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Hanauer
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Bezugspreis;
Ddkteisâhriich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus» »artige Abonnenten mit dem betretenden Postaufschlag« Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
TetatienSdruck und Derlaz der Vuchdruckerei des verein, e». Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurückungsgebühr;
®« ,un^sspalte« Petitzeile oder beten Raum SO Pf^ im Reklameatvl die Zeile 35 Pfg.
Lerannvortl. Redakteur: G. Schrecker in H««.
Nl. 9 Frrnsprechanschlntz Nr. 605.
Amtliches.
Bekanntinachnng.
Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 4. Januar 1907 ist der Tagelöhner Konrad Häfner in Langenselbold, dort geboren am 8. Februar 1879, wegen Verschwendung und Trunksucht entmündigt worden. (E 2/06.)
Langenselbold den 4. Januar 1907.
Königliches Amtsgericht.________924
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 silberne Damenuhr, 1 Kinder-Umhang, 1 grauer Herren-Strumpf, 1 Taschenstilet, 1 Päckchen mit Inhalt.
Verloren: 1 Trauring (gewöhnlich).
Zugelaufen: 1 junger Pinscher.
Hanau den 11. Januar 1907.
Hus Ran au Stadt und Eand.
Hanan, 11- Januar.
• Verliehen. Wie wir nachträglich erfahren, ist der Lademeister Herr Julius E i ch h o r ft , welcher am hiesigen Ostbahnhof beschäftigt war, vom 1. Januar d. Js. ab pensioniert und ihm bei diesem Anlaß das allgemeine Ehrenzeigen verliehen worden. Herr E i ch h o rst ist, soweit uns bekannt, 30 Jahre in Hanau, war zuerst an oben genannter Stelle als Packmeister tätig und dann wurde ihm der äußere Dienst an der Ausladestelle „Wienerspitze" im Wagenladungsverkehr unb den damit verbundenen Kassengeschäften übertragen. Diese letztere Stelle hat Herr Eichhorst, wie unS mitgeteilt wird, 25 Jahre lang tadellos bekleidet und hat es wohl verstanden, bei der Wahrung des Interesses seiner Behörde auch der Geschäftswelt so weit wie möglich entgegenzukommen, wodurch er sich große Beliebtheit bei derselben c nnrben hat. Wir wünschen demselben, daß er sich noch lai "ahre der besten Gesundheit erfreuen möge.
* Stadttheater. Heute Freitag: „Husarenfieber" 3. (statt 2.) Vorstellung der 4. Serie. — Am Sonntag nachmittag ^14 Uhr wird b e i bedeutend er- mäßigten Preisen Anzengrubers Volksschauspiel mit Gesang: „Der Pfarrer von Kirchfeld" nochmals
Feuilleton.
Stadtthcatcr in Hanan.
— Hanau, 10. Januar.
Obschon fast volle 75 Jahre der Verschwender in Ferdinand Raimund's gleichnamigem Saftigen Zaubermärchen mit Gesang die Bretter der deutschen Bühnen in unzähligen Aufführungen betritt, kann man das amüsante Werk trotz seiner stellenweise für den heutigen Geschmack etwa- naiven Pointen immer noch zu den bevorzugten dieses Genres zählen, indem die Disposition desselben auf einem gesunden ausgleichenden Motiv beruht, das jegliche Sensations-Tricks erfreulicher Weise entbehrt, wie wir sie in den modernen aktuellen sogenannten Berliner Schlagern dieser Art leider zu oft antreffen. Während in der geschickten Mischung von einigen stimmungsvollen ernsten und recht heiteren Szenen, sowie in den bühnentechnischen Effekten jene Elemente zu suchen sind, die den Zuschauer immer wieder von neuem für die interessanten Vorgänge auf der Bühne magnetisieren, fesselt die einschmeichelnde melodische Musik in abwechslungsreicher Weise die Aufmerksamkeit deS Hörers andererseits derart, daß der i^efamteinbrucf des gestrigen ersten diesjährigen Benefizabends unseres pflichtgetreuen Bühnenmitgliedes Herrn O. H. Müll er ein recht gelungener zu bezeichnen war, wozu schließlich noch das Gastspiel der großherzogl. Hofschauspielerin Frau Muller-Rudolph vom Hoftheater in Darmstadt kam. Recht treffend zeichnete Herr O. H. M ü I l e r den biederen ehrlichen „Valentin", indem er in gut berechnender Weise diesem Charakter, ohne dessen Konturen zu verwischen eine angemessene Dosis wohltuendenHumorS beizumischen, wußte.DaSauS diesem Zaubermärchen bekannte Hobellied brachte der Darsteller mit warmer Empfindung recht wirksam zu Gehör. Den „Flottwell" stattete Herr Hauser im ersten Teil deS Stückes mit der erforderlichen Nonchalance sehr treffend aus, während er im letzten Akte diesen gealterten zum Bettler verarmten Lebemann in eindringlicher Spielweise schlicht und dem Charakter entsprechend glaubhaft zur Darstellung gelangen ließ. Eine ebenfalls äußerst gelungene Figur schuf Frau Müller-Rudolph als „Rosa". Sie hat Bewegungen und Töne von einer derart kecken Ursprünglichkeit, wie sie nur der angeborenen Begabung, nie dem noch so fleißigen Studium gelingen. Die
