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Herr Botschafter! Ich heiße Sie willkommen. Das Werk, das Sie vollbringen wollen, nämlich die Ai best an der Entwickelung der guten Beziehungen zwischen Deutsch­land und Frankreich, wird meine ganze Sympathie haben. Meine Regierung ebenso wie ich wird sich angelegen sein lassen, Ihre Aufgabe nach Möglichkeit ru erleichtern. Die Verständigung zwischen zwei grossen Nationen, die beide fähig und bestimmt sind, Gesittung und Fortschritt unter den Völkern der Erde zu verbreiten, ist ein Ziel, dessen Erreichung der gemeinsamen Arbeit aller hochsinnigen Geister würdig ist, über die Frankreich und Deutschland verfügen.

Ein Aufruf der rumänischen Regierung. Das Bukarester Amtsblatt veröffentlicht einen Aufruf der Regie­rung an die Bürger anläßl ch der Wiederherstellung der Ord­nung im ganzen Lande. Der Aufruf stellt fest, daß das Land eine gefährliche Krise durchgemackt habe, aber das Parlament und die Armee, wie die Behörden, hätten ihre Pflicht erfüllt. Die Revolte sei rasch niedergeschlagen wor­den. Nachdem die Ordnung wiederhergestellt sei, sei es Pflicht der Negierung, darüber zu wachen, daß nicht neue Gefahr eintrete, damit die Zukunft gesichert sei. Die Auf­wiegler wurden verfolgt und bestraft werden, aber gleichzeitig würde sich die Regierung das Los der Bauern angelegen sein lassen. Die Regierung beabsichtigt, das Los der Land­bevölkerung zu »erbefjern, ohne Nachteil für die legitimen Interessen der Grundbesitzer. Inzwischen muffe Ruhe und Ordnung gesichert werden; denn aus Unruhen entstehen nur wieder neue Uebel. Der Verlust eines Erntejahres ziehe Hungersnot nach sich. Der Aufruf fordert sodann die Grund­besitzer und Pächter auf, auf ihre Güter zurückzukehren und für das laufende Jahr landwirtschaftliche Verträge abzu­schließen ; denn die Verständigung zwischen den Bauern und den Grundbesitzern werden durch die Distriktspräsidenten er­leichtert werden, deren Intervention schon sehr befriedigende Ergebnisse gezeitigt habe. Die Regierung richte an alle Bürger die dringende Mahnung, sich Rechenschaft abzulegen über die schwierige Lage, die der Staat durchmache und for­dert alle auf, für die Wiederherstellung brüderlicher Be­ziehungen zu arbeiten, die zwischen allen Söhnen des Landes bestehen solle zum Heil und Glück des Vaterlandes.

Zur Lage in Marokko. Die Konsuln von Casa Blanca hielten unter dem Vorsitz des französischen SonhtlS als Doyen eine Sitzung ab und richteten au das diplomatische Korps in Tanger eine Beschwerde gegen den Gouveneur der Stadt, der nichts für die Sicherheit der dortigen Europäer tue. Fürst v. Bülow richtete von Rapallo das folgende Telegramm an Giolitti : Im Begriffe, Italien zu verlassen, lege ich Wert darauf, Euerer Exzellenz nebst meinen Grüßen und aufrichtigen Wünschen die Versicherung meiner freund­schaftlichen Gefühle auszusprechen.

Deutscher Hanvelstag.

Berlin, 9. April. Die 33. Vollversammlung des Deutschen Handelstages wurde heute eröffnet. Staatssekretär Graf o. Posadowsky sagte in seiner Be­grüßungs-Ansprache :

Unsere Industrie und unser Handel befinden sich in durchaus befriedigender Lage. Noch schwimmt das Kauf­fahrteischiff des deutschen Handels auf der Höhe der Wogen. Dieser Aufschwung hat als Folgeerscheinungen den Mangel an heimischen Arbeitskräften und eine stärkere Nachfrage nach Barmitteln gezeitigt. Zahlreiche Arbeiter mußten vom Aus­lande herangezogen werden. Andererseits traten gesteigerte Forderungen an die Arbeiter heran. Wissenschaft und Praxis erwerben sich das Verdienst, Wege ausfindig zu machen, um die vielfach nur scheinbar sich widerstreitenden Interessen der beiden Vertragsparteien im friedlichen Verfahren auszu­gleichen. Was den gesteigerten Bedarf an baren Umlauf­mitteln betrifft, so ist es meines Erachtens nicht gutreffenb, für den gegenwärtigen hohen Diskont die gesetzlichen Grund­lagen unserer Reichsbank sowie die Anwendung dieser Grund­lagen in ihrem Geschäfts gebühren verantwortlich zu machen. Zur Klärung der Sache wird es aber nützlich sein, vor der erneuten Verlängerung des Bankprivilegiums die Vorschläge zu beraten, welche geeignet sein sollen, die Begleiterscheinungen

