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General-Allzeiger

WlillßMniif imb Verlag der Buchdruckers daN weeia.

AMliches Organ für S1aM= nn) Fandürtis Hanan.

a. »aiseuhauf«» tu Hamm.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiueüikuugsgebüyr ,

Die |Mf gespaltene Pekitzeit« oder deren Raa« SO Utz, im Nektameateü bk Zeil« 85 MK

veraatmortt. R^akteur: T. Schrecker m Hanan.

Mt. 90 Fernsprechanschlich Nr. 605»

Donnerstag den 18. April

^ernsprechanschluß Nr. 605. 1907

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Amtliches.

Handelsregister.

Firma M. Hüttig in Hanau.

Die Firma ist erloschen.

Hanau den 5. April 1907.

Königliches Amtsgericht 5. 8486

Warnung.

In letzter Zeit wurde mehrfach in hiesigen und aus­wärtigen Zeitungen in marktschreierischer Weise ein Mittel Angenwol" zurStärkung, Erhaltung und Wieder­belebung der Sehkraft" von der FirmaAugenwol, G. m. b. H.", Berlin, Luisenufer Nr. 11, deren Gesellschafter ein hiesiger Optiker und dessen Ehefrau sind, angepriesen. Nach den angestellten Untersuchungen besteht das Mittel aus einer wässerigen Lösung von Kochsalz, Borsäure, Glyzerin und ge­ringen Mengen Zucker, die mit Teerfarbstoff gelb gefärbt und mit Rosenöl parfümiert sind. Außerdem sind in dem Mittel noch geringeMengen Alkohol vorhanden. Die dem Mittel prahle­rischer Weise beigelegten Wirkungen kann es keineswegs be­sitzen. In einer Apotheke zubereitet, würde das Fläschchen Augenwol" mit 50 ccm Inhalt nach der Arzneitaxe etwa 1 Mk. bis 1,25 Mk. kosten, während der Preis bei der Firma 3 Mark beträgt.

Vor dem Bezug des Mittels wird daher auf das ein­dringlichste gewarnt.

Berlin den 10. März 1907. (L A, a. 693 07) Der Polizei-Präsident.

v. Borries. V 2392

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 17. April.

Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky.

Die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern wird beim KapitelReichsgesundheitsamt" fortgesetzt. Hierzu liegen 7 Resolutionen vor.

Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte, in der beschlossen wird, zunächst über die Weinfrage zu verhandeln, fordert Präsident Graf Stolberg die Abgeordneten, die hierzu sprechen wollen, auf, sich beim Schriftführer zu melden. Darauf bestürmen unter andauernder schallender Heiterkeir des Hauses mehr als ein Dutzend Abgeordneter den als Schriftführer fungierenden Abg. Hagemann, um sich in die Rednerliste eintragen zu lassen. Als erster von diesen erhält das Wort

Abg. Dr. Rügen berg (Z.), der unter Bezugnahme auf die vor den Osterferien stattgehabte Weindebatte gegen die Abgg. Dr. Roesicke und Stauffer polemisiert und den Weinbau an der Mosel in Schutz nimmt. Redner begründet sodann eine Resolution seiner Partei, dahingehend, daß ver­langt wird, daß bis zur reich^gesetzlichen einheitlichen Regelung der Beaufsichtigung des Verkehrs mit Nahrunqs- und Genuß­mitteln einstweilen zur wirklichen Ausführung des Wein- gesetzes und zur Ueberwachung des Weinbaues und Wein- handels in jedem Bundesstaate besondere Beamte im Haupt- amte aufzustellen sind und jede Weinhandlung der zuständigen Verwaltungsbehörde anzumelden ist. Die Resolution ver­langt ferner die Führung eines Lagerbuches und die Ein­schränkung und zeitliche und räumliche Begrenzung des Zucker­wasserzusatzes, die Deklarationspflicht und die Ahndung der Uebertretungen mit Freiheits« und Geldstrafen.

