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»MMHrvch 1,80 Mk., monatlich 60 Psz., für â trüge Abonnenten mit dem betreifenden Pojlaufjchlaz, Die mrzelae Nummer kostet 10 Psg.

M^atisaSdruck imb Verlag bet Buchdruckerei de» »nein. «. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AMliKes Organ für Sicht- und Fachkreis Kanan.

Erscheint täglich mit AusnaLmr der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünf gestoßene Püitzeile oder deren Raa s 38 Wy, im Nellameuteil die Zeile 35 Psg.

Verantrrort!. Redakteur: <3. S <# c e et e t m Hanau.

Nr. 113 MernsprtchanMich Nr. 605.

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Amtliches.

Stadt- und Eandkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Die der Beförderung von Personen dienenden Kraftfahr­zeuge dürfen nach § 53 Abs. 1 des Reichsstempelgesetzes vom 3. Juni v. Js. zum Befahren öffentlicher Wege und Plätze nur in Gebrauch genommen werben, wenn zuvor bei der zuständigen Behörde gegen Zahlung des Abgabebetrages eine Erlaubniskarte gelöst worden ist. Als eine Ingebrauchnahme gilt nicht die Vornahme von Probefahrten, d. h. solcher Fahrten, welche von Fabriken oder Händlern mit den zum Verkaufe gestellten Fahrzeugen ohne Entgelt veranstaltet werden.

Ich bringe daher hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Königliche Provinzialsteuerdirektor zu Cassel bis auf Weiteres als Ueberwachungsmaßregel bestimmt hat, daß die betreffenden Fabrikanten oder Händler für die eine Steuer­pflicht nicht begründeten Probefahrten sich eines besonderen Kennzeichens zu bedienen haben, das auf weißem Grunde in schwarzer Schrift sichtbar die Bezeichnung: Probefahrt zu tragen hat.

Hanau den 27. April 1907.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 3419 v. Beckerath.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Städtisches Wannen- nnd Brausebad.

Bangertstrafze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).

Eröffnnng am 21. Mai 1907.

Geöffnet für Männer: Diontag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 28 Uhr nachmittags,

Sonntag von 812 Uhr vormittags.

Geöffnet für Frauen:

Dienstag und Freitag von 28 Uhr nachmittags.

Preise der Bäder:

Brausebad mit Wäsche 10 Psg.,

Wannenbad mit Wäsche 25

Wannenbad ohne Wäsche 20 Hanau den 11. Mai 1907.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 10411

Feuilleton.

Großstadtfreuden.

Nach der Natur gezeichnet von G. v. R.

Vom Fenster her fragte ein weinerliches Sümmchen:

«Gehen wir wieder in unseren Wald, Papachen?"

Hans Kirschkau antwortete nicht, sondern drückte sich leise zur Tür hinaus. Was sollte er auf diese schon hundertmal wiederholte Frage noch antworten? Sagte er die Wahrheit, so gabs neues Weinen, gab er falschen Trost, so betrog er [die Kleine. Also hieß es still sein und die Suppe hinunter­würgen, die ihm andere eingebrockt hatten, denn jetzt saß er vorläufig fest in der Hauptstadt.

Narr, der ich war I" brummte er beim Hinausschleichen in den Bart,früher arbeitete ich für uns, jetzt in dec Haupt­sache für fremde Mäuler. Hol der Kuckuck diesen verwünschten Häuserhausen ich wollte, der Kreuzberg würde entweder zum feuerspeienden Vulkan, oder ich erbte ein schuldenfreies Rittergut!"

Ja, Freund Hans, das hättest Du Dir eher überlegen und dem großstädtischen Versucher rechtzeitig ein Schnippchen schlagen sollen. Dein ferneres Leben wird nunmehr bloß zum täglichen Kampf ums Dasein, ohne Freude, nur mit nie erlöschender Sehnsucht nach dem schnöde verlassenen Walde. Immer wirst du die Gegenwart für einen bösen Traum halten, aus dem du endlich erwachen möchtest. Bis zum Grabe?

