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«KrteyâMch 1,80 TIL, monaüich 60 Pfg., fllr «t* »ârüge Wonue-ten mit bot betreffenden Posiaufschl«» Die «ta-elae Nummer kostet 10 Pf-.

General-Anzeiger

^|iftf*ii^<f usb Verlag bet Buchdrucker« bei «reim, o, «aisachaose» ie Haum.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrLcknngsgebüyr^

Die fünfgespaltene Petitzelle »der dam «an» » ^ im Skklammteil die Zelle 35 Pf-,

Veralt»««. Stebafieut:. «Reeder « H««.

Ax, 157 Fernsp»echanschlutz Nr. 605.

Dienstag den 9. Juli

Mernsprechanschlich Nr. 605. 1907

Amtliches.

Stadtkreis Fyanau.

Ausschreibe«.

Für das hiesige Pflegehaus sollen

51 vollständige Betten (Matratzen und Decken, sowie ferner Betttücher, Bett-Kopfkissenbezüge in vier­facher Anzahl),' Zugvorhänge mit Falten- mantel aus gutem Grauleinen und die nötige Küchenwäsche beschafft werden.

Angebote mit Beifügung von Proben sind bis zum 16. Juli 1907, mittags 12 Uhr, bei dem Armenamte einzureichen, wo auch die Bedingungen zu erfahren sind.

Hanau den 5. Juli 1907.

Der Magistrat, Armenamt.

Hild. 14305

Der Friede von Tilsit.

Zum 9. Juli.

Die Schlacht bei Friedland, am 14. Juni 1807, sowie alle Ereignisse des Jahres 1806 hatten die Ueberlegenheit der französischen Waffen so unzweideutig offenbart, daß man nicht erwarten durfte, das Glück werde dem Sieger jenseits der Memel weniger günstig sein als diesseits. Der mächtige Korse stand wie einst Cäsar am Rubikon, und es war nicht an ihm, sondern an Kaiser Alexander von Rußland, die Folgen des Uebergangs zu erwägen.

Am 25. Juni fand eine Zusammenkunft zwischen Na­poleon und Alexander in einem Bretterhäuschen auf einem im Memelstrom verankerten Prahm statt. Der Ueberredungs- kunst Napoleons gelang es, den Kaiser von Rußland durch die Aussicht auf die Verwirklichung allrussischer Träume zu sich herüber zu ziehen. Vergessen war die weihevolle Stunde am Sarge Friedrichs des Großen in der Nacht vom 3. zum 4. November 1805, vergessen waren die Freundschaftsgelöb­nisse in Memel! Sein Gewissen suchte Kaiser Alexander dadurch zu beruhigen, daß er wenigstens ein gutes Wort für seinen Freund und Bundesgenossen einlegte. Am 26. Juni erschien König Friedrich Wilhelm III. in Tilsit. Wie hatte Napoleon sich auf den Augenblick gefreut, wo er ihn, wie fast alle anderen deutschen Fürsten es getan hatten, demütig bittend vor sich würde stehen sehen! Er sollte sich aber täuschen. Voll Hoheit und getragen von einem guten Ge­wissen, sill aber bestimmt, traurig aber ungebeugt trat der Erbe des Ruhmes Friedrichs des Großen vor ihn hin. Auch die edle Königin Luise kam von Memel nach Tilsit, um für ihr Land zu bitten. Es war für sie, die von Napoleon

Feuilleton.

CoseH07.

Der treffliche, von glühender Vaterlandsliebe beseelte Major Graf Friedrich Wilhelm von Goetzen wurde nach den schweren Schicksalsschlägen, die Preußen im Herbst 1806 trafen, dem Generalbevollmächtigten für die Provinz Schlesien, dem Fürsten Ferdinand von Anhalt-Pleß, anfangs als Beistand" zugeteilt, einige Monate später aber vom Könige zum Generalgouverneur ernannt. Unter ungeheuren Schwie­rigkeiten, nicht zum wenigsten durch unausgesetzte Kämpfe mit erbärmlicher Schwäche und Mutlosigkeit der verschie­densten eigenen Militär- und Zivilbehörden, ordnete er den Widerstand der Provinz gegen den anrückenden Feind. Ihm allein, dem Nimmermüden, nie Hoffnungslosen, mit wenigen todesmutigen Getreuen ist es zu verdanken, daß in Schlesien bis zum Friedensschluß noch preußische Fahnen wehen, preu­ßische Waffen blinkten, preußische Geschütze donnerten.

