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Montan

Angusi

Namen des Kaisers von Rußland an Europa gerichtete Me­morandum deS Grafen Murawjew hin, worin Murawjew erklärte, diese so andauernd drückende Bürde der Rüstungen müsse zu einem Zusammenbruch führen, dessen Schrecken jedes menschliche Denken schon jetzt mit Schauder erfüllten.Diese Worte, so wahr und beredt", .fuhr Sir Edward Fry fort, sind heute noch wahrer und überzeugender, denn die Aus­gaben für Heeres- und Marine^wecke sind in dem zwischen beiden Konferenzen liegenden Zeitraum noch erheblich größer geworden. Die jährlichen militärischen Ausgaben der euro­päischen Staaten mit Ausnahme der Türkei, Montenegros, sowie der Unionstaaten und Japans, vermehrten sich um 69 Millionen Pfund Sterling. Ich bin ganz sicher, daß Sie mit mir darin übereinstimmen werden, daß die Verwirk« lichung des Wunsches des Kaisers von Rußland und der ersten Konferenz eine große Wohltat für die Menschheit be­deuten würde. Ob der Wunsch sich verwirklichen läßt, ist allerdings eine Frage, auf die ich Ihnen keine kategorische Antwort geben kann. Ich darf Ihnen aber die Versicherung geben, daß meine Regierung eine überzeugte Anhängerin dieser erhabenen Bestrebungen ist und mich beauftragt, Ihnen ans Herz zu legen, einmütig an der Verwirklichung dieses edlen Wunsches zu arbeiten. Ehemals träumten die Menschen vom goldenen Zeitalter; heutzutage aber ist daS Gefühl der Zusammengehörigkeit des Menschengeschlechtes mehr denn je aus der ganzen Erde verbreitet. Im Namen dieses Gefühls bitte ich Sie, nicht auseinanderzugehen, ohne den Wunsch ausgesprochen zu haben, daß die sämtlichen Regierungen der Welt sich sehr ernstlich der Beschränkung der Mililürlasten widmen mögen. Meine Regierung verkennt nicht, daß es die Pflicht eines jeden Landes ist, sich gegen Feinde und Gefahren zu schützen, die es bedrohen können, sowie daß jede Regierung das Recht, ja die Pflicht hat, selbst zu entscheiden, was chrem Lande zur Erreichung dieses Zieles zu tun zukommt. Also nur durch guten Willen, den sreienWillen einer jeden Regie­rung, die aus eigenem Antriebe für das Gliick ihres Landes arbeitet, ist der Gegenstand unserer Wünsche zu verwirklichen. Die englische Regierung hat in Anbetracht des Umstandes, daß mehrere Mächte den Wunsch hegen, ihre Militäraus­gaben zu beschränken, es für ihre Pflicht gehalten, zu unter­suchen, ob sich nicht Mittel finden ließen, diese Bestrebungen zum Ziele zu führen. Meine Regierung ermächtigt uns demnach, folgende Erklärung abzugeben:Großbritannien wäre bereit, den Mächten, die dieselbe Handlungsweise beob­achten würden, jedes Jahr von seinen Konstruktionen neuer Kriegsschiffe, den betreffenden Vorlagen, sowie von den durch diese Vorlagen bedingten Kosten Mitteilung zu machen. Dieser Austausch von Mitteilung würde den Austausch der Ansichten erleichtern, die die Regierung über die Herabsetzung der Streitkräfte hegen, die man dann durch ein gemein« sameS Uebereinkommen ins Werk setzen könnte. Die eng­lische Regierung glaubt, daß man auf diese Weise zu einer Verständigung in betreff der Ausgaben gelangen könnte, welche diejenigen Staaten, die den angegebenen Weg einzu­schlagen bereit seien, dann mit gutem Rechte in ihr Budgets einstellen könnten." Fry schloß seine Rede, indem er folgende Resolution in Vorschlag brachte:Die Konferenz bestätigt die Resolution, welche die Konferenz vom Jahre 1899 ange­nommen hat, und die sich auf die Beschränkung der Rüstungen bezieht; in Anbetracht des Umstandes, daß diese Lasten seit dem genannten Jahre in fast allen Ländern einen bedeuten­den Zuwachs erfahren haben, erklärt die Konferenz, daß es in hohem Maße wünschenswert ist, zu sehen, daß die Re­gierungen das ernste Studium dieser Frage erneut in An­griff nehmen." Nach der Rede Frys, die mit großer Auf­merksamkeit angehört und zum Schluffe von einem Teile der Delegierten beifällig ausgenommen wurde, verlas Nelidow die Erklärung der nordamerikanischen Delegation, in der sie ihre Sympathien für die von Fry dargelegten Anschauungen aus­spricht und dessen Vorschlag unterstützt. Ferner gab Neli­dow ein Schreiben der spanischen Delegation ähnlichen In­halts bekannt und sodann eine Denkschrift der Delegationen Argentiniens und Chiles über die von diesen beiden abge­schlossenen Uebereinkommen betreffend die Begrenzung der Rüstungen. Hierauf erklärt Bourgeois, er unterstütze namens der französischen Regierung die Resolution Frys und hoffe, daß die nächste Konferenz das Stadium dieser Frage entschlossen in Angriff nehme. Schließlich führte Nelidow in längerer Rede aus, daß die nach der Konferenz von 1899 stattgehabten Kriege in China, Transvaal, ferner der russisch-japanische Krieg, die Kolonialkämpfe und die diplomatischen Schwierigkeiten Rußland veranlaßt hätten, den Begrenzungsvorschlag von 1899 in das Programm der zweiten Konferenz nicht aufzunehmen. Die Erfahrung von 1899 habe gezeigt, daß eine derartige Erörterung die Meinungsverschiedenheiten der Mächte hinsichtlich deS 6-egen- standes nur verstärken könne. Rußland und andere Mächte seien deshalb entschlossen gewesen, an einer etwaigen Dis­kussion nicht teilzunehmen.' Die Idee beschäftige die öffent­liche Meinung aber so sehr, daß die englische Regierung trotz alledem die Aufmerksamkeit der Mächte auf die Frage ge­lenkt hätte. Die Konferenz sei jedoch für die Frage ebenso wenig vorbereitet wie die von 1899, aber man dürfe den von der ersten Konferenz ausgesprochenen Wunsch erneuern und könne der englischen Initiative nur Beifall spenden. Er empfehle der Konferenz, die Resolution Frys mit Akkla­mation anzunehmen. Dies geschieht. Hierauf wird die Sitzung geschlossen.