Abg. Dr. David (Soz.): Die Behandlung des Wein­plantscherfalles in Büdesheim ist vom Abg. Stauffer seiner­zeit so behandelt worden, daß sich nicht nur die Plantscher, sondern ganz Büdesheim verletzt fühlen. Kontrollvorschriften haben nur einen Zweck, wenn sie für das ganze Reich gelten. Auf anderen Gebieten, z. B. bei der Likör-, Marmeladen-, Limonaden- und Essenzfabrikation wird außerordentlich viel gefälscht, deshalb muß mit aller Energie im Nahrungsmittel­gesetz vorgegangen werden. In derZentrale der Intelligenz", Berlin W., werden dem Publikum die unglaublichsten Wein­marken vorgesetzt, auch in den sogenannten modernen Lokalen. Der Rückgang des Weinkonsums ist nicht auf die Temperenz- bewegung zurückzuführen, sondern auf die agrarische Zoll­politik, durch die die künstliche Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel erfolgte und der Wein zu einem Luxusgetränk der Wohlhabenden gemacht ist.

Keller (wildlib.): Dr. Röstcke hat vor allem die Pfalz als Bezugsquelle für Wein empfohlen. Das ist sein gutes Recht, denn er ist ja pfälzischer Abgeordneter. DaS darf aber nicht auf Kosten der übrigen Gebiete geschehen. Unsere ? hessische Kontrolle entspricht allen Anforderungen. ES ist 1

merkwürdig, daß gerade drei pfälzische Abgeordnete die Auf­merksamkeit auf dielaxe" Kontrolle in Hessen gelenkt haben. Der Gemeinde Rüdesheim ist durch die Verallgemeinerung der Weinfälschung einer Firma durch den Abg. Rösicke bitteres Unrecht geschehen.

Dr. Rösicke (B. d. L.) erwidert darauf und auf die Protesterklärungen der Moselwein-Interessenten. Ich bin das eigentliche Karnickel der heutigen Verhandlung. Es ist eine so große Fülle von Vorwürfen gegen mich gerichtet worden, daß ich mich eigentlich wundere, daß ich noch auf­recht stehe. Man hat alle möglichen Vorwürfe gegen mich gerichtet. Zunächst in der hessischen Kammer. Ich habe auf Rheinhessen keinen Stein geworfen, habe nur auf die niedrigen Weinpreise hingewieien, und die sind vom Minister selbst bestätigt worden. Ich habe auf die Verhältnisse in Hessen und deswegen hingewiesen, weil ich an den Bundesstaaten zeigen wollte, wie unbedingt notwendig eine einheitliche Gestaltung der Verhältnisse im ganzen Reiche ist. Wozu also der Lärm, waS steht den Herren zu Diensten ? Gesündigt wird überall, innerhalb Hessens und außerhalb Hessens, innerhalb der Pfalz und außerhalb der Pfalz. Es hat mir durchaus fern- gelegen, Rüdesheim selbst, dessen Wein ausgezeichnet ist, an­zugreifen. Ich habe nur die deutsche Weinkelterei im Auge gehabt. In der hessischen Kammer hat man genau dasselbe gefordert, wie ich (Hört, hört! rechts), das heißt Lagerbuch­kontrolle. Ich setze binul: Derkehrskontrolle und polizeiliche Bemessung des Zuckerzusatzes. Die Weinhändlerverbände in Deutschland haben mich noch nicht so glimpflich behandelt wie die hessische Kammer, sie haben mit mächtigen Kanonen geschossen, es sind aber schlechte Schützen. Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich habe kein Wort von der Mosel gesagt. Ich rede gegelt die Panscher, und da kommen ganz andere Leute, die ich gar nicht genannt habe. Eine Zeitung wirst mir vor, bei dieser ernsten Sache alberne Witze gemacht zu haben. Wenn ich daß von dem Wein getrunken hätte, was da ausgegossen ist, dann wäre mir der Witz vergangen. (Heiterkeit.) Die Zeitungen sprechen ja selbst von dem Weinhandel und der Weinproduktion als einen Industriezweig (Heiterkeit.) Was die Deputation in der hessischen Kammer angeht, so hat ein Rechtsanwalt in einem Prozesse die Sache so dargelegt, wie ich sie ausge­sprochen habe, und zwei Jahre laug hat sich kein Mensch dagegen gewendet. Ich hätte hierbei wohl einen etwas passenderen Ausdruck wählen können, in der Sache habe ich micht zweifellos nicht geirrt. Hätte unser guter braver Scheffel nicht immer gute Rheinweine zu trinken bekommen, ich bin zweifelhaft, ob wir dann seine Gedichte haben würden (Heiterkeit), oder sie würden dann ganz anders ausgefallen sein (Heiterkeit). Sorgen sie mit dafür, daß unser Wein ein edles Gewächs bleibt, damit wir immer sagen: Wundervoll ist Bacchus Gabe, Balsam für's zerrissene Herz" (Heiterkeit).

