Zweites Blâ
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei d«S verein.
General-Anzeiger
Arntliihes Organ für ÄaU- und Landkreis Hanau.
e». Waifenhmlses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die filnfgespaltene Petitzeile oder deren Nau n 20 Pfg^ im Reklamenteil die Zeile 35 Psg.
Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Ml. 6 Fernsprechanschlich Nr. 605»
Dienstag den 8. Jannar
^ernsprechanschlirß Nr. 605, 1907
politische Rundschau.
Kaisermanöver. In der Neujahrsansprache an die kommandierenden Generale hat sich der Kaiser, der „Mil.- pol. Korrespondenz" zufolge, nochmals sehr anerkennend über die Leistungen des III. V. und VI. Armeekorps im vorjährigen Kaisermanöver bei Liegnitz ausgesprochen. DaS diesjährige Kaisermanöver wird in den Tagen vom 9. bis 18. September zwischen dem VII. (westfälischen) und X. (Hannoverischen) Armeekorps in der Gegend östlich von Münster i. W. stattfinden. Beide KorpS werden durch Truppenteile des IV., VIII., IX., XL und des Gardekorps auf drei kriegsstarke Divisionen mit je einer selbständigen Kavalleriedivision gebracht werden.
Preußischer Landtag. Als Vorlagen, die dem Landtage sofort nach seinem Zusammentritt oder im Laufe der Session zugehen sollen, werden bis jetzt genannt: die Novelle zum Berggesetz, Novelle zum Fischereigesetz, Staatsvertrag mit Bremen wegen Regulierung der Unterweser, Jagdgesetz, Sparkassengesetz, Gesetz betr. Veranstaltung von Städten und landschaftlich hervorragenden Gegenden, Wander-Arbeitsstätten- Gesetz usw.
Verlustliste auS Südwestasrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Anton Astertag, geboren zu Ziemetshausen, früher Bayer. 7. Chevauxleger-Regiment, auf Patrouille bei Dassiefontein gefallen. Am 1. Januar an Krankheiten gestorben: Gefreiter Gustav Voigt, geboren zu Lichtenberg, früher Fußartillerie-Regiment Nr. 15 in der Kranken-Sammelstelle Rehoboth an Typhus; Reiter Paul Manke, geboren zu Wismar, früher Ulanen-Regiment Nr. 9, im Lazarett zu Keetmanshoop an Typhus und Skorbut. Seit dem 25. Dezember bei Otjeamongombe vermißt: Gefreiter Robert Trichterborn, geboren zu Gangloffsömmern, früher Jäger-Bataillon Nr. 11.
Die Unruhen in China. Nachrichten aus privaten Quellen zufolge gewinnt es den Anschein, als ob die Unruhen in der Provinz Kiangsi noch nicht beendet seien. Die Rebellen suchten Zuflucht im Gebirge. Aus Schantung wird gemeldet, daß dort große Unruhe herrsche. Räuberische Ueberfälle sind häufig; es macht sich die Tätigkeit mehrerer geheimer Gesellschaften bemerkbar; ein großer Teil der Bevölkerung ziehe in die Städte und die befestigten Plätze. Die Anstrengungen Auanschikais und des Gouverneurs 2)ang seien auf die Einschränkung der Unruhen auf ein Gebiet und auf die Verhinderung des Eindringens der Aufständischen in Tschili gerichtet. Besonders bemerkenswert ist das Zusammenwirken der Beamten von verschiedenen Provinzen bei der Unterdrückung der Unruhen, während früher jede Proyinz für sich selbst handelte.
Feuilleton.
Aus der Welt der Technik. Allerlei Von Frost und Hitze.
Nach der naturwissenschaftlichen Auffassung unserer Tage ist die eigene Wärme eines Körpers nichts anderes als eine schwingende Bewegung, ein Hexenwirbeltanz seiner kleinsten Teilchen. Je heftiger tiefe tanzen, desto heller erscheint uns tier Körper, je weniger sie sich bewegen, desto kälter ist er.
