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<3. Waisenhaus»- in Hsuau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssrm- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
ftmiftwdjftitMihig Nr. 605.
^ernsprechanschlust Nr. 605. 190
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Amtliches.
Eandkreis Banau.
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Unter den Schweinen zu Marköbel ist die Schweineseuche sestgestellt worden.
Hanau den 6. August 1907.
Der Königliche Landrat.
V 5609 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Unter den Schweinen in Neuwirtshaus (Großauheim) ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 6. August 1907.
Der Königliche Landrat.
V 5608 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Nach Mitteilung des Polzei-Präsidenten zu Frankfurt a. M. hat dieser die mit Bekanntmachung vom 7. Mai d. Js. — veröffentlicht unter dem 10. Mai zu V Nr. 3337 in Nr. 109 des „Hanauer Anzeigers" — angeordnete Hundesperre wieder aufgehoben.
Hanau den 7. August 1907.
Der Königliche Landrat.
V 5665 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Der Schöffe der Gemeinde Langenselbold, Landwirt Friedrich Wilhelm Fuchs daselbst, ist heute zum Ortsschätzer der Gemeinde Langenselbold auf jederzeitigen Widerruf bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 3. August 1907.
Der Königliche Landrat.
V 5683 I. A. - Conrad, Kreissekretär.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuche von Hanau Band 62 Blatt Nr. 3456 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Lackierers Heinrich Warnecke in Hanau eingetragenen Grundstücke, Abteilung I
Nr. 1 Krtbl. J 268/71, in der Herrngasse Nr. 11 = 4 ar 22 qm,
a) Wohnhaus mit Einfahrt, abges. Holzstall im Garten links nebst Hofraum und
Nr. 2 Krtbl. J 269/72 rc. Hausgarten = 3 ar 17 qm, — Gebäudesteuernutzungswert = 1125 Mk: —
Krtbl. J 268/71 b) Seitengebäude rechts (A),
— Gebäudesteuernutzungswert — 300 Mk. —
Feuilleton
Der Schwälmer Tanz.
X Castel, 8. Aug. Wie vor kurzem berichtet wurde, will die Kaiserin sich in den nächsten Tagen die echten Schwälmer Tänze vorlühren lassen. Als die Fürstin im vorigen Jahre in Treysa weilte, um der Weihe der Kirche der Anstalt Hephata beizuwohnen, gab sie ihrer herzlichen Freude Ausdruck über die Erhaltung der originellen Volkstrachten des Schwalmtales. Und mit lebhaftem Interesse ließ sie sich von den ehrwürdigen alten Volkssitten der Schwalm erzählen. Da hörte sie auch von den Schwälmer Tänzen. Das Festprogramm des vorjährigen Kaiserin-Tages in der Schwalm ließ — was bei dem Charakter des Festes begreiflich war — eine Bekanntschaft mit den Tänzen der Schwälmer Bauern nicht zu. Die Kaiserin sprach darüber den Schwälmer Honorationen ihr Bedauern aus und gab zugleich der Hoff- nung Ausdruck, daß sie in nicht ferner Zeit den Schwälmer Tan; noch 'kennen lernen werde. Die Kaiserin hat nun der Schwälmer und ihres vorjährigen Wunsches nicht vergessen. Sie entbietet jetzt Schwälmer Mädchen und Burschen zum Tanze zu sich.
Trotz der Nähe des Schwalmtales kennen leider die meisten Hessen den Schwälmer Tanz noch nicht. Unser Landsmann, der bekannte treffliche Tondichter Johann Lewalter hat die Schwälmer Tänze in Wort und Weise in der Schwalm gesammelt und zum ersten Male herausgegeben. Das mit einein von Wilhelm Thielmann gezeichneten Titelblatt geschmückte Heft ist bei Ries und Erler in Berlin erschienen.
In diesem Merkchen sind die uralten, höchst eigenartigen Weisen und Worte, nach denen das Schwälmer Volk bei seinen Festen noch heute zu tanzen pflegt, in einfachem Klaviersatze wiedergegeben. Doch lassen wir den berufensten Jnter-
c) Seitengebäude links (C) mit Anbau (A)
— Gebäudesieuernutzungswert = 45 Mk. — eingetragen in Nr. 1148 der Gebäudesteuerrolle und Nr. 2685 der Grundstcuermutterrolle
am 27. September 1907, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. Hanau den 30. Juli 1907.
Königliches Amtsgericht. Abt. 2. 16227
Gefundene nnd verlorene Gelrenstände re.
Gefunden: 1 Schlüssel mit Uhrkette, 1 Portemonnaie mit 2,31 Mark, 1 Brille, 1 Portemonnaie mit 1,11 Mark.