Dr. Dove (frs. Vgg.): Ich habe beim Vorredner den Satz bestätigt gefunden, daß der Wein redselig macht (Große He terkeit). Daß im Wein Wahrheit liegt, habe ich nicht gefunden. Wohin soll es sichren, wenn hier geradezu ein unlauterer Wettbewerb der einzelnen Land­schaften sich uns vorführt. Der Berliner Weinhandel ist so solide, wie der Weinhandel irgendwo. (Sehr richtig! links, Gelächter rechts.) Ich habe 14 Jahre im Rheinland gelebt. Ich kann Ihnen sagen, rch habe da auch manchmal Kopf­schmerzen bekommen. (Heiterkeit.) Ob gerade der Abgeord­nete für Mainz hier die richtige Person ist für die Beur­teilung des Berliner Weinbandels, lasse ich dahingestellt. Wollen Sie uns praktische Wege zeigen, wie wir den Miß­ständen im Weinhandel wie in vielen Zweigen des Handels entgegentreten können, so wird der Handelsstand immer be­reit sein, mitzuwirken. Aber mit allgemeinen Beschuldigungen wird nichts geholfen und geschieht nichts als eine Diskredi­tierung eines für die nationale Wirtschaft äußerst wichtigen Erwerbszweiges. Im Interesse der Erledigung der Geschäfte tun wir gut, nun endlich mit dieser Debatte ein Ende zu machen. (Beifall links.)

Abg. Stauffer (Wirtsch. Vgg.): Auf die vielen un­gezogenen Anschreiben an mich verzichte ich, von dieser Stelle zu antworten. Wenn aber der Weinhändler-Verein der Mosel erwartet, daß ich ihm vielleicht privatim eine Antwort erteilen würde, so täuscht er sich sehr. Die richtige Antwort hat ihm bereits vor Jahresirist die ZeitschriftWeinbau und Weinhandel" erteilt, indem sie einen Artikel seines Vorsitzen­den ablehnte. Ich habe nichts verallgemeinert. Ich be­zweifle gar nicht, daß auch die Mosel ihre ganz vorzüglichen Weine hat. Aber an der Mosel sind und weiter habe ich nichts festzustellen die Weinfälscher ebenso wie in den andern Weinbaugebieten. Der Redner führt eine Reihe Einzel­

fälle an. Am schärfsten hat sich gegen mich der Bund süd­westdeutscher Weinbauer gewandt. Er hat den Staatssekretär mit einem Protest antelegraphiert. Ich hoffe, dieser Protest ist zu den Akten gelegt. Der Landtagsabg. Engelsmann hat auch ausgeführt, daß in Deutschland ungefähr sechsmal so viel Wein gefälscht wird, als wächst. Ich habe ein anonymes Schreiben bekommen, darin heißt es:Wenn Sie die unver­schämten Verläumdungen gegen die Mosel nicht zurücknehmen, so geht es Ihnen binnen kurzem wie einigen Herrn im rus­sischen Reiche. (Große Heiterkeit.) Unsere Gesellschaft wird Sie schon finden. Sie werden niemals die Mose! wieder schmähen, dafür wird gesorgt werden, und dem Rösicke geht es gerade so." (Heiterkeit.) Sie sehen, wir treiben russischen Zuständen entgegen. (Schallende Heiterkeit.)

Abg. Preiß (Els.) wiederholt seine Ausführungen aus der Besprechung der Weininterpellation int Sinne des Pu­rismus.

Abg, Gräf (Ref.-P.) verteidigt die Mosel. Es bleibt dabei: Vinum mosellanum est omni tempore sanum!

