Einzelbild herunterladen
 

f

44

Samstag den 19. Oktober 1907

5. Haiiptversammlimsi des Roten Kreuzes. |

S. H. Wt-sbav-tt, 17. Oktober.

Nachdruck verboten.)

Dritter Tag.

In der heutigen dritten iinb letzten Hauptversammlung des Roten Kreuzes, die den Angelegenheiten deS Verban­des deutscher Fr auenvereine vom Roten Kreuz gewidmet war, erstattete an erster Stelle Professor Dr. Pannwitz (Charlottenburg) einen

Bericht über die Entwicklung der Tätigkeii des Verbandes deutscher Frauenvereine vom Roten Kreuz

in den letzten acht Jahren. Der Redner führte aus:Die Entwicklung der Frauenvereinstätigkeit unter dem Roten Kreuz ist im letzten Jahrzehnt eine überaus günstige gewesen. Die Zahl der Zweigvereine beziffert sich gegenwärtig auf über 2000, die der Mitglieder auf mehr als eine halbe Mil­lion. Das Gesamtvermögen beträgt mehr als 25 Millionen Mark, das des Preußischen Vaterländischen Frauenvereins allein nahezu 20 Millionen. Neben der kriegsvorbereitenden Tätigkeit des Roten Kreuzes, die sich seit längerer Zeit in festen Formen bewegt, widmen sich die Frauenvereine haupt­sächlich der organisierten sozialen Hilfstätigkeit in offizieller Ergänzung der staatlichen und kommunalen Wohlfahrtspflege. Gemäß der Stellung und Tradition des Roten Kreuzes haben sich die Beziehungen zu den Behörden vielfach so gestaltet, daß den Vaterländischen Frauenvereinen Verwaltung und Betrieb öffentlicher Wohlfahrtseinrichtungen übertragen wurde. Diese organisierte soziale Fürsorge betrifft die eigentliche Krankenpflege, die Volksgesundheitspflege, die spezielle Kmder- fürsorge, die Hebung der weiblichen Erwerbsfähigkeit und Armenpflege. Die letzte tritt immer mehr zurück und wird der kirchlichen Wohltätigkeit überlassen, während die Frauen- vereine vom Roten Kreuz ihre Hauptarbeit darin sehen, durch Wohlfahrtsunternehmungen im vorbeugenden Sinne zu wirken. Dies gilt vor allem von der systematischen Beteili­gung an der Volksgesundheitspflege. Hier stehen gegen­wärtig die Bekämpfung der Tuberkulose und der Säuglings­sterblichkeit im Vordergrund. Die Fürsorgestellen vom Roten Kreuz, die auf staatliche Anordnung, unter Mit­wirkung der Schwestern in der Gemeindepflege, zuerst bei der Granulosebekämpfung sich vorzüglich bewährt hatten, sind in großer Zahl für die Lungenkranken und Säuglinge eingerichtet worden und haben vielfach Nachahmung »gefunden. Ferner bilden Errichtung und Betrieb von Wald- rrholungssiätten, Waldschulen, Arbeitergärten usw. hier eine wichtige Aufgabe. Die für die Hebung der weiblichen Er­werbsfähigkeit unterhaltenen Koch-, Haushaltungs-, Industrie-, Kunst- und Handelsschulen haben sich vielfach als letztes Ziel die Ausbildung von Lehrkräften gesteckt. Die Zahl der Schwestern vom Roten Kreuz nimmt ständig zu. Dazu kommen zahlreiche Hilfsschwestern und Helferinnen. Aber die steigenden Bedürfnisse in der Gemeindepflege verlangen immer noch mehr weibliche Hilfskräfte, obwohl schon zahl­reiche Diakonissinnen und katholische Ordensschwestern in den Stationen des Roten Kreuzes Verwendung finden. Hier tritt ergänzend das Institut der Landkrankenpflegerinnen ein, die von der Gemeinde ausgewählt und von den Frauen­vereinen entsprechend ausgebildet werden. Zwischen den kirchlichen Hilfsvereinen und den nach interkonfessionellen Grundsätzen arbeitenden Frauenvereinen des Roten Kreuzes hat sich eine natürliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete von selbst herausgebildet. In Preußen wurde diese Abgrenzung zwischen den Vaterländischen Frauenvereinen und der evang. Frauenhilfe durch besonderen Ministerialerlaß im vorigen Jahre geregelt." (Lebhafter Beifall.)