Freitag den 11. Januar
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in Szene gehen. — Am Sonntag abend wird Otto Erich Hartleben's ergreifende Offizierstragödie: „Rosenmontag" neu einstudiert zur Aufführung kommen. Mit tiefem Empfinden schildert der leider zu früh verstorbene Verfasser einen tragischen Konflikt. Ergreifend und mit zwingender Kraft wirkt das Drama so gewaltig auf die Hörer, wie keine literarische Schöpfung der letzten Jahre. Es ist eins der hervorragendsten Werke der neueren Literatur, das noch auf lange Zeit den Spielplan aller Bühnen zieren dürfte. Auch die Sonntag stattfindende Darstellung wird bei der sorgfältigen Inszenierung durch Herrn Oberregisseur Steger sicherlich wieder das größte Interesse erwecken. — Der Vorverkauf zu beiden Sonntagsvorstellungen findet am Samstag nachmittag von 4—5 Uhr statt.
* Trotz der vielen Warnungen vor den Serienlos-Gesellschaften, die auf Veranlassung des Ministeriums des Innern veröffentlicht worden sind, gelangen immer neue zahlreiche Fälle zur Kenntnis der Polizeibehörden, in denen das Publikum auf diesen Schwindel hineingefallen ist. Nachdem man den inländischen Losgesellschaften energisch den Garaus gemacht hat, haben sich die Leiter derselben ins Ausland begeben und betreiben von dort aus ihre betrügerischen Machenschaften weiter. Da sie mit Inseraten in Zeitungen und Prospekten kein Glück mehr haben, weil die Blätter sich durch Aufnahme resp. Beilegung der Anpreisungen strafbar machen, senden sie jetzt Agenten im Lande umher, die, wie es scheint, ein glänzendes Geschäft machen. Einen dieser Agenten, der die Serienlose der Aktiengesellschaft „Globus" in Kopenhagen vertrieben hat, hinter der die ehemaligen Lübecker Losehändler Lübbers und Wehrmann stecken, hat man jetzt in Berlin festgenommen. Man fand bei ihm neben einer großen Anzahl „Mitglieds-Urkunden" und „Beitrittserklärungen" mehrere Oktavhefte, in denen der Biedermann die Namen von Vorkophändlern, Schlächtern, Verkäuferinnen in Butterhandlungen usw. gewissenhaft notiert hatte, die er systematisch um ihr Geld betrog. Besonders • bei dem Ewig-Weiblichen hat er gute Geschäfte gemacht, da ; diese sich durch sein konziliantes Wesen bestechen ließen. Der * Verhaftete und ein „Kollege" von ihm, der sich aber noch ; rechtzeitig drücken konnte, haben in Berlin in kurzer Zeit . etwa 1Ö00 Anteilscheine abgesetzt. In den Provinzen I arbeiten andere Agenten mit ähnlichem Erfolge. Hat der I Kunde gezahlt, so ist damit das Geschäft für die Gesell- I schäften erledigt. Das Treiben derselben ist um so gefâhr-
vorgetragenen Gesangspiècen, speziell aber die Gesangseinlage im ersten Akte „Vogelstimmenlied" fanden wohlverdienten Beifall. Während Frl. Macdonald als „Fee Cheristane" ein angemessenes Auftreten mit der erforderlichen Würde löblich zu verbinden verstand, fand Herr Kempf für den dienstbaren Geist „Azur" in Gestalt eines Bettlers die warmen zu Herzen gehenden Töne. Einen interessanten Charaktertyp entwarf noch Herr Pustar (Chevalier Dumont), wie sich auch Herr Steger mit dem Kammerdiener „Wolf" zur Zufriedenheit abzufinden wußte. Der jungen Kunstnovize Frl. Emmy Miiller gelang ihr erstes Debüt als „Rosa" recht glücklich, ferner erzielte der „Kl. Ernst" in der drolligen Kinderpartie „Hansel" einen Heiterkeitserfolg. Die Regie führte Herr Hauser. Blumen und andere Uebekraschungen wurden dem Benefizianten überreicht.
