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«Jährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aut* »Lrtige Abonnestm dem bekessenden Postaufschlag« Die tiuzelac Nummer kostet 10 Pfg.

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Notationtdruck rmd Verlag der Buchdrucker« de» »««in.

o, Waisenhauses in Hanau.

General-

Allltlilhes Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Eiurückungsgevühr;

$« jimsgefpalteue petitzeil« oder deren Raum 20 M, im Reklameuteil bk Zeil« 35 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer BeUage.

Lerantworü. Redakteur: Ä. Schrecker in Hanau.

Nl. 14 N«rnspr«chanschlntz Nr. 605.

Donnerstag den 17. Januar

Wernsprechanschlutz Nr. 605. 1907

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Amtliches.

Fandkreis Ranau. Minitmchm-til des Kioizliche« LndntimtS.

In Ravolzhausen ist die Schweineseuche festgestellt worden. Die Gehöftssperre ist angeordnet.

Hanau den 17. Januar 1907.

Der Königliche Landrat.

V 800 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

In Roßdorf ist die Schweinesenche festgestellt worden.

Die Gehöftssperre ist angeordnet.

Hanau den 14. Januar 1907.

Der Königliche Landrat.

V 219 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Festgestellt: Die Schweineseuche in NeuseS und Orb, Kreis Gelnhausen.

Hanau den <7. Januar 1907. V 855

Städtische MitsvermittelWWe,

Langstraße Nr. 41.

Kostenfreie Arbeitsvermittelnng werktäglich vorm 8^2121/3 Uhr, nachm. 36 Uhr.

Städtisches Arbeitsamt, Rathans Zimmer Nr. 12. Kostenfreie Anskunft in Sachen der sozialen Gesetj- gebnng (Unfall-, Invaliden-, Kranken- usw. Gesetze.) Hanau am 16. Januar 1907.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 156

Konto-kamnt - Mehr der LtihKank.

Zinsfuß bei Einlagen 41/» °/o. 167

Gefundene und verlorene Gegenstiinde re.

Gefunden: 1 stlb. Armband, 1 braunes Damen­portemonnaie m. Inhalt, 1 Taschenmesser.

Verloren: 1 stlb. Kettenarmband, 1 Mn es Damen­portemonnaie mit Inhalt, 1 gelb. Herrenportemonnaie mit Inhalt.

Zugelaufen: 1 schwarzer Spitz.

Hanau den 17. Januar 1907.

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Feuilleton.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 17. Januar.

Von dem Damenpersonal eröffnete gestern abend Fräul. Minna I a i d a, welche bereits seit 4 Jahren das Fach der weiblichen Charakterrollen an unserer Bühne in eifriger Pflicht­erfüllung vertritt, durch das dreiaktige LebensbildDer kleine L o r t" von Hodgson Burnett die Reihe der Benefiz­abende. Wenn auch diesem, nach dem gleichnamigen Roman bearbeiteten Merkchen weiter kein literarischer Wert beizu­messen ist, so erscheint es andererseits immer noch, trotz seines Alters, dazu angelegt einen Theaterabend angenehm auS- zufüllen, indem der Werdegang des kleinen Titelhelden das Interesse des Zuschauers bis zum Schlüsse wach zu erhalten vermag. Frl. Poldi Sangora vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M., die schon gelegentlich eines früheren Gast­spiels an unserer Bühne ihre künstlerischen Eigenschaften in höchst günstigem Maße zu entwickeln wußte, verstand auch durch ihr gestriges Auftreten in der Partie bei kleinen Cedrie" sich die Gunst des Publikums erneut zu erringen. Die Gutmütigkeit dieses klugen, wißbegierigen Knaben, das stets auflodernde Gefühl maßloser Liebe zur Mutter, daS drollige, niedliche Gebühren im Umgang mit seinen Freunden: alle diese Züge verschmolz die Künstlerin zu einem Ganzen von geradezu frappanter Echtheit und Natürlichkeit. Auch bezüglich ihres äußeren Auftretens hinterließ sie den Eindruck ungekünstelter Anmut, so wie wohltuender Lieblichkeit, so daß der auf offener Bühne gespendete lebhafte Applaus als ein wohl­verdienter rückhaltlos zu bezeichnen ist. Sri. Iaida gab

Hus Hanau Stadt und Fand.