Machen wir uns einmal diese Anschauung, welche eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit für sich hat, zu eigen, so gewinnen wir sofort zwanglos einen neuen Begriff, nämlich den des absoluten Nullpunktes. Wir können uns sofort einen Zustand des Körpers denken, bei welchem seine kleinsten Teilchen völlig zur Ruhe gekommen sind, also gar keine Eigenbewegung, gar keine Wärme mehr enthalten. Ein solcher Körper befindet sich dann auf dem absoluten Tempe- raturnullpunkt, eine größere Kälte ist nicht mehr denkbar. Physikalische Beobachtungen und Ueberlegungen, aus die hier näher einzugehen nicht der Ort ist, zwingen zu der Annahme, daß dieser absolute Nullpunkt bei 273 Grad Celsius unter Null liegt. Eine größere Kalte gibt es nicht, denn stiller wie still können die kleinsten Teilchen eines Körpers ja nicht stehen und wenn jemand von 300 Grad Kälte spricht, so ist das ein Aprilscherz.
Im Gegensatz zur Külte ist das Gebiet der Hitze sehr viel ausgedehnter. Hier können wir mit Hunderten und Tausenden von Graden rechnen. Theoretisch können wir ja wenigstens den Wärmetanz der kleinsten Teilchen bis ins Unendliche gesteigert annehmen. Zunächst einige Worte über die Praxis. Bereits mit einem einfachen Kochfeuer können wir dickes Oel, Quecksilber und dergleichen auf einige 300 Grad erhitzen. Die blaue Flamme unserer Auergasbrenner dürfte bereits eine Temperatur von etwa 800 Grad haben. In einem einfachen Schmiedfeuer erreichen wir bereits zwanglos die Schweißhitze des Eisens, d. h. 1600 Grad. Bei tiefer
Falsches Rechenexempel.
Von den oppositionellen Parteien wird immer wieder die Behauptung aufgestellt und für ihre Zwecke ausgebentet, daß zur Niederwerfung des Hottentottenaufstandes in Südwestafrika im Hinblick auf die geringe Zahl der Aufständischen eine viel zu große Truppenmacht verwendet werde. Das von ihnen ausgestellte Rechenexempel ist aber ganz und gar falsch. Schon zur Zeit des Hereroaufstandes war man erstaunt, daß gegen die Wilden eine größere Truppenmacht aufgeboten wurde. Man wunderte sich aber noch mehr darüber, daß die Gefechte trotzdem mit verhältnismäßig geringen deutschen Kräften geschlagen wurden. Alte Kolonialmächte erstaunen nicht über dergleichen. Daß das bei uns geschieht, liegt teilweise wohl daran, daß man noch immer nicht die Schwierigkeiten begriffen hat, mit denen unsere Soldaten in Südwestafrika zu kämpfen haben. Nicht die im einzelnen Falle gegenüberstehenden Feinde sind dort die Hauptgegner, sondern die Ausdehnung und die Unwegsamkeit des Landes, die geringe Kultur und der Mangel an Lebensmitteln und Wasser. Die 8000 Mann, die augenblicklich als noch unumgänglich nötig für die Kolonie verlangt werden, verteilen sich auf ein Gebiet, das anderthalbmal so groß ist wie das deutsche Reich. Eisenbahnen sind kaum vorhanden; feste Wege ebenfalls nicht.
