vezugSprekSr
Nstchâhüich 1,80 DL, monatlich 60 Pfg., für aut« »ärlize Wonnmtm mit dem betreffenben Postauhchta^ Die einzelne Nummer kostet 10 Pf-.
®Mati»xibmdt und Verlag der Buchdruckerei de» verein, a, Waisenhauje» in Hanau.
General-Anzeèger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssnn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EiuriickuagsgeViigr^
Die fLufzespalteue Petitzeil« oder der« Stam SD Ph^ in Neklameattil die Zeile 35 Mg, verantmortl. R^akteur: G. Schrecker in Han«
9tr. 104 Fèrnsprechanschltts; Nr. 605.
Samstag den 4. Mai
—II ■HJiimawii I ll■■llllnlll■^llll—i>THsii»»’iM
Fernsprechanschluh Nr. 605. 1907
■KaBBBSBnmarannEHaaaBEnBBHaBanEEEaeEBmasassaMHnHnBMBHn
Lie itotiURWM msaßt «sier S.NntnhMüBllitt
14 Seiten.
^&*S^-^Ä®»^S^^
Amtliches.
Jagdverordnung.
Für das Jahr 1907 wird der Schluß der Schonzeit für Rehböcke hierdurch auf Mittwoch den 29. Mai festgesetzt. Der 29. Mai gehört noch zur Schonzeit.
Cassel den 19. April 1907.
V 3092 Der Bezirksausschuß zu Cassel.
Stadtkreis Fjanau.
Behufs Verlegung von Gas- und Wasserleitungen wird die Rückertstratze von der Hainstraße bis zum Kinsigsteg auf die Dauer vom 6. bis 1L d. Mts. einschließlich für den öffentlichen Fitbrverkehr gesperrt.
Hanau den 3. Mai 1907.
Königliche Polizeidirektion.
P3682 I. V.: Siemon, Regierungs-Assessor.
Eandkreis Hanau.
Btkn»tmhiUki! des Königlichen Lnndrntsnmts.
Unter den Schweinen zu Bischofsheim ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau am 1. Mai 1907.
Der Königliche Landrat.
V 3078 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Nach Mitteilung des Großherzoglichen Kreißamts in Büdingen soll die Straße Eckartsbamsen—Langenberg- heim vom 7. bis 14. Mar, die Straße Altenstadt— Eichen vom 13. Mai bis 29. Mai und die Straße Altenstadt—Lindheim vom 27. bis 31. Mai zum Zwecke der Walzung für jeden Fnhrwerksverkehr gesperrt werden.
Hanau den 30. April 1907.
Der Königliche Landrat.
V 2991 I. V.: Siemon, Reg.-Asseffor.
Der Metzger Wilhelm Zehner in Niederrodenbach beabsichtigt auf seinem Grundstück — Kartenblatt J Nr. 921/477 rc. ein Schlachthaus zu errichten.
Einwendungen gegen die geplante Anlage, zu welcher Beschreibungen und Zeichnungen im Bureau des Kreisausschusses hier offen liegen, sind innerhalb 2 Wochen mündlich oder schriftlich in zweifacher Ausfertigung beim Unterzeichneten anzubringen. Später eingehende Einsprüche bleiben unberücksichtigt.
Zur Erörterung der rechtzeitig eingegangenen Einsprüche wird Termin auf
Dienstag den 21. Mai 1907, vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses — Kreisbaus, Hainstraße Nr. 10 hier — anberaumt. Zu diesem Termin werden die Interessenten mit dem Bemerken geladen, daß im Falle ihres Nichterscheinens gleichwohl mit Erörterung der etwa erhobenen Einsprüche vorgegangen werden wird.
Hanau den 2. Mai 1907.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A2077 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor. 9781
Hus Banau Stadt und Cand*
Hanau, 4. Mai.
* Passiert. Auf der Reise von Berlin nach Homburg iL d. H. passierte heute früh kurz nach 7 Uhr Ihre Majestät die Kaiserin die hiesige Station.
