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Ititailenlbruct und Verlag der Buchdruckerei der verâ o» Waisenhäuser in Hanau.
AAllithes Organ für ÄaU' UN) Fandkktls Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tonn- Md Feiertage, mit belletristischer Beilage
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Ar. 286 Fer»spr«chaiischl«h Nr. 605.
Samstag den 7. Dezember
Ker>Uprecha»fchluz Nr. 605. 19 07
Die heutige Nimm mW ««her d.NuicihuIisuzSbluit
8Ä Seiten.
Slmtliches.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
An der Nacht vom 4. auf den 5. d. Mts. wurde das Drahtseil, an dem eine der Bogenlampen am Theater auf« gehängt war, zerschnitten, infolgedessen die Lampe Herunter- fiel und zertrümmerte.
Wir sichern demjenigen eine Belohnung von 20 Mk. zu, der uns den oder die Täter namhaft macht, daß gerichtliche Bestrafung erfolgen kann.
Hanau den 6. Dezember 1907.
Der Magistrat
Dr. GebeschuS. 26137
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanan, 7. Dezember.
♦ Stadttheater. Die Direktion will niemanden Henry Bernstern's packendes Stück „Der Dieb" vorenthalten und hat sich entschlossen, trotzdem gerade dieses Werk große Anschaffungskosten verursacht hat, dasselbe morgen bei kleinen Preisen zu geben. „Der Dieb" hat bei seinen bisherigen Aufführungen atemlose Spannung des Publikums und wahre Beifallsstürme bernorgerufen und wird auch morgen wieder seine gewaltige Wirkung ausüben. Die Abendvorstellung bringt eine Lustspielnovilüt „Unsere Käte". ein außerordentlich tiefempfundenes, stimmungsvolles und doch heiteres Werk von „Davies", welches bei vorzüglicher Inszenierung und Darstellung mit Irl. Rohn-Ressel und Herrn Korff in den Hauptrollen großen Anklang bei allen Hörern finden wird.
* Kunstverei». In der Aula der Kgl. Zeichenakademie findet vom 8. Dezember 1907 bis zum 5. Januar 1908 eine Ausstellung von Gemälden statt (Kollektivausstellung von Lndw. Koch-Hanau).
* Die Hanauer Ortsgruppe des kath. kaufmânn. Vereins Frankfurt a. M. macht auf den nächsten Dienstag, abends punkt 9 Uhr, stattfindenden Vortrag des Herrn Oberlehrers A. Manz aus Frankfurt aufmerksam. DaS Thema, die Fortsetzung deS letzten Vortrages über Sibirien, verdient besondere Beachtung, weshalb alle kathol. Kaufleute und Beamte um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen gebeten werden.
* Der katholische Arbeiterverein dahier hat morgen früh in der V«8 Uhr-Messe Generalkommunion. Es ist auch «SSM—— ■■ l_LMi_Li I. I .............
Feuilleton.
Hanauer Stadttheater.
Ueber das morgen in unserem Stadttheater erstmalig zur Aufführung kommende Lustspiel: „Unsere Käte" von H. H. Davies schrieben die Berliner Zeitungen anläßlich der Premiere im Lustspielhaus folgendes:
„Berliner Neueste Nachrichten". Im Lustspielhau« ging gestern abend Hubert Henry Davies' dreiaktiges Lustspiel „Unsere Käte" in Szene und hatte einen glänzenden Erfolg. Die Handlung ist sehr einfach und fast frei von Verwickelungen — und doch fesselt es durch seinen köstlichen Hllmor und den natürlichen Ton, der sich durch daS ganze Stück hindurchzieht.
