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-Anzeiger
Klntlichts OrgN M Stadt- and Landkreis Hans».
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Erscheint täglich mit Ausnahme Ler S«m-- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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«eraatM«. Redaktemr •. 0^tf»t$ A H«a«.
Al. 165 FeMprtchai'schluK Nr. 605.
Amtliches.
i Stadtkreis Hrmält.
Bei einem im hiesigen Schlachthause geschlachteten Schweine des Fuhrunternehmers Kurz, Erbsenstraße 16 dahier, ist die Schweineseuche festgestellt worden.
Ueber das Gehöft des Kurz wurde die Sperre verhängt. Hanau den 16. Juli 1907.
Königliche Polizeidirektion.
P 6163 J. V.: Siemon, Negierungs-Assessor.
£andkreis Hana«.
VÄmtmchunM te KWWl LaäMmts.
Nach § 18 Absatz 4 der Polizei-Verordnung des Herrn Ober-Präsidenten vom 6. 2. 1906 (Nr. 15 der Amtl. Beil.) dürfen die Führer von Kraftfahrzeugen nur Warnungszeichen mit der eintönigen Huppe abgeben. Die Verwendung von Huppen mit verschiedenen aufeinander folgenden Tönen oder auch von Trompeten mit einem Ton zur Abgabe von Warnungszeichen ist danach unstatthaft. Dagegen unterliegt es keinem Bedenken, bei Kraftfahrzeugen überall Huppen mit sogenannten Akkordtönen zuzulassen, da mit diesen das War- Nungszeichen in einem geschlossenen Akkordton abgegeben wird. Ich ersuche deshalb die Ortspolizeibehörden und die Gendarmen, Huppen mit Akkordtönen nicht zu beanstanden.
Hanau den 15. Juli 1907.
Der Königliche Landrat.
V 5024 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Die Kopialienentschädigungen für die im Rechnungsjahr 1906 von den Herren Standesbeamten eingereichten Zählkarten sind zur Zahlung angewiesen und können bei der Königl. Kreis-Kasse hierselbst gegen Quittung abgeholt werden.
Falls die Abhebung nicht innerhalb 4 Wochen erfolgt, werden die Beträge durch die Post zugesandt werden.
Hanau den 15. Juli 1907.
Der Königliche Landrat.
A 8082 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Hus Ban au Stadt und £and.
Hanart, den 18. Juli.
* Oberförsterei Hanau. Dem Forstmeister Effenberger zu Drewenzwald wurde die Oberförsterstelle Hanau mit dem Amtssitze Forsthaus Neuhof vom 1. Oktober d. J. ab verliehen.
* Beurlaubt wurde der Landmesser Beermann, früher in Hanau, zur vorübergehenden Verwendung im Schutzgebietsdienste bis Ende Dezember 1910.
* Die Kreisarztstelle der Kreise H e r s f e l d und Hünfeld mit dem Amtssitz in Hersfeld ist zu besetzen.
* Beamte der Militär-Berwaltung. Wagner, Betriebsdirektor 2. Klasse von der Pulverfabrik bei Hanau, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt.
* Zum 300jährigen Bestehen des Königl. Gymnasiums. Heute kann das hiesige Kgl. Gymnasium auf ein 300jähriges Bestehen znrückblicken. Zwar erließ schon am 5. Februar 1607 Graf Philipp Ludwig II. von Hanau eine Subsidien-Ordnung, welche die Gründung der hohen Landesschule vorbereitete, aber die eigentliche Stiftungsurkunde datiert vom 18. Juli 1607, sodaß also heute der eigentliche Jubiläumstag wäre. In jener Subsidien-Ordnung wurden die Abgaben bestimmt, welche zu Gunsten der Schule aufzubringen waren. Am Jubiläumstag des Erlasses der Subsidien-Ordnung (5. Februar) wurden bereits die Einzelhelten jener Vorgänge näher dargestellt. Da der eigentliche Grundungstag in, die großen Sommerferien fällt, so hat mano7°n einer J^ier an diesem Tage abgesehen und es wird September, am Schluß des Sommerhalbjahres, eine würmge Feier von feiten der Anstalt gehalten werden.