Die Lage in Marokko.

Paris, 18. August. Wie derTemps" aus Casa­blanca meldet, herrschte hort gestern große Auf­regung, da man glaubte, daß ein Angriff der Stämme erfolgen werde. Die spanischen Truppen und die französi­schen" Scharfschützen machten eine Rekognoszierung, allein der Angriff erfolgte nicht. General Drude soll diesen An­griff gewünscht haben, um die Eingeborenen die Ueberlegen- Yeit der europäischen Streitkräfte füllten zu lassen.

Lonvon, 17. Aug. Nach einer Meldung des Neuterschen Bureaus aus Casablanca soll in der Nacht vom 15. zum 16. August General Drude eine Botschaft von K a by l e n er­halten haben, worin seine sofortige Ergebung gefordert wirb, widrigenfalls große Scharen von Aradern die französischen Trrrppen vom Erdboden vertilgen und die Stadt zerstören würden.

San Sebastian, 17. Aug. Der Minister des Auswär­tigen erklärt die Meldung, daß sich Kompetenzfragen zwischm Franzosen und Spaniern in Casablanca er» ^obsn hatten, für unbegründet.

17. Aug. DerLiberte" zufolge wird der frühere minister Hanotaux morgen in derRevue bebdomadaire"

eine Studie über Marokko veröffentlichen. Der Ver­fasser bedauert, daß man Marokko in der diplomatischen Ein­heit umgestaltet habe, da man seinetwegen unaufhörlich europäische Ermächtigungen notwendig machte und daß man nun dabei ist, aus Marokko eine nationale Einheit zu machen, indem man durch eine unzureichende militärische Aktion seine vor kurzem zerstreuten Streitkräfte sammle, die dem Freunde von gestern, der nunmehr Eroberer und Angreifer geworden, den heiligen Krieg erklären würden. Hanotaux glaubt, Frankreich sei gegenwärtig in einer Sackgasse, aus der es nur auf zwei Wegen herauskommen könne. Es könnte versuchen, sich mit dem Sultan und dem Maghzen zu verständigen. Der Erfolg sei sehr unsicher. Der Verfasser zieht den anderen, gefährlicheren Weg vor, der aber vielleicht bald der einzige iein würde, namentlich, daß Frankreich, ohne etwas zu ver­hehlen, nur mit sich selbst zu Rate gehe und sich selbst die Linie seiner Rechte und Pflichten ziehe. Hanotaux ist über­zeugt, daß keine ernstliche Opposition Frankreichs Vorgehen gegenüber folgen würde. Die Beendigung seines Zögerns würde einer allgemeinen Bewegung der Achtung und des Vertrauens begegnen.

