Einzelbild herunterladen
 
  

Bez»ss-rettt

«MchLHM 1^0 M., msttatlich 60 Ug., für ai* »ârtiz« Wonnentm mit dem Lekeffrndeu Psstaufjchi«-.

Lie emjelne Nummer kostet 10 Psg.

General-Mzeiger

AMlilhes OrglUl für SM- uni FM-Lms Kim

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ss«n- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

9JL 205 Fernsprechattschlich Nr. 605.

Dienstag den 3. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1907

Amtliches.

Stadt- und Eandhreis Fjanau.

Nach Ziffer 1 der Bekanntmachung vom 4. Februar d. I., betreffend den Gewerbebetrieb der Pfandleiher (M.-Bl. d. i. V. S. 96) dürfen neue Sachen, die nicht zu den Gebrauchs­gegenständen des Verpfänders gehören, nur auf Grund einer Bescheinigung der Ortspolizeibehörde als Pfandstücke ange­nommen werden.

Zur Behebung von Zweifeln über die Auslegung dieser Bestimmung mache ich darauf aufmerksam, daß, wenn unter den rum Versatz gebrachten neuen Sachen sich unver­arbeitete Sachen, wie Leinen, Kleiderstoffe usw. befinden, und der Verpfänder glaubhaft machen kann, daß diese Stoffe für seinen Gebrauch bestimmt sind, von der Beivrlngimg der ortspolizeilichen Bescheinigung abzusehen ist.

Auf die Prolongation bereits vor dem Inkrafttreten der Bekanntmachung vom 4. Februar d. J. verpfändeter neuer Sachen sind die neuen Vorschriften nicht zur Anwendung zu bringen. II b 5034

Berlin den 31. Juli 1907.

Der Minister des Innern.

I. V.: (gez.) v. Bischofshausen.

Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Die Vorschriften vom 4. Februar d. Js. sind in Nr. 8 der Amtlichen Beilage abgedruckt.

Hanau den 29. August 1907.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

V 7076 v. Beckerath.

Politische Rundschau.

Dev Kaiser empfing gestern nachmittag eine Deputation des russischen Dragoner-Regiments Narwa, sodann den in Wien akkreditierten persischen Gesandten behufs Notifizierung der Thronbesteigung des Schahs von Persien und hierauf die hier eingetroffene abessinische Gesandtschaft. Um 6 Uhr fand im Saale des königlichen Schlosses Paradetafel statt. Im Verlaufe des Mahles trank der Kaiser dem komman­dierenden General v. Kessel zu. Gestern abend fand im Opernhause Theater pars statt. Der Kaiser saß in der großen Hofloge zwischen den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar. Der Vorstellung wohnten auch die in Berlin an­wesenden russischen, amerikanischen und englischen Offiziere uud die Mitglieder der persischen und abessinischen außer­ordentlichen Gesandtschaften bei. Die Vorstellung wurde mit Richard Strauß' Königsmarsch eröffnet. Gegeben wurde sodann Viktor Halms Festspiel:Ein Kaisertag in Nürn-

FeuiWotu

Ein Biwakstag.

Die Zeit der Manöver ist herangekommen. Jeder Soldat hat w/chl diesem Zeitabschnitt des militärischen Lebens mit freudiger Erwartung entgegengesehen. Fühlt sich doch der junge Soldat erst ganz als solcher, wenn er als Abschluß des militärischen Jahres ein Manöver mitgemacht hat; der ältere freut sich der baldigen Beendigung seiner Dienstzeit und zählt Tage und Stunden, bis èr wieder bet den Seinen in der Heimat ist. Alle sind floh, dem auf die Dauer ein­tönigen Garnisonleben zu entgehen, neue Gegenden und neue Menschen kennen zu lernen.

Seine Hoffnungen müssen aber noch eine Gefahr tiber­stehen, ehe er sicher ist, mit ins Feld zu rücken. Ein Wach- kommando muß zurückbleiben und jede Kompanie stellt dazu einige Leute.

Sollte das Schicksal wirklich so hart sein und gerade ihn dazu bestimmen, der schon immer mit froher Erwartung an die Manöverzeit dachte? Die Enttäuschung wäre zu hart.