Buchstaben und Buch wurden ein inniges künstlerisches Ganze durch den typographischen Schmuck, durch Bänder, Ränder und Zierleisten. Neben Behrens dann die majestätische König-Antigua, die Rekiameschrift Falstaff, die weihevolle Type von Professor Otto Huppes. Das ist die Liturgie in Buchstaben. Mit einem präzisen, fast z u kräftigen Rhythmus der Form verkündet sich bei der Huppeschen Druckschrift bcutfcbe Frömmigkeit und heiliger Ernst. Kein Geringerer als Altmeister Dürer schaute (so mutet diese Type an), beim Schaffen und Nachsinnen Huppes über die Schultern.

Doch nicht von Buchstaben allein lebt die schwarze Kunst. Die entzückenden Zieraten eines Heinrich Vogeler, Cissarz, Ehmke und Engels sind wichtige Faktoren unseres modernen Buchdruckichmuckes. Das Beste von Vogeler zeigt die Ausstellung: seine Monatsbilder und Jahreszeiten. Dann der ehemalige Darmstädter Künstler- kolontst Cissarz. Wie frisch ist seine Auffassung in den aus­gestellten Rheinlandschafien. Das lebt und freut sich des Lebens. Ehmke tritt hervor durch Ornamentwappen für Chroniken, Engels allerliebste Zierleisten sind zur Genüge bekannt.

Wer in dieser intimen, aber so hochbedeutsamen Aus­stellung an den Wänden entlang wandelt, den überkommt ein Gefühl der Widerwärtigkeit und des Ekels, wenn er an die sündhafte Geschmacklosigkeit denkt, d-e heute noch auf Titelseiten und in Druckmerken sich breit macht. Dabe: um­gibt uns das gedruckte Wort vom ersten Aufschlag unserer Augen bis zur sinkenden Nacht, von dem Tage, da wir zum erstenmal die Fibel in die Hand nehmen bis zu der Stunde, da der Strahl unseres Auges bricht. Welche Unsumme Ge­drucktes überfliegen wir täglich, ja stündlich. Da ist es eine Bro'chüre, dort eine Reklameschrist, bald eine Menükarle, bald ein Zeitungsblatt, bald ein wissenschastUches Buch, bald Unterhaltllngsieklüre. Wie aber ist da oft die Type, wie das typographische Bild? Schauderhast. Aeußerer Firnis, im Keime aber unkünstlerisch bis » Abscheu. Dabei sind

Mittwoch

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einer regen wirtschaftlichen Unternehmungslust zu mildern oder zu beseitigen. Die Lebenshaltung der Industriearbeiter hat sich gehoben, aber die Kurve der Betriebs-Unsälle zeigt leider eine absteigende Linie. Wenn die verbündeten Re­gierungen deshalb fortgesetzt bemüht find, für daS Leben und die Gesundheit der Arbeiter wirksam einzutreten, so ist das nicht der Ausfluß sentimentaler Theorien, sondern die Erfüllung einer staatlichen Pflicht zur Erhaltung der VolkSkraft. Alle Arbeitgeber haben daS gleiche Interesse, in ihren Betrieben Vorsichtsmaßregeln gegen die chronische und akute Invalidität der Arbeiter anzuwenden, welche Wissenschaft und Erfahrung lehren. Die verbündeten Regierungen glauben bei der Verfolgung dieses Zieles auf die willige und verständnisvolle Mitwirkung aller Arbeit- beitgeber rechnen zu dürfen. Aus der Gestaltung unserer Handelsverträge hat man vielfach Befürchtungen für die Zukunft hergeleitet und sogar von einer eventuellen Aus­wanderung einzelner Industriezweige gesprochen. Die bis­herigen amtlichen Feststellungen geben keine sachliche Be­gründung solcher Befürchtungen. Die Landwirtschaft einer­seits und Handel und Industrie andererseits ergänzen sich gegenseitig und sind auseinander angewiesen. Die rege Be­schäftigung unserer Industrie beruht teilweise sicherlich auf dem Wiedererstarken der Landwirtschaft, wie eS sich nament­lich in der erhöhten Banktätigkeit und in der verstärkten Verwendung von Maschinen zeigt. Wenn gleichzeitig gewisse Lebensmittel eine Preissteigerung aufweisen, so haben hierauf die günstigen Lohnverhältnisse und die hierdurch ermöglichten Ansprüche unserer schnell wachsenden Bevölkerung auf ver­besserte Lebenshaltung einen wesentlichen Einfluß ausgeübt. In der steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeng- niffen liegt wiederum ein starker Anreiz zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Technik und damit zur Hebung der ge­samten Landeskultur. Diese engen Wechselbeziehungen unserer großen Erwerbszweige nötigen auch zu einer gegen­seitigen vorurteilsfreien Anerkennung ihrer besonderen Lebens­bedingungen in Gesetzgebung und Verwaltung. Wenn wir unsere wirtschaftlichen Streitfragen überall in diesem Sinne behandeln, so wird unser Wirtschaftsleben allen Wellen­bewegungen der Konjunktur wirksamen Widerstand leisten können. Möge die gegenwärtige Tagung deS Handelstages das Verständnis für die großen Fragen unseres Wirtschafts­lebens fördern und unsere wirtschaftliche Kraft im Wettkampf der Völker stärken. (Lebhafter Beifall.)