„Berliner Lokal-Anzeiger". Das Lustspielhaus fährt in seinem Kampf gegen die sommerlichen Fährnisse tapfer fort. Gestern folgte die Erstaufführung des englischen Lustspiels „Unsere Käte" von Hubert Henry Davies, dessen drei Akte dem Publikum ehrliches Vergnügen zu bereiten schienen. Es wurde viel gelächelt, oft gelacht und nach den Aktschlüssen, insbesondere nach dem Schluß des 2. Auszuges so aufopfernd geklatscht, als gelte es, eine Winterpremiere zu feiern. Der muntere, von B. Pogson flüssig verdeutschte Dialog hebt den überwiegend günstigen Eindruck des Schwankes.
„Berliner Tageblatt". Das Lustspiel gefiel dem Publikum überaus gut und enthält in der Tat einige sehr hübsche Stellen und auch gelegentlich Ansätze zu künstlerischer Gestaltung.
„Berliner Morgenpost". Es gibt ein paar Wendungen drin, die ganz allerliebst und echtes Lustspiel sind, und wenn auch der besten Szene des Stückes die glaubhaft motivierte Basis fehlt, so ist sie dafür im Detail recht lustig und nicht ohne muntere Einfälle. Die Figuren sind alle sehr sauber
durch die Statuten festgelegte Ehrenpflicht für jedes Mitglied, sich daran zu beteiligen. 'Die hl. Messe ist für die verstorbenen Angehörigen der Mitglieder. Abends V»9 Uhr ist sodann Familienzusammenkunft im Vereinslokal zum Braustübl, bei der ein Vortrag gehalten wird über „Die soziale Tätigkeit des katholischen Ordenslebens."
* Große Tanzstunde findet morgen Sonntag abend im Saale zur „Stadt Bremen" statt.
* 1. H. F -C 1893 Hierdurch verweisen wir nochmals auf das morgen nachmittag halb 3 Uhr stattfindende Wettspiel des 1. H. F.-C. 1893 mit Stuttgart Kickers. Stuttgart, das den Meister von Schwaben repräsentiert und dem eS schon in dieser Saison gelungen war den vorjährigen süddeutschen Meister den Pforzheimer F.-C. mit 7:1 zu schlagen, stellt seine besten Elf, denen gegenüber Hanau eine schwere Stellung haben wird. Familienkarten a Mk. 1.—, sowie Einzelkarten â 50 Psg. sind bei den Mitgliedern und bei Herrn Salzmann im Vorverkauf zu haben.
* Hanauer Fußballklub „Viktoria" 94 — Frankfurter Fußballklub „Britannia". Morgen, Sonntag nachmittag, stehen sich auf dem Sportplätze der „Viktoria" die ersten Mannschaften obengenannter Vereine im Wettspiele entgegen. Frankfurt verfügt über eine recht gute Mannschaft und dürfte somit ein interessantes Spiel zu erwarten sein. Anfang 2°/» Uhr.
* Entführt Einem Milchhändler aus Kahl wurde gestern das Pferd und der Wagen entführt. In Roßdorf fand man das Gefährt führerlos vor. Man nimmt an, daß es sich um den Streich eines halbwüchsigen Buben handelt.
* Eentralhalle. Der Kinematograph im Dienste der Wissenschaft, so lautet für Sonntag die Ankündigung der Centralhalle. Es ist wohl ohne Zweifel, wenn man denkt, die ganze Bühne verwandelt sich in die Nordsee und man sieht auf derselben unsere erhabene deutsche Kriegsflotte, wie dieselbe unter dem Befehl Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen das große Flottenmanöver 1907 unserer gewaltigen deutschen Kriegsflotte uns lebendig vor Augen führt, es ist dieses ein Naturschauspiel allerersten Ranges. Herr H. S ch e I l h a s e aus Berlin hat aber auch in seinem weiteren Programm für genügend Abwechselung gesorgt, so zum Beispiel die Wanderung durch den Zoologischen Garten in London ist eine herrliche Naturaufnahme von seltener Art. Auch wollen wir nicht versäumen die wnnder- schöne Sportszene, Turnübungen einer Londoner Waisenschule, zu erwähnen. Der humoristische Teil liegt in den besten Händen. Die Aufführungen werden durch Konzert begleitet.
