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Die nllsitmrnik Wirtschastslafte in 1906.
Die Hanau er Handelskammer äußert sich weiter in ihrem uns im Auszuge vorliegenden Jahresbericht über die allgemeine wirtschaftliche Lage:
Eine weitere starke Belastung der Produktionskosten ist ‘ in der erheblichen Verteuerung gegeben, welche, wie schon augedeutet, die Noh- und HiIfSstoffe fast aller Industriezweige erfahren haben. Schon eine rasche Durchsicht der unS zugegangenen Geschäftsberichte aus unserm Bezirk ermöglicht uns, dafür eine lange Reihe von Artikeln aufzu- ; zählen: Platin, Silber, Edelsteine, Brillanten und Perlen, - Rohtabak, Brauereistoffe, Brennmaterialien, Getreide, Wein, ■ Eisen, Zinn, Eichenholz, Fette, Oele, Wolle, Wollengarne, s Leinenstoff, Bienenwachs, Rohgummi, Häute, Schellack, Zinkweiß und andere Chemikalien usw. Dabei fällt noch besonders ins Gewicht, daß wohl in einigen, keineswegs aber in allen Zweigen oder überall in genügendem Maße die | Durchführung einer dementsprechenden Erhöhung der Verkaufspreise für das Fertigfabrikat erreicht werden konnte. Soweit dabei nicht schon der Widerstand der Abnehmer mit« sprach, tat eben eine andere Begleiterscheinung der Hochkonjunktur, die verschärfte Konkurrenz, das ihrige, um eine rationelle Preisbildung zu verhindern. Dies gilt für unsern Bezirk insbesondere von der Cigarren-, Gummiwaren-, Papier-, Maschinen-, Silberwaren- und Wollwarenbranche wie ebenso von der Bierbrauerei, dem Baugeschäft, der Tüderei und der chemischen Industrie. Wir kommen im zweiten Teil unsers Jahresberichts noch im einzelnen auf die Besonderheiten der betreffenden Gewerbzweige zurück, und wollen schon hier nur darauf aufmerksam machen, daß, wenn diese Erscheinungen auch im vorigen Jahre bereits zu verzeichnen waren, sie die Wirtschaftslage in 1906 doch noch in weit intensiverem Grade kennzeichnen.
In diesem Zusammenhang müssen wir aber einer höchst bedeutsamen Erscheinung noch Erwähnung tun, bas ist der sehr teuere G e l d st a n d , welcher sich mit Lohnerhöhungen und Steigerung der Materialpreise verbündet hat, um der Industrie und dem Handel einen Teil der Vorteile wieder zu entreißen, die sie unter anderen Verhältnissen alis der gewaltigen Produktions- und Absatzvermehrung hätten ziehen i können.
Gerade von der anfänglich mit so großen Bedenken auf- I genommenen Ausgabe von Noten zu 50 und 20 Mk. und ■ von Kassenscheinen zu 10 und 5 Mk. erwartete man eine ; solche Entlastung des Barumlaufs, daß wir vor Diskont- * erhöhungen wie im Vorjahre bewahrt bleiben würden. Dies i ist aber durchaus nicht eingetroffen, vielmehr hat die N e i ch s- ! bank folg«tde Diskontsätze ausgegebcn:
bis 18. Januar . 6 pCt.
„ 23. Mai . . 5
„ 18. September 41/« „
„ 10. Oktober . 5 „
„ 17. Dezember 6 „ seit 18. „ 7 Inwieweit diese hohen Sätze durch die Lage geboten waren, darüber enthalten wir uns einer Kritik. Wir haben zu der Leitung der Reichsbank das Vertrauen, daß sie Handel unb Industrie keine schwereren Lasten als notwenbig auflegt und nicht ohne Grund ihren Warnungsruf so dringend erschallen läßt. Andererseits hoffen wir sehr, daß sie bald wieder in der Lage sein möchte, eine Erleichterung eintreten zu lassen, und daß nicht nur die geschäftliche, sondern auch die Praxis s des Publikums z. B. durch allgemeinere Anwendung des f Scheckverkehrs sie dabei unterstützen wird, nm Barumlauf zu ; sparen und den Goldvorrat der Reichsbank so zu schonen, daß sie den Diskont dauernd niedriger zu halten vermag.
sFortietzunq folgt.)
Für CrrithLiMft eines AnsftchLslnrmes auf dem Buchberge bei Langenselbold gingen ein:
Bäckermeister Lilienfeld, Rückingen . 2.— Mk.
