Mittwoch den 6. März 1907
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Frankfurt a. M-, den 2. März 1907.
Vorsitzender: Dr. med. August Kno blau ch.
Der Vorsitzende begrüßt Herrn Prof. Dr. Ernst Häckel aus Jena, Korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft, der 'bem Vortrage seines Assistenten Prof. Schultz e beiwohnen wollte und am Vormittag den Neubau an der Viktoria-Allee in allen seinen Einzelheiten genau besichtigt hatte, um darin Anregung und Winke für das Phylogenetische Museum zu finden, das in Jena für die um- fangreiche Sammlungen W'IS geplant wird. Professor- Häckel dankt für den herzlichen Empfang und sprach der Gesellschaft seine volle Anerkennung über den zweckmäßigen Museumsban aus, dessen Besichtigung für ihn außerordentlich wichtig und lehrreich genesen sei.
Dann sprach P r o f. D r. L. S. Schultze, Jena, den der Vorsitzende auch als alten Bekannten und Freund auf das wärmste willkommen hieß, über:
„Die Ethnologie der Kalahari und ihrer Grenzgebiete."
Der Vortragende aibt einen Ueberblick über die Bevölkerung Südafrikas im Bereiche der Kalabari und ihrer Randgebiete, betrachtet vom Gesichtspunkte der Abhängigkeit des Völkerlebens, von den Faktoren der geographischen Lage des Klimas und des Landreliefs. Ein Vergleich der Dantustämme im Westen mit denen im Osten der Kalahari ergab einen großen Unterschied in der Kulturhohe, der Ovambo und Herero einerseits, und der Beischuanen andererseits. Die kulturelle Rückständigkeit der ersteren ist sicherlich zum großen Teile auf die Unzugänglichkeit der Küsten und den Küstenstrich zurückzuführen, der fast die ganze Westküste des außer- tropischen Südafrikas einfaßt. Andererseits haben sich die Betschuanen, deren Land wahrscheinlich schon in älterer Zeit den Kultureinflüssen zugänglich war, nach mehrfachen Rich- tungen hin als der Kultur genähert, zu erkennen gegeben. Im westlichen Randgebiet der Kalahari ist die Abhängigkeit der Lebensführung und politischen Organisation der Stämme von der Niederschlagsmenge und Bodengestaltung ihrer Heimatländer besonders klar nachzuweisen. In der zentralen Kalabari selbst erweisen sich die Eingeborenen (Bakalahari) trotz der ungünstigen Wasserverhältnisse, die diesen Teil Südafrikas zu dem unzugänglichsten und unwirtlichsten Gebiet gemacht haben, doch unverkennbar als Außenposten eines fest ansässigen Hirten- und Ackerbauvolkes, das am Ostrand der Kalahari große Gebiete mit Kafferkorn bepflanzt und seine reichen Weibenfelder für umfangreichen Herdenbetrieb ausnützt. Im schroffen Gegensatz zu diesen hochentwickelten Bantustämmen stehen die Reste der ältesten Urbevölkerung Südafrikas, die Buschmänner. Der Vortragende schildert das Leben des Buschmannes in erster Linie vom Gesichtspunkt des harten Daseinskampfes aus, der diesen lebendigen Zeugen aus der
Feuilleton»
Sein lctzter Wille.
Eine Wahlbegebenheit aus Sachsen-Land.
„Sie haben eine schwere Lungenentzündung im akuten Stadium, die in.Ihren Jahren ge'ährlich ist, und Sie können nicht gesund werden, wenn Sie sich erregen; darum habe ich der Schwester untersagt, Ihnen die Tageszeitungen voc- zulesen, Politik namentlich, und ich muß mein Verbot setzt noch aufrecht halten,' so leid es mir selbst tut!" so sprach energisch Dr. Lohmann, der Hausarzt, und Dr. Lohnrann konnte sich diese Strenge erlauben, weil eS leider Die schwere Erkrankung des alten Gutsbesitzers so mit sich brachte, und weil er anderseits der Familie als Hausfreund galt und deren Mitglieder in Krankheitsfällen regelmäßig behandelt hatte.
