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Rat Prof. Dr. Westphal, Syndikus Dr. Zimmer, General z. D. Bartels, Major a. D. v. Simons und Oberstleutnant z. D. Mitzlaff-Berlin miedergemählt. In der Versammlung am Sonntag wurde folgendes Telegramm an den Kaiser ab- geschickt:Des Kaisers Majestät. In Thorn, der alten deut­schen Weichselstadt, sind heute die Vertreter der 18 000 Ver­eine und P/> Millionen Kameraden des Deutschen Krieger- bundes zum 32. Nbgeordnetentage versammelt. Mit ihnen vereinen sich Ehrengäste aus den Vruderverbänden von Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen. Die alte Ordensstadt lehrt, wie verderblich in der Vergangenheit deut­scher Hader war, und wie notwendig für die Zukunft der Zusammenschluß aller Stände und VeTenntniffe unseres deut­schen Volkes ist. Durchdrungen hiervon, durchdrungen von der Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und engerem Vaterland, gelobt der Abgeordnetentag, getreu den großen Aufgaben des Kriegeroereinswesens, allzeit dafür einzutreten, daß die Mitglieder der deutschen Kriegerveine monarchische und valerländische Gesinnung als Staatsbürger betätigen und für die Große und den Ruhm des Reiches unter den Völ­kern der Erde nach Kräften wirken. Alleruntcrtänigst bittet der Abgeordnetentag, dies Gelöbnis an den Stufen des Thrones Eurer Kaiserlichen Majestät niederlegen zu dürfen.

D. Spitz, General der Infanterie z. D. Vorsitzender. Ihrer Majestät der Kaiserin, Potsdam. Eurer Kaiserlichen Majestät dankt der Abgeordnetentag des Deutschen Krieger­bundes ehrfurchtvollst für das gnädige Walten für das Wohl seiner Waisenhäuser und bittet alleruntertänigst, den Krieger- waisen auch ferner eine gnädige Protektorin sein zu wollen. 8. Spitz, General der Infanterie z. D., Vorsitzender."

DieKölnische Zeitung" teilt mit, daß ihr Berliner Vertreter, Gouverneur a. D. Rudolf von Bennigsen, ange­sichts der Erörterungen, die sich an den Münchener Peters- prozeß angeschlossen haben, ihn als Verfasser des Aufsatzes in Nr. 297 derKöln. Ztg.", dessentwegen Peters eine Be­leidigungsklage gegen dieKöln. Ztg." anstrengte, dem Schöffengericht anzugeben.

Zum Peters-Prszesi. In seiner 1899 erschienenen BroschüreMißbrauch der Amtsgewalt" und auch später hatte Karl Peters erzählt, eine in Gewahrsam der Post be- findliche, von ihm aufgegebcue Postkiste sei erbrochen und der Inhalt teilweise entwendet worden, eine Erzählung, die auch in dem Münchener Prozeß wieder aufiaucbte. Dazu erhält dieKöln. Ztg." eine amtliche Mitteilung folgenden Inhalts: Es sind damals durch die Postverwaltung Ermittelungen an­gestellt worden, die ergaben, daß die von Peters aufgestellte Behauptung ganz unzutreffend war. Die Post hatte mit jener Kiste, die von der Firma von der Heydt u. Co. einer Expeditionsfirma übergeben war, gar nichts zu tun. Peters hat darauf den zu Unrecht erhobenen Vorwurf brieflich zurück­genommen. Dieser Brief ist in der deutschen Presse ver­öffentlicht worden.

Streik der Rechtspraktikauten in Böhmen. Daß Angehörige der akademischen Berufskreise von der stärksten Waffe der handarbeitenden Klassen, der Arbeitsver­weigerung, Gebrauch machen, ist bisher nur ganz vereinzelt vorgekommen. Höchstens, daß hier und da einmal die Aerzte einer Stadt, wenn sie mit einer Krankenkasse in Konflikt gerieten, mit Einstellung ihrer Tätigkeit drohten und auch wirklich vorübergehend in leichteren Fällen den Kassenpatienten sich versagten. Einzig in ihrer Art ist aber die Bewegung, die der juristische Nachwuchs in Böhmen mit dem gestrigen Tage eingeleitet hat. Die Rechtspraktikanten aller Gerichte Böhmens setzten heute mit der passiven Resistenz ein, um den Widerstand, den ihre Vorgesetzten der notwendigen Regelung ihrer Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse entgegenstellten, zu brechen. Die böhmischen Rechtspraktikanten entsprechen in

kräftig erwidert, und eine abermalige Aufforderung blieb ebenfalls nutzlos.