Hanait, 17. Januar. Zur Wohlvcwegung.

* Wählerversammlung, Kandidatur LueaS. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet Samstag nachmittag 3 Uhr in derCentralhalle" eine Wählerversammlung statt, in welcher sich Herr Dr. LucaS diesmal selbst als Kandidat vorstellen wird, nachdem die Besserung in seinem Befinden erfreulicher Weise inzwischen weitere Fortschritte gemacht hat. Die Versammlung, welche mit Rücksicht auf die Land­bevölkerung auf den Nachmittag 3 Uhr verlegt ist, dürfte aller Voraussicht nach von dieser sehr gut besucht werden. Da Herr LucaS hier kaum nochmals wird sprechen können, so wird auf zahlreichen Besuch auch seitens der städtischen Wähler gerechnet.

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Wahlversammlung in Bischofsheim. Auf An- regung des Bauernvereins Bischofsheim wurde vorgestern im SaaleZum grünen Baum" in Bischofsheim eine Wähler­versammlung abgehalten, die einen zahlreichen Besuch aufzu­weisen hatte. Herr Ebert eröffnete die Verhandlungen und ' übergab nach der Bureauwahl an Herrn Grimm den Vorsitz, welcher die Versammlung mit einigen Begrüßungsworten er­öffnete und zugleich kundgab, daß am heutigen, abend voll­kommene Redefreiheit für etwa anwesende Gegner gewährt sei. Herr Grimm gab alsdann dem Parteisekretär Grund- Berlin das Wort, welcher hauptsächlich über daS Gebahren der Sozialdemokratie sich verbreitete. Die Sozialdemokratie wolle den Frieden zwischen Arbeitgeber und Arbeiter stören; in früheren Zeiten seien zum Segen des ganzen Volkes alle Stände einig gewesen; mit welcher Begeisterung seien doch die in derHauptsache auSArbeitern sich rekrutierenden Krieger in den Kampf gezogen für Deutschlands Ruhm und Ehre und wie sei Deutschland beneidet worden, ob des Heldenmutes seiner Söhne. Auch in der Gegenwart beweise sich wieder der Heldenmut der deutschen Soldaten in Südwestafrika, sie be­wiesen die nämliche Treue, wie in den großen vergangenen Tagen, nachdem sie aus dem zersetzenden Treiben der Gegen­wart herausgenommen seien. Hierauf kam Redner auf die Kolonien zu sprechen. Das Bewilligungsrecht der Gelder für die deutschen Kolonien habe unbestreitbar wohl der Reichstag, aber eine Verkürzung des nächsten Etats schon im vornherein tehe keiner Partei zu. Was die Truppenbesatzung anlange, o seien hier die Ansichten des deutschen Generalstabes, tim )en uns die ganze Welt beneide, maßgebend. Wohl sei ein o großes Aufgebot nicht nötig, um die wenigen Hotten- . totten zu bekämpfen, aber nach der bedauerlichen Ablehnung der Eisenbahn seien große Etappensiraßen zu besetzen. Ob Freund oder Feind der Kolonien, Deutschlands Ehre müsse jedem Deutschen über alles stehen. Habe ja der verstorbene Abgeordnete Dreesbach bei dem letzten sozialdemokratischen