* Kltnstttoikz. Die Dezemberausstellung im Kunstsalon Hermes Frankfurt o. M. bringt Kollektiv-Ausstellungen von Heinrich Vogeler, Worpswede, 24 Gemälde, Hermann Frobenius, München, 6 Gemälde, Leopold S ch m ntzl ex, München, 13 Gemälde, und Hermann Hendrich, Berlin, im Umriß gezeichnet, alle von einem resoluten BühnenpraktiknS auf die „gute Rolle" hin zugespitzt und wo auch übertrieben wird, 'ba geschieht eS mit einem liebenswürdigen Humor. Allenfalls sind die Wirkungen auf ihre schließliche Unfehlbarkeit hin gut berechnet und das Resultat ist, daß man sich ganz gut amüsiert. Käte ist ein Mädchen von 30 Jahren, Schriftstellerin, strammer, guter Kerl, klug, so etwas wie ein Liebling und Berater der ganzen Familie. Darum nürb sie auch von Frau Spencer aus London nach einer kleinen Stadt gebeten, um dort ein Familienmalheur gerade zu biegen. Frau Spencers Tochter Annie ist nämlich drei Tage vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam verlassen worden. Das junge Mädchen interrssiert sich nämlich mehr für anderes als für die Kunst nnd verlangt vom Bräutigam die Zusicherung, baß er in der Ehe alles „Leidenschaftliche" vermeiden würde. Das hat dem jungen Manne nicht gefallen und darum läßt er die Kleine sitzen. Nun soll Käte die Sache in Ordnung bringen, sonst gibtS ja einen-Skandal. Käte kommt aus London und macht sich gleich an die Arbeit. Sie ahnt nicht, daß der wieder einzufangende Bräniigam. derselbe junge Mann ist, der ihr Kupeegenosse war und in den sie sich heftig verliebt hat. In dem Hause, das für das junge Ehepaar eingerichtet ist und wohin sie geht, um zu lüften, fommt sie mit dem Reisegefährten zusammen. Er steigt einfach durchs Fenster, denn es ist ja auch sein Haus. Hier gibts nun die hübsche, typischenglische Liebesszene, mit Teelochen, Feuermachen, mit den hauswirtschaftlichen Arbeiten junger Männer, über die sich die Engländer in ihrem Sinn für alles Häusliche so gut amüsieren. Was dann noch nachkommt, ist die übliche Aufklärung. Zuerst wird Käte von ihren Verwandten als Intrigantin beschimpft, dann aber, nachdem die gute Haustochter sich mit einem Vicar verlobt hat, wieder geküßt.
11 Gemälde. Ferner verschiedene hübsche Skulpturen von Max Levy, Berlin, und Hans Harry Liebmann, Berlin. Von Einzelwerken sind zu erwähnen: I. Zuloaga „Da» Zigeunerkind", Fritz Steinmetz „Reeder und Kapitän", Karl Bartels „Winterlandschaft", G. v. Max sowie ein sehr wertvolles Bild Segantinis, auf welches wir besonders aufmerksam machen..