Die Festungswerke konnten wohl durch schweres Geschütz niedergelegt werden, doch waren sie im Osten durch Oder­und Klodnitzkanal geschützt, ebenso in den übrigen Richtungen durch eine leicht zu bewirkende Ueberschwemmung, wie die Bayern, die von Süden an griffen, sehr bald unangenehm verspüren sollten. Noch vor der Ankunft des Feindes war es geglückt, die Kasematten, die später die einzige Unter­kunft der Soldaten imb Bürger bildeten, bewohnbar zu machen, Zugbrücken zu bauen, überhaupt daS Nötigste fettig­zustellen. und sich durch tatkräftige Hilfe des Rittmeisters v. Lüttwitz von außen her auf zwei Monate ausreichende Verpflegung zu sichern.

Die Beschießung mürbe in den nächsten Tagen mit wachsender Stärke fortgesetzt und fast alle Häuser zerstört; die Werke selbst litten wenig und die preußische Artillerie­verteidigung schwieg keinen Augenblick. Der innere Feind blieb leider der schlimmere, Fahnenflucht und Krankheit schwächten die Reihen der Verteidiger zehnmal mehr als der äußere. Da trat Tauwetter ein und nun bekamen die Bayern die Freuden einer Ueberschwemmung ausgiebig zu kosten. General Deroy, der die Vernichtung aller so mühsam hergestellten Annäherungsarbeiten Hereinbrechen sah, machte nochmals einen Versuch, den Kommandanten zur Uebergabe zu bewegen, malte die Lage Preußens so schwarz wie möglich und heimste dafür nur die Antwort ein, daß den Kommandanten die Verhältnisse außerhalb der Festung nichts angingen. In Schlamm und Wasser er­stickten die feindlichen Batterien, das Feuer aus der Festung machte alle Mühe, auf trockneren Stellen sich festzusetzen, zu­schanden, und von einem Bezwingen Cosels war vorläufig nicht die Rede. Dazu wurden die bayerischen Soldaten müde und mißmutig, zumal sie trotz aller Mühen und Ent­behrungen vom französischen Oberkommando keinerlei An­erkennung, sondern nur scharfen Tadel ernteten. Und nun stand urplötzlich in ihrem Rücken noch eine Gefahr auf, vom Gerücht hundertfach vergrößert. Einer der unternehmendsten und zugleich findigsten Parteigänger dieses Krieges, ein zweiter Schill, hatte sich mit einem Trupp Blücherhusaren und einigen anderen Versprengten schon in der Umgegend von Kolberg den Franzosen furchtbar gemacht und verlegte nun den Schauplatz seiner schier unglaublich kühnen Hand­streiche von Pommern nach Schlesien.

Es war dies der Leutnant Eugen von Hirschfeld vom Regiment Köhler-Husaren, ein Sohn deS späteren Siegers von Hagelsberg. Infolge einer ganzen Rechö von^M

Stellung und Vorbildung unseren preußischen Referendaren. Ihr ungewöhnliches Vorgehen wird von der PragerBo- hemia" charakterisiert als die Verweigerung des Gehorsams zum Ungehorsam gegen das Gesetz. So paradox diese Worte klingen mögen, so buchstäblich sind sie wahr. Die Richter­amtskandidaten erklären ganz einfach, daß sie jenen Anord­nungen der Justizverwaltung, welche sie zu richterlichen Ge­schäften heranzieht, zu denen Richtcramtskandidalen kraft des Gesetzes keine Berechtigung und keine Befähigung haben und welche sohin die Richteramtskandidaten selbst zu einer Verletzung ihres eidlichen Gelöbnisses veranlassen, den Ge­horsam aufkünden. Sie wollen sich nur jenen Obliegen­heiten widmen, zu welchen sie nach dem Gesetze berech­tigt sind.

Im englischen Unterhalte sagte Parlamentssekretär Runciman in Beantwortung einer Anfrage, die Sicherheit des Kaids Mac Lean betreffend, daß die englische Regierung auf die maurische Regierung einen Druck ausübe hinsichtlich der Notwendigkeit, die größten Anstrengungen zu machen, um die Befreiung Mac Leans zu erlangen, daß sie jedoch die maurische Regierung davor gewarnt habe, irgendwelche Schritte zu tun, welche die persönliche Sicherheit Mac Leans in Gefahr bringen könnten.