Bei diesem Gedanken fuhr Kirschkau wütend auf:Pfui Teufel, in dieser lauten, flachen Wüste verbuddelt liegen sollen, zwischen Bahndämmen und Fabrikschornsteinen!"

Und er hatte dereinst aus vollem Herzen ein Lied. mit der Schlußstrophe gedichtet:

O, gönnt im Bergwald unter Moos

Ein Grab mir Freundeshand,

Wie ruht ich sanft in deinem Schoß,

Atem teures Heimatland!" {

Donnerstag den 16. Mai

Bekanntmachung.

Die Bureaus der städtischen Steuerverwaltuuft (seither im Stadtschloß) befinden sich jetzt im Hause Neu- städter Marktplatz Nr. 14, neben dem Nathause, eine Treppe hoch.

Hanau den 3. Mai 1907.

Der Magistrat.

B o d e. 9679

Schweinezucht nnd -mästnnginDciitschland.

Schon seit Monaten sind die Schweinepreise in ständigem Rückgang begriffen und haben einen Tiefstand erreicht, der die Landwirte zur Prüfung der Frage veranlassen könnte, ob sie noch weiter mit Schweinezucht und -mästung sich be­fassen oder wegen mangelnder Rentabilität diese einstellen sollen. Die deutsche Landwirtschaft hat den Beweis erbracht, daß sie aus eigener Kraft nicht nur genügend, sondern fast zu viel Schlachtschweine auf den Markt zu bringen vermag, und damit von neuem bestätigt, daß eine Aufrechterhaltung des Grenzschutzes gegen das Ausland die Grundbedingung, aber auch die Grundlage für eine ausreichende Viehzucht und Viehhaltung im Julande ist.

Hieraus erwächst der Landwirtschaft aber auch die Pflicht, nicht sofort, wenn die Preise einmal stark gesunken sind, bic unrentabel gewordene Schweinehaltung wieder aufzugeben. Zunächst muß geprüft werden, ob diese scheinbar zu einer Einschränkung der Schweinehaltung zwingenden Preise nicht unnatürlich und auf Ursachen zurückzuführen sind, deren Be­seitigung nicht nur möglich, sondern auch in absehbarer Zeit wahrscheinlich ist.

Da ist zunächst die Tatsache festzustellen, daß die Schweme- fleischpreiie nicht annähernd so tief gesunken sind, wie die Schweinepreise, und heute fast überall nicht wesentlich höher stehen als im Jahre 1904, in dem zum letzten Male sehr niedrige Schweinepreise zu verzeichnen waren. Diese hohen Schweinefleischpreise haben zweifellos bewirkt, daß der Schiveinefleischverbrauch geringer gewesen ist, als er bei nied­rigeren Preisen gewesen sein würde. Wenn wir es jetzt scheinbar mit einer Ueberproduktion von Schweinen zu tun haben, so ist sie wesentlich auf diesen Umstand mit zurückzu- führen. Sobald die Schweinefleischpreise daher den Schweine­preisen gefolgt sein werden, wird der Schweinefleischverbrauch entsprechend steigen und der Markt schon dadurch entlastet werden. Anträge, die den Landwirten geeignet erscheinen, diese Entwicklung zu fördern, sind von ihrer berufenen Ver­tretung bereits dein Landwirtschaftsminister unterbreitet worden.