Abg. Dr. Mayer- Kaufbeuren (Ztr.) erörtert die Ver­hältnisse in Lothringen. Er wünscht eine Versuchsanstalt in Elsaß-Lothringen zur Bekämpfung der Reblauskrankheit.

Abg. Dr. Dahlem (Ztr.) stellt die Einmütigkeit in der Beurteilung der Zustande unter dem gegenwärtigen Wein­gesetz fest.

Ein Schlußantrag wird angenommen.

Abg. Dr. David (Soz.) stellt fest, daß die erneuten Angriffe des Abg. Stauffer gegen den rhein^essischen Wein­bau eine sofortige Zurückweisung erfordert hätten.

Abg. Baumann (Ztr.) spricht sein besonderes Be­dauern darüber aus, daß er als Vater der Resolution nicht zum Wort gekommen sei. Ihm sei es beim Sturm auf die Tribüne gelungen, als zweiter in die Rednerliste eingetragen zu werden, aber durch die Disposition des Präsidenten sei er gerade nach dem Schlußantrag herangekommen. (Heiterkeit.)

Abg. Dr. Paasche (nl.): Ich bin in derselben Notlage wie der Vorredner. (Heiterkeit.)

Es folgt die allgemeine Besprechung zu Kapitel Gesund­heitsamt.

Abg. Dr. Fleischer (Ztr., Sekretär des Verbandes katholischer Arbeitervereine) verbreitet sich über die Notwen­digkeit, noch weit mehr wie bisher zu tun in der Bekämpfung der gewerblichen Giftgefahr. Die Bleigefahr sei die gefähr­lichste, aber ähnlicher Gefahren gäbe es noch viele. Ein ernst­hafter Kampf sei erst möglich, wenn eine umfassende Statistik der einschlägigen Betriebe vorliege. Erhebungen seien ja schon einmal erfolgt, seien aber veraltet. Hochansehnliche Versamm­lung 1 (Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Die Aerzte müßten verpflichtet sein, alle zu ihrer Kenntnis gelangenden gewerb­lichen Vergiflungsfälle zu melden. Eine solche ärztliche Sta­tistik würde wertvolles Material bieten. Worauf es aber hauptsächlich ankommt, das ist eine gewerbehygienische Vor­bildung der Aerzte. Nickts ist schwieriger als eine Diagnose bei gewerblicher Vergiftung.

Staatssekretär Graf Posadowsky: Es ist das eine sehr wichtige Frage, die ich mit großem Ernst verfolge. Wie ich bereits in meiner Ansprache an den deutschen Handelstag angedeutet habe, bringt die wachsende Industrialisierung Deutschlands auch wachsende Gefahren für die Gesundheit des Volkes mit sich, insbesondere für die Arbeiterbevölkerung. Die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz hat im vorigen Jahre in einer Eingabe an das Reichsamr des Innern eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, die eine Reihe gesetzlicher Aenderungen erforderlich machen würde. Ich habe mich dieserhalb mit dem preußischen Kultus­minister als dem Leiter der Medizinalabteilung und mit dem Handelsminister in Verbindung gesetzt. 1905 hat hier eine Sachverständigenkommission von Gewerberäten, technischen Beamten und hervorragenden Gewerbehygienikern ein ein­gehendes Verzeichnis aller der technischen Anlagen aufgestellt, ivo die Gefahr der Vergiftung vorliegt, und nun wird von Fall zu Fall geprüft, ob eine Verordnung notwendig ist oder ein Merkblatt zur Belehrung der Arbeiter. Wegen eines Lehrstuhls für Gewerbehygiene habe ich mich an den preußischen Kultusminister gewandt. Er hält ein Bedürfnis nicht für vorliegend, da schon bei den medizinischen Vor­lesungen diese Frage behandelt werde. An der technischen Hochschule Charlottenburg wird ein Kolleg über Gewerbe­hygiene gelesen. Die Wichtigkeit der Frage erkenne ich an, aber sie ist flüssig, weil die technischen Verfahren fortwährend wechseln.

Abg. Fischbeck (Frs. Dp.) verlangt reichsgesetzliche Regelung der Abdeckereifrage, spricht in diesem Zusammen­hang über die Seuchengesahr und greift die märkische Land­wirtschaftskammer an.