Japan und die Vereinigten Staaten. Nach einem Telegramm aus Tokio erklärte der japanische Admiral Sakamoto in einer Unterredung mit einem Berichterstatter des oppositionellen BlattesBotschi Schimbun", wenn zwischen Japan und den Unionstaaten Feindseligkeiten aus­brechen sollten, so werde das Ergebnis wegen Fehlens einer geeigneten Operationsbasis zweifelhaft sein. Solche Operations- basen, wie sie zurzeit beständen, seien für praktische Zwecke zu weit von einander entfernt, selbst die am meisten benach­barten, die Pescadoreninseln und Manila, lägen sechshundert Meilen von einander. Der Admiral soll ferner gesagt haben, auch wenn man sich in Washington für den Krieg entscheide, sei noch zweifelhaft, ob die in der Flotte dienenden Amerikaner patriotisch genug seien, um zu kämpfen. Die amerikanischen Flottenoffiziere machen brillante Figuren auf Bällen und ge­sellschaftlichen Vereinigungen, aber seien sowohl bei Manövern wie im Ernstfall beruflich ganz unzulänglich. ES sei zu viel, von der amerikanischen Flotte im Falle eines Krieges mit Japan brennenden Patriotismus zu erwarten. Aus Washington wird gemeldet: Was auch die unmittelbare Veranlassung zu der Entsendung der Schlachtschiffe sein mag, soviel ist sicher: die Regierung trifft entscheidende Maßregeln, um eine gewaltige Seemacht im Stillen Ozean aufzustellen und dauernd zu unterhalten. Daß die ständige Unterhaltung einer großen Zahl von Kriegsschiffen im Stillen Ozean der Endzweck ist, ist offenbar. Die täglich sich mehrenden Ent­hüllungen, die Gerüchte von dem Fortschritt der Unterhand­lungen mit Mexiko über die Erwerbung der Magdalenenbai, die als einer der besten Häfen der Welt für einen großen Flottenstützpunkt betrachtet wird, und die geplanten Ver­besserungen und Vermehrungen der schon bestehenden Flotten­stützpunkte ; das alles läßt keine andere Deutung zu. Die öffentliche Meinung geht übereinstimmend dahin, die Absicht der Regierung sei, jeder Möglichkeit zu begegnen, die den Vereinigten Staaten die Vorherrschaft im Stillen Ozean entwinden könnte. (Die Magdalenenbai erklärte die ameri­kanische Regierung nur als Kohlenstation für die Schieß­übungen abhaltenden Kriegsschiffe erwerben zu wollen.)

Neue kath. Marinekirche. Gestern mittag fand in Kiel die feierliche Grundsteinlegung zur neuen katholischen Marinekirche statt. Als Vertreter des Kaisers wohnte der­selben der Chef der Marinestation der Ostsee, Admiral v. Prittwitz und Gaffron, bei, außerdem Abordnungen der kaiserlichen Marine und Vertreter der städtischen und staat­

lieb erfüllen und Wegnahme von Zuzug an Geschütz, Schieß­bedarf, Gewehren, Pferden usw. erregte er einen derartigen Schrecken, daß man den nun schon weithin gefürchteten Ritt­meister Ferdinand v. Schill mit mindestens 18 000 Mann im Anmarsch glaubte. In Wahrheit hatte Hirschfeld selten mehr wie 60 Reiter und wenige Versprengte zur Verfügung. Truppen wurden von allen Seiten gegen ihn aufgeboten, die Verstärkung der Belagerungstruppen vor Cosel unterblieb einstweilen, unb man begnügte sich vom 4. März an mit der Einschließung de§ Platzes, anfangs so lückenhaft, daß es gelang, vom rechten Oderuser aus die Festung wieder auf Monate mit Lebensmitteln und allerlei Bedarf zu versehen und in immer besseren Verteidigungszustand zu setzen. In verschiedenen Ausfällen wurden die feindlichen Laufgräben und Batterien zum Teil wieder eingeebnet, und selbst, als die Einschließung vollständig geworden, setzten die Belagerten daS Beunruhigen des Feindes und Eintreiben von Vieh nicht aus. Am 16. April starb der tapfere Oberst v. Neumann und ward seinem Wunsche entsprechend in der Reinsdorfen Bastion zur Ruhe bestattet. Dort steht noch heute sein Denkmal. Für den schwerkrank darniederliegenden Vizekommandanten Hauptmann von Keibel übernahm Oberst v. Puttkamer die Kommandanturgeschäfte, doch pflogen beide wackeren Offiziere täglich miteinander Rat in vollkommener waffenbrüderlicher Uebereinstimmung.

