Bezugspreis r
«rrtchShrNch 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für auS. «artige Abonnenten mit dem bettessenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
EiuritckungSgebühr ;
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. «V. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzciger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.
Die fünfgespalteue Petitzeile oder deren Rau.n 20 ^ im ReklamenteU die Zelle 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
«eranNvortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
$f. 11 AernsprechanschlnK Nr. 6V5.
Montag den 14. Januar
Me*nspr,chanschl«K Nr. 605. 1907
Hus Ran au Stadt und Tand.
Oana«, 14. Januar.
>A Statistik. Im Monat Dezember 1906 wurden in Hanau lebend geboren 57 Kinder, 32 Knaben und 25 Mädchen. — Gestorben sind 36 Personen, 15 männlichen und 21 weiblichen Geschlechts, darunter 6 Ortëfrembe. Für unsere Stadt selbst bleiben 30 und es kommen auf 1000 Mtwohner und aufs Jahr berechnet nur 11,1 Todesfälle.
Gestorben sind:
4 Kinder im Alter
von 0—1 Jahr
1 Kind „ „
„ 1—5 Jahren
1 0 ff ff
ff 5-10
3 Personen „ „
ff 10-20
9
„ 20-30
ff ff ff
ff 30-40
ff " "
„ 40-50
// ff ff
„ 50-60
1 Person „ „
ff 60-70
5 Personen „ „
ff 70-80
Q
0 ff ff ff
ff 80-90
An Diphtheritis starb ein Kind aus der Marktstraße und je ein Kind an Darmkatarrh, Krämpfen und Kinderzehrung.
Zwei Personen, eine ans der
Hirschstraße und eine Orts
fremde, starben an Typhus
und 4 Personen an Lungen-
schwindsucht. Die Todesursache war in 6 Fällen Herz- erkrankung, in 3 nicht tuberkulöse Erkrankung der Atmungs
organe, in je 2 Aderverkalkung und Sarkom, und in je 1 Fall chronische Nierenerkrankung, Herzlähmung, Schlaganfall,
Idiotismus und Zuckerruhr. -
- Nicht durch Krankheit war
der Tod in 8 Fällen bedingt:
3 Personen starben an Alters-
schwäche, ein kleines Kind an
Lebensschwäche, 3 Personen
verunglückten und eine Person beendete ihr Leben durch
Selbstmord.
Sanitâtsrat Dr. Zeh.
FC. Kriegsgericht der 21. Division. Der Ulan Wilhelm E. von der 5. Eskadron der Hanauer Ulanen war im Herbst v. I. nach seinem Heimatsdorf Streitberg bei Wächtersbach beurlaubt. Am Sonntag 7. Oktober kam er zur Kirchweihe nach Schlierbach herüber. Hier geriet er mit Burschen in Streit, zog blank und versetzte einem Gegner einen scharfen Hieb über's Ohr, das durchtrennt wurde. Außerdem erhielt der Bursche noch Schläge auf die Schulter. Gegen den Ulan wurde darauf ein heftiges Steinbombardement eröffnet. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung unter rechtswidrigem Waffengebrauch zll dèr geringsten zulässigen Strafe von 43 Tagen Gefängnis.
* StadMeater. (Wochenspielplan.) Mittwoch: Benefiz für Fräul. I a i d a. Einmaliges Gastspiel des Frl. Poldi Sangora vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M., sowie des Herrn Opernsängers Meister von Frankfurt a. M. und Frau H a u s e r - G u a s 1 a l a. Außer Abonnement. Neu einstudiert > „Der kleine Lord", Lebensbild in 3 Akten von Mrs. Hodgson-Burnett. Vorher: Gesangsvorträge. — Freitag: 4. Vorstellung der IV. Abon.-Serie: „Die Welt in der man sich langweilt", Lustspiel in 3 Auszügen von Edmund Pailleron. — Sonntag: Außer Abonnement: „Husar enfieb er", Lustspiel von Kadel- burg und Skowronnek.