Von unserer Schutztruppe stehen annähernd 2000 Mann im Norden und müssen dort auch stehen bleiben, um die unruhigen Elemente unter den Eingeborenen zurückzuhalten. Das Leben der Farmer ist doch wohl zu kostbar, um Versuche mit der Zurückziehung der Truppen zu treiben. Wir haben genug schlechte Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht ; sie sind noch in frischer Erinnerung: 123 A n - siedler wurden im Hererolande ermordet, weil nicht genügend Truppen da waren, um sie zu schützen. Die für den Süden der Kolonie noch übrig bleibenden 6000 Mann sind ^ber dort ebenfalls nötig, vor allem deshalb, weil die TKppen etwa 500 Kilometer von der Küste entfernt kämpfen. Nach Abzug der notwendigen Kräfte für die Etappen, Sicherung der Transporte u. s. w. bleiben rund 4500 Mann. Hiervon gehen aber noch die Mannschaften für die Telegraphen- und Heliographen- Stationen und zur Sicherung der Proviant- und.. Munitionsdepots und der Herden zur Versorgung der Truppen mit frischem Fleisch ab. Ferner gehen 10 v. H. Kranke, Aerzte und Lazaretipersonal ab. Zieht man außerdem immer die große Entfernung und die schlechten Straßen in Betracht, die zur Zersplitterung der Kräfte führen, dann wird man begreifen, daß nur wenig als fechtende Feldtruppe übrig bleibt. Das ist aber nichts Außer-
Temperatur erstrahlen sämtliche festen Körper wie Metall, Stein und dergleichen bereits in reiner Weißglut. Wollen mir nun die Hitze intensiv weiter treiben, so haben wir drei Wege. Wir können ein Knallgasgebläse verwenden. Dabei strömen aus zwei Rohrleitungen reiner Sauerstoff einerseits und Wasserstoff oder Acetylengas andererseits zu einer gemeinsamen Austrittsdüse und treten hier in Forni einer kaum sichtbaren blaß blauen Flammenzunge ins Freie. Die Temperatur eines derartigen Knallgasgebläses liegt jedenfalls beträchtlich über 3000 Grad. In der modernen Werkstätten- technik benutzt man diese Knallgasflammen, um damit starke stählerne oder eiserne Kesseibleche wie Wachsplatten zu zerschneiden. Die extrem heiße Flammenzunge wirkt dabei praktisch wie ein scharfes Sägeblatt. Richtetz man diese Flamme gegen einen Granitstein, so fließt er an der getroffenen Stelle wie Wasser auseinander. Nur sehr wenige Stoffe, darunter die Bestandteile der neuesten Glühlampen, das Tantal, das Osmium und das Wolfram dürften dieser Flamme stand halten.
Als zweite Quelle großer Hitze kennen wir die chemischen Wahlverwandtschaften. Das bekannteste Verfahren dieser Art ist das aluminothermische Thermitoerfahren. Das Thermit ist eine Mischung von Eisenoxyd und metallischem Alu- miniumpulver. Das Eisenoxyd ist eine Verbindung von metallischem Eisen Und Sauerstoff. In der Kälte bleibt der Sanerstoff ruhig beim Eisen. In der Wärme wird er sich dagegen seiner gewaltigen elementaren Zuneigung zum Aluminium bewußt. Er reißt sich vom Essen los und vereinigt sich mit dem Aluminium zu Aluminiumoxyd oder Tonerde. Dabei erhitzt sich dies Gemenge ebenfalls auf ungefähr 3000 Grad Wärme.
Während wir bei den beiden eben besprochenen Verfahren nur auf etwa 3000 Grad kamen, keimt das dritte Verfahren, die Erwärmung durch den elektrischen Strom, eine solche Grenze nicht. Wenn wir durch irgend einen Leiter, zürn Beispiel durch einen Metall- oder Kohlendraht, einen Strom schicken, so erwärmt sich dieser Draht, und zwar ist die Erwärmung proportional dem Quadrat der Stromstärke. Der Draht mag sich nun zum Beispiel bei 1 Ampere um 100 Gr. erwärnurn. Dann wird er sich bei 2 Ampere um 400 Gr.,
ordentliches, nichts Ungewöhnliches; in allen Kolonialkriegen macht man die gleiche Erfahrung, an die auch wir uns noch gewöhnen müssen. Von dem, was mau aber schließlich als fechtende Truppe bezeichnen kann, geht noch vieh ab: alle Leute, die beim Lager bleiben müssen, wenn die Truppe ausrückt, die Bedeckung der Bagagen, Verbindungsstationen und Verbindungspatrouillen, im Gefecht selbst die Pferdehalter. Man kann sich daher nicht darüber wundern, wenn wir viele kleine Abteilungen von 100 bis 200 Mann, Kompanien mit 40 Gewehren an den Feind gelangen sehen.
Die Ergebung der Bondelzwarts hat uns unbedingt dem Ende des Krieges näher gebracht. Aber selbst weun sich noch andere der im Felde stehenden Banden (Simon, Copper, Fielding, Morris, Stuermann) ergeben hätten, wären wir nicht in der Lage, die Truppen gleich zurück;uziehen. Das wurde schon in der dem Reichstage im November 1906 zur Begründung der Notwendigkeit des Eisenbahnbans Kubub— Keetmanshoop vorgelegten Denkschrift ausgeführt. Wer aber die Truppen zu früh und zu stark vermindert, der versündigt sich an unseren braven Truppen, die heldenmütig allmählich den Feind bezwungen haben, und denen nun die Früchte ihrer Anstrengungen entrissen iperden; er versündigt sich auch an unseren Farmern. Wer sollte an der Fortsetzung des Krieges Freude haben? Am wenigsten doch die Regierung, die um die Millionen kämpfen muß! Was an Truppen zurückgezogen werden kann, wirb zurückgezogen; darüber ist kein Einsichtiger im Zweifel. Und doch gibt es Leute, die allen Erklärungen zum Trotz und gegen alle bessere Einsicht mit parteipolitischem Starrsinn die Frage erneuern: Warum 8000 Mann ?
