Paar gestickterHandtätzlein" beschenkte, die sie an die Zweige einer Tanne hing,allwo sie sich gar artiglich ausnahmen". Allerdings hat unser lieber Christbaum Vorläufer gehabt, deren erste Spuren sehr viel weiter zurückdatieren, und zwar finden wir diese, was unS einigermaßen befremdend erscheint, in Italien, wo sich gegenwärtig der WeihnachtSbaum in weit

schulbildug nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Tätigkeit ist erwünscht aber nicht Bedingung.

Die Kursusdauer beträgt je nach Fähigkeiten 2 bis 3 Jahre.

Absolventen, welche die Reifeprüfung abgelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit.

Minder beniittelten und würdigen Schülern preußischer Staatsangehörigkeit können Stipendien gewährt werden.

Nähere Auskunft auf Anfrage durch den Unterzeichneten.

Anmeldungen werden baldigst erbeten.

Der Direktor der Königl. Fachschule.

Beil. V 11999

politische Rundschau.

Beisetzung. Aus Dresden, 18. Dezbr., wird ge­schrieben : Um 5 Uhr fand in der mit Trauerschmuck ver­sehenen katholischen Hofkirche die feierliche Beisetzung der Königin-Witwe Karola von Sachsen statt. Der Katafalk, von hunderten von flammenden Kerzen umgeben, zwischen denen die Ehrenwache und Fackeln tragende Pagen standen, erhob sich aus einer Fülle von Kränzen und Blumen. Um */,6 Uhr begann daS Trauergeläut. Im Schiff der Kirche nahmen die Hof- und Staatswürdenträger, die Stände, Militär?, die Abgesandten fremder Höfe und Abordnungen der Städte Platz. Um 6 Uhr erschien der König mit den Prinzen und Fürstlichkeiten und nahm zwischen Prinz Friedrich Leopold von Preußen, als Vertreter des Kaiser-, und dem Erzherzog Karl, dem Vertreter des österreichischen Kaisers, Platz. Die Prinzessinnen und Fürstinnen saßen in dem Oratorium. Orgelklänge eröffneten die Feier, als die Geist­lichkeit erschien. Vom Chor erklang das Miserere und nach der Weihe der Leiche der Benediktu-, worauf Bischof D. Schäfer ein Gebet sprach. Unter Orgelklang senkte sich der Sarg langsam in die Tiefe. Durch daS Gotteshaus ertönte das stimmungsvolleSalve Regina". Während deS feierlichen Gesanges begab sich Oberhofmarschall v. d. Busche- Streithorst mit dem Pfarrer nach der katholischen Hofkirche und händigte hier dem letzteren den Schlüssel zum Sarge auS. Damit endete die Feier.

Die Deutsche Kolouialgesellschaft veröffentlicht folgende Erklärung:Die Abteilung Berlin bat in ihrer öffentlichen Versammlung vom 10. Dezember 1907 zu einer wichtigen politischen Tagesfrage Stellung genommen, ohne sich hierzu der in § 85 der Satzungen der Deutschen Kolo­nialgesellschaft vorgesehenen Zustimmung des AusschuffeS zu versichern. Ist es an sich nicht zu billigen, daß Abteilungen der Gesellschaft politische Fragen, welche den eigentlichen Zwecken der Gesellschaft ferner liegen, in agitatorischer Weise

geringerem Grade eingebürgert hat, als in den meisten anderen zivilisierten Ländern. Seine Vorläufer aber sind die Pyramiden, die in irgend einer Form hier und dort üblich waren. In Italien fertigte man ein Treppenvier­oder Sechseck, bedeckte eS mit Lichtern oder Lämpchen und stellte eine Krippe darauf auf. Manchmal wurden die Figuren der Jungfrau mit dem Jesuskinde, dem Joseph, den Weisen aus dem Morgenlande und den anbetenden Hirten auch durch andere ersetzt, die keine religiöse Be­deutung besaßen. Viele solcher Püppchen aus Ton mit farbiger Bemalung sind uns erhalten geblieben und werden in Museen und anderen Sammlungen aufbewahrt; eS gibt geradezu künstlerisch ausgrführte unter ihnen. Die feinsten und schönsten stammen aus Sizilien. Wie e- den Anschein hat, schmückte man diese Pyramiden schon im sechzehnten Jahrhundert, wenn nicht früher, mit Cypreffen- und Lorbeer- zweigen sowie mit künstlichen Blumen, die man aus Gewürz­körnern und einer wachsartigen Masse herfteUte. Im Wandel der Zeiten verlor man den Geschmack an den Püppchen, ließ sie ganz fort und besteckte die Pyramiden nur mit Zweigen und Lichtlein. Ob sie aus dem Lande, woim dunkeln Laub die Goldorange glüht", ihren Weg nach Deutschland gefunden haben, ist ungewiß, jedenfalls steht fest, daß die Pyramide schon zu Anfang des sechzehnten Jahr­hunderts vereinzelt bei uns amtauchle. Später, während des dreißigjährigen Krieges, war sie so allgemein geworden, daß sich sogar die Landsknechte im rauben Kriegslager und in den Schänken an ihrem Anblick erfreuten. Es haben sich dann wohl allerhand Belustigungen daran geknüpft, die sich mit der Heiligkeit des Christfestes schlecht vertragen. Von da ab verschwand die Pyramide nicht mehr. Im Königs­schloß und in der Hütte war sie ein lieber East. Friedrich Wilhelm I. z. B. hielt große Stücke auf sie und seine Lieb­lingsschwester, die Markgräfin von Bayreuth, führte sie an ihrem Hofe ein. Dazumal kam auch wieder die Liebhaberei der vornehmen Damen für Puppen auf, die schon einmal,