Vorsitzender Stadtrat Kämpf dankte dem Staatssekretär und teilte mit, der Reichskanzler habe auf die Einladung erwidert, er würde sehr gern an den Verhandlungen und an dem Festmahl leNnehmen, wenn er nicht durch seine Erholungs­reise verhindert wäre. Er habe den sehnlichsten Wunsch, daß der deutsche Handel und die deutsche Industrie durch dieArbeiten der Vollversammlung eine wesentliche Förderung erfahren mögen. Er wünsche daher den Verhandlung«: den besten Erfolg. Ter Präsident gedachte noch der im verfloffenen Geschäftsjahr verstorbenen Mitglieder. Nach Erstattung des Geschäfts­berichts befürwortete Stadtrat Kämpf zum ersten Punkt der Tagesordnung:Weltpostporto unb engere Postvereine" die Erklärung, in der der Reichskanzler ersucht wird, dahin zu wirken, daß unter möglichster Herabsetzung des Portos im inneren deutschen Verkehr für Briefe auf acht und für Post­karten auf vier Pfennig Verträge geschlossen werden, nach denen zunächst im Verkehr zwischen Deutschland und den Nachbarländern die für den inneren Verkehr geltenden Porto­sätze Anwendung finden, und diese Herabsetzung künftig innerhalb des gesamten Weltpostvereins eingeführt wird. Diese Erklärung wurde sofort ohne Besprechung einstimmig angenommen. Kommerzienrat v. Pfister sprach danach über die im Reichseiseubahnamt aufgestellte neue Eisenbahnver­kehrsordnung. Der Präsident des Reichseisenbahnamts Schulz bemerkt dazu, der Entwurf habe bereits in erster Lesung die Zustimmung der verbündeten Negierungen ge­funden. (Beifall.) Die zweite Lesung könne erst im Septem­ber stattfinden. Das Reichseisenbahnamt werde auch für diese die Verkehrsinteressenten hinzuziehen itnb die Wünsche von Handel und Industrie berücksichtigen. (Lebhafter Beifall.) Nach kurzer Beratung wird die von Kommerzienrat v. Pfister vorgeschlagene Erklärung angenommen, die die neue Verkehrs­ordnung als Verbesserung anerkennt, jedoch die Erwartung ausspricht, daß die geäußerten Anträge, die in zwei syste­matischen Zusammenstellungen den Behörden überreicht sind, Berücksichtigung finden. Ferner wird eine Anzahl Einzel­anträge angenommen. Der Präsident verlas sodann unter

nun höre man und staune die gute und moderne Schrift und der Druck des künstlerischen Zierats billiger als der gleißende Scbund, den nur tagsüber gerade in Guten­bergs Reich zu sehen kriegen.