Weiterhin berichteten Dr. Ko big (Schweidnitz) über die vorbildliche Tätigkeit des Vaterländischen Frauenvereins im Landkreise Schweidnitz auf dem Arbeitsgebiete deS Roten Kreuzes und Frau Oberbürgermeister Lauter (Karlsruhe) über die Ausbildung von Schwestern vom Roten Kreuz als Wirtschaftsschwesteru. Ueber

13 bis 16 Jahren sprach königlicher Oberkämmerer und Oberst ü la suite Frhr. v. Müller (München). Er schil­derte insbesondere die Tätigkeit des Bayerischen Frauenvereins auf diesem Gebiete. Da die Hauptaufgabe des Vereins die Pflege für die Verwundeten bleibt, so stehen ihm für die Volksgesundheitspflege nur geringe Mittel zur Verfügung, die insbesondere zur Bekämpfung der Kinder­sterblichkeit, zur hygienischen Belehrung des Volkes, zur Verbesserung der ErnährungSver- h â l t n i s s e in den ärmeren Bevölkerungsklassen und zur

IXBitte, kauten Sie nurJ*-^+1 alle zum gleichen Zwecke angepriesenen Präparate. "

ta"Mw^ ^M^ÄÄ- Sehr -..sai-big: Man»«».«», fHi« »m SBÜrufWm. I

LM^â^i!LL> ;°e.^^

Volksgesundheitspflege

in Verbindung mit der Friedenstätigkeit der Frauen­vereine vom Roten Kreuz, insbesondere über die Tätig­keit für Ermittelung eines unentgeltlichen Landaufent­haltes für blutarme Mädchen im Entwicklungsalter von Anstellung von sorgfältig ausgebildeten Landkrankenpflege­rinnen verwendet werden. Die Bekämpfung der Kindersterb­lichkeit erfolgt durch Belehrung der Mütter, Fürsorge für Mutter und Kind, Kontrolle der Kostkinderplätze und Unter­bringung blutarmer Mädchen in unentgeltlichen Landaufent­halten. Die Belehrung geschieht durch die Flugblätter, durch die schon manch schöner Erfolg erzielt wurde, und durch die Herausgabe eines billigenBüchleins für die Mutter". Von den meisten Zweigvereinen werden ferner arme Wöchnerinnen durch Geld-, Lebensmittel--, und Wäscheabgabe unterstützt; auch ist der W a n d e r k o r b weit verbreitet. Sein großer Wert rotrb vielfach noch nicht richtig erkannt; armen Müttern ist eS unmöglich, sich alles zu beschaffen, was er enthält und was doch nötig ist, um die Gefahren des Wochenbettes zu vermeiden und zu beseitigen. Leider begegnet man hier und da einer gewissen Abneigung. Die Aerzte sollen da­rauf hinweisen, wie sorgfältig die Körbe nach dem Ge­brauche desinfiziert werden. Die Fürsorge für blutarme Mädchen geschieht am billigsten durch Unterbringung bei Familien auf dem Lande. Es finden fich häufig Familien, die solche Mädchen gerne auf mehrere Wochen zu sich nehmen, indem fie sich sagen: wo so viele mitessen, findet sich für ein Mädchen mehr auch noch Nahrung. Unbedingt erforder­lich ist, daß jedes Mädchen vor der Unterbringung ärztlich untersucht wird, denn nur blutarme, aber nicht etwa tuber­kulöse oder kranke Mädchen dürfen den Wohltätern über­wiesen werden. Die Reisekosten trägt meist das Zentral­komitee, doch sollen die Eltern, die nicht ganz mittellos sind, zur Bestreitung eines Teiles der Reisekosten herangezogen werden. Ein Haupterfordernis für die Verpflegung sei, den Mädchen möglichst viel Milchnahrung zu geben. Die Mädchen können mit leichten Arbeiten beschäftigt werden, anstrengende Arbeit ist ausgeschlossen. Die Zweigvereins- vorsitzenden müssen sich durch Besuche von der Ernährung und Haltung der Mädchen überzeugen. Zur Verbreitung des hygienischen Verständnisses in der Armee diene der vom Verein herausgegebene Soldatenkalender. Die Abhaltung von Kochkursen und Demonstrationen mit der Kochkiste dienen der Verbesserung der Ernährungsverhältnisse, wobei gezeigt wird, wie man mit wenig Mitteln ein möglichst nahrhaftes Essen bereiten kann. Die eingehenden Darlegungen des Redners fanden allgemeine Zustimmung.