Schwer aufstöhnend nnd nach dem Herzen greifend sank der erregte Kranke, welcher den Arzt mit fragender Miene und bittendem Gesichtsausdrucke aufmerksam angehört hatte, wieder in sein hochgelegtes Kopfkissen zurück.
Der Arzt hatte 'sick' entfernt; noch einmal die Pflegerin ermahnend. daß jede Lektüre, namentlich aber seine Zeitung, deren Geist seit vielen Jahrzehnten sein eigenes Fleisch und Blut geworden, bei dem derzeitigen schweren Leidenszustande des alten Mannes unbedingt zu unterbleiben habe.
Nachhorchend verharrte der Kranke, scheinbar ruhig liegend, bis daß der Arzt die Haustür hinter sich zugeschlagen hatte.
„Nun, Schwester, die Wahlen 1 - vorlesen!" begann der alte Gutsbesitzer mit einem so eigenwilligen Ausdruck in seiner Stimme, daß die Pflegerin unwillkürlich und unmerklich hierbei erschreckte; gleichzeitig fiel nach einem anstrengenden Rucke seitens des Kranken die Zeitung oberhalb des Bettkissens heraus.
„Lesen l — lesen l" befahl er — aber ein pfeifender Lungenhusten stellte sich ein, so daß die Schwester zögernd sich über ihn beugte, und seine Gedanken, die nur der Politik, seinem Sohne und seinen Erinnerungen aus den Feldzügen nachhingen, durch harmlose Plaudereien, innerlich beruhigt, abzulenken suchte.
Aber der Kranke beruhigte sich nicht, seine Augen blickten unstät und brennend: dann bleiben dieselben auf der Pflegerin mit flackerndem Glanze haften und leise und abgebrochen bemerkte er tief erregt: „Mein Sohn Rolf, mein Junge; o bliebe er wenigstens leben — wenn ich ihn auch nicht'mehr wiedersehen kann!" — setzte er kaum hörbar fort.
Urgeschichte der Menschheit den Weg zu jeder Kulturentwicke- lüng verlegt bat. Der Kampf mit den einbrngenhen Hirtenvölkern führte zu einer in unversöhnlichem Haß unaufhaltsam fortschreitenden Vernichtung.
Mit lanqandauerndem, tiefempfundenem Beifall bansten die Mitglieder der Gesellschaft dem Redner für seine meisterhaften Ausführungen und für die prachtvollen Lichtbilder, die es auch deu Zuhörern ermöglichten, die Bewohner der südafrikanischen Wüste aus der sie umgebenden Natur heraus aufzufasseu unh zu verstehen, was der Vortragende so glänzend dargestellt hatte.
Hus aller Mell.
Die Reichsbanknoten-älschunqen GlünenthalS, des Obenaktors der Reichsdruckerei, die Ende der neunziger Jahre in Deutschland so viel Staub nufwirbelten, erfahren setzt durch den Jahresbericht der Reichsbank eine überraschende Aufklärung. Als man die mit raffiniertem Geschick ausgeführten Banknotenfülschungen Griinenthals aufdeckte, wurden insgesamt für eine halbe Million gefälschte Reichskassenscheine festgestellt. Ein großer Teil der Scheine wurde bei der Geliebten Grünenthals, Ella Goltz gesunden. Jetzt stellt sich heraus, daß die Fälschungen Griinenthals noch größer gewesen sind. In der Zwischenzeit sind noch für rund dreiviertel Millionen Mark Falsifikate entdeckt worden.
