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es, Waijenhauie» in Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantrvortl. Redakteur: T. T ch r «rk e r m HanaL,
Nk. 55 Fernsprechanschlutz Nr. 605.
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14 Seiten.
Amtliches.
Eandkreis Ranau. BeklüiütmchüUcn des KöiiiBchcil Mratimifö.
In Mittelbuchen ist die Schweineseuche ausgebrochen.
Die Gehostssperre ist angeordnet.
Hanau den 4. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 1530 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Auf dem K i n z i g h e i m e r h o f ist die Schweineseuche erloschen.
Die Gehöftssperre ist aufgehoben.
Hanau den 4. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 1549 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
In Hochstadt ist die Schweineseuche erloschen. Die Gehöstsiperre ist aufgehoben.
Hanau den 5. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 1563 Z. A.: Conrad, Kreissekretär.
Zn N i e d e r r o d e n b a ch ist die Rotlaufseuche erloschen. Die Gehöftssperre ist aufgehoben.
Hanan den 5. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 1590 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
In B e r n b a ch und in B r e i t e n b o r n A. W., Kreis Gelnhausen, ist die Schwemeseuche festgestellt worden.
Hus Ban au Stadt und Hand.
Hanau, 6. März.
* Paul Gerhardt-Feier. Soweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt, wird in diesen Tagen die 300jährige Wiederkehr des Geburtstages Paul Gerhardts, des größten Kirchenliederdichters der evangelischen Kirche. festlich begangen. Zur Vorfeier finden am nächsten Sonntag auch in den hiesigen evangelischen Kirchen
Feuilleton.
Aus Osthtims Vergimgenhtit.
Ereignisse und Kulturgeschichtliches a u 8 einem althanauischen Orte b is zu in Ende des 16. Jahrhunderts.
Von Pfarrer Carl Heust zu Windecken.
Zehn Kilometer nördlich von Hanau, zwei Kilometer östlich von Windecken, den beiden mittelalterlichen Residenzstädten der Herren von Hanau, liegt das freundliche und schön gebaute Dorf Ostheim. Man sieht es ihm schon bei flüchtigem Besuche an, daß hier ein tüchtiger, arbeitssamer und wohlhabender Bauernstand zu Hause ist. Man sieht aber auch gleich, daß das heutige Dorf nicht alt ist. Der dreißigjährige Krieg mir seinen Verheerungen hat dafür gesorgt, daß mit verschwindenden Ausnahmen, z. B. der Kirche, nichts von dem früheren Dorfe aus eine spätere Zeit gekommen ist. In einem Verzeichnis der im November 1634 und Januar 1635 eingeäscherten Ortschaften wird von Ostheim gesagt: „Allda sind gewesen 1 Kirch, 1 Rathaus, 1 Pfarr- und 1 Schulhaus neben 2 gemeinen Backhäusern und 104 anderen Hofraiten und Wohnungen samt zugehörigen Scheuern und Stallungen. Davon sind im Brand verdorben durch des Kardinals - Jnfanten Volk 83 Häuser und 80 Scheuern; und durch das Weimarische Volk 3 Häuser und 3 Scheuern; stehen also noch die Kirche, das Rathaus, das Pfarrhaus und 1 gemeines Backhaus neben 20 anderen Wohnungen und 20 Scheuern." Was noch stehen geblieben war, fiel im Mai 1635 der Rache der Kroaten anheim, die damals die Dörfer Bruchköbel, Ostheim und Eichen airzündeten und einäscherten, nachdem sie das Schloß zu Windecken geplündert und zerstört hatten. Als der westfälische Friede dem zertretenen und zu Grunde gerichteten
Mittwoch den 6. März
msTrasras
Festgottesdienste statt, in der Marienkirche unter Mitwirkung ihres Kirchengesangvereins. Am Sonntag Abend veranstaltet der Kirchenchor der Jobauniskirche ein Volkskirchenkonzert, über welches ja bereits in unserem Blatt berichtet worden ist. Am Geburtstage selbst, Dienstag den 12. d. M., findet abends 8 Uhr im „Deutschen Haus" ein Familie nabend statt, veranstaltet von der Marienkirche, unter Mitwirkung ihres Kirchengesangvereins und verschiedener musikalischer rind deklamatorischer Vorträge einzelner Gemeindeglieder. Es steht zu erwarten, daß die Gottesdienste wie das Volkskirchenkonzert in der Johanniskirche und der Familienabend im „Deutschen Haus", in welchen fast ausschließlich Paul Gerhardt-Lieder, sowohl von den Chören als auch von den Solisten und den Festteilnehmern gesungen werden, eine rege und überaus zahlreiche Beteiligung aus allen Kreisen der evangelischen Bevölkerung unserer Stadt finden werden.
* Kirchliches. Heute abend 8 Uhr findet in der Johanniskirche Passionsgottesdienst statt, gehalten von Herrn Pfarrer Lambert.