Voriger Betrag..... 1402.00 „
Zusammen bis jetzt 1404.00 Mk.
Weitere Spenden nimmt gerne entgegen die Redaktion des „Hânauer Anzeigers".
Marktbericht.
Hanau, 19. Januar. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 0,70 bis 1.00 M.; ein alter Hahn 1.50—2.00 Mark; ein junger Hahn — bis — Mk.; ein Huhn 1.30 bis 1.70 Mark; eine Ente — bis — Mk.; eine Gans — bis — Mk.; Gans, ger., das Pfd. 75—80 Pfg.; Fische: gewöhnl. Sorte 35 Pfg., bessere Sorte 40 Pfg., Aal —.— Mk., Hecht i.OO—1.20 Mk., Bresem — bis — Pfg., Barben — Pfennig, Barsch 70 Pfg., V« Kilogramm. Gemüse: Meerrettich die Stange 10—20 Pfg.; Blumenkohl, das Stück 20—50Pfg., Kopfsalat, Stück 15—20 Pfg., Endivien, b. Siück 10—15 Pfennig; Rettich, daS Stück 3—5 Pfennig; Ober- Kohlrabi, das Stück — Pfg.; Unter Kohlrabi 10—20 Pf., Wirsing, das Stück 10—25 Pfg; Weißkraut, das Strick 20-40 Pfg., Rotkraut, das Stück 20—50 Pfg., Sellerie, das Stück 10—20 Pfg.; Gurken, St. - Pfg.;" gelbe Rüben, b. Bund 10 Pfennig; Neue Erbsen, Pfund — Pfennig, neue Bohnen, das Pfd. — Pfg., Braunkohl, Portion 20—30 Pfg , Rosenkohl Pfd. 30, Schwarzwurzeln, Pfund 30 Pfg., Spinat, 1 Pfd. 25 Pf., Schmalzkraut, Port. 10—20 Pfg., Kartoffeln Doppelliter 12—14 Pfg.; Obst: Trauben, Pfund 70 i Pfennig, Aepfel 1 Pfund 20—50 Pfennig, Birnen Pfund ‘ 00-00 Pfg., Nüsse, das Hundert 40 Pfg., Pfirsiche, | das Pfund —.— Pfennig, Citronen, das Stück 5—8 | Pfennig; Apfelsinen, das Stück 4 bis 10 Pfennig; Paradiesäpfel, das Pfund 60 Pfennig; Verschiedenes: : Butter, das Pfund 1,05 bis 1,40 Mk.; Käse, 1 Stück 4-6 I Pfennig; Eier, Stück 6—14 Pfg.; Zwiebeln, 1 Pfund 10 Pfg.; Welschkorn, Doppeltster 23 Pfg., Radieschen, ’
SamStach
■ aiTK-rfr rrrTW—■■ m ^t^^..^^.,»^^«»^^^-*^^ fi~ WKKKHSS»ÄSSOSCdSOHBBl daS Bündel 10 Pfennig, Kastanien, Pfund 20 Pfg., Weizenmehl, 1. Sorte 20 Pfennig; 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfennig.
Hus Hab und fern.
St. Frankfurt, 19. Jan. Im Residenztheater (Orpheum) wird nächsten Monat Direktor Haller mit seinem Ensemble gastieren und ein ganz neues Repertoir von Schwänken und Lustspielen re. zur Ausführung bringen.
<H Hattenrod, 18. Jan. Einen schweren Unfall erlitt unser Pfarrer Nies. Auf dem Wege nach Ettingshausen stürzte er aus dem Wagen, dessen Pferde durchgegangen waren. Er verletzte sich im Gesicht und am Kopf schwer, da er ein Stück Wegs geschleift wurde. Auch erlitt er beim Sturz eine leichte Hirnerschütterung.
— Gambach (Wetterau), 18. Jan. Ein schwere« Unglück wurde gestern hier noch im letzten Augenblick verhindert. Mehrere Kinder spielten in einem Hause in Abwesenheit der Eltern am glühenden Ofen. Plötzlich stand das Bett in hellen Flammen. Auf das Geschrei der Kinder retteten Nachbarsleute die schwer bedrängten Kleinen vom Tod in den Flammen, auch das Feuer konnte rasch gelöscht werden.
