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General-Anzeiger

Kmlllches Organ für SIM- und FanNreia Hanan

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«. Wapeuhaui«» « Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bet antwort!. NÄakteur: G. Schrecker » ^«mx.

Mr. 29 FernsprechanschlnK Nr. 605

Schlacht

Am Tage vor der entscheidenden Stichwahl!

Eine geht es

Zur Stichwahl. ist geschlagen, nicht die letzte. Morgen

zum Entscheidungskampf! Für seine besondere Anschauung hat jeder bei der Hauptwahl gekämpft.

Das war sein gutes Recht. Jetzt gilt es zurückzustellen, was die bürgerlichen Parteien voneinander trennte, und hervorzu­heben, was sie eint. Nationales Empfinden, religiöse Ueber­zeugung, ernste Sorge für das wahre Wohl des Volkes fordern gemeinsame Tat, auch wenn sie mit Opfern ver­bunden ist. Nicht Stimmenthaltung, nicht' bequemes Ge­schehenlassen ; nein, einhellige Abgabe aller Stimmen für den bürgerlichen Kandidaten Dr. L u c a s sei die Losung für die Stichwahl!

BüraerUche Wähler!

Wir bitten dringend, morgen frühzeitig zur Wahlurne zu schreiten, womit der Wahlarbeit ein großer Dienst geleistet wird.

Me CeâmsMle - C ,

In einer Versammlung von Centrums­wählern, welche gestern nachmittag in Oberndorf, Kreis Gelnhausen, stattgefunden hat, hat Herr Richard Müller Fulda die von der Centrumsleitung für den Wahlkreis ausgegebene, auf Wahlenthaltung lautende Parole ausdrücklich zurückgenommen und Wahlfreiheit proklamiert. Anwesend in der vorzugs­weise von Eingesessenen der Pfarrei Oberndorf besuchten Versammlung waren auch die Herren Fürst Isenburg- B i r st e i n, Prinz Alfons Isenburg-Langen­selbold und der H o ch w. Dechant D e u f f e r t.

Aahlerversammiung in der Turnhalle zu Hanau.

Im Saale der Hanauer Turngemeinde fand gestern nachmittag halb 6 Uhr die letzte hiesige Versammlung der bürgerlichen Wähler int diesmaligen Wahlkampf statt. Sie hatte den geräumigen Saal nebst Galerien dicht gefüllt und trug hoffentlich dazu bei, die noch unentschlossen abseits Stehenden davon zu überzeugen, daß bei ber morgigen Stich­wahl für jeden vaterländisch gesinnten Wähler nur Herr Dr. Lucas als Kandidat in Frage kommen kann.

Als Redner trat Herr Dr. Becker- Sprendlingen auf, oer einleitend seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß gerade im hiesigen Wahlkreise die so wünschenswerte Einig­keit zwischen dem Centrum und den übrigen bürgerlichen Parteien fehlt, sodaß man befürchten müsse, dieser Wahlkreis, der im Jahre 1903 der Sozialdemokratie entrissen würbe, könne an diese Partei wieder verloren gehen dadurch, daß das Centrum, das 1903 Schulter an Schulter mit den übrigen Bürgerlichen kämpfte, sich der Wahl enthalten und dadurch den Sozialdemokraten indirekt unterstützen will. Er bedauert das umsomehr, als in anderen Wahlkreisen, wo das Centrum mit dem Sozialdemokraten in Stichwahl steht, das gesamte bürgerliche Element mit Einschluß der National­liberalen für den Centrumskandidaten einzutreten entschlossen ist, auch wenn noch so große Unterschiede zwischen den An­sichten der einzelnen Parteien bestehen, denn so groß ist die Kluft zwischen keiner der bürgerlichen Parteien, als sie ist zwischen diesen und den Sozialdemokraten. Er komme eben aus Mainz, wo er in einer begeistert verlaufenen national­liberalen Versammlung für den Kandidaten des Centrums eingetreten sei. Auch die dortigen Nationalliberalen müßten und würben das Vaterland über die Partei zu stellen wissen. Redner drückt seine Freude darüber aus, daß die liberale Vereinig u n g sich offen für Herrn Dr. Lucas aus­gesprochen und einmütig für denselben einzutreten erklärt hat. Leistet uns dadurch diese Partei im hiesigen Wahlkreise einen großen Dienst, so dürfe er erklären, daß in vielen anderen Wahlkreisen die Nationalliberalen den Freisinnigen dieselbe einmütige Unterstützung zuteil werden lassen. In Schlesien, wo er in den letzten Tagen gesprochen, haben sogar die Konservativen erklärt einmütig» den ^M&uiua einru-