Verloren: 1 Portemonnaie mit ungefähr 4,70 M., (von Speffartstraße, grüner Weg, Gartenstraße bis Sandeldamm), 1 golbc^e Damenvorstecknadel mit Brillant von Wilhelmstraße i Schnurstraße.
Zugelaufen: 1 gelieferter Bastard m. Geschlecht, 1 großer Fleischerhund braungelb und weiß.
Entlaufen: 1 kleiner Hund, rotbraun und weiß männlichen Geschlechts.
Hanau den 9. August 1907.
Hus Banau Stadt und Fand.
Hanan, 9. August.
* Erneuernngsicheine zu den Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Erneuerungsscheine zu den Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse in Cassel — Serie 17 und 19 — vom 15. August er. ab bei der Landes- renterei dahier — Romerstraße 7 — zur Besorgung neuer Zinsscheinbogen eingereicht werden können.
* Wachtmeister Lier. Am 1. August d. Js. ist wohl der älteste aktive Wachtmeister unserer Armee, der Wachtmeister Lier von der 1. Eskadron Thür. Manen- Regiments Nr. 6, nach einer fast 44jährigen Dienstzeit aus dem aktiven Miliiärdienst ausgeschieden und hat sich nach Mühlhausen i. Th. zurückgezogen, woselbst er 31 Jahre mit dem Regiment in Garnison gestanden hat. Eingelreten am 1. Oktober 1863 als Dreijährig-Freiwilliger bei der 1. Eskadron Thür. Manen-Regiments Nr. 6, die damals in Mühlhausen i. Th. garnisonierte, wurde er am 1. Oktober 1865 zum Gefreiten befördert, machte als solcher den Feldzug von 1866 gegen Oesterreich mit und nahm an den Schlachten bezw. Gefechten bei Liebenau, Münchengrätz,
preten, lassen wir Lewalter selbst reden. Er sagt über seine Arbeit im Vorwort: „Nachfolgende Bauerntänze, Schwälmer genannt, wurden schon vor vielen Jahren zn Fiedel und Schalmei in der Schwalm (Oberhessen) zur Kirmeszeit getanzt und sind in dem auf der Wiera und Willingshausen gelegenen Schwälmer Dorfe Wasenberg noch jetzt sämtlich gang und gäbe. Ihre packenden Weisen haben sich bei den Dorfspielleuten seit uralter Zeit erhalten und sind niemals ausgeschrieben worden. Die Spielleute spielen sie daher nach Zigeunerart auswendig.
„Daß es mir gelungen ist, die „Schwälmer" aufzuschreiben und zum erstenmal herauszugeben, verdanke ich insbesondere der Liebenswürdigkeit des ältesten der Spielleute des Schwälmer Dorfes Wasenberg, Herrn Konrad Peter (geb. am 30. Dezember 1835), welcher mich mit seltenen Freundlichkeit bei meiner Sammelarbeit unterstützte.
„Die Vorfahren meines Gewährsmannes, welche sehr alt geworden sind, haben diese Tänze schon in ihrer Jugendzeit gekannt und getanzt und die unter verschiedenen Tänzen ab- gedruckten Worte in den Spinnstuben gesungen.
„Ich habe die Tänze, welche in Wasenberg von zwei Geigen, Bratsche, Klarinette, zwei Trompeten, Tenorhorn, Kontrabaß oder auch nur von Blasinstrumenten gespielt werden, für Klavier gesetzt und den Klaviersatz genau im Charakter der Dorfmusik, nämlich so einfach wie möglich, gehalten.