Wohl einer der herrlichsten dieser Getreuen, die unsere alte preußische Waffenehre retteten, war der Kommandant der kleinen Festung Cosel, der einundsiebzigjährige Oberst o. Neumann, dessen Nachkommen durch den Ehrennamen v. Neumann-Cosel das Andenken des greisen Helden wach­halten.

Von ihm, am 1. Dezember 1806 in Cosel angekommen, erhielt Graf Goetzen eingehende Nachrichten über den trau­rigen Zustand aller Verteidigungsmittel der Provinz und die Ratlosigkeit der meisten Behörden. Das Einfachste und Not­wendigste zur Instandsetzung der Festungen war bisher unter­blieben, es fehlte nicht allein an Schießbedarf und Gescyütz, sondern sogar an Lebensmitteln und Soldgeldern, die Re­kruten waren hastig wieder nach Hause geschickt, die Der- sprengten abgewiesen worden, weil man sie weder verpflegen noch löhnen konnte; die Depots der ausgerückten Kavallerie- Regimenter irrten, durch bloße Gerüchte aus ihren Garnisonen vertrieben, ohne jeden Befehl planlos im Land umher und hatten das rechte Oderufer geräumt, so daß selbst kleine Ab­

früher beschimpft worden war, ein schwerer Schritt, aber die Sorge um ihr geliebtes Preußenland trieb sie dazu. Aber umsonst opferte sie ihrem Lande ihren weiblichen Stolz; ihre Schönheit machte auf den Emporkömmling so wenig Eindruck wie der edle Anstand, mit dem sie die höhnischen Vorwürfe des Siegers zurückwies.

Am 9. Juli wurde der Friede von Tilsit geschlossen, in welchem Napoleon, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, dem Könige von Preußennur aus Achtung für den Kaiser aller Reußen" den kleineren Teil seines völlig verwirkten Staates zurückgab. Preußen mußte alle Besitzungen im Westen der Elbe mit Magdeburg abtreten, ferner mit Ausnahme einiger Teile von Westpreußen auch das polnische Gebiet, dazu Danzig und Thorn; von rund 5700 Quadratmeilen sank es auf rund 2870, von fast 10 Millionen Einwohner auf 4^/« Millionen. Zu diesen Bedingungen trat ferner die Zahlung einer noch nicht festgesetzten Kriegskosten-Ent­schädigung hinzu, bis zu deren ratenweiser Abtragung fran­zösische Truppen entsprechende Teile Preußens besetzt halten sollten. Schließlich mußte Preußen sich verpflichten, nicht mehr als 42 000 Mann Soldaten zu halten. So war Preußen, von seinem Bundesgenossen schnöde im Stiche ge­lassen, zu einem kleinen Staate zurückgesunken, der abhängig war von den Launen des französischen Kaisers und seiner Generale.

Mit den Beutestücken wurden Napoleons Bruder Jèrome, der König von Sachsen und Kaiser Alexander von Rußland ausgestattet, ^érönte erhielt das aus den preußischen Ge­bieten westlich der Elbe gebildete Königreich Westfalen, mit der strengen Weisung, Frankreichs Vorteil stets im Auge zu haben. Die polnischen Landesteile bekam zum größten Teil Friedrich August als Großherzog von Warschau, und Kaiser Alexander scheute sich nicht, einen Teil von Neuostpreußen, den Kreis Bialystock, anzunehmen.

Der Friede von Tilsit bezeichnet den Zeitpunkt der tiefsten Erniedrigung Preußens; und doch mischt sich in das Gefühl der Trauer, mit welcher das preußische Volk darauf zurück­blickt, heute, nachdem ein Jahrhundert darüber vergangen ist, zugleich der lebendigste Dank gegen den Lenker der Staaten, denn von jenem tiefen Fall inmitten unsäglichen Elends ging Preußens Wiedergeburt aus! Es sammelten sich die Edelsten und Besten aus allen Gauen des Vaterlandes um das Königs­haus, und fester noch und inniger ward in jenen Zeiten des Unglücks die Verbindung zwischen den Hohenzollern und dem preußischen Volke geschlossen. Ein neues Geschlecht erstand wie ein Phönix aus der Asche und scharte sich um den Thron, um, erfüllt mit patriotischem Geiste, dereinst in der Stunde der Entscheidung die Freiheit und die Ehre des geschändeten Vaterlandes wieder aufzurichten. Nun das schwere Unglück

