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Notatiealdruck und Verlag der Buchdrucker« der verein. «, Waisenhauses in Hanau.
Gtkeral-Auzeiger
Amtliches Organ für Stadt- and Fandkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage»
EinkücknngsgeSühr i
Die lünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 M, du Reklamenteil die Zeile 85 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker ts Hamm,
Nr. 15 Fernsprechanfchlntz Nr. 605*
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Umtltch-s.
Landkreis Hanau.
MmtWchmM deß KSiiiglichen LaiidratßMtß.
In der Lehranstalt für Obstbau und Obstverwertung in Oberzwehren bei Cassel finden im Jahre 1907 folgende Kurse zur Ausbildung von Obstbaumwärtern statt: 6wöchentlicher Hauplkursus von Mitte März ab, I4tägiger Sommernachkursus Mitte Juli und 14tSgiger Herbstnachkursus Mitte September.
Diese 3 Kurse bilden einen zusammenhängenden Lehrabschnitt.
Etwaige Teilnehmer auS dem Landkreise Hanau erhalten auS Kreis- und Gemeindemitteln, sowie vom landwirtschaftlichen Kreisverein Zuschüsse, die die Barauslagen der Teilnehmer während der Ausbildungszeit annähernd decken.
Die näheren Bedingungen können hier eingesehen oder von der Lehranstalt kostenfrei bezogen werden.
Anmeldungen sind durch Vermittelung der Herren Bürgermeister bis zum 15. Februar bei mir einzureichen.
Hanau den 16. Januar 1907.
Der Königliche Landrat.
A 280 v. Beckerath.
Handelsregister.
Firma Heiur. & Aug. Brüning in Hanau: Dem Techniker Iuliu« Brüning in Hanau und dem Kaufmann" Rudolf Wollenweber daselbst ist Einzelprokura erteilt.
Hanau am 8. Januar 1907.
«Snigttchts Amtsgericht Abt. 5. _1478
Hus Hanau Stadt und Cand.
Hanau, 18. Januar.
Zur WlihlbtwtWnq.
* Bei den Nichtwählern liegt die Entscheidung!
Wiederholt ist in den letzten Tagen der Walbewegung darauf hingewiesen worden, daß bei der letzten ReichStagswahl das Heer der Nichtwähler die stärkste Partei darstellte. Möge die Wahl am 25. Januar d. J. eine Aenderung mit sich bringen, denn auch unser Wahlkreis wieS 1908 im Bezirk Dockenheim bezw. im Landkreis Frankfurt' a. M. noch über SO Prozent Nichtwähler auf.
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Wir erhalten nachstehende Zuschriften katholischer Mitbürger :
Der Artikel des „treuen Anhängers deS Zentrums" in Nr. 8 an dieser Stelle gefällt mir nicht. Ich bin nicht der Meinung, daß stch nicht der eine oder andere bisherige ZentrumSwähler „einfangen" lasten sollte, d. h. ich glaube nicht, daß viele einsichtsvolle Zentrumswähler diesmal eine Mehrheit unterstützen, die so wenig patriotischen Sinn bei der Kolonialabstimmung gezeigt hat, oder in Hanau zu der traurigen Möglichkeit die Hand reichen sollten, einen Sozialdemokraten mehr in den Reichstag einziehen zu sehen.
Ich glaube vor meinem Wählergewisten nicht falsch zu handeln, wenn ich meinen Glaubensgenosten rate: Gebt eurem vaterlandstreuem Herzen einen Stoß und wirkt mit zur W ah l „LucaS".
Ein guter Katholik.
Katholisch "e Wähler!