Paris, 18. Aug. DasJournal" meldet aus Casa­blanca: Die Spanier haben die Position außerhalb der Stadt inne. Der Fregattenkapitän L e § q u i v i t übernahm das Kommando in der Stadt. Die Uneinigkeit der Stämme nimmt zu. Der Medjunastamm soll beabsichtigen, sich zu unterwerfen. DemMatin" wird au3 S an Sebastian berichtet: Der Minister des Aeußern sei sehr optimistisch gestimmt. Ec glaube an eine glatte Lösung der marokkanischen Frage. Die Nachrichten von Agitationen in marokkanischen Häfen seien übertrieben. Dem .Matirll zufolge äußerte der sranzösische Konsul in Casablanca in einem Interview, er glaube, wenn die Stämme den A n - griff erneuern sollten, so würde dies die letzte An­strengung sein; sie begännen an Munition und Lebensmitteln Mangel zu leiden.

Tanger, 17. Aug. Auf Anregung des französischen Konsuls in Casablanca beschloß das dortige Kon­sularkorps, die während der AuftäumungSarbeiten in der Stadt gefundenenGegenstünde ben (Eigentümern zurückzugeben. Die Lage in Fez ist ziemlich beruhigend, aber unverändert.

Lonvon, 18. August. Nach einer Meldung von Reuter aus Casablanca von gestern heißt es dort, der Sultan habe sich an der Spitze einer Mahalia von Fez nach Rabat be­geben, um persönlich gegen die aufrührerischen Stämme vor- zugehen.

Tanger, 18. August. Der spanische KreuzerNumancia" ist heute früh hier eingetroffen.

Casablanca, 18. August. (HavaS.) Hier herrscht jetzt Ruhe. Die eingeborenen Behörden lassen daS Minaret und die Moschee, die bei den letzten Kämpfen zerstört wurden, wieder aufrichten.

Paris, 18. Aug. (HavaS.) Nach telegraphischer Meldung desAdmirasl Philibert von gestern ist der TransporterSham­rock" gestern mittag vor Casablanca eingetroffen, wo sich auch der PanzerkreuzerGloire- befindet. Zu diesen Schiffen stößt der Kreuzer Galillse", wenn er von seiner Tour nad) Magador, Sassi und Mazagan zurückkommt. Die Panzer­kreuzerAdmiral Aube" und Conde" liegen vor Mazagan, der Kreuzerdu Chayla" vor Mogador, der Panzerkreuzer Guejdon" vor Larasch, der PanzerkreuzerJeanne d'Arc" und der TorpedokreuzerCassini" vor Tanger. In allen Häfen ist Ruhe.

Das deutsch-amerikanische Zollabkommen.

Newyork, 16. August. Das deutsche Zollabkommen wird demnächst die Gerichte beschäftigen, und es wird da­durch Klarheit hinsichtlich seiner Rechtsgültigkeit geschaffen werden, was der Wunsch der Importeure ist. Das Gerichts­verfahren soll herbeigeführt werden auf Grund einer Ent­scheidung der Zoll-Appraisers von Newyork, welche den erhöhten Einfuhrwert deutscher Schokolade aufrecht erhält. Die Zoll- abschützungsbeamten berufen sich dabei auf eine Entscheidung des Obersten Bundesgerichts in Zollsachen, die Importeure auf daS neue Zollabkommen mit Deutschland.

-----» I- IIM uw HMIMW'hiWJHMÄJJ^^ » i ---- Senin für hessische Geschichte und Landes­kunde.

73. Jahresversammlung.

CFchwege, 17. August.