* Benefiz Jaidn. Ein außergewöhnlich genußreicher Theater-Abend wird am Mittwoch anläßlich des Benefizes für das beliebte Mitglied unserer Bühne Fräulein Minna I a i d a bevorstehen. Es ist der geschätzten Darstellerin gelungen, drei bekannte und überaus beliebte Gäste für diese Vorstellung zu gewinnen. Fräulein Poldi Sangora, die erste muntere Liebhaberin des Schauspielhauses in Frankfurt a. M. wird in einer ihrer Glanzleistungen und zwar in der Titelrolle des Hodgion-Burnel'schen Lebensbildes: „Der kleine Lord " ein einmaliges Gastspiel absolvieren. Sodann werden Herr Opernsänger Meister, dem ein vorzüglicher Ruf vorausgeht, sowie die hier bereits, mit größtem Beifall aufgetretene Frau H a u s e r - G u a st a l a , zu Anfang der Vorstellung zwei Solopiecen und ein Duett aus der Oper „Carmen" von Bizet singen. Das zur Darstellung gelangende Lebensbild : „ D e r k l e i n e L o r d " zählt zu den erfolgreichsten Repertoirestücken aller Bühnen und gibt der in Frankfurt so sehr beliebten Darstellerin Frl. Poldi Sangora in ganz hervorragender Weise Gelegenheit zur Entfaltung ihres Mnzenden künstlerischen Könnens. — Jedenfalls wird ein äußerst amüsanter und wirklich genußreicher Abend zu erwarten sein und wünschen wir der liebenswürdigen Benefizantin, daß ihre Bemühungen durch ein aus- »erkauftes Haus belohnt werden möchten.
* Festmahl. Das Festmahl zur diesjährigen Kaisers- zeburtstagsfeier wird im Ostbahnhof-Restaurant abgehalten.
* Das Winterfest des laitdwirtfchastlichen Kreisvereins Hanau, welches sich in den letzten Jahren einer stets zunehmenden Beliebtheit zu erfreuen hatte, vereinigte auch am Samstag wieder ein außerordentlich zahlreiches Publikum auS Stadt und Land in den Räumen der Kursäle zu Wilhelmsbad. Wenn wir von einem „Winterfest" lesen, so stellen wir uns eben ein Vereinsfest vor mit dem mehr oder weniger gelungenen Zutaten, das ebenso gut auch mit einer anderen Bezeichnung belegt werden könnte. Was aber seit Jahren der landwirtschaftliche Kreisverein bietet, paßt nicht in diesen engen Rahmen, sondern bildet ein großes Freundschaftsfest der landwirtschaftlichen Familien beider Kreise. Gärtnerische Kunst hatte zunächst für anheimelnde Stätten des Frohsinns gesorgt. Der große Kursaal bot das Bild eines reizenden Gartens, der im Hintergründe mit der Bühne abschloß. Die Vorräume des Saales und die Eingänge waren flankiert mit prächtigen, verschiedenartigen Blattpflanzen. Was die Gartenkunst an natürlichen Mitteln besitzt, um eine malerische und doch nicht übersättigende Wirkung hervor zu bringen, war hier verwendet. Ein Prolog, dessen poesiereiche Worte und tiefer Gedankengang mit großem Beifall ausgenommen wurde, eröffnete das Fest. Die Vortragende, eine junge Dame aus deu Kreisen der Vereinsmitglieder, entledigte sich ihrer Aufgabe in schwungvoller Weise. Bei dem gemeinschaftlichen Mahle hielt der Vorsitzende Herr Landrat v. Beckerath die Begrüßungsansprache, die mit einem freudig aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser endete. Herr Kornhausverwalter Thylmann brachte in gebundener Form ein Hoch der Damenwelt. Im weiteren Verlaufe des Abends sorgte die Abwickelung des vorgesehenen wirklich gediegenen Programms für Abwechselung und Unterhaltung, so daß die Zeit bis zum Beginne des Balles selbst der jungen Welt nicht gar zu lang wurde. Aus dem Gebotenen heben wir hervor die bezaubernden Liedervorträge einer jungen Dame, einen durch acht junge Damen ausge- führten Blumenreigen, humoristische Vorträge bewährter Vortragskünstler, dann ein oberbayerisches Singspiel, das, mit Sorgfalt und Liebe zur Sache einstudiert, geradezu mustergültige Leistungen der Mitwirkenden bot. Eine großartig ausgestattetc Verlosung sorgte dafür, daß man seine überflüssigen Nickel an den Mann bringen konnte, allerdings meist wieder zum Besten der Allgemeinheit. Der 2. Vorsitzende des Vereins Herr W. Koch - Bruderdiebacherhof sprach dem Festkomitee wie auch den Mitwirkenden den Dank aus für die wohlgelungenen Darbietungen. Ein Ball bildete die zweite Abteilung des Festes. Daß bei solchen Darbietungen die Zeit gar rasch verging, brauchen wir nicht noch besonders zu versichern, und es wird wohl recht spät geworden sein, bis die letzten dem schönen Feste den Rücken kehrten.