Schweinfurt, 17. Jan. Die Gläubiger der Viehhändler Lonis und Samuel Rosenbaum in Schonungen waren sehr zahlreich zu der einberufenen Gläubigerversammlung gekommen. Die Aktiva betragen 49 044 Mark, die Passiva 98 785 Mark. Verwandte der faUiten Rirma bieten 50 Proz. Es kam jn sehr heftigen Szenen, nach welchen 60 Prozent geboten wurden. Damit war nur ein Teil der Gläubiger einverstanden, es soll aber versucht werden, alle auf diesen Vorschlag zu einigen.
Drahtnachrichten
Marokko.
Tanker, 18. Januar. Die Behörden von Arzila entdeckten eine von Raisuli angeftiftete Verschwörung, in die ein Teil der Einwohner von Arzila, die Raisuli ergeben sind, verwickelt sind. Aufgefangene Briefe brachten die Behörden auf die Spur des Komplotts. 36 Personen wurden verhaftet und einige von ihnen in das Gefängnis von Tanger gebracht.
Die Vorstöße in NnUand.
Petersbrrrfl, l8. Januar. Eine in mehreren russischen Zeitungen erschienene Korrespondenz aus Sofia, so schreibt das Blatt „Rossija", sprach davon, daß in den Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien eine Erkaltung eingetreten sei. Es kann indessen von einer solchen Erkaltung keine Rede sein. Der beste Beweis dafür ist, daß der Kaiser soeben dem Fürsten Ferdinand die Insignien des St. Andreasordens in Brillanten verliehen hat, der Austausch von Telegrammen bei dieser Gelegenheit und endlich der Umstand, daß dem bulgarischen Minister des Auswältigen Staneiow, der lange Zeit Vertreter Bulgariens in Petersburg war, der weiße Adlerorden verliehen wurde. Wie wir erfahren, haben diese russisch-bulgarischen Freundschaftsbeweise in offiziellen Greifen des bulgarischen Volkes einen ausgezeichneten Eindruck hervorgerufen.
Petersburg, 18. Januar. Wie der Petersburger Telegraphen-Agentur aus Lodz gemeldet wird, sind die blutigen Vorgänge, die sich heute bei einem Begräbnisse ereigneten, dadurch veranlaßt worden, daß der Erzpriester der St. Annenkirche es ablehnte, der Mufforberung, an dem Leichenbegängnis teilzuuehinen, zn entsprechen. Es handelte sich um die Beerdigung zweier Männer, die am 15. Januar in der Grabowa- siraße getötet worden waren. Die Vorgänge spielten sich in der Weise ab, daß die Arbeiter auf die Kirche und auf die sie verlassenden Leute zu schießen begannen. Militär schritt ein und trieb die an dem Aufruhr Beteiligten auseinander. D.e Zahl der Toten wird der Petersburger Telegraphen- Agentur zufolge auf vier, die der Verwundeten auf sieben angegeben. •
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(General-Anzeiger) berufen. Derselbe er cheint täglich in hoherAuAag« und ist die geleseust« LageSzettung in den Kreisen Hanau Stadt und Land.
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_______ 19. Januar.
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Im Schnee um gekommen.
Bern, 18. Januar. Beim Ueberschreiten des St. Gotthard ist ein unbekannter Reisender, vermutlich ein französischer Arbeiter, im Schnee umgefommen. Die gefrorene Leiche wurde 5 Minuten unterhalb des Hospizes gefunden.
Diebstahl.
Berlin, 19. Jan. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge wurde der Marinesoldat Jaeckel von der 4. Kompanie des 2. Seebataillons vom Kriegsgericht wegen einer Reihe von Diebstählen, u. a. weil er die Orden des Staatssekretärs pon Tirpitz gestohlen hatte, zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
Strandung.
New-Bork, 18. Jan. Der hiesigen Agentur der Hamburg-Amerika-Linie ist die Nachricht zugegangen, daß der Dampfer „Prinz Waldemar" in der letzten Nacht um 2 Uhr eine halbe Meile von Plum Point bei Jamaika g e st r a n d e t ist und daß Bergungsschiffe zur Hilfeleistung abgegangen sind.
Erdbebenkatastrophe.
Netvhork, 18. Jan. Eine Depesche der Associated Preß aus Kingston gibt von dem Unglück, das die Stadt betroffen hat, folgende Schilderung: Das Erdbeben begann plötzlich. Die Erdstöße bauerten 36 Sekunden. Die Stadt schwankte wie ein Schiff auf bewegtem Meerl Die Gebäude stürzten ein, Staubwolken hüllten die Stadt in Halbdunkel. Die Einwohner flüchteten schreiend, teils mit blutenden Wunden bedeckt, aus den Häusern. Als sich die Staubwolken verzogen hatten, stiegen schwarze Rauchwolken auf. Dann schossen Feuergarben hoch und in einer halben Stunde brannte baS ganze Geschäftsviertel. 400 Leichen sind bereits geborgen; aber eine noch weit größere Zahl von Menschen ist zu Äsche verbrannt. Tausende von Heimatslosen und hunderte von Verwundeten boten einen erschütternden Anblick dar. DaS Erdbeben wurde in ganz Jamaika verspürt, hat aber nur in einem Umkreise von 12 Meilen Schaden angerichtet.