Dem von dem Schriftführer des Vereins, Herrn Rechnnngs- rat Woringer erstatteten

Geschäftsbericht entnehmen wir ba§ folgende:

Während wir gelegentlich der Melsunger Versammlung nur über eine Zunahme von 5 Mitgliedern im Jahre 1905/6 berichten konnten, sind wir diesmal in angenehmerer Lage. Die Mitgliederzahl betrug in Melsungen 1793. Heute besitzen wir trotz einem Abgänge von 97 Mitgliedern 1844 Mitglieder, können also eine Zunahme um 51 Mit­glieder feststellen. Von den abgegangeneu Mitgliedern sind 75 ausgetreten, während uns 22 durch den Tod entrissen wurden. In den ermähnten Zahlen sind die Ehrenmitglieder kingeschloffen, deren Anzahl von 9 auf 11 gestiegen ist. Der Gesamtvorstand hat nämlich im Laufe des Jahres einstimmig beschlossen, die früheren langjährigen Vorstandsmitglieder, Herrn Archivdirektor, Geheimen Archivrat Dr. phil. Kön­ne ck e, Herrn Major z. D. von und zu L ö w e n st e i n und Herrn Kanzleirat 9t e n b e r, die sich, ersterer als Vor­sitzender des Marburger Zweigvereins, letztere als Bibliothekar und Schriftführer des Gesamtvereins, große Verdienste um den Verein erworben haben, zu Ehrenmitgliedern zu er­nennen. Dagegen ist ein anderes Ehrenmitglied in hohem Alter verstorben : Herr Professor Dr. phil. Reinhard Such i er in Hanan. Seine ausgedehnte schriftstellerische Tätigkeit be­gann er mit einer ausgezeichneten Uebersetzung der Gedichte Ovids, wandte sich später aber mehr und mehr der geschicht­lichen Forschung zu. Hier war es besonders die Geschichte der Grafschaft Hanau, der er seine Studien widmete. Da­neben beschäftigte er sich namentlich auch mit Numismatik, auf welchem Gebiet er außerordentlich bewandert war. Im fast vollendeten 84. Lebensjahr verschied der in den weitesten Kreisen beliebte und hochgeehrte Forscher am 13. Juli d. I.

In der Zusammensetzung des Gesamtvorstanbes und des Redaktionsausschusses sind seit der vorigen Jahresversammlung Veränderungen nicht eingetreten.

Die Ausgabe unsererZeitschrift" ist im abgelaufenen Jahre in einer von der früheren Erscheinungsweise ab­weichenden Art geschehen. Um unsern Mitgliedern schneller und öfter unsere Veröffentlichungen zukommen lassen zu können, haben wir versuchsweise den fälligen Band derZeit­schrift" in 2 Heften erscheinen lassen. Dadurch wurde el möglich, die erste Hälfte des Bandes bereits im Herbste 1906 auszugeben, während die zweite^ Hälfte und dieMit­teilungen" dann im Frühjahr 1907 nachfolgten. Diese Ari der Herausgabe ist zwar für den Verein mit nicht unerheb­lichen Mehrkosten verbunden, allein wir hoffen, dadurch den Wünschen unserer Mitglieder entgegengekommen zu sein. Eine weitere Neuerung, nämlich der in beide Hefte verteilte Literaturbericht, hat vielen Beifall gefunden.

Die von uns in Melsungen in Aussicht gestellte Glocken« künde", ein Werk unseres verehrten Vorstandsmitgliedes Herrn Geheimen Baurats Hoffmann in Fulda, ist im Laufe des vorigen Sommers erschienen und sehr günstig beurteilt worben. Der Natur ihres Inhaltes nach ist der Absatz leider kein bedeutender gewesen, so daß trotz der Beihilfen der evangelischen Gesamtsynode, des Domkapitels zu Fuld« und der Magistrate der Städte Marburg, Fulda und Fritzlar bei weitem nicht die Kosten der Heransgabe gedeckt worden sind. DaS hatte der Vorstand zwar vorausgrsehen; er hat aber nicht geglaubt, aus diesem Grunde die Herausgabe eines so hervorragenden Werkes, das unserem Gebiet noch fehlte, ablehnen zu dürfen. Wir möchten aber an unsere Mitglieder die Bitte richten, durch weitere Bestellungen zur Deckung der Kosten beitragen zu wollen.

Die Herausgabe der G r u n d k a r t e n " ist vollendet. Das letzte Blatt wird eben gedruckt. Die Herstellung der Karten wurde infolge des Mangels an Unterlagen und Vor­arbeiten sehr kostspielig. Der Verein hat deshalb, was von vornherein nicht beabsichtigt war, mit namhafter Beihilfe dies« Unternehmung selbst unterstützen müssen. Die Herausgabe der Karten war aber dringend notwendig, und es sieht uni durch den Verkauf der Karten auch wieder eine Einnahmt in Aussicht.