Als beim Appell die Namen derjenigen verlesen wurden, welche zurückbleiben sollten, war der seine nicht dabei. Es wäre ja auch nicht denkbar gewesen, daß er, der immer ein strammer Soldat war, der gern seinen Dienst tat und immer tiner der Eifrigsten roar, hätte zurückbleiben sollen.

Traurig lassen die zum Wachkommando auserlesenen die Köpfe hängen ; wie gern wären sie mitgezogen in den frischen, fröhlichen Feldkrieg mit Platzpatronen. Mit einem Male sind ihre Hoffnungen und Luftschlösser zerronnen. Aber es müssen eben Leute zurückbleiben, das geht nicht anders; da­mit fügen sie sich dem bittern Muß und vertrösten sich auf das nächste Jahr.

Große Anstrengungen erwarten den jungen Soldaten. Früh, meist noch in der Dunkelheit, wird angetreten und in den frühen Morgen hineinmarschiert zum Sammelplatz. Empfindlich kalt schon ist es in den Septembertaaen um diese Tageszeit.

berg." Die Abfahrt des Kaisers nach Wilhelmshaven erfolgte 103/4 Uhr.

Für den bevorstehenden Besuch des Kaisers in Ostprenszen sind folgende Dispositionen getroffen: Nachdem der Monarch am 20. d. M. den Festungsübungen in der Nähe des Dorfes Glowno bei Posen beigewohnt hat, fährt er am Tage darauf mittels Sonderzuges nach Königs­berg zur Teilnahme an der Einweihungsfeier des dortigen Domes. Am 23. d. M. nimmt der Kaiser an der Ent­hüllung des Nationaldenkmales in Memel teil, von wo aus er sich nach Schloß Rominten zu begeben beabsichtigt. Hier ist ein Aufenthalt bis Anfang Oktober in Aussicht genom­men. Die Abreise von Rominten erfolgt gegen den 4. Oktober; die Fahrt geht zunächst nach Cadinen, wo der Kaiser einige Tage zu verweilen gedenkt. Im Anschluß hier­an erfolgt über Marienburg und Danzig die Rückreise nach Berlin. Ob die Kaiserin mit Rücksicht auf den ihr zuge­stoßenen Unfall den Kaiser nach Ostpreußen begleiten wird, erscheint zurzeit noch fraglich.

Der bayerische Landtag ist auf den 27. Septbr. einberufen.

DeuLsch-Südwestafrika. Rach einem Telegramm des Gouverneurs v. Schuckmann aus Windhuk vom 31. August haben siebzig bei Morenga befindliche Bondels um Aufnahme in das mit den Bondels im Dezember 1906 geschlossene Unterwerfungsabkommen gebeten. Um Morenga Kräfte zu entziehen, sind Verhandlungen eingeleitet worden. Morenga selbst befindet sich bisher abwartend auf englischem Gebiete.

Oesterreich-Ungarn. In den Blättern werden zahl­reiche Meldungen über die Opfer veröffentlicht, welche die letzten Uebungsmärsche und Divisionsmanöver infolge der großen Hitze gekostet haben. Die Grazer Montagszeitung behauptet, die Zahl der Toten im Manövergeländ« betrage bereits sieben; die Manöverleitung leugnet dies, gibt jedoch eine große Zahl von Marschkranken, besonders unter den Reservisten, zu. Die Kärntner Landeszeitung meldet aus an­geblich zuverlässiger Quelle, daß beim Marsch über den Radl« berg bei Schießübungen scharfe Schüsse abgegeben wurden. Ein Oberleutnant des 2. Bosnischen Regiments soll getroffen und auf der Stelle getötet worden sein.