Lexikon der Glücksspiele. Ein Wirt aus D.-Meide- rich, der im vorigen Jahre wegen Duldung von Glücksspielen vom Schöffengericht zu 100 M. Geldstrafe verurteilt worden war, führte in seiner an das Oberlandeßgericht Hamm gerichteten Beschwerde an, daß das Spiel „Tivven" (Pochen) fein Glücksspiel sei. Daraufhin wurde dem Wirt unter Zurückweisung seiner unbegründeten Beschwerde folgender Bescheid zu teil: Strafbare Glücksspiele sind 1) Tippen (Pocken), Entscheidung vom Oberoerwaltungsgerickt 28. Ium 1881, 2) Meine Tante, deine Tante (O.-B. 22 Oktober 1894), 3) Siebzehn und Vier (O -V. 28. Juni 1881), 4) Tempeln (Pfarrer) (O.-V. 23. Oktober 1893), 5) Grundehrliche (O.-V.) 5. September 1885), 6) Vierblatt (O.-V. 7 Juli 1897), 7) Lustige Sieben (O.-V. 7. Juli 1897), 8) Hänseln (O.-V. 28. Juli 1881), 9) Raue Elf und böse Sieben (O.-V. 25. April 1885), 10) Zwicken (O.-V. 16. Oktober 1883), 11) Mauscheln (Reichsgericht 25. September 1893), 12) Dreiblatt (Reichsgericht 29. September 1885), 13) Gottessegen bei Kohn (Reichsgericht 11. Januar 1889), 14) Pokern (Kammergericht 1. Mai 1889), 15) Einhundertundeins (Oberlandesgerichtsentscheidung), 16) Bakkarat oder Makao (Landgericht 1 und 2 Berlin 9. März 1897), 17) Würfelspiele um Geld bei Einsätzen mit 50 Pfg. (Reichsgericht 24. November 1891), 18) Sechsundsechzig mit hohen Einsätzen (O.-V. 11. Dezember 1893), der Einsatz betrug hierbei 20 M. Mit den genannten Spielen ist jedoch die Reihe der Glücksspiele nicht erschöpft, da immer neue Arten und Namen auftreten.
Defrauvation. In den Kassen des holländischen Privat- LotterievereinS „Merkur" in Arnheim an der preußisch-holländischen Grenze sind Defraudationen von bedeutender Höhe festgestellt worden. Die Zahl der über ganz Deutschland verbreiteten Geschädigten beträgt 13 000.
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Die Schwester, welche aufmerksam jedem Worte des schwerkranken alten Mannes gelauscht hatte, beugte sich über ihn und indem sie liebevoll über sein spärliches, silbergraues Haar strich und ihn lächelnd ansah, sprach sie eindringlich tröstend, in der Stimme jedoch etwas Unsicheres verratend: „Rolf lebt, er ist schon aus der Rückreise begriffen, „S. M. S. Adler" wird ihn ja wohlbehalten zuriickbringen; ihn und noch einige hundert Mann — wenn auch eine große Zahl von unseren Sckutztruvpen bei den letzten Gesichten gegen die Hereros gefallen ist!"
„Nein, nein — nichts mehr davon — nichts mehr!" murmelte der Kranke dumpf vor sich hin, und feine rechte Hand ballte sich krampfend zusammen.
Dann bemerkte er kurz abgebrochen: „Rolf verschmachtet im glühenden Sande Afrikas — mein Sohn ist verwundet — mein Sohn muß sterben — bald folge ich Dir nach Rolf", und seine Augen flackerten fiebernd auf.
„Hörte ich nicht feine Stimme heute nackt?" murmelte der Kranke weiter, dann erfaßte seinen Körper konvulsivisches Zucken, seine Augen sahen die Pflegerin mit glasigem Glanze an.
Still und wehmütig bewegt nahm die Schwester das Fieberthermometer, indem sie dasselbe dem nun ermattet ruhenden Kranken in die rechte Achselhöhle für einige Minuten versenkte.
Temperatur 38,5 notierte sie bekümmert auf einen kleinen Zettel, welcher auf dem Nackttitche lag, dann zog sie auf einem liniierten Blatte di? Fieberkurve hock nach oben, wobei ihre Augen feuchten Schimmer verrieten.
Teilnahmslos sah her Kranke ihrem Tun zu, dann deutete er mit seiner weißen abgemaaerten Hand auf fein Trinkglas hin, er fühlte sich zu matt um zu sprechen.