Wenn ein Kunstgebiet daher mit aller Macht vorwärts schreiten muß, dann das des Buchdrucks und -Schmucks. Das Schrifttum und seine Gestaltung sind ja ein künstlerischer Gradmesser für das deutsche Volk. Da handelt es sich nicht um Luxus, um die Befriedigung seltener Wunsche, da spricht (ober sollte es wenigstens) ein ganzes Volk mit. Und das Wunderbarste: Bei dem Schrifttum kann es keine religiösen oder sonstigen Meinungsverschiedenheiten geben, die etwa störend in den Weg treten könnten. Darum ist es an der Zeit, daß die Wege, die Eckmann, Behrens und Huppe uns gezeigt haben, weiter beschritten werden. Wie wir durch das Buch Belehrung oder Unterhaltung schöpfen wollen, so soll uns der tote Buchstabe, in künstlerische Form gegossen, ein weiterer Kulturfaktor sein und werden, ein Kullurfaktor, der als Ziel das Schöne, den guten Geschmack hat.

Das Radfahren.

Seit seinem Bestehen hat ba? Radfahren Freunde und Feinde gehabt, und es ist bald für eine gesunde Bewegung erklärt worden, die sogar zu der Behandlung der Kranken hinzugezogen wurde, bald vom gesundheitlichen Standpunkte verworfen worden. Diese verschiedenartige Beurteilung wird durch die Verschiedenartigkeit der Ausübung begründet, und es ist in der Tat unglaublich, wie lange und vielfach gerade beim Radfahren feine Anhänger gesündigt haben. Vor wenigen Jahren noch war es eine Seltenheit, wenn man einen Radfahrer aufrecht auf seinem Rade fitzen sah: die meisten lagen vornübergebeugt über der Lenkstange und fanden in möglichst unsinnigem Dahinjagen ihr Vergnügen. Daß derartige schwere Fehler nicht ohne Einfluß auf die Gesundheit bleiben, ist selbstverständlich, und durchaus waren daher jene ärztlichen Warner zu ihren abfälligen Urteilen

$0» April

agg**aa^*n<^*««»g«ttaaa8fcj^UijrT«:i -»* s^v iwgsimu«««' ^-.--rn?-, tt-.te to h iaM&<öt*auffiSiaaBidn!MPMiitwritaMlBin'Mi Beifall daS Schreiben deS Handelsmmisters Delbrück, in dem dieser' bedauert, verhindert zu sein, und der Vollrersammlung besten Erfolg wünscht. Es folgt die Beratung des Borgen- gesetzes. Das Referat erstattet der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Mendelssohn. Er legt eine Erklärung vor, in der schleunigst eine Aenderuny des Gesetzes verlangt wird, insbesondere die schon in früheren Vollversammlungen geforderte Beseitigung des Börsenregisters und die Wiederaushebung deS Verbots des Börsentermin­handels in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunter» nehmungen sowie in Getreide und Mühlensabrikaten. Die Erklärung gelangte ohne Besprechung einstimmig zur Annahme. Als nächster Punkt folgt dieHaftung des StaateS". Generalsekretär Dr. Soetbeer-Berlin erstattet ein mit leb­haftem Beifall angenommenes Referat. Er befürwortet den Antrag, daß durch Reichsgesetz die unmittelbare Haltung be§ Staates und anderer juristischer Personen des öffentlichen Recht? für den von ihren Beamten in Ausübung der diesen anvertrauten öffentlichen Gewalt zugelügten Schaden festge­setzt werde. Der Antrag wird diskussionslos einstimmig angenommen. Kommerzienrat Werner-Hannover sprach da­nach über die Kolonien. Er legte feinem Vortrag die Er­klärung zu Grunde. daß der deutsche Handelstag warm eins tritt für eine zielbewußte und kraftvolle wirtschaftliche Ent­wicklung unserer Kolonien, insbesondere durch planmäßigen Eisenbahnbau und deshalb allen Kreisen des Handel? und der Industrie im Vertrauen auf die großzügige Leitung der Kolonialverwaltung tatkräftige Mitarbeit empfiehlt. Auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Schließlich sprach noch Syndikus Schloßmacher-Offenbach über das Thema Zeichenschutz. Er befürwortet die Abänderung des Gesetzes zum Schutze der Warenbezeichnungen vom 12. Mai 1894 durch Erfüllung der vom Ausschuß des Handelstages am 8. April 1907 beschlossenen Forderungen. Eine letztere ent­haltende Resolution wird angenommen. Nachdem die Mit­glieder für den Ausschuß neugewählt resp, wiedergewählt waren, wurde die Vollversammlung durch Präsident Kämpf geschlossen.

Der Besuch des Königs von Italien in Athen.

Athen, 9. April. Die gesamte Presse bespricht in längeren Artikeln den Besuch des Königs von Italien, den sie freudig begrüßt. Besonders wird der herzliche Ton der gewechselten Trinksprüche heroorgehoben.