Und um welche Vorteile gab er den Segen des länd­lichen Lebens auf? Um keinen einzigen, um rein gar nichts. Scheinbar verdoppelte sich zwar das Einkommen, aber Fetzen auf Fetzen von dem Mehr flog auch sofort ohne weiteres in fremde Taschen, ohne dem Erwerber im geringsten zu nützen. Die Wohnungsmiete kostete das Vierundeinhalbfache als bisher, die Steuern schnellten auf das Sechzehnfache in die Höhe, das Schulgeld für die Kinder wurde dreiundeinhalbmal so groß, während die Früchte des Unterrichts bei den überfüllten Klassen sich um so jämmerlicher zeigten. Und welche Flut von Nebenaus- gaben brach ungeahnt über den verblüfften Zuzügler herein. Alle möglichen und unmöglichen Vereine begannen vermittels gedruckter Zettel und lebendiger Vertreter das Haus behufs unumgänglich notwendigen Beitritts" zu überschwemmen; außer den verschiedenen lieblichen Roten Kreuzen für Kreis, Gemeinde im besonderen sollten Sammlungen für gefallene Mädchen, Arbeitormohnungen, Ferienkolonien, Ärmenbe- scherungen, Kinderbewahranstalten it. s. w. aufgebracht wer­den, lauter Dinge, von denen der Ländler bisher nichts wußte. Hätte er sich jedesmal breitschlagen lassen, so blieb für ihn selbst und seine Familie nur das Armenhaus übrig.

Die Hausfrau, auch ein Waldkind, rang die Hände über die Lebensmittelpreise: dazu fehlten die sozusagen selbstver­ständlich kostenfreien Würzkräuter aus dem Gärtchen, alles mußte überraschend teuer angekaust werden. Die Wasch­frauen schwelgten in Chlor und anderen bissigen Sachen, so daß die besten und dauerhaftesten Stücke in kurzer Zeit gu Zunder abmagerten und entsetzlich schnell Neuanschaffungen erzwangen. Das aus der Heimat mitgebrachte Dienstmäd­chen besaß leider entsernle Verwandte in der Reichshauptstadt, die dem unerfahrenen Ding im Umsehen den Kopf ver­drehten. Die bis dahin stets treue und fleißige Maid würbe putzsüchtig, faul und widerwillig, brannte stundenlang Pony­fransen und schwärmte von schwerreichen Herrschaften, die sie für den dreifachen Lohn mit Kußhand nehmen würden. Schließlich verschwand sie nach freudig aufgenommener Kün­digung zu einem Bankier und tauchte im Großstadt­leben unter, merkwürdigerweise mit schriftlicher Bewilligung

FerrrsprechKuschlus; Nr. 605. 1907

Es ist ferner Tatsache, daß die hohen Schweinepreise der letzten Jahre auch eine ganze Reihe von Nichtlandwirlen, die früher der Schweinehaltung ferngeblieben waren, zu Schweinemästern hat werden lassen. Wenn die aus der Schweinemast erhofften hohen Gewinne jetzt ausbleiben, wer­den diese Gelegenheitsmäster von selbst bald ausfallen, und es wird damit die Schweinehaltung schon in normale Bahnen geleitet werden.

Es darf weiter nicht unberücksichtigt bleiben, daß in best Monaten April bis Juni infolge des Aufbrauchs des bis da­hin noch vorhanden gewesenen Winterfutters viele Schweine- mäster gezwungen sind, ihre Mastschweine um jeden Preis auf den Markt zu bringen. Da aber gleichzeitig infolge der zunehmendeil Wärme die Dauerwarensabrikation mifhört und die Wurstsabriken ihren Betrieb einschränken, wenn nicht ganz einfteden, weisen diese Monate stets die niedrigsten Schweinepreise des Jahres auf. Bereits im Monat Juli beginnen dagegen die Schweinepreise fast regelmäßig lieber zu steigen.

Endlich ist schon seit nieten Jahren ein regelmäßiges Schwanken der Schweinepreise 2s Jahre hohe, annähernd 2 Jahre niedrige Preise zu beobachten. Auf Zeiten be­sonders niedrigerSchweinepreise wie jetzt pflegt daher in ab­sehbarer Zeit stets. ein erneuter Aufschwung der Schweine- preisc zu folgen.

Diejenige Landwirte, die zu Zeiten niedriger Schweine- preise sofort zu einer starken Verringerung oder gar zu einer gänzlichen Einstellung der Schweinehaltung schreiten, .nehmen sich damit selbst die Aussicht, die zeitweilig bei den niedrigen Preisen einlretenden Verluste bei der zu erwartenden anstei­genden Konjunktur wieder einzuholen.