Unsere Bemühungen, die alte Bergveste Spangen« b e r g der Oeffentlichkeit zu erhalten, haben wenigstens einen teilweisen Erfolg gehabt. Es bot sich nämlich der König­lichen Regierung, die unter keinen Umständen die Kosten der Erhaltung des Schlaffes ohne praktische Verwendung seiner Räume weiter übernehmen wollte, Gelegenheit zu einer solchen Verwendung der Schloßgebäude. Die ForstlehrlingSschul« in Groß-Schönebeck muß infolge von Kündigung im Laufe dieses Jahres die von ihr bisher innegehabten Gebäude ver­lassen, die Königliche Regierung hat deßhalb beschlossen, diese Schule in das Spangenberger Schloß zu verlegen. Zum Umbau der für die Anstalt erforderlichen Räume ist ein Be­trag von 90 000 Mk. in den diesjährigen Staatshaushalts­etat eingestellt worden. Wenn nun auch zu bedauern ist, daß bei den notwendigen Umbauten ein Teil der in den Sälen vorhandenen Fresken hat vernichtet werden müssen, und daß die Besichtigung der Jnnenräume künftig auf gewisse Tagesstunden beschränkt werden wird, so ist doch wenigstens dem Verfall der Schloßgebäude norgebeugt und verhindert, daß das Schloß in Privatbesitz gelangte und dann der Oeffent­lichkeit ganz entzogen wurde.

Die Kommission zur Erforschung vor- und frühgeschicht­licher Befestigungen in Hessen hat bei ihren diesjährigen Ar­beiten wichtige Erfolge gehabt. Auf der Altenburg bei sieben st ein, in der wir, wenn auch nicht das Mattium des Tacitus selbst, so doch eine Fluchtburg für seine Be­wohner vermuten dürfen, sind Reste von Wohnstätten auf« gedeckt und Geräte aus verschiedenen Perioden gefunden worben. Wir dürfen hoffen, durch weitere Forschungen dieser Kommission zu wichtigen Feststellungen über diese chattischen Niederlassungen zu gelangen. Das erste Heft der Veröffent­lichungen der Kommission ist in Arbeit, die Abbildungstafeln befinden sich bereits im Druck.

In die Historische Commission für Hessen und Waldeck ist ein weiteres Mitglied unseres Gesamtvorstandes, Herr Generalleutnant z. D. Beß, Exzellenz, durch Wahl der Kom- Mission eingetreten.

Bei der letzten Hauptversammlung des Gesamtvereins Deutscher Geschichts- unb Altertumsvereine in Wien waren wir durch unser Gesamtvorstandsmitglied, Herrn Professor Dr. phil. Küster in Hanau, bei der Jahresversammlung des nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsersorschung in Bremen durch unseren Vorsitzenden, Herrn Generalmajor z.D. Eisentraut, vertreten.

Wir müssen unseren Mitgliedern heute auch über eine Angelegenheit Bericht erstatten, die seit einigen Jahren dem Vorstand vicl Sorgen und Arbeit gemacht hat. Wie Ihnen wohl besannt, hatte der verstorbene Konservator Dr. phil. B ick ej I in Marburg im Laufe seines Lebens eine sehr wert­volle Sammlung hessischer Altertümer zusammen- gebracht. Diese Sammlung sollte, wie er verschiedentlich erklärt hatte, nach seinem Tode in das Eigentum unseres Vereins übergehen. Er hatte aber versäumt, in dieser Be- Ziehung ausreichende Fürsorge 311 treffen, und als er am 20. Oktober 1901 starb, fand sich nur ein Zettel vor, aus dem zwar Bickells Absicht, die Sammlung unserm Vereine zu. vermachen, klar hervorging, der aber als Testament reine rechtliche Gültigkeit besaß. Es unterlag nun reinem Zweifel, daß der Verein trotzdem die Sammlung er» werben mußte. Um dies zu erreichen, traten die Herren Archivdirector, Geh. Archivrat Dr. phil. Könnecke in Mar­burg und Staatsarchivar Dr. phil. Reimer, jetzt in Koblenz, im Namen des Vereins mit den Bickelschen Erben in Unter­handlung. Der Verein ist diesen beiden Herren großen Dank schuldig für die mühevolle Arbeit, die sie damit übernommen hatten. Denn es handelte sich um nicht weniger als 28 Erben, die in allen Weltteilen zerstreut lebten. Ein Teil der Erben trat nun feine Ansprüche unentgeltlich an den Der-