* Ein Nachspiel zur Neichstagsstichwahl vor Gericht. Reichstagsabgeordneter Richard Müller-Fulda stand vorgestern wegen Uebertretung der W 1 und 12 des Vereinsgesetzes vor dem Schöffengericht zu Bad Orb. Am 5. Februar d. I., am Stichwahltage, versammelte N. Müller im Nöder'schen Saale zu Wirtheim eine größere Anzahl Zentrumswähler. Da die polizeiliche Genehmigung zur Abhaltung einer Versammlung nicht eingeholt war, konnte die geplante größere Versammlung nicht abgehalten werden, was Müller den Erschienenen im Saale mitteilte und dabei sagte: „Die Wahlparole „Wahlenthaltung" ist durchbrochen und in „Wahlfreiheit" umgewandelt worden. Wir (das Zentrum) haben kein Interesse daran, daß ein Nationalliberaler gewählt
wird." Der Zeuge M. Günther-Wirtheim glaubt noch die Worte gehört zu haben: „Ihr könnt wählen, wen Ihr wollt." Zeuge Briefträger Salero - Wirtheim bestätigt im allgemeinen die Aussagen Günthers. Nach der Beweisaufnahme wurde als erwiesen angesehen, daß es sich bei der Zusammenkunft um eine Versammlung handelte, in welcher politische Angelegenheiten erörtert wurden und daß diese den Charakter einer öffentlichen Versammlung trug. Der Angeklagte wird daher zu einer Geldstrafe von 15 Mk. verurteilt.
* Anhalten in Wilhelmsbad. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß seit dem 1. Mai der Schnellzug 393, welcher abends 11 Uhr Frankfurt-Ost verläßt, in Wilhelmsbad anhält. Don der Benutzung dieses Anhaltens wird es abhängen, ob sich der Versuch zu einer dauernden Einrichtung gestaltet.
* Geschichtsverein. Wir weisen auch an dieser Stelle darauf hin, daß von morgen ab das Musxum des .Hanauer Geschichtsvereins an jedem Sonntage von 11 — 12l/3 Uhr geöffnet sein wird. Wir empfehlen den Besuch der höchst interessanten Sammlungen auf das wärmste. Der Verein ist bestrebt, durch Sonderausstellungen besonders sehenswerter Stücke das Interesse für das Musum zu beleben. Zunächst werden herrliche Architekturabbildungen des Schlosses Wilhelmsburg in Schmalkalden und zahlreiche Bildnisse Philipps des Großmütigen aufgelegt.
* Auf der Wohnungssuche. Die beiden Gauner, welche vorgestern in der Steinheimerlandstraße eine Wohnung besichtigten und dabei eine wertvolle Uhr stahlen, haben auch in einem anderen Hanse bei der Besichtigung einer Wohnung ein Portemonnaie mit 6 Mk. Inhalt entwendet.
* Sturm. In verflossener Nacht wütete ein heftiger Sturm.
* Familienabend. Morgen nachmittag 4 Uhr feiert im Saale des „D e u t s ch e n Hauses" der Gesangverein „Fröhlichkeit" einen Familienabend, zu welchem der Gesangverein „Liederzweig" Klein-Steinheim als Besuch erscheint. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.
* Duru- & Fecht-Klub. Unseren Mitgliedern und Gästen zur Nachricht, daß Eintrittskarten zu unserer morgigen Festlichkeit von heute ab bei unserem Mitglied Herrn L. Stassen, Krämerstraße, sowie Sonntag morgen von 10 bis 11^2 Uhr in der Turnhalle zu haben sind.
* Alpenverein. Die Abfahrt zu der morgigen Tour erfolgt ab Westbahnhof 6.52 und ab Ostbahnhof 7.06 Uhr nach Aschaffenburg.
* Die Neftauration Weismantel ist kürzlich in die Hände des Herrn Carl Dietzel ans Frankfurt a. M. übergegangen. Letzterer ist bestrebt, den guten Ruf genannten Lokales weiter anszudehnen und zu heben, durch Verabreichung nur bester Qualitäten in Speisen und Getränken.