Frankreich und die Weinfälschung. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In der französischen Kammer ist Klage darüber geführt worden, daß, namentlich aus Deutschland, Zirkulare und Erzeugnisse in großer Menge nach Frankreich gelangen, welche die Verfälschung oder künstliche Herstellung von Burgunder-, Medoc-, Bordeaux- und Madeirawein, Rum, Cognac, Absinth usw. zum Ziele haben. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß ein derartiges Vorgehen nach dem französischen Gesetz vom 1. August 1905 über die Unter-

Allmählich treffen auch die anderen Truppenteile ein. Die Infanterie kommt langsam auf der Sttaße einhergewalzt. Die Kavallerie, mit ihren wehenden Fähnchen an den Lanzen, trabt eilig an der Kolonne vorüber. Begrüßungen und Scherzworte fliegen hinüber und herüber. Auch die Artillerie rasselt mit ihren Geschützen heran, und wird von den andern Waffen mit entsprechenden Scherzworten empfangen. Doch das beeinträchtigt die Kameradschaft nicht, die Worte sind nicht bös gemeint, und hernach im Quartier herrscht Ein­tracht und Frieden untereinander.

Unterdessen wird die Kriegslage bekannt gegeben, und die Uebung beginnt.

Die Kavallerie setzt sich wieder zu Pferde und trabt vor­auf. Der lange Heerwurm der Infanterie, untermischt mit Artillerie, folgt nach. Wie schön und interessant ist das Bild. Ueberall sieht man Patrouillen reiten, Ordonnanzen sprengen an der Kolonne entlang, hohe Vorgesetzte mit ihrer Begleitung ziehen vorüber. Doch der Marsch wird ermüden­der, eine Stunde nach der andern vergeht, ohne daß eine Ruhepause eintritt. Ob Regen, ob Sonnenschen, ob die Wege grundlos sind, oder ob der aufwirbelnde Staub schier den Atem raubt, und die Zunge am Gaumen klebt, es wird ohne Unterbrechung weitermarschiert.

Da heißt es aushalten, die Zähne aufeinanderbeißen und seine ganze Willenskraft zusammennehmen, um nicht zu ver­sagen.

Plötzlich hört man dumpf aus der Ferne einen Kanonen­schuß herüberschallen. Durch die Reihen der Marschkolonne geht eine freudige Bewegung. Der Feind ist glücklich ge­funden und nicht mehr weit, der anstrengende, einförmige Marsch geht bald zu Ende, und das Gefecht steht bald bevor.

Der Feind hat die gegenüberliegenden Höhen besetzt, die Unsrigen sollen sie angreifen. Die Artillerie leitet den Kampf ein. Vereinzelt schallt Gewehrfeuer herüber, die Avantgarde ist ins Gefecht getreten und deckt den Aufmarsch der übrigen Kolonne. Die Abteilungen biegen aus der Marschkolonne von der Sttaße ab, um in breiter Front zum Angriff vorzu­gehen. Lange dünne Schützenlinien ziehen über die Ebene, dahinter werden geschlossen die Unterstützungstruppen nach­geführt. Das Gewehrfeuer wird allmählich stärker, bis auf

drückung des Betruges beim Warenhandel strafbar ist. Die einschlägigen Bestimmungen in Ziffer 4 des Artikels 3 lauten: Mit Gefängnis und Geldstrafe wird bestraft, wer Erzeugnisse, die zur Verfälschung von Lebensmitteln für die Ernährung von Menschen und Tieren, zur Verfälschung von Getränken, landwirtschaftlichen oder Naturerzeugnissen geeignet find, unter einer ihre Bestimmung andeutenden Form ausstellt oder ver­kauft, ferner wer zur Anwendung dieser Mittel durch Bro­schüren, Rundschreiben, Prospekte, Anschlagzettel, Anzeigen oder durch irgendwelche Anweisung auffordert. In der Be­antwortung der Interpellation versprach der Landwirtschafts­minister darauf hinzuwirken, daß mit Hilfe der Grenzzoll­behörden der Gnfuhr jener Zirkulare und Waren gesteuert werde.

Türkei. In der gestrigen Sitzung der Synode er­klärte der Patriarch Joachim, daß er infolge verschiedener Schwierigkeiten, die er bei der Pforte finde, und des Scheiterns aller Schritte bei den Großmächten zum Schutze der Interessen des Pattiarchats gezwungen sei, zurückzutreten. Joachim be­auftragte den Präsidenten des gemischten Rats, dies zur Kenntnis des Rats zu bringen. Es scheint, daß die An^ kündigung des Rücktritts nur als ein Druckmittel dienen soll, um die Pforte gefügiger zu machen. Nach einer Meldung an das Patriarchat hat die Polizei bei dem Metropoliten von Drama eine Haussuchung vorgenommen und seine Brief­schaften beschlagnahmt. Die persische Regierung ant­wortete auf die letzte Note der Pforte, daß sie die gemischte Untersuchungskommission annehme und Vertreter ernennen werde.

