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General-Anzeiger

AMihes Orga« für Stadt- «ad Faudkreis Ha«a«.

e», Nriseuhause» bi Herren.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Svan- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiarückaagsgebüyr.

Die sünfgespaven« PctitzeUe oder der« ÄM W P^ im «eklameatell die ZeS« » U»

verantmertl. Nedakteur: S. Schrecke» m C«m

Nr. 136 Fe«»sprechanschl«tz Nr. 605.

Freitag de» 14. Juni

^rtnfpre^atif^lu^ Nr. 605

1907

Amtliches.

Eandkreis Fjanau.

MmimchiWn M Königlichen LandntSnnitS.

Unter den Schweinen zu Kinzigheimerhof ist die Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau den 12. Juni 1907.

Der Königliche Landrat.

V 4195 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Unter den Schweinen zu Ostheim ist die Schweineseuche festgestellt worden.

Hanau den 12. Juni 1907.

Der Königliche Landrat.

V 4026 I. A: Conrad, Kreissekretär.

Unter den Schweinen 311 Langendiebach ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 12. Juni 1907.

Der Königliche Landrat.

V 4075 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadt- und Eandkreis Hanau.

Am Montag den 17. -. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamts iin Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegen­heit zu Besprechungen geben.

Hanau den 13. Juni 1907.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 4912 v. Beckerath.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Liste der Stimmberechtigten für die Stadtverordneten­wahlen für Hanait-Kefselftadt liegt vom 15. bis 30. Juni d. J. werktäglich während der Dienststunden von 812^2 Uhr und 36 Uhr im Kesselstädter Gemeinde­haus im Zimmer des Bezirksvorstehers zur Einsicht aus.

Während dieser Zeit kann jeder Stimmberechtigte gegen die Richtigkeit der Liste bei uns Einspruch erheben.

Hanau den 6. Juni 1907.

Der Magistrat.

Hild. 12195

Feuilleton.

Ein nasses Lamboyfcst.

Zu komisch, wie klein so ein Schlüsselloch ist! In ver­zweifelten Kreisen und Ellipsen, einem wild gewordenen Planeten gleich, irrt der monströse Hausschlüssel um das tückische Schlüsselloch herum, während ein leises Stöhnen die aufsteigende Verzweiflung kundgibt. Endlich! . . . Das Treppenerklimmen ist ein mühseliges Beginnen, unendlich mühselig, tantalusartig, immer eine Stufe hinauf, zwei hinab. Und die Hausgenossen haben so wenig Verständnis für den schönen begleitenden Gesang, der bei jedem zweiten Ton überschnappt; überhaupt die Hausgenossen . . . Das Heim­kommen ist doch eine närrische Sache nach so einem verreg­neten Lamboyfest. Die Gedankenschachtel birgt einen ganz merkwürdigen Inhalt, der unablässig durcheinander gerüttelt wird. Eine tiefe Verbeugung vor der Wanduhr, deren Sprache ganz unverständlich geworden ist. Halb halb halb--, o Königin, das Leben ist doch schön! . . . Ein Marktschirm unter triefenden Kiefern und eine Bowle darunter, von der jeder vorwitzige Regentropfen ängstlich ferngehalten wird, und eine verzweifelte Fröhlichkeit, die der fortwährenden Zufuhr von Stärkungen bedarf. Man schüttelt sich, man besinnt sich und konstatiert grimmig: So etwas ist noch nicht dagewesen! Der Lamboywaldsgänger auf Tod und Leben ballt in stiller Wut die Fäuste auf dem nassen Tischtuch und zornig klirrt der Glaslöffel in der Terrine. Prost! Ein klägliches Tuten aus vereinsamten Blechtrompeten klingt in das wehmütige Orgeln unbesetzter Karoussells, deren lackierte Holzpferde sich mehr aus Pflicht wie aus Neigung im Kreise drehen. Auf die lebensunfrohen Luftballons klatschen hämische Regentropfen, und die sinnigen Gegenstände, die tonst jo gerne vom vergnÜLten Waldbesucher

Bekanntmachung.

Der Impfarzt für die Stadt, Herr Medizinalrat Königl. Kreisarzt Dr. Eichenberg, wird für die Erstimpflinge ans Hanau und Kesselstadt einen nochmaligen Impftermin

Montag den 17. Jnni, nachm. 3 Uhr, im alten Realschulgebäude, Eingang Johanniskirchplatz, ab­halten. Nachschau: Montag den 24. Juni, nach- mittags 3 Uhr.

In diesem Termin sind alle in Hanau und Kesselstadt befindlichen, 1906 und früher geborenen Kinder vorzustellen, welche bis jetzt noch nicht oder beim diesjährigen Impf- geschäft nicht mit Erfolg geimpft sind.