teilungen von Bayern und polnischen Aufständischen die Landbevölkerung auspressen ung mißhandeln durften. Graf Goetzen, um alle Hebel sofort tatkräftig in Bewegung zu setzen, befahl, alle Kavallerie-, Artillerie- und Trainpferde, soweit sie irgend erreichbar, bei Cosel zusammenzuziehen, die Montierungskammern, Tuchvorräte, Gewehre, Pulver und fertige Patronen nach der Festung zu bringen; außerdem berief er die Landräte und höheren Standesbeamten zur Be­ratschlagung dorthin und ordnete schleunige Rekrutenaus­hebung an. Das ging nun keinesfalls glatt ab, sondern es erfolgten scharfe Reibungen selbst mit gutgesinnten und in ihrer Art tüchtigen Kräften.

Von Cosel aus reiste Graf Goetzen über Brieg nach Breslau, um noch zu retten, was zu retten war; wie er an den König über Brieg berichtete, sei hier beispielsweise wieder­gegeben :Brieg fand ich in der schlechtesten Verfassung, alle Festungswerke waren im höchsten Grade vernachlässigt, keine Zugbrücke im Stande und sogar das Thor, welches nach Breslau führte, eingefallen. Der Kommandant, ein ganz invalider Mann, war unfähig, etwas mit Nachdruck zu be­treiben, und der Ingenieur de la place (vom Platzl klagte mir, daß beinahe noch gar nichts zur Vertheidigung geschehen sei, welches nun bei der eintretenden rauhen Witterung um so schwieriger wäre; besonders fehlte es an Arbeitern und Artilleristen, und es war nur ein nicht ganz invalider ArttUe- rieoffizier daselbst; hingegen befanden sich in dieser Festung große Vorräte an Mehl, Pulver, Eisen, Munition, Armatur und Montierungsstücken." , _

Teils sehr viel schlechter, teils nicht viel besser stand es mit den anderen festen Plätzen, und so ist es nicht zu ver­wundern, daß trotz heißer Anstrengungen bis zum Friedens­schluß alle vom Feind berannten Festungen Schlesiens fielen, mit nur drei Ausnahmen. Die schweren Unterlassungssünden der Friedenszeit konnten eben durch kurze, wenn auch noch so hingebende Tätigkeit nicht wett gemacht werden. Preußen hatte auf den Lorbeeren Friedrichs des Einzigen Nicht lloß ausgeruht, nein, es war fest eingeschlafen. ,

Um so höher ist die Verteidigung der kleinen Wasser- festung Cosel durch den alten, todkranken Obersten v. Neu­mann zu veranschlagen; Alter und Krankheit vermochten ne

hereingebrochen war, begann man, seinen Ursachen nachzu« forschen, und fing an, einzusehen, daß man selbst zum großen Teil es verschuldet hatte. Im innigsten Anschluß an daS erhabene Königspaar, welches als Muster würdiger Ergebung, geistiger und sittlicher Kraft voranleuchtete, strebte das ganze Volk, sich eines besseren Geschicks für die Zukunft durch innere Umkehr wert zu machen, und so ist das Unglück von Jena und Tilsit, als der Urquell der Wiedergeburt Preußens, unter Gottes gnädigem Beistand ein Segen für unser Vater­land geworden!

Politische Rundschau.

Der Minister des Innern von Moltke verab­schiedete sich in Königsberg i. Pr., seinem bisherigen Wirkungs­kreise, von den Bureau-, Kanzlei- und Unterbeamten des Oberpräsidiums sowie von den Beamten des Provinzial- Schulkollegiums. Er richtete an die im Konferenzzimmer des Oberpräsidiums versammelten Beamten mit bewegter Stimme etwa folgende Ansprache: Seine Majestät der Kaiser und König haben, wie Sie wissen, mich auf einen anderen Posten berufen. Wie ein pflichttreuer Soldat muß ich dem Ruse Folge leisten; das muß man um so mehr, wenn man auf einen exponierten Posten gestellt wird. Es wird mir schwer, aus der schönen Provinz zu scheiden. Ich danke Ihnen allen für Ihren Fleiß und Ihre Unterstützung, wodurch Sie mir mein Amt leicht gemacht haben. Uebertragen Sie, bitte, das Vertrauen auf meinen Amtsnachfolger, der mich schnell ersetzen wird. Leben Sie wohl und behalten Sie mich in gutem Andenken."