Montag den 4. Februar

treten, um diesem gegen den Sozialdemokraten zum Siege zu verhelfen Und wenn man bedenke, welche großen wirtschaftspolitischen Differenzen bestehen zwischen Frei­sinnigen und Konservativen, so könne man die Selbstverleugnung der letzteren ermessen. Auch in Offenbach-Dieburg hatte das Centrum eine Stellung eingenommen, die es 1903 nicht vertrat, doch könne er die erfreuliche Mitteilung machen, daß gestern abend der dornige Centrumsführcr seine Parteigenossen aufgefordert hat, Mann für Mann für den Nationalliberalen einzutreten. Redner kommt sodann auf die Niederlage der Sozialdemokratie bei den Hauptwahlen zu sprechen. Vor wenigen Jahren noch kündete derVorwärts" prahlerisch an, daß die Zeit nicht fern sein werde, wo in unserem Vaterlande die schwarz-weiß- rote Trikolore heruntergeholt und die internationale rote Flagge gehißt werde. Doch es kam anders. Der Dresdener Partei­tag war der Anfang zum Rückgang der Sozialdemokratie. Dort wurde der Revisionismus zu Grabe getragen. Der Revisionismus, von dem man hoffte, daß er die Oberhand gewinnen und die Sozialdemokratie zu einer nationalen Partei umgestalten werde. Doch er mußte weigen und der krasseste Radikalismus blieb nach wie vor am Ruder. Die Revolution, der Kampf gegen alles Bestehende wurde mehr als je in den Vordergrund gerückt. Das deutsche Volk aber wollte nichts wissen von einer Untergrabung der deutschen Macht, von einer Vernichtung des deutschen StaateS, es wandte sich mehr und mehr von der vaterlandsfeindlichen Sozialdemokratie ab imb der Sturm der Begeisterung, der am 13. Dezember die weitesten Kreise ergriffen, er ist gewannen von Tag zu Tag und hat dahin geführt, daß die als unüberwindlich hin­gestellte Macht der Sozialdemokratie jählings zusammenbrach. Doch die Schlappe, die sich die Sozialdemokratie im ersten Wahlgang geholt, sic darf nur die erste Etappe sein in bem Kampfe gegen diese Partei. Mit den Stichwahlen vöm Samstag hat sie nunmehr 25 Mandate verloren und er, Redner, könne versichern, daß sie in Sachsen imb Schlesien, wo er in den verschiedensten Versammlungen tätig war, nach der herrschenden Begeisterung zn urteilen, dort noch mindestens 78 Sitze einbüßen würde. Und da sollte sie unseren Kreis, der seither von einem vaterlandsliebenden, auf religiösem Boden stehenden Manne vertreten war, wieder an sich zu reißen vermögen, weil sich einige leitende Personen des Centrums nicht von kleinlichen Parteirücksichten frei machen können, die doch von allen bürgerlichen Parteien im Dampfe gegen den gemeinsamen Feind allerorts vergessen wurden. Noch ist es Zeit für diejenigen, die am Hauptwahltag der Urne ferngeblieben sind, ihrem nationalen Empfinden, ihrer Liebe fürs deutsche Vater/mrd, ihrem Wunsche, daß Deutsch­land seine Machtstellung in der Welt behaupten möge, Aus­druck 5U geben, indem sie eintreten für den bürgerlichen Kandidaten, Herrn Amtsrichter Dr. Lucas. Redner appelliert an die gesunde Vernunft der Centrums wähler und hofft, daß sie als Bürger unseres gemeinsamen Vaterlandes sich fühlen und danach am 5. Februar auch handeln werden. Die Wahl zwischen den beiden Kandidaten könne ja einem deutsch denkenden Manne gewiß nicht schwer fallen: auf der einen Seite ein auf christlichem Boden stehender, im Rahmen des gegenwärtigen Staatswesens nach Besserung der Lage aller Gewerbsstände strebender Mann, auf der anderen Seite ein Anhänger der religionsfeindlicheü, nach Vernichtung alles Bestehenden hinarbeiicnden sozialdemokratischen Partei. Freilich, jetzt höre man aus dem Mund der Sozialdemokraten nichts derartiges, diese hatten aber schon immer ein doppeltes Gesicht, ein Gesicht vor den Wahlen und ein solches nach den Wahlen. Die angebliche Arbeiterfreundlichkeit der Sozial­demokraten kennzeichnend, erinnert Redner an die an dieser Stelle schon des öfteren erwähnte Ablehnung aller staatlichen Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen durch die Sozialdemokratie. Aber auch für nationale Forderungen hat sie nie etwas übrig gehabt, jede Forderung für Heer und Flotte wurde durch sie jederzeit und konsequent abgelehnt, ja 1870/71 haben Bebel und Liebknecht die Mittel verweigert zur Fortführung des Krieges. Die Sozialdemokraten waren es, die s. Z. im Reichstage unsere in China weilenden Soldaten durch die sogenannten Hunnenbriefe auf das abscheulichste verunglimpften, die Sozialdemokraten sind es, die unsere braven Kämpfer in Südwestafrika beschimpfen und in den Schmutz ziehen. Bebel würde lieber die schwarzen, grausam mordenden Herero und Hottentotten an sein Bruderherz drücken, ehe er nur ein anerkennendes Wort für ben Opfermut unserer deutschen