Zur Lage in Marokko.
Trtttfler, 7. Jan. Kriegsminister Gebbas setzte einen Preis auf den K'opf Raisulis aus, dem er einen Hinterhalt zu stellen versuchen wird. Die Mahalla wird in Guaret, sechs Kilometer von Zinat, ein vorläufiges Lager beziehen.
Tanger, 7. Jan. (Agence Havas.) In Araberkreisen läuft das Gerücht um, daß Raisuli am 7. Januar vormittags von seinem Schwager ausgeliefert worden sei. Wenn dem Gerücht auch bisher die amtliche Bestätigung fehlt, so erscheint es doch glaubhaft, da Raisulis Schwager sich bereit erklärt hatte, ihn für eine Geldbelohnung anszuliefern.
Tanger, 7. Jan» (Agence Havas.) Es heißt, daß der Stamm der Madras mit dem Maghzen über seine Unter, werfung verhandle. Man glaubt, der Stamm hätte sich dazu entschlossen, um nicht durch die Mahalla gebrandschatzt und geplündert zu werden. Raisuli soll sich bei diesem Stamme befinden. — Nach einer anderen Meldung soll sich
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bei 3 Ampere um 900 Gr. und bei 10 Ampere um 10 000 Gr. erhitzen. Damit hätten wir also theoretisch das Mittel, beliebig hohe Temperaturen von vielen tausenden von Graden zu erzielen. In der Praxis sieht das Ding freilich ein wenig anders aus.
Sobald wir unsern Strom derartig steigern, daß die Erwärmung die kritische Grenze von 3000 Grad übersteigt, gehen so ziemlich alle Körper in den dampfförmigen Zustand über und die Herrlichkeit hat sofort ein Ende. Selbst die so spröde Kohlß, die durchaus nicht schmelzen will, verpufft momentan zu Rauch und Dampf, sobald eine derartige Strom- und Wärmesteigerung eintritt. Die allerhöchsten Temperaturen, die man im elektrischen Ofen zwischen möglichst schwer schmelzbaren Körpern, wie Graphit, Schlacken- stein imb dergleichen mehr, erzeugt hat, dürften daher 4000 Grad kaum übersteigen. Gewiß samt man ja auch in einen solchen Ofen derartig viel Strom einleiten, daß theoretisch Temperaturen von 10000 und mehr Graden entstehen müßten. In der Praxis jedoch wird einem ein derartiger Ofen in einem Falle einfach um die Ohren fliegen, weil sein Inhalt sich sofort zum großen Teil in Dampf verwandelt.
Man kann daher wohl annehmen. daß mit 4000 Graden die höchste Temperatur erreicht ist, welche wir zurzeit mit unseren irdischen Hilfsmitteln hergestellt haben und herstellen können. Es wären wohl Laboratoriumsversuche denkbar, bei welchen man einen solchen elektrischem Ofen in eine außerordentlich widerstandsfähige Stahlkapsel einschließen und unter gewaltigem Druck weiter erhitzen könnte. Dabei würde es vielleicht gelingen, unter einem Druck von einigen 1000 Atmosphären die Temperatur noch höher bis an die 10000 Grad heranzutreiben. Derartige Versuche sind jedoch außerordentlich kostspielig und bisher noch nicht durchgeführt worden, obwohl sie uns wahrscheinlich eine Schmelzung der Kohle in großem Maßstabe und damit auch eine Herstellung von großen Diamanten auf künstlichem Wege bringen würden.
Anders sehen die Dinge auf der Sonne aus. Dort herrschen ganz andere Drucke als auf unserer kleinen Erde. Man darf daher wohl annehmen, daß dort die Temperatur von 10000 Grad ohne weiteres erreicht wird, und in bei Tat neigt man auf Grund bestimmter physikalischer Messungetz