™. Professor Dr. Suchier Einer unserer Herren Mitarbeiter schreibt uns zu dem Tode des Herrn Professor Dr. Suchier: Vorgestern nachmittag wurde der am 14. Juli dahier verstorbene Gymnasial-Oberlehrer a. D. Professor Dr. Reinhard Suchier, langjähriger Vorsitzender des Hanauer Geschlchtsvereins, ein in weiten Kreisen bekannter Gelehrter, zu Grabe getragen. Der Verstorbene, ein Hesse von echtem Schrot und Korn, der mit allen Fasern seines Herzens an der hessischen Heimat hing, war 1823 zu Veckerhagen als Sohn damaligen Physikus Dr. Bernh. Wilh. Suchier geboren. Gebildet auf dem Gymnasium zu Rinteln, studierte er in Marburg und Berlin klassische Philologie und wirkte seit 1»46 am biesiaen Gymnasium als Lehrer der französischen
Donnerstag den 18. Juli
Sprache, Geschichte und des Ovid, dessen pikante und witzige Dichtungen er übersetzte und herausgab. Sein Wissen war sicher und umfangreich. Er hatte ein vortreffliches Gedächtnis und war für seine Kollegen und Bekannten eine wahre Fundgrube aller wissenswerten Dinge. Die Lehrtätigkeit aber, besonders in den unteren Gymnasialklassen, machte dem hochgebildeten Manne wenig Vergnügen. In den besten Jahren sagte er deshalb dem Lehrberufe Valet und suchte um seine Pensionierung nach. Im Ruhestande entfaltete Suchier eine bedeutende schriftstellerische Tätigkeit. Als Schriftsteller und Forscher war er von peinlicher Gewissenhaftigkeit und alles was er von seinem Schreibtisch aussandte, war gründlich durchdacht, einfach und kurz. Vor allem erforschte Suchier die Geschichte des 1736 erloschenen Hanauer Grafenhauses — Münzenberger und Lichtenberger Linie —, das so viele treffliche Mitglieder zählte, die bis dahin nur ganz unvollkommen und unrichtig von verschiedenen Historikern behandelt worden war. Auch den römischen Niederlassungen in der Hanauer Gegend widmete er seine Aufmerksamkeit und veröffentlichte in mehreren Aussätzen das oft mühsam Gesammelte. Auch numismatische Abhandlungen gab Suchier heraus, war er doch einer der bedeutendsten Numismatiker, die Deutschland aufzuweisen hat.
* Fechnemveihsest. Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Fahnenweihfeste des hiesigen Post- und Tele- graphen-Unterbeamtenvereins, das etwa 500 Postunterbcamte von nah und fern hier vereinigen wird. Der Weiheakt findet um halb 12 Uhr im Saalbau zum Deutschen Hause statt; hieran anschließend Gartenkonzert sowie gemeinschaftliches Mittagessen der Postunterbeamtenvereine. Der Festzug, an dem sich etwa 30 Vereine und Deputationen, darunter ca. 10 Hanauer Vereine, beteiligen werden, nimmt von halb 3 Uhr an am Deutschen Hause Aufstellung. und durchzieht folgende Straßen: Hahnenstraße, Französische Allee (Südseite), Schützenstraße, Schnurstraße, Nürnbergerstraße, Marktplatz (Südseite), Römerstraße, Kanalplatz, Krämerstraße, Hammerstraße, Langstraße, Herrnstraß?, Sternstraße, Paradeplatz (Gelbe Mauer), Marktstraße, Schloßstraße, Marienstraße, Hainstraße, Wilhelmstraße, nach dem „Kaiserhof". Hoffentlich wird Hanau auch diesmal seinem bewährten Rufe als Feststadt trcubleiben und den Postjüngern einen freundlichen Empfang bereiten.
