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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 212 Fernsprechanschltth Nr. 605»
Amtliches.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Zur Erleichterung des Geldverkehrs mit den städtischen Kassen haben wir angeordnet, daß zunächst die Stadt- hattptkaff- und die Steirerkaffe anstelle der Barzahlung Scheck- annimmt, die auf die Reichsbank Hanau »der auf eines der hiesigen Bankhäuser
M. Bacharach, Benjamin, Gebr. Fürth & C o^ Gebr. Stern,
oder den Hanauer Kreditverein, G. m. u. H., bezogen sind.
Wir ersuchen, von dieser Einrichtung weitgehendsten Gebrauch zu machen und bemerken, daß die Aussteller und die Indossanten für die Einlösung der Schecks haften und daß die von den Kassen ausgestellten Quittungen (die zum Zeichen, daß Zahlung nicht in bar erfolgt ist, mit dem Stempel „bur$ Scheck bezahlt" versehen werden) keine Gültigkeit haben, sobald die Einlösung der Schecks durch die Bezogenen abgelehnt wird.
Hanau den 3. September 1907.
Der Magistrat.
Vr. Gebeschus. 18405
Gefundene und verlorene Gegenstände re. Entlaufen: 1 kleiner Foxterrier mit Halsband ohne Namen.
Hanau den 11. Septbr. 1907.
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Hus Banau Stadt und Cand.
Hanau, U. September.
* Ordettsauszeichrmng. Der Kapitän zur See Scheer (ein Hanauer), Abteilungsvorstand im Reichsmarineamt, erhielt den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife.
* Landesausschuß. Der Landesausschuß für den Regierungsbezirk Cassel wird am nächsten Montag zu einer mehrtägigen Sitzung im Ständehause zu Cassel zusammen- treten.
* Zttstveränderrmgen. Die beiden zuschlagspflichtigen Schnellzüge Frankfurt a. M.—Leipzig und Leipzig—Frankfurt a. M. werden am 1. Oktober d. J. in zuschlagsfreie Eilzüge umgewandelt. Künftig sind sonach auf den Strecken Frankfurt—Bebra nur noch für die V-Züge Schnellzugszuschlagskarten zu lösen. Vom gleichen Tage an MiWttremraM^ih^ .....................
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Feuilleton»
Prolog
qnMßttch ver Einweihung des Volksgesellschafts, Hauses „Concordia" oersaßt und vorgetragen von Heinrich Knöfel.
ES ist so eine alte schöne Sitte Gebräuchlich wohl schon viele tausend Jahr, Wird wo etn Haus geweiht, mit schwerem Kothurnschritte Tritt der Prologus vor der Gäste Schaar.
Dazu gehört jedoch ein Dichter von Talent, Mit Formgewandtheit, hoher Fantasie, Und zu dem allerletzten End' Kenntnis, der griechischen Mytologie. Ob ein Museum, ob Justizgebäude, Ob ein Theater oder sonst ein Saal, Es müssen stets als Paten stehn zur Seite Mindestens zwei aus alter Götter Zahl. Apoll', Klio, die den ehemen Griffel führt, Wird je nach Bestimmung des Hauses zitiert. Dann tut sich der Dichter nicht genug, In hohem begeisterten Redeschwung, Fleht um Schutz vor des Iris Blitzen..... — Aber die Herrschaften können doch nichts mehr nützen! Das sind keine Helfer mehr in der Not, — Die sind ja schon tausend Jahre — tot. Ich trete also nieder jene Schranken
Des alten Brauchs und rede ohne Blumenranken, Und — kurz, denn kurze Reden sind wie rasche Taten Und können schmückend Beiwerk gut entraten. Leiht also gütig euer Aug' und Ohr, Ich schließe auf jetzt ein — verrostet Tor. Und rufe euch für einen Augenblick Ein Stimmungsbild aus alter Zeit zurück.
Vor hundert Jahren und nur wenig mehr.
Mittwoch den 11. September
\wirb an Werktagen ein neuer Personenzug 3. und 4. Klasse bis Gelnhausen gefahren, Sachsenhausen ab 5.38 nachm. Gelnhausen an 6.57 nachm. Von Gelnhausen bis Hanau- Ostbahnhof verkehrt an Werktagen ein neuer Personenzug 8. und 4. Klaffe, ab Gelnhausen 7.20 nachm. an Hanau 8.00 nachm.
* Eifenbahnpersonalien. Versetzt wurden die Eisenbahnassistenten Rückert von Bonames nach Hanau-Ost, Gläser und V o mend von Frankfurt nach Hanau-Ost, Kern von Klein-Steinheim nach Hanau-Ost. Die Prüfung zum Zugführer haben bestanden die Schaffner Jahn zu Hanau und Jung in Gießen.