* Stemm- und Ningklub „Eiche". Morgen, den 5. Mai, hält obengenannter Verein seinen Ausflug nach Großauheim zur „Rose". Für Unterhaltung ist gesorgt. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt.
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 2—9 Uhr die Einhorn-Apotheke geöffnet.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wciteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis l/al Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—12'/z Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.
* Das Hahnenkammhaus ist mit Sonntags geöffnet.
* Frankfurter Bau. Morgen Sonntag konzertiert im „Frankfurter Bau" eine gute Künstler-Gesellschaft. Ein Besuch ist zu empfehlen.
X. Provinzinllandtag für Hcsstil-Nassau.
Cassel, 3. Mai.
(Dritter Verhandlungstag.)
Am Regierungstische sind erschienen der Herr Oberpräsident Exz. v. Windheim und die Herren Spezialkommissare, weiter sind anwesend Herr Landeshauptmann Frhr. v. Riedesel und die Landesräte der Provinz.
Um 10 Uhr eröffnet der Präsident die heutige Sitzung. Der erste Punkt der heutigen Tagesordnung umfaßt die Verwaltungsberichte der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für die Jahre 1902/03 und 1904/05 sowie der Haftpflichtversicherung der vorgenannten BcrufS- genossenschaft für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1905. Berichterstatter ist Herr Abg. von ü e i m b u r g.
Die Zahl der Eingänge hat sich besonders in den Jahr^ 1902/03 erheblich gesteigert, die Berussgenossenschaft wird den kommenden Jahren mit etwa 30500 Eingängen zu rechnen haben. An Vertrauensmännern hatten die 19 Sektionen in 1902/03 254 bestellt, ebenso die gleiche Zahl Stellvertreter. Angemeldete Unfälle lagen vor in 1902: 5714, in 1903 : 6156 gegen 4653 und 5130 Unfälle in 1900 und 1901. Die erhebliche Steigerung dürfte auf die erweiterten Bestimmungen des neuen landwirtschaftl. Unfall-VersicherungS- gesetzes zurückzuführen sein. Von den angemeldeten Unfällen sind entschädigungspflichtig geworden in 1902: 2918, in 1903t 3314 gegen 2524 bezw. 2741 in 1900 und 1901. An Unfall- Entschädigungen wurden gezahlt in 1902: 1125 235.92 Mk.. in 1903: 1245 620.20 Mk. Seit dem Jahre 1888 sind insgesamt 9 255 776.20 Mk. an Unfall-Entschädigungen gezahlt. Im Jahre 1903 war die Rentensteigerung eine ganz außerordentlich große, sie betrug 1200(X)Mk., während dieselbe in den Jahren zuvor unter 100000 Mk. blieb. Das Jahr 1904 beginnt mit einer laufenden Rentenbelastung von 1073461.60 Mk. Die Kosten des Heilverfahrens in den ersten 13 Wochen, die die landwirtschaftliche Bermsgenossenschaft freiwillig übernommen hat, betrugen in 1902: 2 714.42 Mk., in 1903: 1919.47 Mk., gegen 1527.73 bzw. 2129.46 Mk. in 1900 und 1901. Referent geht dann näher auf die von Herrn Landesrat Dr. Schroeder vorgelegte Denkschrift betreffend die bisherige und künftige Entwicklung der hessen-nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft ein. Die rapide Steigerung der Unfalllasten gibt zu schweren Bedenken Anlaß, Die Umlage für das Jahr 1905 mit 1678 307.91 Mark entspricht einem Durchschnitt von 70,6 oder rund 71 Prozent der Grundsteuer. Da nun nach statistischen Berechnungen der BeharrungSgrund erst mit dem 46. Jahre nach Entstehung des Gesetzes, also nach 26 Jahren, eintreten wird, würden die Umlagen eine Höhe erreichen, die die Landwirtschaft nicht wird tragen können. Es müssen nun Mittel