Als Korreferent zu diesem Thema sprach Professor Dr. Stark (Karlsruhe) über die Aufgaben der Volksgesund- heitSpflege im allgemeinen.

Zum Schlüsse berichtete Obermedizinalrat Dr. Hauser (Karlsruhe) über

Die Entwicklung der Landkranken-, Haus­und Wochenbettpflege.

Der Redner untersuchte, ob und inwieweit die vor acht Jahren für die Entwicklung der Krankenpflege auf dem Lande gehegten Hoffnungen sich erfüllt hätten, und was, falls diese Frage sich bejahen ließe, für die weitere Entwicklung und Förderung der guten Sache für die Landbevölkerung zu geschehen habe.

Die erste Frage glaubte der Redner mit Ja beantworten zu dürfen; er ging dabei zunächst von den Verhältnissen Badens aus, schilderte alsdann die Entwicklung der Kranken­pflege überhaupt, wie speziell derjenigen auf dem Lande, im Sinne der Kranken-, Haus- und Wochenbettspflege, zuvorderst der Frauenvereine vom Roten Kreuz in Preußen, ging so­dann über auf die gleiche Entwicklung in Bayern und in den anderen deutschen Staaten, soweit hierüber aus der bezüg­lichen Literatur sowie durch Privatmitteilungen Aufklärung mit einiger Sicherheit zu erwarten war. Ueberall sei, so führte der Redner aus, ein Vorwärtskommen sowohl der Kranken-, Haus- und Wochenbettpflege überhaupt, wie auch speziell jener für das Land festzustellen: In Baden habe sich seit 1898 die Zahl der Gemeinden, die Krankenpflege besitzen, von 480 auf 642, die Summe der Pflegekräfte von 2224 und 2984 und speziell die Landkrankenpflegerinnen von 88 auf' 150 vermehrt; für Preußen und die übrigen deutschen Staaten ließen sich gleiche Vergleichszahlen leider nicht angeben, da wohl für diese die Ergebnisse der Zählung vom Jahre 1898, keineswegs aber solche soweit wenigstens das gesamte Krankenpflegepersonal in betracht komme vom Jahre 1906 vorlägen. Doch sei er imstande, speziell für die Landkrankenpflege wenigstens aus Bayern und