nicht international, sie sind antinational, sie sind grundsätz- lich gegen deutsche Ehre und deutschen Ruhm. Bebel erklärte auf dem Dresdener Parteitag, er werde diese bürgerliche Gesellschaft bekâmvfen bis auls Messer, so lanae er atmen

Berttsprechanschluß Nr. 605, 1907

könne. Bebel wünschte ein Sedan dem deutschen Reiche, also die völlige Vernichtung seiner militärischen Macht, weil die Sozialdemokratie einem so geschwächten Staat am leichtesten den Garaus zu machen vermöchte. Wer auch nur einen Funken von nationalem Gefühl im Herzen trägt, der könne einer solchen Partei unmöglich seine Stimme geben. DaS Zentrum, das auch auf nationalem Boden steht, es würde geradezu Selbstmord an seinen eigenen Grundsätzen begehen, wenn es am 5. Februar sich der Stimme enthalten und so dem Sozialdemokraten zum Siege verhelfen würde, zumal Herr Dr. Lucas viele Forderungen auch des Zentrums zu den feinigen macht, so die unbeschränkte Aufrechterhaltung des Koalitionsrechts und die unveränderte Beibehaltung des geheimen, allgemeinen und direkten Wahlrechts. Redner geht auf den in unserem Blatte schon des öfteren besprochenen hohen Wert unserer südwestafrikanischen Kolonien ein, besonders auf die guten Aussichten von Daumwoll-, Getreide-, Kakao- und Südfruchtanbau, von Viehzucht und Bergwerksbetrieb, wir sie sich auf Grund praktischer Erfahrungen und einwandfreier Untersuchungen wissenschaftlicher Forscher darstellen. Würde beispielsweise die Otavigesellschaft eine 600 Kilometer lange Bahn nach ihren Kupferminen gebaut haben, wenn diese sich nicht rentierten? Auch daß sich dieser Tage in Berlin eine Gesellschaft mit 50 Millionen Mark Aktienkapital bildete, um Swakopmund zu einem ersten Handelshafen auszubauen, beweise die großen Hoffnungen der eingeweihten Kreise, denn uiemanb ist wohl so töricht, sein Geld für eine Sache herzu­geben, die sich nicht rentieren wird. Wenn wir mit unseren Kolonien die Kinderkrankheiten durchmachen müssen, hie andere Kolonialvölker irt mindestens ebenso großen Maße durchmachen mußten, so sei das nicht verwunderlich. Gäbe es doch kein Volk, das ohne Krieg zu führen in den vollen Besitz der Kolonien gekommen ist. Noch vor 40 Jahren betrachteten auch viele Engländer ihre Kolonien als einen Mühlstein am Hals der Station. Heute weiß jedermann, nicht zum wenig­sten jeder englische Arbeiter, daß England seinen Reichtum seinen Kolonien verdankt. Die deutsche Industrie, der deut­sche Wohlstand datiert erst seit dem Jahre 1870, nachdem aus Deutschland ein geeintes starkes Reich geworden. Seit dieser Zeit hat