„Es gewährt einen herrlichen Anblick, wenn die Schwälmer Burschen und Mädchen in ihren bunten Trachten unter der Dorflinde nach den eigenartigen Tanzweisen sich drehen. Die Paare tanzen erst rechts, dann links herum, die Burschen oft auf einem Bein, am Schlüsse der einzelnen Teile stampfen sie zumeist mit dem Fuße auf; oder das Mädchen dreht sich allein tanzend herum, während der Bursch, in die Hände klatschend, hinterher hüpft; oder das Mädchen erfaßt das von dem Burschen hochgehaltene rötlich-bunte Taschentuch und dreht sich unter seinem bochgehaltenen Arm: oder Bursch und
Königsgrätz und Preßburg teil. Am 11. Oktober 1866 wurde er zum Unteroffizier und am 21. Juli 1870 zum Sergeanten befördert; als solcher machte er den Feldzug gegen Frankreich mit und nahm an 24 Schlachten bezw. Gefechten teil. Schon während des Feldzuges 1870/71 wurde er mit der Führung der Wachtmeistergeschäfte beauf- tragt und am 1. Januar 1872 zum Wachtmeister der 1. Eskadron befördert. Wachtmeister Lier hat auch während seiner Dienstzeit an mehreren Deputationen zur Einweihung von Kriegerdenkmälern teilgenommen, so in Ingweiler im Elsaß und in Reichenberg in Böhmen, außerdem war er Mitglied einer zu dem ehemaligen Chef des Thür. Ulanen-RegimentS Nr. 6, weiland S. Maj. König Christian IX. von Dänemark, nach Kopenhagen entsandten Deputation. Mehrfach zu den verschiedenen Gelegenheiten dekoriert, ist er Inhaber von 9 Orden und Ehrenzeichen, unter anderem besitzt er das eiserne Kreuz 2. Klasse, das allgemeine Ehrenzeichen, das Kreuz des allgemeinen Ehrenzeichens, das Kreuz der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern und das silberne Kreuz des Danebrogordens. Im Jahre 1903 wurde er anläßlich der Einweihung des Kriegerdenkmals in Ingweiler von dem Kriegerverein in Ingweiler zum Ehrenmitglied ernannt. Er hat während seiner langen Dienstzeit im Thüring. Manen-Regiment Nr. 6 unter 14 Regiments-Kommandeuren gedient und ist 11 Eskadron-Chefs ein« gewissenhafte Stütze gewesen. Bei seinem Scheiden wurden ihm vom Offizierkorps und von den Unteroffizieren des Re« giments Abschiedsgeschenke übermittelt und ein Abschiedsessen im Offizierskasino veranstaltet. Möge der alte brave Soldat in seiner alten Garnisonstadt Mühlhausen i. Thür., in der Nähe seiner engeren Heimat, im Kreise seiner vielen alten Kameraden und Freunde, in der Erinnerung an sein vielbewegtes Soldalenleben, das fast ein Menschenalter gedauert hat und mit der Genugtuung, daß er während der langen Dienstzeit sein Bestes für Kaiser und Reich hergegeben hat, den Rest seines Lebens in Ruhe beschließen.
Dev Bund der Landwirte wird das diesjährig« kurhessische Bundesfest auf dem Frauenberge bei Marburg am Sonntag den 18. August unter Teilnahme seiner Mitglieder und der von diesen eingeführten Personen feiern. Immer mehr bürgern sich diese Bundesfeste, welche daS Solidaritätsgefühl der Bundesmitglieder wesentlich heben, ein, sogar einzelne Kreise gehen dazu über, für sich an geeigneter Stelle solche Feste zu begehen. Die Frauen und Familienangehörigen der Bundesmitglieder werden auf diese Weise mit den Bestrebungen des Bundes näher bekannt und lernen nnter sich Bekanntschaften und Freundschaften anknüpfen, die den zerstreut wohuLüden Landwirten sonst so leicht nicht geboten werden.
Mädchen treten sich gegenüber, nähern sich einander unter malerisch aussehenden Bewegungen und lassen dann einander wieder los. Beim Schluß des Tanzes stampfen alle Paare wie auf einen Schlag heftig mit den Füßen auf. Sind die Burschen erst in Stimmung gekommen, so jauchzen sie.
„Die Ausführung des Schwälmer Tanzes ist wegen der damit verbundenen, durch das sehr schnelle Zeitmaß hervorgerufenen Anstrengung schwer, sodaß die „Schwälmer" auf der Kirmes nicht oft getanzt werden. Aber allemal, wenn ein echter „Schwälmer" gespielt und getanzt wird, ist bieder Glanzpunkt des Kirmestages. Der „Schwälmer" hat einen stark ausgeprägten Rhythmus, steht im Zwei-Viertel- Takt und bewegt sich nur in Dur-Tonarten. Er besteht aus zwei bis drei Teilen, von welchen jeder gewöhnlich acht Takte hat, wird sehr schnell gespielt und oft 20 mal wiederholt."
Es sind im Ganzen zehn „Schwälmer", die uns Lewalter überliefert hat, darunter natürlich auch die berühmtesten: „Jnse Kermes zü Leßhäuse", „Seng der da die Hosebengel", „Zu Aescherod, zu Aescherod" und „Ich hab mich in die Kech verdengt".
In einem der Tänze kommt eine der größten musikalischen Seltenheiten vor; der zweite Satz des Tanzes Nr. 4 erscheint nämlich sonderbarerweise in der ungeraden Taktart von drei mal drei Takten. Die Wirkung dieses Satzes ist besonder- elektrisierend.
Daß Johann Lewalter in seiner Abhandlung „Der Dankt« doodle" ein Schwälmer Tanz? den Nachweis zu bringen versucht hat, dieses berühmteste amerikanische Volkslied sei Schwälmer Bauern zu verdanken, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Hoffen wir, daß die Kaiserin am Tanz der Schwälmer Gefallen findet, hoffen wir vor allem, daß das bei der Fürstin dadurch erweckte Interesse beitragen möge, daß Schwälmer Tracht und Sitten erhalten bleiben.