SSEEM

c^^

Preußen diesbezügliche ungefähre Ziffern mitzuteilen: in Bayern, das die Landkrankenpflege nach badischem Muster! eingeführt habe, sei die Zahl dieser Pflegerinnen von 12 im Jahre 1902 auf 65 im Jahre 1906 gestiegen, in Preußen sei das Beispiel Badens am besten vom Vaterländischen Frauenverein des Kreises Siegen nachgeahmt worden ; im Jahre 1906 habe dieser 18 Krankenpflegestationen auf dem Lande besessen, dazu 3 Wochenbettpflegerinnen und 2 Ge­meindeschwestern ; im übrigen preußischen Staat habe man von Seite des Vaterländischen Frauenvereins das platte Land meist mit Berufskrankenpflegerinnen, sogenannten Gemeindeschwestern, zu versehen versucht, und habe in verhältnismäßig kurzer Zeit bedeutende Fortschritte gemacht, im Jahre 1905 habe die Zahl dieser 521, im Jahre 1906 bereits 678 betragen; ebenso sei in rühmlicher Weise die Zahl der speziell hierfür bestimmten Wochenbett- uns) Haushaltpflezerinnen gestiegen. Außerhalb des Vater­ländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz habe so­dann der am Rhein entstandene und über ganz Deutsch­land verbreitete Charitasverband um die Versorgung des platten Landes mit Krankenpflege sich Verdienste er­worben : in 12 Kursen seien innerhalb acht bis neun Jahren 292 Schülerinnen ausgebildet worden, von denen zurzeit noch 228 als sogenannte Krankenbesucherinnen in Tätigkeit sich befänden; weitere Versuche, das Land, im Gegensatz zur Stadt, mit Krankenpflege zu versehen, seien nach der vor^ liegenden Literatur bereits früher im Kreise Gießen, in Hessen und ferner in Württemberg gemacht worden, ferner, außer­halb des Vaterländischen Frauenvereins, von kirchlicher Seite in Hannover; aus all diesem folge, einmal, daß die Not­wendigkeit, das öffentliche Bedürfnis, auch dem Lande baS ihm gebührende Maß von Krankenpflege zukommen zu lassen, allgemein empfunden werde, daß wir zwar im letzten Jahr­zehnt in diesem Streben nach Abhilfe fragelos einen guten Schritt vorwärts gekommen seien, aber noch lange nicht genug, um die Frage und Aufgabe als gelöst zu betrachten; es müsse also weiter an der Lösung gearbeitet werden und die Art und Form dieser Lösung nach Lage der gegebenen Verhältnisse und nach Lage der hierzu vorhandenen Mittel vor allem gesucht werden, indem man sich nicht auf eine ein­zige Form festlege, sondern bei reichlichen Mitteln der Land­orten die berufliche Krankenpflege, unstreitig die vollkommenste Form, zugestehe, bei geringen Mitteln aber die Landkranken­pflege nach dem Muster der badischen Landkrankenpflege eitt- zurichten suche, die sich bisher auch außerhalb der badischtik Landesgrenze vielfach bewährt habe. Wolle man die letztere einführen, dann könne und werde man dies am besten auf Grundlage der vom Redner aufgestellten Grundsätze tun, die nun in kurzen Sätzen errtwickelt und begründet wurden.

Mit einem warmen Appell an die Versammlung, ni$l zu ruhen, bis die, nicht nur allein im Interesse der Land­bevölkerung, sondern vom sozialen wie patriotischen Stand­punkt, ebenso sehr auch im Interesse der Allgemeinheit gy legene Aufgabe voll und ganz gelöst sei, schloß der Vortrag

Hieran anschließend dankte der Vorsitzende den Fürstlich­keiten für ihr Erscheinen und dem Leiter des Wiesbadener Ortsausschusses, Oberstleutnant a. D. Wilhelmi, für seine umfassenden und aufs beste gelungenen Vorbereitungen fürs

die

Tagung. (Lebhafter Beifall.)

Damit schloß die Hauptversammlung.

Schiffsberichte.

(Milgeteilt von Agent Ad. Treusch-Hanau.)

Der Hamburger DampferDeutschland" ist am 17. Ok^ tober wohlbehalten in New-Dork eingetroffen.

Hamburg, 17. Oktbr. Der DampferDania" üd^ der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in New - Orleans und der DampferRhenania" vorgestern in Colombo ein* getroffen.

Bremen, 17. Oktbr. Der Dampfer des Norddeutschm^ LloydHansa" ist gestern in New-OrleanS eingetroffen.

in der Entwicklung oder beim Lernen zu- rückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare und frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. Hommel'S Haematogen 17689t Der Appetit erwacht, die geistigen und körperliche« Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echte Dr. Hommel'S Haematogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aufrede«.

^"^V *'

»Waschanstalt Gebr Röver Färberei / . '

Hanau, Krämerstr. 17

Bedeutendstes Werk dieser Brandie *» in Mitteldeutschland.

?