unsere Industrie einen großartigen Aufschwung genommen und macht der englischen gewaltige Konkurrenz, aber ein großer Mangel haftet ihr noch an, sie muß die meisten Rohstoffe vom Anslande beziehen, während England in seinen Kolonien Lieferanten für alle Rohprodukte hat, der die Industrie bedarf. Unsere Kolonien aber können nach genügender wirtschaftlicher Erschließung der Industrie gleich­falls eine ganze Menge der benötigten Rohstoffe liefern und es ist geradezu eine Lebensfrage für die deutsche Industrie, mit der Zeit sich bezüglich der Rohstoffe vom AuSlande mög­lichst unabhängig zu machen. Man denke nur an die ver­heerenden Folgen, besonders auch für die Arbeiter, wenn ein­zelne unserer Industriezweige, z. B. die eine Million Ar­beiter beschäftigende Textilindustrie, infolge, zu hoher Rohstoff­preise (für das Trxtilgewerbe der Baumwolle) mit dem Aus­lande nicht mehr konkurrieren, alio den Betrieb einstellen müßten.

Die Sozialdemokratie hat, wie schon erwähnt, noch nie etwas bewilligt für Heer und Flotte, doch sind diese Aus­gaben denn wirklich verschwendet und nicht vielmehr sehr fruchtbringend? Wäre es uns ohne ein starkes Herr mög­lich gewesen, den Frieden 36 Jahre lang aufrecht zu er­halten? Und welchen Segen für unser gesamtes Erwerbs­leben bedeutet dieser 36jährige Frieden und die Aussicht, mit Hilfe eines dem Auslande Achtung gebietenden starken Heeres den Frieden auch für die Zukunft zu erhalten? Was würde aus hunderttausenden deutschen Arbeitern, wenn ein unglücklicher Krieg die Macht unseres Landes schwäche, unserer Industrie schweren Schaden brächte, Handel und Ge­werbe zu Grunde richtete? Dann würden es die Arbeiter am eigenen Leibe erfahren, wie töricht es war, denen zu folgen, die da glauben, unser deutsches Heerwesen sei eine überflüssige Einrichtung. Wir wollen kein Heer, um Krieg zu führen, aber wir müssen eines haben, um den Frieden zu erhalten. Wir können keine Flotte bauen, um Krieg mit England anzufangen, dazu sind wir nicht reich genug und England wirb" uns immer voraus sein, aber wir muffen unsere Küste beschützen, wir müssen eine Flotte haben, die unseren Handel, unsere auf dein Meere schwimmenden, nach Milliarden zahlenden Industrieprodukte schützt, eine Flotte, die auch dem Deutschen im Auslande die deutsche Flagge zeigt und ihn überzeugt, daß er auch fern von der Heimat ruhig seinen Geschäften nachgehen kann.

Und der Kandidat der bürgerlichen Parteien, Dr. Lucas, ist immer eingetreten für ein genügend starkes Heer, das den feindlichen Nachbarn ÖVfoeft einiläkt und baä Anse^M b^