Eiterarifcbes.
Eine preiswerte, äußerst reichhaltige illustrierte Zeitschrift, die vorzugsweise die Interessen des Mittelstandes vertritt und dabei ein sehr beliebtes und vielseitiges illustriertes Familienblatt ist, in beut man nicht nur anregende Unterhaltung findet, sondern auch Aufklärung über wichtige Zeitereignisse, ist „Von Land zu Land". — Das Publikum ist mit Recht darüber erstaunt, daß trotz deS billigen Preises von nur 15 Pfennigen für jedes Heil eine solche Menge von gutem Unterhaltungsstoff geboten werden kann. Jedes Heft bringt außerdem zirka fünfzig Bilder aus dem Leben der Gegenwart, sowie außerordentlich spannende und gediegene Originalromane erster Schriftsteller. Jedem zweiten Hefte liegt auch noch eine farbenprächtige Kunstbei- lage bei, die eingerahmt einen wertvollen Zimmerschmuck bildet. Ueber den übrigen Inhalt zu reden, würde zu weit führen, da in den einzelnen Heften Aufsätze und Illustrationen so verschiedener Art enthalten sind, daß ein jeder Abonnent dadurch voll befriedigt wird. Wir verweisen auf den Prospekt der Zeitschrift „Von Land zu Land" in unserer heutigen Nummer und können Ihnen nicht warm genug empfehlen, die günstige Gelegenheit zu einem Probeabonnement zu benützen, da gerade ein neuer Jahrgang beginnt. In Heft 1 dieses neuen Jahrgangs wird ein hochinteressantes Preisausschreiben veröffentlicht. Da dem Prospekt eine Bestellkarte beigefügt ist, empfehlen wir Ihnen, diese auszufüllen und an G. M. Alberti' s Hof-Buchhandlung dahier zu senden.
ffernsprechanschlust Nr. 605» 1907
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I sicher, weil unseren Behörden eine Kontrolle, ob fich bie Gesellschaft überhaupt im Besitze der Effekten befindet, unmöglich ist.
* Hanauer Rudergesellschaft 1879. Die Hanauer Ruderdesellschaft 1879 hielt vergangenen Samstag abend in den Sälen der „Centralhalle" ihr diesjähriges Winter- f e st ab und ist vor allem die prachtvolle Dekoration der Säle zu erwähnen, die, obgleich man von der H. R.-G. 1879 durch Arrangement bei ihren Veranstaltungen in dieser Beziehung etwas verwöhnt, baS bisher Gebotene weit übertroffen hatte. Von den herrlichen Gestaden der lieblichen Bucht von Amalfo wurde der Besucher zu den romantischen Ufern deS Vierwaldstätter Sees geleitet, welchem ein wahrer Charakter durch das täuschend ähnlich gemachte Steingewölbe der Axen- straße verliehen wurde. Der Bristenftock mit seinem ewigen Schnee und im Tale, am Ende des Sees, das bekannte Dorf Fluelen, gaben durch den dahinsteuernden Dampfer einen fesselnden Eindruck, der durch eine harmonische Beleuchtung das Ganze in eine echte schweizer Stimmung versetzen ließ. Eine echt italienische Weinschenke, sogenannte „Osteria", mit ihren überdachten grünen Weinranken und alten verfallenen Mauern verherrlichte den Eingang deS Saales und bot dem Besucher einen molligen Winkel, um sich dem Genuß eines Gläschen schäumenden Sektes hingeben zu können. Der überaus liebenswürdigen Unterstützung unseres geschätzten Herrn Professor W. Schulz hier sowie den unermüdlichen Bestrebungen des Vorstandes der H. R.