Sie füllte das Glas mit kühlem Zitonen wasser, hielt es dem Kranken bin, welcher beaierig aus einem Trinkrohr das erquickende Frucktgelränk auffog.
Der alte Gutsbesitzer war schon feit vielen Jahren Witwer und führte auf feinem Gute ein einsames Leben, von zwei K'ndern war Rolf sein Lieblinaskind, fein einziger Sohn, ihm sollte a's her einuae männliche Erbe die sorgsam gepfleat? Landwirtschaft zu^al'en, sobald er, der Alte, die Annen für immer geschlossen hatte; aber der eigene unruhige Geist feiner Familie, her Zug nach der Fremde, die Reiselust, her Drang nach Kamps und Ehre, schließlich die Vaterlandsliebe. er selbst Vorsitzender des Krieaeroereins in "^erg, hatten fick auch seines Sohnes bemächtigt, und als^es hieß: .Freiwillige vor hie Front!" hatte sich auch fein Sohn in die Schußtruppe nach Afrikas Gestaden aufnehmen lassen, und der alte Gutsbesitzer entließ ihn, wenn auch schweren Herzens, mit seinem väterlichen Segen.
Duellsov-erttng. In Miskolcz (Ungarn) forderte das gesamte Offizierskorps, das sich durch einen Zeitungsartikel beleibiat fühlte, den Redakteur Matena zum Duell.
Töff-Töff. München, 5. März. Zwei schwere Auto». mobilunfnlle ereigneten sich gestern in den ersten Nackmittagstunden in der Nähe der Arnoldschen Färberei und Wäscherei in Pasing. Dec Schauplatz des ersten Falles war die Münchener Straße vor genannter Fabrik. Kurz nack 12 Uhr, als die Arbeiter eben die Fabrik verlassen hatten, um Mittagspause zu machen, kam von Müncken her in raschem Tempo ein nur vom Chauffeur besetzte? Automobil gefahren. Zwei Buchhalterinnen der Fabrik, die gerade die Straße überschreiten wollten, konnten dem Auto nicht mehr auSweichen: während dem einen Fräulein jedoch nur die Kleider vom Leibe gerissen wurden, ohne daß weiter etwas passierte, roitrbe das andere, Fräulein Tilli Glüh, vom Automobil gefaßt und eine größere Strecke Weges geschleift, um dann unter das Automobil zu fallen, wobei sie sich schwere äußere und innere Verletzungen zuzog. Bewußtlos wurde die Verletzte nach München zu ihren Eltern gebracht. — Noch schwerer verlief der zweite Fall, der sich zwei Stunden später etwa einen Kilometer von Pasing entfernt gegen Laim zu abspielte. Ein mit drei Passagieren besetztes Automobil fant in der Richtung von München her gegen Pasing zu, als ihm ein Bauernfuhrwerk, das vorschriftswidrig die linke Straßenseite einhielt, entgegenfuhr. Im letzten Moment, als das Automobil schon nach links ausweichen wollte, bequemte sich der Fuhrwerkslenker ebenfalls, nick der vorschriftsmäßigen Seite hinüber zu lenken, sodaß M§ Automobil, das seine Fahrtrichtung nicht mehr ändern konule, genötigt war, noch weiter nach links auszubiegen. Hierbei kam es jedoch mit den Rädern in den Straßengraben. Das Automobil überschlug sich in der Luft, wodurch die Insassen, zwei Herren und eine Dame, schwere Serse^ungen erlitten, während das Automobil vollständig demoliert wurde.
Im Untersuchungsgefängnis vergiftet hat sich zu Moabit bei Berlin her frühere Arzt Dr. Koetschau aus Köln, der wegen verübter Schwindeleien verhaftet roorben war. Koetschau hatte seit Jahren in Köln Schwindeleien in großem Stil betrieben, die dazu führten, daß er auS dem Aerztestande ausgestoßen und eine gerichtliche Untersuchung gegen ihn eingeleitet wurde. Es war ihm gelungen, Gift mit ins Gefängnis eimu'chmuggeln.