* Vom Manöver. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen begaben sich gestern von Friedberg aus im Automobil ins Manövergelände bei Windecken, woselbst die Pferde bestiegen wurden. Nach Schluß der Uebungen kehrte das Großherzogspaar nach Friedberg zurück.
* DreihrmderLjahrfeier des Kgl. Gymnasiums M Hanan. Ehemalige Zugehörige der Anstalt, die an der Feier teilnehmen wollen und Einladungen noch nicht erhalten haben, werden gebeten, sich durch Postkarte an Herrn Oberlehrer Hammes zu wenden.
* Deutsche Kolonialgesellschaft. Die Mitglieder der deutschen Kolonialgesellschaft, Ortsgruppe Hanau, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die regelmäßigen Zusammenkünfte von jetzt ab wieder jeden zweiten Donnerstag im ; Monat in der „Concordia" stattfinden. Die nächste Zusammenkunft ist also für morgen Donnerstag vorgesehen.
* Gesellenprüfung. Diejenigen jungen Leute, welche das Spengler- und Jnstalateurhandwerk erlernt und die Gesellenprüfung noch nicht abgelegt haben, werden aufgefordert, sich unter Vorlage der nötigen Papiere bei dem Vorsitzenden, der Prüfungskommission, Herrn Ernst Pforr, Nürnbergerstraße 24, zu melden.
* Außerordentliche Generalversammlung des Markenkonsumvereins „Einigkeit". Der Familienmarkenkonsumverein „Einigkeit" hielt am Montag abend eine außerordentliche Generalversammlung ab, die sich mit der Kündigung der Bäckerkontrahenten befaßte. Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Kündigung durch die Zwangsinnung der Bäcker für den Verein nicht rechtsverbindlich sei und seitens des Vereins nicht anerkannt werde. Nach einer sehr lebhaften Debatte wurde dies von den anwesenden Bäckermeistern auch zugegeben. Schließlich wurde beschlossen, die am Mittwoch stattfindende Versammlung der Bäcker abzuwarten, bevor weitere Maßregeln ergriffen werden, um den Kontrahenten Gelegenheit zu geben, sich die Sache reiflich zu überlegen, zumal schon mehrere Bäcker erklärt haben, als Kontrahenten beizutreten. Ein Antrag der Bäcker, einen der
War, wo Sie hier jetzt sitzen, einst ein Garten,
Mit einem alten Hause hinten quer,
Das schien den Zahn der Zeiten zu erwarten.
Und daS war angefüllt bis unters Dach
Mit Hausrat, von den Vätern überkommen, Und wenn das Mondlicht durch die Fenster schien, War wohl der Keckste ängstlich und beklommen.
— Denn aus dem Dunkel glüht ein grünlich Feuer,
— Der Kater faucht, auf seiner Jagd gestört,
Dann ist's wieder still, daß man das Ticken hört
Vom Holzwurm, in dem alternden Gemäuer. —
Schlug dann von St. Marien die zwölfte Stunde,
Dann ging ein heimlich Flüstern durch die Runde, Im alten Schrank ein Rauschen von den Röcken ....
Die Hauben blähten sich auf ihren Stöcken . . . .
I Der Schornstein brummt wie mitten in dem Winter,
; Das alte Spinnrad surrte mit Behagen ....
Wer eS bewegt, ich weiß es nicht zu sagen. — Nur Träumer sehen das und — Sonntagskinder.
— Hier raunt es wie in Großmutters Geschichten, Das war so recht ein Ort zum Märchendichten.
Lag dann das Hinterhaus im Sonnenschein,
Ließ sichs im Garten unter wilden Hecken
In ihren dunklen Schatten gut verstecken, Hier drang kein Sonnenstrahl herein.
--Jetzt liegt der Kater in der Sonne hell, Zwei Kinder streicheln ihm das weiche Fell, Und blicken drüber hin, so — weltverloren, Hub — sehen ihn — mit Stiefeln und mit Sporen.'
Die Tauben girren droben auf dem Dach, Und Aschenbrödels Träume werden wach,
Und jene Hecke ist der dunkle Wald, Aus dem des Prinzen Silberhüfthorn schallt.
Und, an der Kette, in dem Hofhund „Rolf", Sehn sie.in reger Fantasie — den Wolf. — Und wenn die gold'nen Sonnenstäubchen schweben, Bekommt das Nichtigste Gestalt und Leben.
Das war die Welt, die kleine, zweier Knaben, So wunderreich an echten Gottesgaben,
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1907
seitherigen Kontrahenten auszuschließen, wurde dem Vorstand und Aufsichtsrat zur Prüfung übergeben, der in der nächste» Generalversammlung darüber berichten soll. Die zur Verteilung zu bringende Dividende wurde auf Antrag des Vorstandes wieder auf 6^3 Prozent festgesetzt. Die Auszahlung erfolgt am 4. Oktober d. I., abends 8 Uhr, im unteren Saale der „Konkordia". Marken werden bis zum 30. Sept, entgegengenommen.