* Schumann-Abend. Für den morgen Donnerstag in der Cenlralhalle stattfindenden, vom Lehrpersonal der Musikakademie veranstalteten Schumann-Abend ist ein interessantes Programm ausgearbeitet worden, das unsere Leser im Inseratenteile der heutigen Ausgabe finden. Möge den Veranstaltern ein vollbesetzter Saal beschieden sein.
* Geschichtsverein. In der am Montag abend statt- gefundenen Monaisversammluuq hielt Herr Pfarrer Heuß aus Windecken einen recht beifällig aufgenommenen Vortrag über „Aus Ostheims Vergangenheit." Im Feuilleton unserer heutigen Ausgabe beginnen wir mit der Veröffentlichung dieser Abhandlung.
8 Stadttheater. Auf das heute abend letztmalig in Szene gehende Schauspiel Sudermanns „I o h a n n i s- feue r" sei nochmals hingewiesen.
* Benefiz Sarno. Zu dem am Freitag stattfindeuden Ehrenabend des beliebten Mitgliedes unserer Bühne Fräul. Gertrud Sarno, gelangt das feine Salonstück, das erfolgreiche Schauspiel Oskar Blumenthals „Ein Tropfen G i f t", neu einstudiert, zur Darstellung. Seit längerer Zeit nicht mehr gegeben, dürfte das vortreffliche Werk des bekannten und beliebten Autors wieder eine überaus beifällige Aufnahme finden. Die fesselnd aufgebaute Handlung mit ihren fein charakterisierten Gestalten führt uns in anschaulicher Weise die Leiden und Freuden der höheren Gesellschaft vor. Der geistreiche fein pointierte Dialog, packende dramatische Szenen sichern dem guten Stücke stets den stärksten Beifall. Die Benefiziantin Frl. Sarno, welche sich durch ihre hervorragenden künstlerischen Qualitäten, durch
Deutschland Linderung unsäglicher Not brachte, kann demnach von dem alten Ostheim nicht mehr viel übrig gewesen sein. Nur die Kirche und das Pfarrhaus sollen noch gestanden haben. Das Dorf mußte von Grund auf neu erbaut werden. Das erklärt uns, weshalb wir in dem alten Orte, der vor mehr als tausend Jahren bereits erwähnt wird, und der schon in der alten Zeit nicht ohne Bedeutung gewesen ist, so gar nichts finden, was uns von seinem Alter und seinem früheren Aussehen Kunde gibt.
Die nachfolgende Darstellung hat es mit dem alten Ostheim zu tun und will nichts weiter sein, als eine Zusammenstellung der Daten, die mir bis zum Jahre 1600 aus der Geschichte des Dorfes zu Gebote standen; zu dem, was an Einzelheiten bereits veröffentlicht ist, tritt das, was unge- druckie Urkunden unb Akten an Ausbeute ergaben.
Nach den noch vorhandenen urkundlichen Aufzeichnungen wird Ostheim zum erstell Male erwähnt um das Jahr 850 in einem Verzeichnis von Schenkungen an daS Kloster Fulda, dem der Edle Megcnolt de Wetereiba (— von der Wetterau) seine Güter in Ostheim übergab ; gleich ihm überließ Udalrich dem heiligen Bonifatius (dem Stifte Fulda) seine Güter in Tezelenheim, Ostheim und Butenestat (wohl Butlerstadt und nicht Bönstadt) zusammen mit den Weinbergen, Aeckern, Wiesen, Waldungen, Häusern und Familien, den Hörigen. Wo die beiden Stifter wohnten, ist unbekannt.
Wenn diese Angaben uns auch nichts weiter bringen als die erste Erwähnung Ostheims, ' so ist die zweite um so bedeutungsvoller. In einer zu Mörfelden am 18. Mai 1016 ausgestellten Urkunde schenkte Kaiser Heinrich II. der Bamberger Kirche sein Eigengut, Ostheim genannt, im Gau Wetterau, in der Grafschaft Ottos gelegen, mit allen Zube- Hörungen, die genannt werden können, Wäldern, Weiden, Wiesen, Feldern, Gewässern, Weinbergen, den Hörigen beiderlei Geschlechts, Mühlen und allen sonstigen Zubehörungen, undzwar mit der Maßgabe, daß alle aus dem Eigentu,n herrührenden Rechte des Kaisers an die genannte Kirche sofort überzugehen
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ihre sympathische Erscheinung sowohl, als auch durch ihr ge# fälliges geistvolles Spiel die ganz besondere Gunst des Publikums erworben hat, erhält eine Glanzrolle, die es ihr ermöglicht, alle Vorzüge ihrer schönen Gestaltungskunst zu erschöpfen. Neben ihr wird auch dem größten Teile des Personals Gelegenheit gegeben sein, in mehr oder minder bedeutenden Rollen hervorzutreten. Den Damen wird das feine Milieu gestatten, sich gleichzeitig in geschmackvollen Toiletten zu zeigen, sodaß ein ganz außergewöhnlich genußreicher Theaterabend zu erwarten ist. Herr Kempf- Bamberger nimmt während der heutigen Kassenstundrn noch Bestellungen entgegen. Der Vorverkauf und die Ausgabe der bestellten Billet« findet morgen Donnerstag nachmittag von 4—5 Uhr statt.