* Evangelischer Männerabend. Im Saale des Hotels „zum Riesen" wurde gestern der letzte diesjährige ev. Männerabend abgehalten, der sich eines recht guten Besuches zu erfreuen hatte. Herr Superintendent Fritsch knüpfte an seine Begrüßungsansprache den Wunsch, daß der Sinn für kirchliches Leben immer weitere Kreise ziehen, ein jeder daran mitarbeiten möge, daß kerniges, gesundes christliches Leben in unserer Gemeinde stets eine kräftige Pflege- stätte finde. Er erteilte dann Herrn Lie. Bohn-Berlin, Generalsekretär der Allgemeinen Konferenz der Deutschen Sittlichkeits- Vereine, das Wort zu dem angekündigten Referate über „Sittlichkeit, Volkswohl und Volksgesundheit". Er könne nur Probleme der Sittlichkeit erörtern, den Versuch machen, die brennenden Fragen der Lösung näher zu bringen, meinte der geschätzte Redner, ein in der Bewegung zur Bekämpfung der Ünsittlichkei viel genannter und leider auch oft geschmähter Geistlicher. Seiner heiklen Aufgabe entledigte er sich mit hohem sittlichen Ernste, der wohltuend empfunden wurde. Es würde für heute bei dem uns knapp bemessenen Raume zu weit führen, alle die Uebelstände und Verbesserungsvor- schiâge, die der Referent berührte, sowie den Inhalt bei fesselnden Vortrages hier anzuführen. Gegen schrankenlose Lebensbejahung, auch gegen die Sensationspresse und Schmutzblätter wandte er sich, um sodann geißelnd, gleichzeitig aber auch erbarmend verschiedene Gebiete zum Gegenstände ernster Eeörterungen zu machen. Bor allem redete er bei den Verbesserungsvorschlägen der Wohnungsfrage das Wort und führte aus, daß z. B. in der Goldstadt Pforzheim täglich 30—40 000 Arbeiter hereinkommen, abends aber die Stadt wieder verlassen, in die umliegenden Orte zurückkehren, woselbst sie sich eigene Häuschen mit Garten und Feld erworben haben. Daher komme es wohl, daß ei in Pforzheim mit der Sittlichkeit annehmbar bestellt sei. Die von dem Vortragenden behandelten Fragen waren von so weittragen-' der, tiefeingreifender Bedeutung für unser gesamtes Volksleben, daß der Wunsch nach weiterer Erörterung dieser An^ gelegenheit sicher ein berechtigter zu nennen ist. Der gezollt» Beifall war ein wohlverdienter, bei einem etwaigen Wieder- erscheinen am hiesigen Platz wird der Referent allseits willkommen sein. Herr Superintendent Fritsch wandte sich üt kräftigen Worten ebenfalls gegen den Schmutz in Wort und Bild, geißelte kräftig und unerschrocken die doppelte Moral, daß man auf die verführten weiblichen Wesen mit Fingern zeige, die Verführer aber sozusagen als Helden betrachte, von den zukünftigen Gattinnen sittliche Reinheit verlange, für die eigene Person aber schrankenlose Freiheit beanspruche. Auch aus der Mitte der Versammlung wurde in die Debatte eingegriffen, ein Beweis, daß die gegebenen Anregungen auk fruchtbaren Boden gefallen waren.
Weitere Berichte „AuS Stadt rind Land" im zweiten nnd dritten Blatt.
WeihnWdiite fit unsere Seeleute.
Wo werden wir in diesem Jahre Weihnachten feiern ? So fragen sich jetzt unsere Seeleute auf der Fahrt in fernen Meeren. Wer hilft uns unseren Gästen den Weihnachtstisch decken? so fragen die Hausväter und Hausmütter der deutschen Seemannsheime und schauen nach Hilfe aus der Heimat. Viele Tausende sind es, die sich in der Fremde schon seit Monaten auf die Weihnachtsfeier im deutschen SeemannS- heim freuen, und groß ist die Zahl derer, die dort mit Weihnachtsgeschenken erfreut, und denen durch die Weihnachtsfeier die Heimat ersetzt werden soll.
Daß meine vorjährige Bitte nicht ganz vergeblich gewesen ist, und ich in der glücklichen Lage war, durch Uebersendung von je 10 Mark die mir persönlich bekannten SeemannS- missionare zu Königsberg i. Pr., Danzig, Stettin, Sunderland, Rotterdam, Marseille und Genua bei Ausrüstung ihrer Weihnachtsbescherung zu unterstützen, gibt mir die Freudigkeit, mich auch in diesem Jahre mit der gleichen Bitte an die Freunde unserer Seeleute zu wenden.
Vergeßt nicht unserer braven Brüder zur See und helft ihnen den Weihnachtstisch decken!
Für jede, auch die Heirate Gabe, im voraus herzlich dankend.
Hanau. 1. Advent 1907.
E. Fritsch, Superintendent