K. Eine Erinnerung ans alter Zeit. Sechzig Jahre sind verflossen, seit dem 19. Juli 1847, an welchem in den Abendstunden unsere Nachbarstadt Großsteinheim durch Wetterschaden schwer heimgesucht wurde. Gegen 9 Uhr abends zog ein heftiges Gewitter aus Norden heran; der Blitz schlug, jedoch ohne zu zünden, in die beiden Kirchtürme und sprang in das Fenster des Nachbarhauses, welches die Witwe Meß bewohnte, über; letztere war eben im Begriff, das Fenster zu schließen. Das Fenster blieb unversehrt, die Frau aber trug am Arme einen Brandfleck davon. In derselben Straße, etwa 100 Schritte weiter, stand ein junger Mensch, der neunzehnjährige Jakob Weide, die Stütze einer verwaisten Familie, am Fenster bei seinem Nachbar Schmied Roos und wurde vom Blitze auf der Stelle getötet; am anderen Fenster saß der genannte Schmied und seine beiden Töchter. Roos fühlte sich vom Blitzseuer umgeben, blieb jedoch unversehrt; die beiden Mädchen aber wurden an der Seite getroffen und ihre Kleider fingen an zu brennen. Beide fielen betäubt auf den Boden und verdankten — nächst der Hilfe des allmächtigen Gottes — dem sofortigen ärztlichen Beistände des Herrn Dr. med. Häußlein ihr Leben. Die brennenden Kleider der Mädchen konnten rasch gelöscht werden, aber die beiden Getroffenen trugen erhebliche Brandwunden davon. Die Leiche des erschlagenen jungen Mannes wurde noch in derselben Nacht auf einer Seite über und über blau.
* Nebersnhren wurde zur Nachtzeit in der Nordstraße ein Radfahrer von einem ohne Laterne fahrenden Droschkengespann. Der Radfahrer wurde verletzt.
* Dis Siratzenreinigung. Wie wir s. Z. meldeten, hatte ein hiesiger Einwohner gegen ein ihm zugegangenes Strafmandat wegen Nichtreinigens bet, Straßen Einspruch erhoben unter der Begründung, daß die Polizeiverordnung vom 3. Juli 1790, auf die sich die Verpflichtung zum Straßenreinigen stützt, aus verschiedenen Gründen nicht rechtsgültig sei eine Kehrverpflichtung aus derselben also nicht hergeleitet werden könne. Das Schöffengericht hatte L Z. den Einspruch für unbegründet erachtet und auf 1 Mk. Geldstrafe erkannt, die Strafkammer vertagte die Berusungsverhand- lunq über die wir ausführlich berichtet haben, um durch ^Vernehmung von älteren Einwohnern fcstzustellen, ob sich bezüglich der Straßenreinigung etwa ein Gewohnheitsrecht herausgebildet hat. Die heute vormittag stattgefundene erneute Ver-
Fernsprechanschluh Nr. 605» 1907
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Handlung, in der die vorerwähnten Zeugen bekunden, da? man die Straßen immer gereinigt habe und zwar aus Furcht vor Strafe, endete mit Verwerfung der Berufung. Di« Strafkammer hält die angezogene Verordnung für gültig uni die daraus resultierende Kehrverpflichtung für zu Recht be« stehend. Die Straßen müssen also nach wie vor gereinigt werden, falls nicht das Oberlandesgericht, das in dieser Sach« noch angerufen werden wird, anders entscheidet.
* Gartenfest. Am nächsten Sonntag den 21. Juli hält der 1. humoristische Musik-Verein Germania in dem staubfreien Garten der Restauration Sandhof sein diesjähriges Gartenfest, verbunden mit Konzert, turnerischen Aufführungen, Preiskegeln für Damen und Herren, Kinderspielen, Tombola und Tanz ab. Wozu Freunde und Gönner herzlichst eingeladen sind.
* Mainwasserwärme gestern abend 16 Grad.