* Oratorienverein. Die regelmäßigen Cho r- Übungen erleiden keine Unterbrechungen. Die nächste Probe findet morgen Dienstag den 15. d. M. statt. (Siehe Inserat.) Aufgelegt wird „Golgatha", Passionskantate von Lorenz. — In der im Dezember abgehaltenen Hauptversammlung wurde durch Zuruf der Vorstand wieder gewählt. Derselbe besteht also nach wie vor aus den Herren: Professor Henkel, Kaufmann Schroeter, Franz W a ß m u t h , Nechnungsrat Wagner, Kreissekretär Conrad, Fabrikant Marschall und Lehrer Schnell. Die genannten Herren nehmen zur Zeit Neu- anmeldungen gerne entgegen.
* Der evangelische Mäimerabend findet, wie be- reits mitgeteilt, heute abend 8^2 Uhr im Saale des Hotel „zum Riesen" statt. Die Verhandlungen, welche Herr Lebrer Jung einleiten wird, werden zum Hauptgegenstand die Besprechung über: „Sind die Evangelien geschichtlich zuverlässig?" haben. ' '
* Für unsere Hanauer Kämpfer in Südwest- afri-a gingen ferner ein:
Brauerei Carl Beck......... . 5 „
Brauerei Orschler..........5 „
Frl. L. S........ 1 Mk.
zusammen 33 Mk.
* Maskenball. In den sämtlichen Räumen der Turnhalle begeht am 16. Februar der Club Amicitia seinen diesjährigen Maskenball. Das Komitee ist fleißig an der Arbeit, um das Fest zu einem schönen Abend zu gestalten. Wir werden noch näher darauf zurückkommen. Liste zirkuliert, auch sind Karten in der Papierhandlung von Ludwig Speitel, Allst. Markt, im Klublokal Zum großen Elefanten und bei sämtlichen Mitgliedern erhältlich. ,
* Züjählèges Geschäftsjubrläum. Herr Georg W ö r n c r hier beging gestern sein 50jähriges Geschäftsjubiläum, anläßlich dessen dem Jubilar reiche Geschenke zuteil wurden.
* Silberne Hochzeiten. Die Eheleute J. Fischer, Bahnwärter a. D., Kleine Sandstraße, und Lorenz Gillmer und Frau in der Hirschstraße feiern morgen das Fest der Sibernen Hochzeit.
* Ringsammlung In der Aula der Königlichen Zeichenakademie ist gegenwärtig eine kostbare Sammlung kunst- und kulturgeschichtlich hervorragender Ringe von den ältesten Erzeugnissen des Orients bis zur Empierzeit ausgestellt. Die Sammlung umfaßt nicht weniger als 1287 Stück und zwar ausschließlich Originale. Sie stammt auS Privatbesitz und ist nur für kurze Zeit zur Verfügung gestellt. Näheres über die Eröffnung, die in den nächsten Tagen erfolgen soll, wird noch bekannt gegeben.
* Preisrichter. Die Herren Restaurateur Hoppe (Ostbahnhof) und Meyer (Wilhelmsbad) sind als Preisrichter für die vom Verband deutscher Gastwirte arrangierte Kochkunstausstellung in Bremen (Februar d. I.) berufen worden.