-G. 1879 ist eS allein nur zu verdanken, daß den Mitgliedern und Gästen ein selten schöner Abend geboten werden konnte. Der Vorsitzende Herr C. K a l k h o f f begrüßte die Anwesenden in herzlichster Weise durch eine kernige Ansprache, welche die Vorteile des Rudersportes in ihrer Bedeutung einer gesundheitlichen Ausbildung junger Leute beleuchtete und die Verbrüderung aller Nationen zur Erhaltung des Friedens sowie den Nachwuchs einer gesunden und kräftigen Generation fördere. Redner gedachte der durch den Tod der Gesellschaft entrissenen Kollegen, der Herren Dörr und Gourdin und endete mit dem Kaiserhoch, welches von den Anwesenden mit Begeisterung ausgenommen wurde. Hierauf entfaltete Fräulein Frieda Schultz von hier mit ihrem gesanglichen Vortrag ein entzückende- Stimmenmaterial, welches nicht nur durch eine klare und angenehme Stimme, sondern auch durch eine schöne und vollkommene Aussprache der jungen Künstlerin zur ganzen Ehre gereichen konnte. Wir wünschen Fräulein Schultz, welche jetzt schon zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, eine glückliche Vollendung ihres Studiums und hoffen, noch öfter- ihren schelmischen Klängen lauschen zu dürfen. Die Begleitung hatte Fräulein Anna Schultz in liebenswürdiger Weise übernommen und zeugte dieselbe ebenfalls von einer vollkommenen Ausbildung. — Die komischen Vorträge waren gut gewählt und fanden Vertretern deren, Herren Dietrich und Grünebaum, sowie die Einlage de- Herrn Rhode verdienten Beifall. Der reizende feine Einakter „Eine Tasse Tee" wurde flott gespielt und konnten wir auch hier wie schon öfters das überaus feine und natürliche Spiel von Fräulein M. E st e r e r bewundern, welche nicht versäumte, die in die einzelnen Partien gelegten heiteren Momente in bester Form auszunutzen. Unterstützt durch die Herren Dietrich, Nigrin und Grünebaum fand der Schluß des Theaterstückes reichen Applaus. — Die zwischen den Programmnummern eröffnete Polonaise gab den besten Beweis, daß der Abend überaus gut besucht war, so daß die H. R.-G. 1879 mit dem Erfolg im neuen Jahre zu beglückwünschen ist: sie darf versichert sein, daß die von dem Vorsitzenden angeregte und wünschenswert erscheinende regere Anteilnahme und Unterstützung des Rudersportes seitens der hiesigen Bürgerschaft nicht ohne Eindruck bleiben wird, um so mehr als durch die dem Flottenverein zu seinen Vor- führungen überlassene Dekoration wohl mancher Besucher des FlottenvereineS auf die H. R.-G. 1879 und deren Zweck aufmerksam geworden sein wird. Die Kapelle des Regiments Nr. 166 leistete wie immer in den einzelnen Musik- piecen vorzügliches.
* Volksvorstellung. Nächsten Dienstag, abend- 8 Uhr, wird Ohorns erfolgreiches Schauspiel „Der Abt von Sankt Bernhard" zur Aufführung kommen. Eintrittskarten zu 20 bis 60 Pfg. sind in den 3 Verkaufsstellen zu haben. (Siehe Anzeige.)
* Unterschlagung. Der verheiratete Kaufmann B. Funk unterschlug einer hiesigen Engrosfirma, bei der er in Stellung war, 5000 M. und wurde dann flüchtig.
K. Kunstindustrie-Verein. In den Rahmen der Darbietungen des Kunstindustrie-Vereins trat in den letzten Jahren eine kleine Veränderung ein. Der Reigen der Vorträge und Rezitationen wurde durch einen musikalischen Abend unterbrochen. So auch gestern. Als Künstlerinnen waren für die gestrigen Darbietungen Fräul. Gottstein, Maniftin, und Fräul. Sichel, Konzertsängerin, beide aus Mainz, gewonnen. Fräulein Helene Gottstein ist in diesem Kreise nicht fremb, ihre Kunst erfreute schon einigemale bte Hörer m der Zeichenakademie. Sie brachte in erster Linie klassische Kompositionen zum Vortrag, z. B. die C-moll-Fan- taste von Mozart, die F-moll-Sonate von Beethoven. Beide Konipositionen erfordern gereiftes Können und tiefe- musikalisches Empfinden. Die Künstlerin wurde diesen Anforde-