* Genoffenschaftsseft Deutscher Bühnenange- höriger -es Hanauer Stadttheaters. Am 12. März findet in der „Centralhalle" das Ballfest zum Besten des Pensionsfonds der Bühnengenossenschaft statt. Diese Veranstaltung, die in Hanau erst zum zweitenmale stattfindet, gehört in den meisten größeren deutschen Städten schon seit vielen Jahren zu den regelmäßig jährlich wiederkehrenden, beliebtesten und vornehmsten Festlichkeiten. Wie immer bei solchen Gelegenheiten sind es der goldene Humor und die Thaliens Jüngern und Jüngerinnen angeborene Gemütlichkeit, welche schnell das steife Zeremoniell vergessen machen» und überall lebensfrohe Stimmung verbreiten. In uneigennütziger Weise stellen bedeutende Künstler und Künstlerinnen ihre Fähigkeiten in den Dienst der guten Sache, und ist auf diese Weise schon allein dem Feste der Erfolg gesichert. Es empfiehlt sich einmal die Blicke nach Berlin zu richten, um zn sehen, welcher Beteiligung sich das dortige Bühnengenossenschaftsfest, das Mitte Februar stattfand, zu erfreuen hatte. Se. König!. Hoheit der Kronprinz hatte leider sein Erscheinen noch im letzten Augenblicke absagen müssen, sandte aber als seinen Vertreter seinen Hausminister. Ferner waren anwesend der Hausminister S. M. des Kaisers v. Wedel, Kultusminister v. Studt, der Chef des Generalstabes v. Moltke, der Kaiser!. Generaladjutant v. Plüsckow, Staatssekretär Krätke, Polizeipräsident v. Borries, Regierungsrat v. Glasenapp usw. Die Reihe dieser glänzenden Namen ließe sich noch durch manchen ergänzen, aber man sieht schon aus dieser kleinen Zahl, welch hohen Rang das Gen offenschaftsfest unter den Berliner Dallfestljchkeiten einnimmt. Wir hoffen bestimmt, daß das Genossenschaftsfest auch in Hanau eine beständige Einrichtung bleiben wird. Die Auspizien dafür sind ja die denkbar günstigsten. Hatte nämlich der Besuch im vorigen Jahre schon alle Erwartungen übertroffen, so scheint er in diesem Jahre, wie aus der lebhaften Kartennachfrage zu ersehen ist, noch weit bedeutender zu werben. Mit der
hätten. Wir ersehen aus dieser Urkunde, daß Ostheim bis dahin zum kaiserlichen Besitz gehörte, und zwar wohl zum Hausbesitz des Kaisers, da es ausdrücklich als predium proprietatis bezeichnet ist. Der Besitz des Reiches und des Kaisers muß in der Wetterau damals noch ziemlich ansehnlich gewesen sein. Durch besonders bestellte Beamte, die Gaugrafen, wurde hierüber die Aufsicht ausgeübt. Der erwähnte Graf Otto kommt als Graf in der Wetterau vom Jahr 1016 bis 1036 vor.
Durch diese Schenkung war Ostheim an das Stift Bamberg gekommen. Gleichzeitig mit ihm wohl auch Windecken. Wenn bieier Ort auch nicht mitgenannt wird, so wird man doch nicht fehlgehen in der Annahme, baß beide damals gleichzeitig aus der Hand des Kaisers in die des Bischofs übergingen. Die Nichterwähnung Windeckens (Tezelenheims) erklärt sich wohl daraus, daß Ostheim das bedeutendere war und Windecken gewissermaßen nur ein Anhängsel von ihm. Windecken folgte Ostheim nach. In kirchlicher und politischer Beziehung sind die beiden Orte lange mit einander verbunden gewesen und von unvordenklichen Zeiten her bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts bildeten sie noch in Bezug auf den Wald und einzelne Nutzungen eine Markgenossenschaft. So ist aus einer Urkunde von 1313 zu ersehen, daßdie Einwohner von Windecken und Ostheim dem Herrn Ulrich von Hanau den Wald Reberinges übergaben und dafür in Tausch einen anderen Wald „die Herden" genannt, zu gemeinschaftlicher Benutzung erhielten. Der Wald „Reberinges" lag nicht wie Reimer angibt, bei Windecken, sondern östlich von Ostheim, wo heute noch eine Flurbezeichnung an ihn erinnert. Aus der Zeit, in der Ostheim in Bambergi- schem Besitze war, wissen wir fast nichts. Aus einer Urkunde des Jahres 1245 ist zu entnehmen, daß in Ostheim ein Gericht war. Der Bischof hatte dorten offenbar einen Vogt eingesetzt, der in seinem Namen Klagen entgegenzu- ne^men und wohl auch zu entscheiden hatte. Im November jenes Jahres bekundete Probst Eberhard von der Naumburg