Es liegt daher keine Veranlassung vor, daß die Landwirte eine Einschränkung der Schweinehaltung und vor allem der Schweinezucht eimreten lassen. Im wesentlichen wird es zur Zeit nur darauf ankommen, durch möglichst billige Erhaltung über die jetzige Zeit des Futtermangels bezw. des für die heutigen Schweinepreise zu teuren Futters hinwegzukommen, zumal ja bald Gelegenheit genug vorhanden sein wirb, durch Grünfutter oder Weide­gang eine billige und rationelle Fütterung der Schweine ein­treten zu lassen.

Will die Landwirtschaft auf die Dauer den ihr unum­gänglich nötigen Grenzschutz aufrecht erhalten sehen,. so muß sie sich vor planloser Einschränkung der Schweinehaltung hüte n, da eine solche leicht dazu führen könnte, daß in absehbarer Zeit wieder unerwünscht hohe Schweinepreise eintreten.

Dadurch, daß, einer Anregung des ßanbeSofonomie- foHegiumS folgend, in Zukunft voraussichtlich alljährlich eine «W^^flhLfg^afflBBU^^ ^-Jwy^a i II11!!

ihrer Mutter, die sofortbenachrichtigtworden war. Dermehrsache Ersatz ließ sich derartig vertrauenerweckend an, daß Familie Kirschkau sich schließlich nur noch auf Aufwartungen be­schränkte, die man bei mangelnder Brauchbarkeit ja flinker und bequemer los werden kann. Und nun die ewige Vingst um die Kinder wegen der Vlutler und anderen menschen­mordenden Radgesindels. Mußte man der Gesundheit Halber- mal in die wirklich freie Natur, so rostete das Hinkommen allein schon ein paar Mark. Man genoß mit Gewissens- und Finanzbeklemmung in langen Pausen, was man bafjeim kostenfrei zu jeder Stunde vor der Tür haben.sonnte.

Was wog dagegen der Theaterbesuch, was die Sehens^ Würdigkeiten der großen Weltstadt, die man auch nur be­dingungsweise und selten genoß?

Und nun die Arbeitszeit des Familienvaters, die früher nach freiem Ermessen und den Gesundheitssorderungen ge­mäß verteilt wurde, und der Arbeitsplatz. Jawohl, Hans Kirschkau durfte früher auch nicht die Hände in den Schoß legen oder bloß spazieren gehen, sondern mußte tüchtig denken und schassen, um sich und die Seinen durch die Welt zu bringen. Aber bei schönem Sonnenwetter stieg er mit Heft und Füllfeder über die Bergwiese hinauf an den Wal­desrand zum selbstgezimmerrten Tisch; während die Kinder sich aus blumigem Rasen haschten und kugelten, kamen nicht die schlechtesten Gedanken. War das Wetter nicht einladend so schweifte vom Schreibtisch der Blick zur Erholung über dieselbe Bergwiese hinweg zur blauen Waldhöhe, im Herbst Hang das Röhren der Hirsche deutlich ans Ohr und im Winter trat das Wild so dicht ans Haus, daß es aus dem Fenster gefüttert werden konnte. Auf der anderen Seite jenseits des breiten Bachgrundcs, lag die berühmte Er- ziehungsanstalt, die den Kindern freundlich und billig die Teilnahme am Unterricht angeboten hatte, mitten in den Wald gebettet, kaum fünf Minuten vom Hause entfernt.

Vom Großstadtbureau lohnte sich der Blick ins Freie nicht; stumpf und gleichgültig glitt er an ' den bekannten langweiligen Mauern und Fensterreihen ab, schuf nicht neue ersprießliche Gedanken; sie mußten, ohne Anregung von außen, hervorgegrübelt werben. Das erste Wei'hnachtssest fiel ziemlich mager aus. Umzug und notwendige Anschaffungen