die Rolle der um das Glück ihres Kindes stark besorgten und aufopfernden MistreßErrol" mit warmer Empfindung und Kraft. Sie blieb durchweg mit Erfolg bemüht, durch schlichtes und einfach-natürliches Auftreten ihre Gestalt glaub­haft erscheinen zu lassen und ihr in den dramatisch angelegten Szenen die nötige persönliche Farbe zu verleihen. Des­gleichen traf Herr Kempf den Ton des ewig verärgerten, immer mürrisch gelaunten GrafDorineourt" recht treffend, während der AdvokatHavisham" des Herrn Hauser in glücklicher Auffassung zu Ende geführt erschien. Aus dem KolonialwarenhändlerHobbs" und dem StiefelputzerDick" wußten die Herren Gehrmann und Nygrin zwei Jllustrationsfiguren zu creieren, die zu starker Heiterkeit Ver­anlassung gaben. Besondere Anerkennung gebührt noch Herrn O. H. Müller, der die kleine Episodenrolle des Pächters Hipgurs" vortrefflich verkörverte, wie auch Frl. Macdonald j um die Wiedergabe derMinna" mit sichtlicher Hingabe be- ' müht blieb. Kleinere Beschäftigung fanden: Herr Heide- mann (Wllkins), Frau Reinhard (Mary), Herr Matter (Sam). Die bewährte Regie des Herrn H a user sorgte dafür, daß das Stück im nötigen Tempo wirksam zur Geltung gelangte. Zahlreiche Blumenarrangements und anderweitige Aufmerksamkeiten konnte die Benefiziantin als freudige Ueberraschung von feiten vieler Gönner im Empfang nehmen.

Ein besonders amüsantes und wertvolles Gepräge empfing der Abend noch durch die zu Beginn gebotenen Gesangsvor­träge des Herrn Opernsängers Meister aus Frankfurt a. M. ' sowie der bewährten hiesigen Sängerin Frau Hauser- G u a st a l a. Die einzelnen Piecen (Bildnisarie aus Zauberflöte", Koloraturwalzer, sowie Duett ausCarmen") fanden ungeteilten Beifall des stark besuchten Hauses, der sich £ denn auch in lebhaftem Applaus äußerlich kundgab. *