und Wege gefunden werden, um hier Abhilfe zu schaffen. Es dürfe jedoch kein Weg beschritten werden, der rückwärts führe auf dem Gebiete unserer mustergültigen Sozialpolitik Redner empfiehlt zunächst eine Herabminderung der Unfälle anzustreben, ein weiteres Mittel sei nicht durchführbar, die Ausschaltung des Reichsversicherungsamtes. Von hier aus würden der Berufsgenossenschaft bei Feststellung der Renten Schwierigkeiten gemacht, dem Rentenempfänger glaube das Reichs-Versicherungs-Amt alles, was er vortrage, hier sei eine Verstärkung des Laienelementes sehr erwünscht. Die Höhe der Rente werde nicht nach den tatsächlichen Verhältnissen, sondern nach einem ortsüblichen Tagelohn festgesetzt. Es komme vor, daß der Rentenempfänger 50 Prozent Rente beziehe und auch noch seinen vollen Tagelohn verdiene. Ein weiteres Hilfsmittel sei die Verschmelzung der drei sozialpolitischen Gesetze, aber auch dies sei vorläufig noch nicht erreichbar. Redner wirft nun die Frage auf, ob durch Einführung einer obligatorischen Krankenversicherung die hohen Remenlasten herabgcmindert werden könnten? Es sei diese Frage sehr vorsichtig zu behandeln, da sie ja eine weitere Belastung der Landwirtschaft bedeute. Sehr zu empfehlen sei in vielen Füllen die Uebernahme der ärztlichen Behandlung in den ersten 13 Wochen durch die Berufsgenossenschaft, da gerade die mangelhafte Behandlung kleinerer Unfälle in den ersten 13 Wochen zu späteren Rentenbezügen geführt habe. Bei Unfällen, welche ohne Zeugen vor sich gegangen sind, sollte der Betroffene zu einer diesbezüglichen eidesstattlichen Versicherung veranlaßt werden. Die Beseitigung der kleinen Renten bis zu 20 Prozent ist seitens des Herrn Ministers für unmöglich erklärt worden, da dieselbe eine weitere Erhöhung der Landflucht zur Folge haben werde. Eine Teilung der Lasten lasse sich auch nicht durch- führen, da die Arbeitnehmer bei Abschluß der Arbeitsver- träge sich kaum mit der Tragung eines Teiles der Beiträge einverstanden erklären werden. Zu erreichen sei nur etwas durch eine gewissenhafte Erstattung der bezügl. Gutachten, dann auch durch genaue Feststellungen, ob überhaupt ein landwirtschaftlicher Unfall vorliegt. Die Aerzte müssen die Mittelperson zwischen der Berufsgenossenschaft und den Verletzten sein. Die Rentenrevisionen sind nicht nur beizubehalten, sondern noch in verstärktem Maße durchzuführen, es könnten dadurch bis zu 67 599 Mk. Renten erspart werden. Eine angeregte Herabsetzung der Rente sei nicht möglich. Wichtig sei der Erlaß von Unfall-Verhütungsvorschriften für landwirtschaftliche Betriebe und deren strikte Durchführung. Die Arbeit der Sektionen sei ein weiteres, ein wiaftiges Mittel zur Beschränkung der Rentenlasten. Die Beamten seien mehr zu schulen. Zweifelhafte Fülle seien dem Genoffen- schaftsvorstande zur Entscheidung zu überweisen.
In der Diskussion führt zunächst Herr Geheimer Regierungsrat Berg aus: Schon im Jahre 1885, als das Gesetz vorbereitet wurde, habe man die jetzt hervorgetretenen Mängel ins Auge gefaßt, der Beharrungszustand sei damals nach 30 Jahren vorausgesetzt, durch eine Erweiterung des Gesetzes habe sich allerdings dieser Termin verschoben, er warne aber vor zu großer Schwarzseherei. Ein großer Unfug sei die Rentensucht, diesem Uebelstande müsse abgeholfen werden. Den Vorschlag einer Verständigung des Larenelementes im Reichsversicherungsamte könne er nur begrüßen. Redner