Hanau, den 7. Juni 1907.

Der Magistrat.

Hild. 12291

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Eichen belegene, im Grundbuche von da Artikel 216 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Kinder des Schuhmachers Kaspar Jakob Dörr, Johannes IV. Sohn, von Eichen

a) Wilhelmine Katharine,

b) Marie,

c) Heinrich Wilhelm,

d) Peter Jakob,

e) Otto,

f) Wilhelm Kaspar,

g) Anna

eingetragene Grundstück: Krtbl. 12 Parz. 184/61, Kleine Gasse, Haus Nr. 127, Geb.-St.-R. 145, a) Wohnhaus mit Hofraum, e) Schweinestall (R),

d) Holzschuppen (C), 1 ar 60 qm, 105 Mark Nutzungswert, am 28. Juni 1907, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden, soweit dasselbe den Miteigentümern Hein­rich Wilhelm und Peter Dörr zusteht.

Windecken den 9. April 1907.

Königliches Amtsgericht. 12565

Hus Ban au Stadt und Eand.

Hanau, 14. Juni.

Beamten-Personalnachrichten.

Ernannt: der Privatdozent in der juristischen Fakul­tät der Universität Marburg Professor Dr. Meyer zum

erstanden wurden, trauern untätig über den verlorenen Zweck ihres Daseins. Ach, und die ungeheuren Vorräte in den ungezählten Fässern, deren Bestimmung es war, guter Menschen dankbare Seelen jenem Grade der Heiterkeit zuzusteuern, wo der Beweis der Zugehörigkeit zur Kategorie desbraven Mannes" erbracht zu werden pflegt! Die unterhaltsamen Stände, wo man mit geschickten Ringwürfen seltsame Ge­bilde von Brot- und Taschenmessern erringen kann; die Glücksräder, deren launenvolle Gunst dem bevorzugten Sterb­lichen den Besitz eines fidelen Handkoffers oder eines dunkel- sinnigen Haussegens vermittelt; Würfelbretter, allda man mit Glück und Ausdauer eine Soldatenpfeife mit irgend einem unkenntlichen Potentutenporträt oder eine Kaffeetasse mit näherer Bezeichnung des Verwandschaftsgrades gewinnen kann; Photographenzelte, in denen die Geschwindigkeit keine Hexerei und die Aehnlichkeit der Bilder keine allzuoft wieder­kehrende Voraussetzung ist kurz alle die stereotypen und tradionellen Erscheinungen des Festplatzes, mehr auf heil­same Geldbeutel-Aderlässe denn auf das ethische Prinzip des Altruismus gegründet, sehen sich für diesmal der erhofften Gelegenheit zur gründlichen Ausübung ihres freundlichen Metiers beraubt. Unter aufgespannten Regenschirmen (der baumwolleneMollebusch" ist vorherrschend) blicken verdrossene Gesichter nach den leeren Tischen, von denen der obstinate Regen längst die Namen fortgewaschen hat; das Rieseln wird zwar immer dünner, dieSpagatschnürl", wie man in Bayern sagt, immer feiner, aber der Galgenhumor der en- ragierten Waldbesucher, nach deren Behauptung selbst ein Mühl­steinregen den Wald nicht ganz zu entvölkern vermöchte, will noch nicht recht zum Durchbruch kommen. Das Bowleglas wird schon recht nervös und in immer kürzeren Pausen zum Mund geführt und das Stadium der Seligkeit, das sonst erst mit der Dämmerung zu kommen pflegt, stellt sich bereits mit bedeutender Verfrühung ein. Ein verdrossenes Schweigen hockt überall; der verweichte Kuchen wird mißmutig bei Seit» aetdmhen und ielbÜ der.^winteraedörrte Sckwarten-

außerordentlichen Profeffor, der Regierungsbaumeister Soge! zum Landbauinspektor in Cassel, der Pfarrer extr. Leopold Koch zum Hilfspfarrer an der lutherischen Gemeinde zu Marburg, die Gerichtsassessoren Eberhard in Langenselbold und Amelung in Nentershausen zu Amtsrichtern, die Refe­rendare Bachmann und Klippert zu Gerichtsassessoren, die Rechtskandidaten Büttner, Hartmann, Schäfer und Weisbecker zu Gerichtsreferendaren.

Beauftragt: mit der Verwaltung der durch das Ableben des Baurates T o p h o f freigewordenen Kreisbau­inspektion HünfeldGersfeld der Regierungsbaumeister T r ü m p e r t vom 1. Juni d. J. ab, der Pfarramtskandidat W e ß e l aus Frankenberg als Gehilfe des Pfarrers N i e« meyer zu Ronshausen.