Am 1. Mai hatte Cosel nur noch 2756 Mann alles in allem an Garnison mit 781 Kranken. Die Fahnenflucht nahm zu, während deS Monats Mai kostete sie 83 Mann ; während desselben Monats starben 225 Mann, 600 lagen noch lazarettkrank. Weiterhin wuchs die Zahl der täglichen Todesfälle auf durchschnittlich 14, so daß das fast vollstän­dige Aussterben in absehbarer Zeit bevorstand. Da Aus­fälle und Zufuhr nunmehr unmöglich geworden, und nach sicherer Berechnung Besatzung und Bürgerschaft vom 8. Juli ab nur noch von Brot, Salz und Wasser leben mußten, und bei dem Weilerwüten des Typhus die letzte Verteidigungs­kraft Mitte Juli voraussichtlich erlosch, so'schloß ein Kriegs­rat unter dem Vorsitz des Obersten v. Puttkamer nunmehr die wiederholt vom Feinde angeregte Uebergabe unter gün­stigen Bedingungen am 18. Juni ab; doch trotz schwerer , Drohungen sollte erst am 16. Juli die Räumung der Feste ; erfolgen/ also zu einem Zeitpunkte, an dem jede Hoffnung geschwunden sein mußte. Zähneknirschend ging der Feind darauf ein, und der Lohn der zähen, todesmutigen Verteidi­gung blieb nicht aus; noch vor dem 16. Juli ward zwischen Frankreich und Preußen Friede geschlossen, Cosel leuchtete neben Glatz, Silberberg, Kolberg rm^ Graudenzals unbe-..

lichen Behörden. Viele geladene Persönlichkeiten mit ihren Damen waren anwesend. Der katholische Marinepropst, Bischof Dr. Vollmar, segnete die Stätte ein, wo in der neuen Kirche der Altar stehen soll, desgleichen auch den Grundstein, während Marinepfarrer Laubstern die Stiftungs- urrunbe verlas; Musik und Gemeindegesang beschlossen die Feier.

Schiller-Denkmal. In St. Paul wurde gestern ein Schiller-Denkmal enthüllt. Dr. Theodor Barth hielt an die Festversammlung eine Ansprache. Vom deutschen Kaiser traf folgendes Telegramm an den deutschen Konsul Grunow ein:Die Nachricht, daß auch in St. Paul dem großen Dichter von den deutschen Stammesgenossen ein Denkmal errichtet worden ist, erfüllt mich mit lebhafter Freude. Sprechen Sie dem Vorstande bei der heutigen Enthüllung meine besten Glückwünsche aus. gez. Wilhelm I. R." Das Denkmal ist ein Geschenk der deutschen Einwohner an die Stadt.

Zur Haager Friedenskonferenz.

Haag, 8. Juli. Der deutsche Gesandte v. Schlözer gab heute ein Diner, an dem die beiden ersten französischen Delegierten Botschafter Bourgeois und Baron d'EstournelleS de Constant, Baron und Baronin Marschall von Bieberstein, der niederländische Minister des Aeußeren Jonkheer van TetS van Goudriaan mit Gemahlin, der türkische Gesandte Missak- Effendi, der englische Militärbevollmächtigte Oberstleutnant Buller sowie andere Delegierte mit Gemahlinnen und Mit­glieder der deutschen Gesandtschaft teilnahmen.

Söul, 8. Juli. Bei einem gestern abend in Gegenwatt des Königs abgehaltenen M i n i st e r r a t e warfen die Mi­nister die Frage auf, welches die Quelle der Autorität auf der Haager Konferenz wäre. Der König erklärte zuerst, es nicht zu wissen und gab schließlich eine aus­weichende Antwort, wobei er den Ministern den Auftrag er­teilte, die Angelegenheit der japanischen Regierung in einer Form auseinander zu setzen, die geeignet sei, ihren Unwillen zu beschwichtigeu. Die koreanische Regierung hat noch keinen Schritt in dieser Angelegenheit unternommen. Sie beschloß aber die Einsetzung einer Kommission, die die königlichen Ausgaben überwachen und etwaige gesetzwidrige Ausgaben verhindern soll.

Französische Kammer.