Verbrannt. Im Nürnberger Vororte Schweinau spielten gestern in Abwesenheit der Eltern der Oekonomeneheleute Winkler mit Zündhölzchen. Hierbei fingen die Kleider des 4jährigen Mädchens Christine Feuer. Das Kind verbrannte, ehe Hilfe gebracht werden konnte.
Unterschlagung. Der Kassierer Hettesheimer der Frankentaler städtischen Gas- und Wasserwerke wurde wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung verhaftet.
Schwarze Blattern. In Dünkirchen sind zwei weitere Fälle von Schwarzen Blattern vorgekommen. Die Kranken wurden in einer Festungsbastion untergebracht, die in ein Jsolierungsspital umgewandelt wurde. Auf Veranlassung des Bürgermeisters ließen sich die meisten Stadtbewohner impfen.
Allerlei aus Bayern. Zwischen M o o s a ch bei Grafing und Zinneberg stieß ein Lokalbahnzug auf ein Schliltenftihrivcrk, das zertrümmert wurde. Der Schlitten
Erfrischt nach dem kühlen Zitronensäfte schlief der Kranke ein, indessen die Schwester am Bette seine Atemzüge belauschte.
Allerdings lange hatte Rolf nicht geschrieben, die letzte Uebersee-Feldpost war seit zehn Tagen bereits fällig, sie durchblickte die Berichte, die auS Afrika eingegangen — noch wies die Liste der Gefallenen den lieben Namen nicht auf, noch mußte, noch konnte Rolf ja leben — von der schweren Krankheit dem nahen Tode seiner Vaters wußte Rolf ja auch nichts — noch konnte Rolf ihn wiedersehen, sie atmete erleichtert auf.
Da erwachte der Kranke wie aus tiefem Schlafe, schwer atmend und schlug die Augen auf; mit raschem Blicke bemerkte er die Zeitung in der Hand der Pflegerin.
„Wie steht es mit den Wahlen?" fragte er die Schwester eindringlich, feboeb sie zögerte. „Lesen Sie, lesen sie doch", und er richtete sich auf seine Arme empor, indem er seine Hände auf die Kisten stützte — dann entrang sich ihm ein schmerzhaftes Seufzen; er legte seine Hand aus die Schulter der Schwester, bittend, flehend : „Lesen Sie", begann er wiederum, „wie steht es mit unserer guten Sache?" Dann fiel er heftig wieder zurück.
Zögernd', stockend las ihm die Schwester vor: „Das Vaterland ist in Gefahr; jeder müsse wählen, auch die ' Kranken ..."
„Auch die Kranken", sprach her Alte heftig nach.
„Die Sache des Vaterlandes ist sonst verloren ..." las die Schwester langsam und stockend weiter.
„Ist sonst verloren!" sprach der Alte tonlos nach.
„Wie stand doch gestern in der Zeitung? ES kommt auf jede Stimme an!" murmelte der Kranke leise vor sich hinwieder begann ihn das Fieber heftig zu schütteln, dann blieb er regungslos und apathisch liegen.
Nach einigen Minuten hoben den Alten wieder heftige Hustcnanfälle hoch; er richtete sich auf, seine Augen glühten setzt, dann nahmen feine Züge einen horchenden Ausdruck an, wie lauschend, er sprach abgebrochen und wirr: „Rolf, ! mein Sohn — ja, ich höre deine Stimme — ja du willst es — das Vaterland will es — du willst, Rolf/ daß ick w'hle — ja, V werde wählen!" dann nach einer Weile: „Es kommt auf iche Stimme an 1" wiederum sank er ganz matt in seine Kissen -urüct Wieder nahm die Schwester still das Fieberthermometer. 39 Grad schrieb sie auf das Blatt, noch höher stieg die Kurve auf der Linie — in ihren Augen perlten Tränen.
Eine volle Stunde verging; wie starr und doch mit offenen Augen sah der Kranke zur Decke empor; ' bann schob der Alte stine Kissen zurück und stützte sich auf die Bettkante auf, sein heißes Gesicht nahm einen energischen Zug an, er winkte jetzt die Schwester an sein Bett heran