Ersatzwahl. Bei der am 4. Juli stattgehabten Reichs­tagsersatzwahl im Kreise Oldenburg 3 wurden insgesamt 15 745 Stimmen abgegeben; hiervon erhielt Graf v. Galen (Ztr.) 14 909, Woebken (nat.-lib.) 686, Hennings (fr. Vpt.) 52 und v. Fricken (Zentr.) 27 Stimmen. Zersplittert waren 71 Stimmen.

Deutscher und Preußischer Kriegerbuudestag zu Thorn. Die Versammlung ist aus allen Teilen des Reiches recht zahlreich beschickt. Ueber den Bau eines Ge­schäftshauses berichtete General z. D. Bartels-Berlin, daß dasselbe zu Berlin in der Gaisbergstraße errichtet und bis zum Herbst n. I. vollendet werden soll. Es wird gleichzeitig dem Deutschen und dem Preußischen Kriegerbunde ein Heim gewähren und zur besseren Verzinsung auch einige Läden und im 2. und 3. Stockwerk auch Wohnungen enthalten, Im 4. Stockwerk soll die Sterbekasse und parterre die Ver­waltung der beiden Kriegerbunde untergebracht werden. In den Vorstand wurden die Herren Dr. Kohl und Back» Hausen-Berlin und in den Aufsichtsrat die Herren Geh. Reg.- rasche Entschlußfähigkeit und eiserne Tatkraft dieses echten Soldaten aus Friedrichs Zeit nicht zu brechen. Bis zuM letzten Atemzuge und darüber hinaus beherrschte sein startet Geist die anvertraute Feste.

Seine treuesten und tüchtigsten Waffengehilfen waren der siebzigjährige Artillerieoberst v. Pitttkammer, der nach dem Tode des Kommandanten die Verteidigung leitete, Haupt­mann v. Otto, der zweite Vizekommandant Hauptmann v. Keibel, und noch besonders werden auch erwähnt die Hauptleute Ferdinand v. Lüttwitz, Caspari und o. Wo- strowski. Obwohl auf 6000 Mann in der Vorschrift ange- gesetzt, erreichte die Besatzung in ihrer höchsten Stärke nur 4249; die volle Hälfte, aus Polen bestehend, war ganz un* zuverlässig und riß massenweise zu den Aufständischen aus; ihre Bewachung durch die guten Truppen bildete eine der aufreibenden Schwierigkeiten der Belagerung, doch hielt Oberst v. Neumann, obwohl er diese Leute am liebsten ganz los geworden wäre, des Beispiels halber mit äußerster Schärfe die Zügel fest und strafte unnachsichtlich Meuterer und etn« gebrachte Ausreißer durch Pulver und Blei.

Ein anderer, niederdrückender Umstand war die damals entsetzlich ungesunde Stadt. So wird zum Beispiel vom 1. bis 10. März vermeldet: 15 Offiziere, 412 Mann front, 111 hoffnungslos, 80 Genesende - und am 1. April: 24 Offi­ziere, 26 Unteroffiziere, 554 Mann, 11 Eisbauern (zum Auf­eisen der Festungsgräben) krank, und 300 Genesende. Außer­dem lag an diesem Tage Hauptmann Kerbel, bald darau, der Kommandant am Nervenfieber darnieder. Von den 89? Einwohnern starben während der Belagerung 6/. Welch furchtbare Sprache reden solche Zahlen.

Am 23. Januar erschien, mit der Belagerung beauftragt, die bayerische Division Deroy in der Stärke von 6000 Mann und 30 Geschützen vor der Festung. Die am Tage darauf erfolgende Aufforderung zur Uebergabe wurde ohne Verhand­lungen höflich, aber bestimmt abgelehnt.

Die Belagerungsarbeiten begannen, und am 4. Februar wurde das Feuer gegen Festung und Stadt eröffnet. Alle Kasernen bis aus eine, sowie der vierte Teil der Stadt san­ken in Schutt und Trümmer, doch wurde die Beschießung