Politischer Mord. Wie dem Reuterschen Bureau aus Teheran gemeldet wird, bestätigt es sich, daß der Mörder des Großwesters, der Geldwechsler Abbasali auS Baku, Selbstmord beging, nachdem er den Soldaten, der ihn fest­nehmen wollte, erschossen hatte. Ein Mitschuldiger, der den Mörder zu befreien versuchte, wurde verhaftet. Briefe, die man bei den beiden fand, zeigen, daß sie auf Befehl bei revolutionären Komitees in Baku gehandelt haben.

Neue Di-urantensteuer in Kapland- Die gesetz­gebende Versammlung in Kapstadt nahm die vom Schatz­minister vorgeschlagene Maßregel an, den Diamanten- und Kupferminen-Gesellschaften bei einem jährlichen Gewinn von mehr als 50 000 Pfund Sterling eine Gewinnsteuer von 10 Prozent aufzuerlegen.

Die Lage irr Marokko.

Casablanca, 1. Septbr. Die Umgebung der Stadt ist anscheinend nicht mehr von Feinden besetzt. Die spanischen Truppen, die etwa 500 Meter vom Marrakesch- tore entfernt an der Meeresküste lagen, gaben nachts zahl­reiche Schüsse auf Eingeborene und Marodeure ab. Ein der ganzen Linie der Kampf entbrennt. Hell und scharf tönt das Jnfanteriefeuer herüber, die Artillerie begleitet in dumpfem Baß die Melodie. Die Schützenlinien arbeiten sich in Sprüngen immer näher an den Gegner heran. Das Feuer steigert sich zusehends, bis kurz vor dem Einbruch ein Höllen­lärm losgeht, daß man sich kaum mit seinem Nachbar ver­ständigen kann. Mit Hurra bricht dann die ganze Linie vor und in die Stellung des Feindes ein, welcher das Feld räumen muß.

Die Schlacht ist gewonnen, der Feind ist geschlagen. Der Leitende des Manövertages unterbricht durch Signal, daS von allen Hornisten beantwortet wird, die Uebung rmd ver­sammelt die Offiziere zur Kritik.

Die Gewehre werden zusammengesetzt, das Gepäck ab­gelegt, und der Soldat darf von den Strapazen des Vor­mittages ausruhen. Aus den nächsten Häusern wird Wasser herbeigeschafft, das mitgenommene Frühstück wird verzehrt, und die Lebensgeister sind wieder aufzefrischt, daß der Soldat sich seiner Leistungen freuen kann und mit den Kameraden in fröhlichem Geplauder seine Erlebnisse austauscht.

Doch die Zeit der Erholung geht vorüber; die Kritik ist zu Ende. Der Leitende bringt durch ein Signal Leben in die ruhenden Truppen. Der Feind zieht sich weiter zurück, der Angreifer folgt noch einige Zeit lang, aber nur zögernd.

Jetzt könnte der Abmarsch ins Quartier erfolgen, aber heute ist die Hoffnung vergebens; es wird biwaktett. Ein schöner Herbsttag ist es freilich, aber ein schöneS Quartter wäre den meisten doch lieber.

Auf den Biwaksplätzen werden die Gewehre zusammen­gesetzt, das Gepäck abgelegt, und bald beginnt ein geschäftiges Treiben. Auf der Straße kommt langsam ein endloser Wagen- zug näher, der die Biwaksbedürfnisse bringt. In der Nähe des Biwaks trennen fstch die einzelnen Wagen und sichrer zu ihren Truppenteilen.

Hier werden die Lebensmittel abgeladen, frisches Fleisch, das unter dem Messer eines sachverständigen Metzgers zer­legt wird, Konserven, Kartoffeln. Ein anderer Wagen bringt Holz zum Kochen und Stroh für die Nacht, welches in Haufen aufgeschichtet wird. Vom Kompanie-Packwagen wer­ben die Bedürfnisse der Kompanie und bas Gepäck der OM.