* Ein Streich â la Köpenick. In den letzten Wochen stolzierte hier ein Feldwebel vom 3. Garde-Regiment zu Fuß durch die Straßen, der weiter nichts wie ein unverfrorener Schwindler war und mit dem Militär ebenso wenig zu tun hatte wie der Hauptmann von Köpenick. Der Schwindler, ein angeblicher Musiker Erich Cassel, geb. am 2. Juni 1883 zu Basel, kam kurz vor Weihnachten hierher, gab sich als Feldwebel vom 3. Garderegiment zu Fuß aus und ließ sich von einem Militärschneider eine dementsprechende Uniform anfertigen. Die Uniform mußte so elegant wie möglich gemacht werden, ein Helm mit Gardestern und Haarbusch vervollständigte noch das militärische Air des „Herrn Feldwebels". Dieser legte bei dem anscheinend etwas leichtgläubigen Schneidermeister obendrein noch einen Pump in Bar an und lebte nunmehr in einem hiesigen Hotel, wo er sich einlogiert hatte, herrlich und in Freuden. Daneben befreundete er sich mit den Unteroffizieren in der Infanterie-Kaserne, machte Festlichkeiten mit und fühlte sich überhaupt sehr wohl. Gestern kam dem Schneidermeister der faule Zahler doch etwas verdächtig vor, er machte der Kriminalpolizei Mitteilung und diese brachte den Herrn Feldwebel hinter die schwedischen Gardinen. Anscheinend hat man einen guten Fang gemacht, denn der Schwindler wird auch von zahlreichen anderen Orten, wie Berlin, Luckenwalde, Aachen, Köln rc. gesucht. Zweckdienliche Mitteilungen werden auf der hiesigen Polizeidirektion, Zimmer Nr. 1 entgegengenommen.
* Der Metzgergesellenverein hielt gestern im Saale der „Centralhalle" seinen diesjährigen Fest ball ab. Für die Abendunterhaltung war ein hübsches Prograrnm vorgesehen, dessen vorzügliche Durchführung sich alle Mitwirkenden sehr angelegen sein ließen. Insbesondere darf man dies bezüglich des zweiaktigen Schwankes „Verspekuliert" hervorheben, dessen fast durchweg höhere Anforderungen stellende Rollen prächtig zur Durchführung kamen und der infolgedessen von Anfang bis zu Ende interessierte und fesselte. Auch das kleinere Stück „Guten Morgen, Herr Feldwebel" wurde mit lebhaftem Beifall und Lachsalven begleitet. Herr Nikolaus zeigte sich durch Vortrag einiger netter Solo- szenen als recht guter Charakterkomiker. Für humoristische Solodarbietungen sorgte außerdem in wie immer erfolgreicher Weise Herr R 0 d e. Die Unterhaltung war während des ganzen Abends eine angenehme und demzufolge die Stimmung recht gehoben. Daß sich diese während deS sich anschließenden Balles nicht verschlechterte, ist bei der zahlreich vertretenen tanzlustigen Jugend wohl nur natürlich.
* Kinematograph. Die seit einiger Zeit im Nebensaal des Frankfurter Baues stattfindenden kinematographischen Vorführungen erfreuen sich eines fortgesetzt regen Zuspruches. Seit gestern gelangt ein völlig neues Programm mit einer für jedermann hochinteressanten Bilderserie teils ernsten, teils heiteren Inhalts zur Durchführung: u. a. Fausts Verdammung, Schiffsunglück auf hoher See, die Rettung Schiffbrüchiger. Die Plastik wie die natürliche Wiedergabe sämtlicher Ansichten ist gleich vollkommen und ein Besuch der Vorführungen zu empfehlen. (Siehe Inserat.)
* Abschluß. Die Aktiengesellschaft I. Brüning & Sohn, Langendiebach, wird voraussichtlich 10 Proz. Dividende (i. Dj.
8 Proz.) verteilen. Der Generalversammlung wird die Genehmigung zur Erhöhung des Aktienkapitals um 250 000 M. in Vorschlag gebracht werden.
* Im „Deutschen Hause" fand gestern bei ziemlich gut besetztem Hause die erste Vorstellung des bestbekannten Variete- und Theater-Ensembles „Drama" statt. DaS ganze Programm teils heiteren, teils ernsten Inhaltes, wickelte sich glatt ab und fand jede Nummer ungeteilten Beifall. Aus dem reichhaltigen Programm ist vor allem die schicke Kostüm- Soubrette Fräulein Lilly B a r n 0 w hervorzuheben, welche die Vorstellung mit einigen flotten Couplets einleitete. Ihr folgte mit sehr gut vorgetragenen ernsten Rezitationen Herr H. Norde n, sowie daS urkomische Possen-Duo M a r g r i t t und Max Sielska und der sächsische Charakterkomiker I Herr M a x Fiebig, welche durch ihre gelungenen Vorträge 1 daS Publikum au wahren Lachsalven zwangen. Alk Schluß