Parteitage in Mannheim mit Stolz darauf hingewiesen, daß in dieser Stadt Schiller die Räuber geschrieben und Schiller habe doch das Vaterland über alles gestellt. Redner meint, daß die Ablehnung der südwestafrikanischen Bahn ein Grund gewesen wäre, schon damals den Reichstag aufzulösen. Was die Ausgaben für die Kolonien anbelange, so haben diese für die letzten 22 Jahre nicht 800, sondern nur 700 Millionen betragen, dagegen sei aber auch der Wohlstand des deutschen Volkes enorm gestiegen. Die Anlagen bei den Sparkassen hätten 700 Millionen betragen und dies sei doch meistens nur Geld von kleinen Leuten gewesen, die Behauptung, daß das Volk ausgesogen werde, erklärt Redner daher für eine« Unsinn. Redner sagt im weiteren, man lese ost, daß die deutschen Kolonien Sandwüsten seien, aber man lese auch von großen Viehherden der dortigen Eingeborenen, da müsse es doch dort ganz anders aussehen. Was den Ausbau der Kolonien anlange, müsse man Geduld haben, aber der Erfolg sei sicher. Der deutsche Arbeiter gehe in der Regel nicht gerne dahin, wo man ihn brauche, das beweise der Arbeitermangel in der deutschen Landwirtschaft. Die Aus­wanderungslust der Deutschen sei groß und die Vereinigten Staaten von Nordamerika hätten sich durch den Fleiß und die Intelligenz der deutschen Arbeiter einen Weltruf er- worben. Wenn solche sich mit demselben Eifer und der nämlichen Tatkraft in den deutschen Kolonien ansiedelten, sei der Erfolg sicher. Andere Völker hätten für ihre Kolo­nien viel mehr getan, so z. B. das kleine Belgien für den Kongostoat. Wenn heute Deutschland seine Kolonien auf­geben müsse, würde sie England mit Behagen übernehmen. Was die Kandidaten für unseren Wahlkreis anbelangt, so schaltet Redner daS persönliche jedes einzelnen gleich im Vorhinein aus. WaS die Sozialdemokratie betrifft, sagt Redner, so sei trotz der 1903 erhaltenen Stimmen die Be­zeichnung als Arbeiterpartei unrichtig, auch die Gewerk« schäften hätten im eigentlichen Sinn nicht den numerischen Wert, den man ihnen zumeffe, denn viele seien nur durch Zwang in ihre Reihen gepreßt, sogar in öffentlichen Wirt­schaften verlange man von Kellnern den Nachweis der Zugehörigkeit zum Verband. Der Stand der Parteiorgani­sation sei ein verhältnismäßig geringer, denn nach dem Be­richt des Parteikassierers habe dieselbe nur 286 000 Mitglieder. Redner sagt weiter, der Kaiser habe bisher stets den Frieden gewahrt. Unter seinem Regime haben Industrie undHandel einen ungeahnten Aufschwung genommen. Und dieser Frie­den wäre notwendig, denn die Arbeiter hätten das aller­größte Interesse daran. In den Kommissionen des Reichs­tages feien auch die sozialdemokratischen Mitglieder für Ge­nehmigung der Postulate für Heer und Marine gewesen, aber im Plenum habe die Sache eine gegenteilige Wendung im Rahmen der sozialdemokratischen Partei genommen. Red­ner sagt weiter, daß eine starke Flotte notwendig sei, um unseren blühenden Handel zu schützen. Redner gibt zu, daß die Arbeiterversicherungen noch mehr des Ausbaues bedürfen und das werde auch geschehen. Redner bedauert, daß die Sozialdemokraten verschweigen, daß die Ueberschüsse aus den Zöllen dem Witwen- und WaisenversicherungSfondS Huge- wiesen werden. Gegen alle Verbesserungen im Reiche hätten sich bisher die Sozialisten ablehnend verhalten, aber auch gegen gerechte Steuern, wie Börsensteuer, Champagnersteuer, Tantiemensteuer hätten sie gestimmt. Für das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und das Wuchergesetz seien sie auch nicht zu haben gewesen. Redner meint, alle andern Parteien sollten sich aber ein Beispiel an der Opferwilligkeit nehmen, die die Sozialdemokratie für ihre Parteiorganisation be­tätigen. Redner sagt, daß der Stand der bisherigen sozia­listischen Abgeordneten nicht geeignet sei, sich Arbeitervertreter zu nennen, denn in Wirklichkeit wiesen diese nur 8 Arbeiter im eigentlichen Sinn des Wortes auf. Von den Anhängern der Partei wüßten 99 von 100 nicht was sie wollten. Der deutsche Arbeiter sollte selbständig denken lernen, denn nur gebildete Arbeiter könnten das Wohl und das Ansehen Deutschlands fördern, und hier habe die letzte Düsseldorfer Ausstellung einen glänzenden Beweis erbracht. Redner geht nun auf die Gründungsgeschichte der Sozialdemokratie näher ein und sagt, manches müsse besser werden, aber das sozialistische Programm sei im großen und ganzen zu ver­werfen. Die Sozialdemokraten wollten keine Zufriedenheit, denn diese bringe der Partei das Ende. Die Sozialdemo­kraten haßten die Kleinhandwerker und Bauern und gingen auf deren Vernichtung aus, besonders aber die Bauern seien in ihren Augen die Dummen. Redner fordert die Versamm­lung auf, am 25. Januar bürgerlich zu wählen; weist noch­mals auf bie Organisation und Opferwilligkeit der sozialistischen Partei hin und fordert alle auf, sich ein Muster daran zu nehmen. Mit einem Hoch auf Deutschland schließt unter Beifall der Redner. Herr Redakteur Jünnemann-Frankfurt schloß sich diesem Appell an und bat am 25. Januar für den seitherigen Abgeordneten Dr. Lucas einzutteten und hofft in dem Bericht an den Kaiser, an dessen Geburtstag auch den Wahlkreis Hanau national vertreten zu sehen. Herr Grund kommt nochmals auf Herrn Dr. Lucas zurück und weist den Vorwurf der Sozialisten zurück, Dr. LucaS habe nichts geleistet. Herr Dr. LucaS sei ein tüchtiger Kom­missionsarbeiter gewesen und habe ein großes Verständnis in allen Dingen an den Tag gelegt. Es sei ihm auch ew