Der Wahlausschuß der Zentrumspartei ließ gestern ein Flugblatt verteilen mit dem Motto: Wahlenthaltung. Keine Stimme den Liberalen, keine Stimme den Kartellparteien und Kulturkämpfern, den Unterdrückern von Wahrheit, Freiheit und Recht. Nur die eine Partei verschont das Flugblatt, und da« ist die Sozialdemokratie, und damit eine versteckte Aufforderung, für den Sozialdemokraten zu stimmen. Wenn die Herren des Zcntrum-Wahlkomitees noch nie einen Fehlschuß getan haben, so haben sie e« sicherlich mit ihrem Flugblatt getan. Ich, al« Schreiber dieses, ein sehr guter Katholik, und sicherlich noch viele andere, sind durch dieses Flugblatt aus dem Schlaf gerüttelt, da sie eine direkte Aufforderung in ihrem Flugblatt geben, für die Sozialdemokraten im geheimen zu stimmen; das darf sich ein gutdenkender Christ nicht bieten lasten.
Ist denn der Reichstag am 13. Dezember 1906 in kulturkämpferischer Absicht aufgelöst worden? Der Reichstag
Freitag den 18. Januar
wurde, weil nationale Forderungen nicht bewilligt wurden, aufgelöst, bei welcher Gelegenheit sich unsere Partei, zu der ich mich auch zähle, in eine Sackgasse verrannte und Anträge an die Regierung stellte, die sich in nationaler Hinsicht mit einer gutdenkenden nationalen Gesinnung nicht vereinbaren lasten.
Werden wir im deutschen Reiche in unserer Religionsausübung gestört? Gibt e« einen zivilisierten Staat, der unserer katholischen Religion mehr Freiheit gewährt, wie unser deutsches Reich? Sehen Sie doch über die westliche Grenze und betrachten Sie sich Ihre zukünftigen Bundesgenossen, und bei dieser Gelegenheit lesen Sie sich Ihr eigenes Flugblatt durch.
Ich will Ihnen noch eins vor Augen führen, was Ihre Bundesgenossen betreffs Religion sagen: Am 25. Januar 1890 sagte Liebknecht: „Auf religiösem Gebiete erstrebt die Sozialdemokratie den Atheismus." Bebel am 31. März 1881 sprach: „Christentum und Sozialismus stehen sich einander gegenüber wie Feuer und Master." Der Volksstaat vom 9. März 1974: „Die christliche Kirche ist ein tollfantastisches Religionssystem." Bebel: „Christentum und Sozialismus": „Wenn wir einmal den sozialistischen Staat haben, werden wir sehr leicht mit der Religion fertig werden." 11. Januar 1888. Liebknecht : „Zu der Zeit, wo die Sozialdemokratie herrschen wird, wird die katholische Kirche ein Märchen der Vergangenheit sein."
Nach diesen Erklärungen möchte ich dem Wahlausschuß der Zentrumspartei die Frage vorlegen, wo liegt die kultur- kämpferische Seite resp, die Vernichtung unserer Religion? Bei den Liberalen oder den Sozialdemokraten?
Zentrums-Wähler!
Ich muß noch auf eins zurückgreifen. Die in Hanau abgehaltene Versammlung der liberalen Vereinigung hat uns gezeigt, wohin die Ziele der Sozialdemokratie führen. Herr Hoch, der Kandidat der Sozialdemokraten, hat wohl bei dieser Versammlung die Katholiken sehr schonend behandelt, aber jetzt muß es jedem klar werden, daß er dies nur getan hat, um die Stimmen der Kaiholiken zu erhalten.
Nach den gehörten Vorträgen der vereinigten liberalen Parteien, in der Herr Dr. Heilbrunn für völl'ge Religionsfreiheit einzutrelen versprochen hat, halte ich eS für meine Pflicht, entgegen dem Beschlusse des Wahlvereins der Zentrumspartei, meine Glaubensgenossen aufzufordern am 25. Januar 1907 an den Wahltisch zu treten und unsere Stimme gegen den sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben, umsomehr fühle ich mich zu dieser Aufforderung berechtigt, da mir bei dieser liberalen Versammlung ein Einblick in die Handlungsweise der Sozialdemokraten zuteil wurde.
Ich bitte meine Glaubensgenossen dringend ihre Stimme am Wahltisch gegen den sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben !
Also keine Wahlenthaltung! O.
* Verliehen. Dem pensionierten Eisenbahnweichensteller Johann Vornwald sowie dem pensionierten Eisenbahn-Lademeister Julius Eichhorst zu Hanau wurde dar „Allgemeine Ehrenzeichen" verliehen.
Jg. Der 18. Januar ist als Geburtstag des deutschen Reiches ein nationaler Gedenktag von hoher Bedeutung. An ihm sind eS nunmehr 36 Jahre, daß im Schlosse zu Versailles die Proklamierung des deutschen Reiches durch den damaligen Bundeskanzler Grafen Bismarck in glänzender Fürstenversammlung erfolgte. Nach der Proklamation brachte der Großherzog von Baden das erste Hoch auf Kaiser Wilhelm I. aus. Der 18. Januar ist drum auch ein Tag, an dem sich patriotische Männer versammeln, um der großen Taten zu gedenken, durch welche uns ein gemeinsames Vaterland wieder gegeben wurde und an dem wir alle in dankbarer Ehrung der toten und noch lebenden Mitkämpfer jener unvergeßlich großen Zeit das Gelöbnis aufs neue bekräftigen können und müßen: festzuhallen und auszubauen, was in langer schwerer Arbeit, unter großen Opfern an Gut und Blut von Fürsten und Völkern errungen ist und in Treue und Dankbarkeit zu stehen, zu Kaiser, Reich und Vaterland allezeit!
* Die Dienst- und Ruhezeiten des Eifenbahn- Personals regelt ein soeben erschienener Erlaß des Ministers Breitenbach, welchem wir das folgende entnehmen: Die Bahn- ärzte sowohl wie die Mehrheit der Bediensteten stimmen darin überein, daß der Wechsel im Tag- und Nachtdienst eine vorübergehende Störung in der Lebensweise des Personals hervorruft und um so anstrengender ist, je öfter er sich wiederholt, weil die Gewöhnung, des Nachts tätig zu sein und am Tage zu ruhen, erst allmählich eintritt. Der
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1907
Wechsel in Tag- und Nachtdienst wird deshalb am zweck mäßigsten nicht in zu kurzen Zwischenräumen vorgenommen um das Personal möglichst selten den mit dem Uebergang verbundenen Störungen auSzusetzen. Der Minister hält w daher nach dem Ergebnis der Berichterstattung für angezeigt, daß an den einwöchigen Tag- und Nachtdicnstperioden fest- gehalten, daß nach denselben den Beamten und Arbeitern aber eine Erholungszeit von 80—36 Stunden gewährt wird. Soweit angängig, soll der wöchentliche Dienstwechsel in bet Zeit von Samstag bis Montag stattfinden, damit da« Personal möglichst oft in den Genuß der vollen SonntagSrub« gelangt. Danach soll eventuell die Dicnsteinteilung baldmöglichst abgeändert werden. Da, wo der Beginn deS Frühdienstes um 6 Uhr für die Bediensteten und ihre Angehörigen lästig empfunden wird, kann der Dienstwechsel, besonders im Winter, auf früh 7 Uhr verlegt werden. Dem Lokomotiv- und Zugpersonal, dessen Dienst eine gleichmäßige Verteilung zwischen Tag und Nacht nicht zuläßt, müssen in angemessenen, gleichmäßigen Zeiträumen ausgiebige Ruhetag« gewährt werden, besonders wenn sie dreimal hintereinander von 11 Uhr abends bis 5 Uhr früh im Dienste waren. Einzelne Bedienstete haben den Wunsch ausgesprochen, daß die Nachtdienstperioden abgekürzt werden; die Berücksichtigung auch dieses Wunsches soll in das Ermessen der Direktionen gestellt bleiben. Ein häufigerer als wöchentlicher Dienstwechsel soll auf solche Fälle beschränkt werden, in denen der Dienst so verantwortungsvoll und anstrengend ist, daß durch die siebenmalige Aufeinanderfolge deS Nachtdienstes die für den Betrieb erforderliche Spannkraft sowie das Wohlbefinden deS Personals beeinträchtigt werden könnte. Endlich komme noch in Betracht, inwieweit die Bediensteten bei den ortsüblichen WohnungSverhältnissen in der Lage seien, während deS Tages ohne Störungen der Ruhe pflegen zu können.