Versetzt: der ordentliche Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg Dr. Küttner in gleicher Eigenschaft in diejenige der Universität Breslau, der Regie­rungssekretär R o ß in Cassel an die Regierung in Trier zur probeweisen Verwaltung der Oberbuchhalterstelle daselbst.

Verliehen: dem Oberbürgermeister, Geheimen Re­gierungsrat Schüler zu Marburg aus Anlaß seines Ueber- tritts in den Ruhestand der Rote Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, dem Universitätskassen-Rendanten und Quästor, Rechnungsrat Beckmann zu Marburg der Königliche Kronenorden 3. Klasse mit der Zahl 50, dem Rentmeister Jansen in Ziegenhain vom 1. Juni 1907 ab die Rent­meisterstelle bei der Kreiskasse zu St. Goar, dem Regierungs­sekretär Lange in Oppeln vom 1. Juni 1907 ab die Rentmeisterstelle bei der Kreiskasse zu Gelnhausen.

In den Ruhe st and versetzt: der Kanzleiinspek­tor, Kanzleisekretär Hübsch bei der Staatsanwaltschaft in Hanau.

* Oestentliche Impfung. Nächsten Montag nach­mittags 3 Uhr wird für die Erstimpflinge aus Hanau und Kesselstadt im alten Realschulgebäude, Eingang Johannis­kirchplatz, nochmals ein Impftermin abgehalten. Vorzustellen sind alle Kinder, welche 1906 und früher geboren und bis jetzt noch nicht oder in diesem Jahre ohne Erfolg geimpft sind. Die Impfung ist kostenfrei.

* Der Evangelische Kirchenchor Langenselbold unternimmt nächsten Sonntag einen Ausflug nach Gelnhausen. Alle aktiven und passiven Mitglieder sowie Freunde und Gönner des Vereins sind freundlichst eingeladen. Abfahrt um 12 Uhr vom Staatsbahnhof aus. In Gelnhausen Be­sichtigung der Kirche, der Burgruine usw. Um 3 Uhr ge­meinsames Zusammensein im GasthausZur Hoffnung". Später eventl. Ausflug auf das Blockhaus.

* Pfarrerverein. Vorgestern tagte in unserer Stadt die Hauptversammlung des Pfarrervereins im Konsistorial- bezirk Cassel im Hotelzum Riesen". Nachdem der Vor.

magen", dessen tradionelles Privilegium es ist, verständige Menschengemüter dauernd zu erheitern, hat stark von seiner Zauberkraft eingebüßt. Und auf die ganz jungen Menschen­herzen, in denen tausend Hoffnungen und Erwartungen dem ersehnten Tage entgegen träumten, fällt der leidige Regen wie ein frostiger, trostloser, erbarmungsloser Hohn. DasBerschi" mit dem kühnen Panamahut irrt bange suchend zwischen den Tischen umher, von Bude zu Bude, von Karussell zu Karussel, ob es die Verehrte nicht doch noch finde; die aber hat nichtgehörst", weil rosa Kattun und Regenwasser sich so schlecht vertragen und schließlich muß das in seinen Hoff­nungen so schnöde betrogeneBerschi" den in langen Wochen unter zäher Selbstverleugnung ersparten Lamboywaldschatz in grimmiger Resignation an einer Schießbude verpulvern, deren lebhafte und redefreudige Inhaberinnen ihm nur einen mangelhaften Ersatz für das erträumte Glück zu bieten vermögen.

Gegen 5 Uhr endlich beginnt das abundante Wolkennaß zu versiegen, es drängt sich etwas wie Licht durch den grauen Schleies und tausend hoffnungsvolle Blicke heften sich an den heller werdenden Himmel. Mit den zugeklappten Regenschirmen schwinden nach und nach die grimmigen Mienen, die Stimmung hebt sich und die kreischenden Töne der Musikbanden klingen nicht mehr als schrille Dissonanzen in die verärgerten Herzen. Das Böwlchen wird nachgefüllt, die verdünnende Selterswasserflasche sparsamer verwendet und derWintergedörrte" tritt wieder in seine Rechte. Winterstürme wichen dem Wonnemond. . . . Einzelne Wagen bringen neue Gäste,zufuhr aus der Stadt, rasselnde Tambourine und klimpernde Guitarren fachen die Lebens­freude stärker an und hier itub da löst sich eine schwankende Gestalt von der nassen Bank und hüpft in grotesken Tanz­schritten um den Tisch: Man kann seine Dankbarkeit über des Himmels rechtzeitige Einsicht allerdings nicht wirkungsvoller zum Ausdruck bringen. Und das Wetter hält, wie scheu und Lnaltlicü auch die Blicke immer wieder noch dm Kiefern-