Paris, 8. Juli. Die Kammer verhandelt über den vom Senat abgeändetten Gesetzentwurf betreffend die vorzeitige Entlastung der Soldaten des Jahrganges 1903. Raibetti (radikaler Republikaner) erhebt Einspruch dagegen, daß die Meuterer des 17. Linienregiments nach der Abreise ihrer Kameraden unter den Fahnen behalten werden. Minister­präsident Clemenceau erwidert, das zur Verhandlung stehende Gesetz gewähre den davon betroffenen Soldaten eine Gunst, die man Meuterern nicht gewähren könne. Raibetti schreibt die Disziplinlosigkeit dem Umstande zu, daß wegen Bergehen gegen das gemeine Recht Verurteilte im Heere seien. Die Generaldebatte wird darauf geschlossen. Kriegsminister Pic­quart erklärt, er werde die Soldaten des Jahrgangs 1903 vom 12. Juli ab entlassen, je nachdem sie in ihre Garni­sonen zurückkehren, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Süden notwendigen Mannschaften aber unter den Fahnen behalten. Kriegsminister Picquart erklärt, daß die Soldaten, die länger unter den Fahnen zurückbehalten werden sollen, dadurch in keiner Weise ungerecht behandelt werden, da daS Gesetz ihnen eine tatsächliche Dienstzeit von 2 Jahren aufer­legt. Berteaux, Präsident der Kommission für Heerwesen, bemerkt, es handle sich um 22 000 Mann, denen die Dienst­ausübung nicht unnütz sein werde, da Frankreich während dreier Monate nur einen einzigen ganzen Jahrgang unter den Fahnen haben werde. Picquart unterstützt diese Be­hauptung, indem er die Hoffnung ausspricht, daß die Kam­mer sich seiner Auffassung anschließen werde. (Bewegung auf verschiedenen Bänken.) Jaures wirft die Frage auf, waS die Regierung hindern werde, unter Vorschützung der im Süden

zwungene preußische Festung; ein Stück der alten Waffen ehre war aus dem Niederbruch gerettet. G. o. R

Kunst und Leben.

Heidelbeeren als Volksheilmittel. Seit alters her ist die Heidelbeere in der Volksheilkunde als gutes Heil mittel gegen Magen- und Darmkatarrhe berühmt. Im Lauft der letzten zwanzig Jahre geriet das jedoch etwas in Ver­gessenheit, weil die zahlreich einander drängenden Präparate der chemischen Heilmittelindustrie der Denkträgheit des Pub­likums so sehr Vorschub leisteten. Es ist das große Ver­dienst des alten Vorkämpfers der physikalisch-diätetischen Heil­kunst, Professor Dr. Winternitz, seit 25 Jahren unausgesetzt auf die hervorragenden Eigenschaften der Heidelbeere hinge­wiesen zu haben. Ihren Ruhm verdankt sie ihrem Reichtum- an aromatischen Fruchtsäuren, ihren Nährsalzen, zu denen sich noch Zucker und ein gerbstoffhaltkger Farbstoff gesellen. Alle vereinen sich zu einem lieblichen Bukett von erfrischendem Duft und Geschmack. Ihres zusammenziehenden und gärungS- widrigen Charakters wegen ist die Heidelbeere nicht nur als Darmmittel verwendbar, sondern auch bei Krankheiten anderer Schleimhäute z. B. bei Mund- und Zahnfleischentzündungen, bei Kehlkopf- und Rachenkatarrh, läßt sich ihr Saft ver­dünnt mit bestem Erfolg als Gurgel- und Spülmittel ver­wenden ; bei Schnupfen wirkt Durchspülung der Nase sehr wohltätig auf die Schleimhäute. Natürlich sind solche Spü­lungen öfters zu wiederholen. Bei Flechten auf der Haut wirken dick eingekochte Heidelbeeren, die man fein durchge­seiht als dünne Paste zu Umschlägen benutzt, sehr heisam. Aber auch das zierliche Heidelbeerkraut ist vielfach als Absud und Tee für Heilzwecke verwendbar. Professor Winternitz hat seine Erfahrungen über die Heidelbeere zusammengefaßt kürzlich veröffentlicht. Hoffentlich regen diese Hinweise recht viele zur neuen Beachtung des einfachen Kräutleins mit den blauen Beeren an, deren Reichtum so verschwenderisch jedem im Wald entgegenblüht und in allen Formen frisch oder kon­serviert, als Kompott, Saft oder Tee, köstlich und heilsam zugleich, verwendbar ist. Wenn das Volk sagt, die Heidel- beerzeit sei die schlechteste für die Aerzte und die beste für die Gesundheit, so hat es wirklich recht. Möchte also diese Zeit recht ergiebig zum Esten und Sammeln für die Wmter- tage benutzt werden.