* Die Ortsgruppe Hanau des ^Dentfchnatio- nalen Handluttgsgehilfen-Verbandes" veranstaltest letzten Sonntag unter zahlreicher Beteiligung ihren diesjährigen Familienausflug nach Bad Sodenthal im Spessgrt. Die Aschaffenburger Ortsgruppe dieses Verbandes fand sich zahlreich zum Empfang am Bahnhöfe ein und geleitet, bü hiesigen Kollegen durch den Schloßgarten nach dem Restaurant „Schützenhof", woselbst das gemeinsame Frühstück eingenommen wurde. In Schweinheim wartete die Klingenberger Stadtkapelle, unter deren Klängen man um l1/« Uhr in Sodenthal eintraf. Nach der Tafel wurde die Besichtigung des Parkes und der Bäder vorgenommen und fand alsdann von 3 Uhr ab Konzert im Garten statt, während im Kursaale den Teilnehmern Gelegenheit zu einem Tänzchen geboten wurde. Um 7 Uhr mußt,, leider viel zu früh, nach Sulzbach aufgebrochen werden, wonach in Aschaffenburg nochmals mit den dortigen Kollegen ein gemütliches Zusammensein im „Fränkischen Hof" stattfand. Die Tour fand einen solch guten Anklang, daß in der hiesigen Ortsgruppe der Beschluß gefaßt wurde, eine Wanderabteilung zu gründen, deren Aufgabe es sein wird, recht oft derartige Touren zu veranstalten.
* Einen schweren Unfall erlitt vorgestern der am Bahnhof Mühlheim a. M. beschäftigte Güterbodenarbeiter Adam Joseph Weitz. Beim Transport einer etwa 12Zentner schweren Kiste auf einem Handkarren glitt Weitz aus, kam zu Fall und wurde am Ünterleibe so schwer verletzt, daß er vom Platze getragen werden mußte.
* In Hast genommen wurde ein 24jähriger Dachdeckergeselle, der einen Notzuchtsversuch begangen haben soll.
* Wieder Hnndesperre in Frankfurt a. M^ In Niederrad wurden in der vergangenen Woche eine Frau und ein Kind von einem herrenlosen Hund gebissen. DaS Tier konnte eingefangen werben, und da es tollwutverdächtlH erschien, wurde der Kopf am Freitag nach Berlin gesandt Von dort kam gestern die Nachricht, daß Tollwut konstatiert wurde. Die beiden Personen begaben sich noch gestern abend zwecks Schutzimpfung nach Berlin. Die Hundesperre wird wiederum über Frankfurt verhängt.
* Mainwafferwärme gestern abend 16 Grad.
Wie sie der Himmel uns in Gnaden schenkt, Wenn er der Menschheit in Erbarmen denkt, Wenn losgelöst vom alten, wirklich Guten, Dagegen keiner uns ein Bessres schenkt; Wenn wie in eines Stromes trüben Fluten Die Menschheit ringt, nach neuem Lande drängt, Tann stellt uns Gott an das verlass'ne Ufer, In letzter Stunde — Seher oder Rufer. --Dies waren zwei, mit mächtigen Akkorden, Bald sinnig, träumerisch, im Sagenbild Besangen sie in kraftvoll deutschen Worten Den grimmen Hagen, Siegfried und Brunhilds
Das „Lied der Edda" und vom „Hadubrand", Warb um die Liebe für das alte Land.
Der Väter Schätze sie zum Lichte brachten, Und lehrten Deutsche, deutsche Art zu achten. Den Kindern schenkten sie das Märchenbuch,
Und deren Herz gewinnen sie im Flug Mit ihrer Welt der Elfen und der Zwerge.
Daß wir in diesem lauten Hasten, Treiben, Ein gut Teil länger Kinder bleiben.
Das ist das größte ihrer Werkei Sie taten für das Ganze mehr Als Könige mit einem großen Heer.
Nun frag ich euch! Ist das kein gutes Zeichen? Daß hier an diesem so geweihten Ort Ein Heim uns ward, wie es wohl sondergleichen! Hier spült uns keine Welle wieder fort.
Ein Hafen ist's, in dem wir ruhig landen Und hören fernher nur die Wogen branden. — Wenn wir da draußen vor den Klippen, Spalten Den einen Wanderer suchen festzuhalten, Und als der Menschheit oberstes Gebot: Das Auge nicht verschließen fremder Not, Und jene große Fackel zünden an, Daß er den Heimweg wieder finden kann Das liebe Ich mehr an das Ende setzen, Ist uns der Sieg nach ewigen Gesetzen. Doch ist's mit einem Nicken nicht getan Und einem Handschlag in der Festesstusd^