Athen, 9. April. Nach der gestrigen Festtafel hatte König Viktor Emanuel eine Besprechung mit dem Mini­sterpräsidenten Theotokis.

Athen, 9. April. Der König von Italien be­sichtigte heute vormittag die Akropolis, da? Parthenon uni verschiedene andere Kunftdenkmäler.

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Die paar in Rußland.

Petersburg, 9. April. Die Konflikte der R», g i eru n g mit der Relchsduma wegen der Kompetenz­überschreitungen seitens der letzteren dauern fort Minister­präsident Stolypin richtete zwei Schreiben an den Duma« Präsidenten Golowin mit dem Hinweis, der Regierung fei bekannt, daß Die Dumakommissionen für das Verpflegungs­wesen und zur Durchsicht des Budgetentwurfs Privatper­sonen alß Sachverständige heranzuziehen beabsichtigen. Eln solches Verfahren bedeute eine wesentliche Kompetenzüber­schreitung seitens der Duma und Stolypin ersucht den Duma- präsidenten um Benachrichtigung darüber, welche Maßnahmen daS Dumapräsidium ergriffen habe. oder zu ergreifen beab­sichtige. um die gesetzliche Ordnung der Dinge zu wahren und eine Verletzung der bestehenden Gesetzesvorschriften fernerhin unmöglich zu machen. Der Minister des Innern wies die Gouverneure an, keine Dorfversammlungen zur Beratung von Vorschlägen, die seitens der Dnmaabge- oebneten brieflich ober telegraphisch an die Dorfbehörden ge­macht werden würden, zu gestatten, bezw. die Schuldigen sofort zur Verantwortung zu ziehen.

Petersburg, 9. April. Die Reichsduma setzt die Budgetberatung fort. Unter den Reden, die gehalten wurden, war bemerkenswert diejenige de? Abgeordneten für die Stadt Petersburg, Fedorow (Kadett), worin er der Ansicht des Finanzministers beitrat, der sagte, daß eine Generaldebatte über das Budget nur in der Budgetkom­mission von Nutzen sein werde und diese Beratung vor allem in Ruhe, ohne Voreingenommenheit, sowie ohne poft.

berechtigt. Indessen man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, und es wäre entschieden zu weit gegangen, wollte man vor dem Radfahren warnen und wollte nicht die großen Vorziige des Rades bei seiner verständigen Be­nutzung unbedingt anerkennen. Wer in Reithaltung auf dem Rade sitzt, wer das Tenipo der Fahrt seinen Kräften anpcrßt, so daß er durch daS Fahren nicht einen schnelleren Herz­schlag ober schnellere Atmung verursacht, sich in beider Be­ziehung auch stets unter Kontrolle hält, und wer sonst ge­sund ist, der soll, gleichgültig ob alt ob jung, ob Mann ob Frau, ohne Sorge das Rad besteigen und soll sich durch sein Rad hinausbringen lassen aus der Stadt auf das Land, um sich dort wieder an den Schönheiten der Natur unb «an der klaren, reinen Lust zu erfreuen. Auch wer das Rad benutzt, um in mäßigem Tempo von der ferngelegenen Wohnung feine Arbeitsstätte zu erreichen, kann ohne Be­denken davon Gebrauch machen. Aber mit diesen beiden Zwecken erledigt sich die Berechtigung des Radfahrens. Vor allem ist es ganz verwerflich, daß Rad zu Wettfahrten zu verwenden, und eine erneute Warnung in dieser Beziehung bedeuten die Beobachtungen des Oberarztes Dr. Beyer in Königsberg i. Pr.» welche für die Gefahren des Radfahrens in den Jahren der Entwickelung, d. h. also etwa bis zum 24. resp. 25. Jahre, sprechen. Dieser Forscher warnt mit Recht die jungen Leute, sich zu unmäßigem Radfahren hin­reißen zu lassen, er mahnt sie zur Vorsicht, und er warnt auch vor Venutzung des Dreirades als Beförderungsmittel für Lasten; selbst in ebenem Terrain entsteht dadurch ein un­verhältnismäßiger Krästeverbrauch, der in letzter Instanz sich am Herzen äußert, und biefe Schädigung steigt ganz be­deutend, wenn das benutzte Terrain hügelig ist.' Man kann also sehr wohl ein Freund des Radmhrens bleiben, und wer es nicht ist, der möge es werden; aber die notwendige Vor­sicht beim Radfahren darf niemand vergeffen, damit sich nicht der Segen in Schaden kehre.