Newport, 19. Jan. Der Chefingenieur Elkins auf der Anastasiainsel erhielt eine drahtlose Depesche des Inhaltes, daß Kingston allmählich versinke. Große Löcher und Spalten bildeten sich. Eine derselben hundert Fuß tief. Eine andere Drahtmeldung aus Jamaika besagt, ein Teil von Port Royal versank unter Wasser. Die'Batterien verschwanden im 8 Fuß tiefen Wasser und zogen einen Soldaten mit in den Strudel. Das Wasser sprudelte unaufhörlich an verschiedenen Stellen durch die Trümmer. Die Anottbai ist durch eine Flutwelle überschwemmt. Chinesen in Kingston hielten bereits wieder einige Läden geöffnet und haben die P"eise um das Zehnfache erhöht. Das erbitterte die Be- üölterung so, daß die Chinesen fliehen mußten, worauf die Läden geplündert wurden. Es verlautet, daß ein längst für erloschen gehaltener Vulkan im Innern der Insel wieder Feuer speie.
Selbstmord.
Köln, 19. Jan. Der Sergeant Wassermann vom 7. Ulanen-Regiment in St. Johann erschoß sich in der Kaserne mit seinem Dienftgewehre, weil er wegen Trunkenheit von seinem Leutnant aus dem Dienst geschickt worden war.
Diebes- und Hehlerbaude.
Köln, 19. Jan. Die Kriminalpolizei spürte eine umfangreiche Diebes- und Hehlerbande auf, die in letzter Zeit große Nietalldiebstähle in Fabriken au3führte. Bisher wurden acht Teilnehmer, darunter zwei Engroshändler sowie fünf Frauen verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor.
Eisenbahnattentat.
Berlin, 19. Jan. Dem „Berl. Lokalanzeiger" zufolge wurde bei Station Birkenfeld ans den Pforzheimer Personenzug geschossen. Ein Reisender wurde durch eine Revolver- kugel verletzt.
Fahnenflucht.
Schlettstadt, 19. Jan. Das hiesige Jägerbataillon erließ hinter bem Leutnant Albrecht, der vom Urlaub nicht zurückkehrte, wegen Verdachtes der Fahnenflucht einen Steckbrief.
Berlin, 18. Jan. Die Eifersuchtsszene, bei welcher ein hiesiger Kapellmeister von einem Schauspieler geohrfeigt worden war, beschäftigte heute das Kriegsgericht der Landwehrinspektion. Der Kapellmeister, der Oberleutnant der Reserve ist und den Schausvieler gefordert hatte, wurde wegen deS darauf folgenden PistolendnellS zu 4 Monaten Festung verurteilt. Das Duell hat bekanntlich in Wiesbaden statt gefunden.
Paris, 18. Jan. Messager und Broussan wurden zu Direktoren der Großen Oper ernannt.
Briefkasten.
F. R. Wir empfehlen Ihnen, sich vorerst einmal mit dem Geistlichen Ihrer Kirchengemeinde in Verbindung zu setzen. , .
S. B. C. K. Nach § 629 deS B.-G.-B. hat nach bet Kündigung der Dienstherr dem Dienstboten auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses zu gewähren.
Schiffsnachrichten.
(Miigeteili von eigens Ad. Treus ch-Hanau.»
Hambnrg, 17. Jan. Der Dampfer „Bulgaria" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Montevideo eingetroffen.
Auszuge auS dem Amtsblatt der Königliche«
Regierung zu Cassel.
Langenselbold. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll daS in der Gemarkung Langenselbold belegene, im Grundduche von Langenselbold zur Zeit der Eintragung bei Versteigerungspermerkes auf den Namen deS DäckerS LouiS Herbst und seiner Ehefrau, Elisabeth, geb. Grebe, vorm. Gärtner, in Langenselbold je zur ideellen Hälfte einge» tragend Grundstück am 7. März 1907, vormittag« 9 Uhr, durch das Köitigliche Amtsgericht zu Langenselbold versteigert werden.