behandeln, so ist dieser Vorwurf umsomehr zu erheben, wenn, wie dies von feiten der Abteilung Berlin geschehen ist, die Agitation zu einem Zeitpunkt entfacht wird, in welchem sie nur dazu beitragen kann, das Einvernehmen zwischen Regie­rung und Volksvertretung in einer der wichtigsten nationalen Angelegenheiten zu beeinträchtigen. Ein derartiges Vorgehen schädigt die Interessen unserer Gesellschaft auf daS ernsteste und birgt die schwere Gefahr in sich, daß eine Entfremdung innerhalb der Gesellschaft und ihrer einzelnen Glieder hervor­gerufen und damit der Zusammenhang und der Bestand der Gesellschaft erschüttert wird. In vollem Einverständnis mit dem Ausschuß nehme ich daher hiermit Anlaß, über daS Ver­halten, welches die Abteilung Berlin im vorliegenden Falle beobachtet hat, mein lebhafte- Bedauern auszusprechen. Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft. Johann Albrecht- Herzog zu Mecklenburg."

Die Unruhen in Niederlân-isch-Jndien. Einer amtlichen Meldung zufolge wurden sämtliche Gewehre, die die Eingeborenen beim Ueberfalle auf die Patrouille bei Kabano auf der Insel Timor erbeuteten, auSgeliefert. Die Rädelsführer wurden bis auf einen gefangen genommen. Die Bevölkerung beginnt allmählich in die Dörfer zurück- -ukehren.

Die Lage in Persien. Die Lage ist nach wie vor sehr ernst. Die Aufregung steigert sich immer mehr. Die Vertreter deS diplomatischen KorpS haben sich zum Schah begeben und verlangen von ihm entsprechend dem bei der gestrigen Beratung gefaßten Beschluß erhöhten Schutz der Gesandtschaften, die eventuell als Asyl für verschiedenen europäischen Kolonien dienen müßten, und förderten ihn auf, alle-, waS in seiner Hand liegt, zu tun, um Blutvergießen zu vermeiden.

Zur Sonntag-ruhe im Handel-gewerbe.

Da- Reich-ami deS Innern übermittelte den deutschen Landesregierungen folgenden Entwurf einer Gewerbeord­nungs-Novelle über die Sonntagsruhe im Handel-gewerbe.

§ 41a Absatz 1 erhält folgende Fassung: Soweit nach den Bestimmungen der §$ 105b bis 105h Gehilfen, Lehr­linge und Arbeiter im Handel-gewerbe einschließlich deS nach Art deS Handel-gewerbe- eingerichteten Geschäftsbetriebes von Konsum» und anderen Vereinen und Gesellschaften an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden dürfen, darf in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb an diesen Tagen nicht stattfinden.

$ 105 b Absatz 2 erhält folgende Fassung: JmHandelS» gewerbe einschließlich deS nach Art des HandelSgewerbeS eingerichteten Geschäftsbetriebe- von Konsum- und anderen Vereinen und Gesellschaften dürfen Gehilfen, Lehrlinge

zwei Jahrhunderte früher, zum guten Ton gehört hatt«. Fürstinnen und adlige Damen nähten mit eigenen Händen kostbare Toiletten für ihre Püppchen, behingen fie mit Ge­schmeide au» Gold und texten Steinen und bevölkerten mit ihnen ihre Puppenstuben. Es wurden zuweilen ganz unerhörte Summen für diese Passion verschwendet, ja, man behauptet, daß einzelne Frauen ihre Gatten um ihret­willen in Schulden gestürzt hätten. Diese Puppen nun stellte man am ersten Weihnacht-feiertag in förmliche Gärten aus Bäumchen und Laub. Die ersteren aber wuchsen höher, und allgemach wurde unser Christbaum au» ihnen. Dieser Prozeß hat sich derart allmählich vollzogen, daß sich das Datum deS Geburt-festes unseres WeihnachtSbaumeS unmög­lich feststellen läßt.

Immerhin dürfte er unS Kindern der Neuzeit in seiner ehemaligen Gestalt recht kümmerlich erscheinen. Noch vor einem halben Sâkulum etwa waren mit geringen Aus­nahmen die Christbäume so klein, daß man sie auf den Tisch stellen mußte und wenn daS heute auch unendlich oft noch geschieht, so sieht man in wohlhabenderen Familien, in denen Kinder sind, doch meist Bäume, die von der Erde biS zur Decke reichen. Ebenso primitiv erschien der Schmuck des WeihnachtSbaumeS. Vergoldete Nüsse und Aepfel hingen wohl daran, aber im übrigen nur ein paar arm­selige Ketttein und Fähnlein aus buntem Papier. Man weiß ja, wie sehr zur Mitte deS vorigen Jahr­hunderts das Kunstgewerbe darniederlag. Die In­dustrie fabrizierte keinen Christbaumschmuck und die Frauen besaßen noch nicht ihre heutige Geschicklichkeit in der Herstellung von allerhand überflüssigen Niedlichkeiten. Aeltere Leute behaupten, daß die damaligen Weihnachtsbäume ein­ander merkwürdig glichen, nur die Anzahl der daraus be­festigten Lichter unterschied sie.

Heute dagegen ist der Christbaum $u einem wahren Pro­teus geworden. Da haben wir außer dem alten lieben deutschen Baum in verbesserter und vergrößerter Auflage den