* Ein neuer Titel, der eines „Oberbahnassistenten", wird vom 1. April ab auf den preußisch-hessischen StaatS- bahnen eingeführt. Er kann den Eisenbahnassistenten, Bahnhofs- und Materialienverwaltern zweiter Klasse nach Ablauf einer fünfjährigen Dienstzeit seit der Anstellung als Assistent verliehen werden, vorausgesetzt, daß in der dienstlichen und außerdienstlichen Führung des Beamten nicht erhebliche Mängel hervorgetreten sind.
* Ringsammlung. Die gestern vormittag 11 Uhr eröffnete Ring-Ausstellung in der Aula der Königl. Zeichenakademie ist bis jetzt von 167 Personen besichtigt worden. Wie Sachkenner erklären, ist die Sammlung nach der bei South-Kenstngton-Museums die größte Kollektion von Ringen, die überhaupt existiert. Für Schulen, Vereine und sonstige Korporationen, welche die Ausstellung besuchen wollen, dürft« es sich empfehlen, um Ermäßigung deS Eintrittspreises nachzusuchen, wie sie ja auch von Museen, Galerien rc. für solche Zwecke gewährt zu werden pflegt. Doch sei gleich hier darauf hingewiesen, daß, wie wir vernehmen, die DuSstellungs- leitung nicht mehr als etwa 20 Besucher gleichzeitig zuläßt, um im Interesse jedes Einzelnen eine Ueberfüllung des ringS um die Ausstellungstische verfügbaren Raumes zu verhindern.
* Fünft!Hr-Tee. Der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins hat beschlossen, auch in diesem Winter und zwar am 30. Januar einen Fünfuhr - Tee zu veranstalten. Die gleiche Veranstaltung hat im vergangenen Winter so allgemeinen Anklang gefunden und einen so zufriedenstellenden Verlauf genommen, daß auch für diesmal ein voller Erfolg erwartet werden darf.
* Stadttheater'. Auf das heute Freitag als 4. Vorstellung der IV. Abonn.-Serie zur Wiederholung kommende geistreiche Lustspiel Edmund PailleronS: „Die Welt in der man sich langweilt" sei nochmal« besonderhingewiesen. Die Ausstattung des Wintergartens im dritten Akte mit lebenden Pflanzen und Blumen wird auch diesmal wieder von der lBlumenhandlung I. L. Jäger Söhn« arrangiert werden. — Am Sonntag nachmittag wird wie bereits berichtet P. A. Wolffs Schauspiel mit Gesang: „P r e z i o s a" letztmalig in Szene gehen. Bei der bedeutenden Ermäßigung der Preise für die SonntagnachmittagS- Vorstellungen dürfte das beliebte uab bekannte Werk mit der wundervollen Musik Karl Maria von Webers wieder eine außergewöhnliche Zugkraft ausüben. Die Chöre werden unter gütiger Mitwirkung eines hiesigen Verein« gesungen. — Das am Sonntag abend auf vielseitige Wünsche noch- malä bei aufgehobenem Abonnement zur Darstellung Tommcnbc überaus erfolgreiche Lustspiel „H u s a r e n f i e b er" beherrscht gegenwärtig den Spielplan aller Bühnen in einer Weise, wie seit Jahrzehnten kein Stück. Allenthalben erzielt die Novität ausverkaufte Häuser und den stärksten Beifall. Zu den Mai-Festspielen am Königl. Hoftheater in Wiesbaden ist „Husarenfieber" gleichfalls vom Kaiser zur Aufführung