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M Fechenheim, 17. Juli. Der bei den Abbruchs arbeiten des Hauses Löhnungsgasse 3 abgestürzte Maurer Jean Schäfer ist im Landkrankenhause in Hanau an den erhaltenen Verletzungen gestorben. — Den 2. Preis bei bem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Schulhausneubau erhielt Architekt P. Kögel in Fechenheim (nicht Köhler, wie gestern irrtümlich berichtet).
§ Ravolzhausen, 16.Juli. (Krankenpflegestation.) Unsere am 15. April d. J. gegründete Krankenpflegestation und die im Anschlusse daran ins Leben gerufene Kleinkinderschule sind im besten Gange und sichtbar gesegnet. Alle Schwierigkeiten konnten glatt überwunden werden. Unser Frauenverein, vor einem Jahre mit 6 Mitgliedern gegründet, zählt jetzt fast hundert monatlich zahlende Mitglieder. Unsere Gemeindeschwester (vom Berthaverein Frankfurt a. M.) ist unermüdlich tätig, wird zu allen Kranken gerufen und hält dabei täglich Kinderschule. Die früheren Gegner der neuen Sache sind längst für dieselbe gewonnen. Dankbare Patienten senden nicht nur freundliche Angebinde aus Feld, Garten und Speisekammer für die Schwester, sondern auch Extrageldgaben für die Vereinskasse. Zweck dieser Zeilen ist hauptsächlich, auch den liebenswürdigen auswärtigen Freunden der Sache, die diese gleich zu Anfang des damals noch etwas schwierig aussehenden „Einrichtungsjahres" durch gütige Geldspenden unterstützt haben, Bericht zu erstatten und ihnen für ihr förderndes Interesse zu danken. Möge daS Werk weiter blühen und gedeihen.
Gprechsaâ
8 Uhr-Ladenfchlutz.
Nachdem die Abstimmung für den von uns am 5. Mai d. J. mit 431 Stimmen beantragten „allgemeinen 8 Uhr- Ladenschluß", um dessen Beschleunigung wir am 9. b. Mts. ersuchten, in vollem Gange ist, und die Tätigkeit der Gegner diesmal besonders lebhaft ist, möchten wir an dieser Stelle nochmals alle Ladeninhaber, welche uns durch ihre werte Unterschrift für diesen sozial-politischen Fortschritt unterstützten, dringend bitten, das einmal gegebene „Ja-Wort" nicht wieder durch Gegenzeichnung ungültig zu machen. Nur durch festes Beharren in der Zustimmung für den allgemeinen 8 Uhr-Ladenschluß werden wir diese segensreiche Einführung, „welche besonders auch die Ladeninhaber trifft", in allernächster Zeit in Hanau begrüßen können.
Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Hanau.
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Gegen den 8 Uhr-Ladenschluß.
Der Sprechsaal-Artikel von vorgestern hat unter den beteiligten Kreisen eine Flut von Gegenäußerungen ausgelöst, die sich zu unserer Freude alle von Sachlichkeit leiten ließen. Die Einsendung des Komitees für den 8 Uhr- Ladenschluß läßt indes den Verdacht zu, unser Standpunkt resultiere aus „prinzipieller Gegnerschaft gegen die Wunsche der Angestellten!" Weit gefehlt, auch unsere Meinung ist, daß den Kaufleuten und Handlungsgehülfen inbezug auf den Zug der Zeit nach verbesserten Arbeits- und Lohnverhältnissen „keine Binde vor den Augen" liegen darf. DaS schließt aber nicht in sich ein, daß man auch den Weg, der eingeschlagen ist, für den unfehlbar richtigen hält. Wir haben vor den Erwiderungen gesessen und gesucht nach den uns überzeugenden Perlen wie ein Gendarm vor den Legitimationspapieren eines Handwerksburschen, aber bei allem guten Willen haben wir sie nicht gesunden, vielmehr gipfeln dieselben in dem Trost: Komm nur Michel zu meinem reichen Onkel in Amerika, der gebratene Tauben züchtet. Zugestanden, daß ein großer Teil Geschäfte diese Stunde gern« einbüßt, so stehen dem doch wieder Andersdenkend« Legmübei