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Nr. 77
Uernsprechanschlittz Nr. 605.
Samstag den 31. März
Fernsprechanschlittz Nr. 603
1906
Hus Pyanau Stadt und Tand.
Hanau, 31. März.
Hanaiis Ziikliiift.
Ein Wort an unsere städtischen Körperschaften.
Zahlen beweisen 1 Die Volkszählung zeigt 8ns, daß die Einwohnerzahl Hanaus in 5 Jahren nur um zirka 1800 Personen zugenommen hat. Wenn man damit die viel größere Zunahme anderer JndusiriepIâtze vergleicht, so liegt es nabe, die Ursache dieses langsamen Wachstums kritisch zu beleuchten und einige reformatorische Anregungen zu geben, welche vielleicht geeignet sein könnten, hierin eine Aenderung herbeizuführen.
Die Hauptursache ist der langsame Fortschritt unserer hiesigen Industrien. So schön es klingt, wenn man in der Zeitung liest: „Erfreulich, Wilder ein Hanauer," und uns die Heldentaten geschildert werden, die unsre Hanauer aus- wârts ausg^führt haben, so wüßte es viel richtiger Heißen: „Leider ist uns wieder einer verloren." Geht man die hiesigen Familien der Reihe nach durch, beinahe in jedem Hause ist das eine oder andere Mitglied von Hanau weg. Wie mancher. Vater, wie manche Mutter hätten den Sohn oder die Tochter lieber bier am Platze, aber, der Kampf ums Dasein hat sie weggeführt. Jeder Erwachsene repräsentiert ein gewisses Kapital für Schule, Lehre, Erziehung rc, und beziffert sich der Verlust der Stadt jedes Jahr auf viele Tausende. Wie viele geborene Hanauer sind in Pforzheim, Berlin, Frankfurt und anderen Städten. Sie haben auswärts höheren Verdienst gefunden und dienen die hier erworbenen Kenntnisse dazu, ihre früheren Mitbürger mehr | oder weniger zu schädigen. Es fehlt hier, ap Nnternehmungs- k geist zur Begründung einer Selbständigkeit, namentlich solcher Unternehmer, welche aus dem Arbeirerstand hervorgegangen sind." In Offenbach ist z. B. ein Portefeuille- fabrikant, der vor 30 Jahren als armer Schlosser-Geselle anfing und heute 500 Arbeiter beschäftigt. Aehnliche Fälle hat man auch häufiger in Pforzheim, bei uns aber garnicht.
PH. Drapala sagt:
„Der Volkswohlstand besteht nicht in der Anhäufung von Kapitalien, sondern in der Fähigkeit der Hervorbringung derselben. Nicht die erzeugten Güter, sondern die Pflege der Erzeugungskräfle und Hervorbringungsfähigkeiten ergeben das allgemeine Volkswohl. Je mehr diese Kräfte gepflegt werden, um so mehr bilden sie die reichlich fließenden Quellen alles Volkswohlstandes. Die zweckentsprechende und zeitgemäße -
Pflege d er Produktivkräfte sollte die eigentliche Hauptaufgabe aller Behörden und Vereine sein. Diese sorgsame Pflege nützt den Völkern mehr als alle Sozialpolitik und phantastische Zukunfts- sozialistik."
_ Eine derartige Tätigkeit müßte von den bestehenden kaufmännischen Behörden und Vereinen ausgehen. Es ist aber bis jetzt von denselben in dieser Beziehung noch wenig ge- | leistet worden und auch der Grund der geringen Fortschritle der hiesigen Industrien. Ein größerer Wechsel in den leitenden Anschauungen wäre im Interesse der Stadt gelegen. Niemand sollte länger wie 10 Jahre dem Vorstande eines gewerblichen oder kaufmännischen Vereins bezw. Körperschaft angehören. Die Erfahrung zeigt, daß wir bei den seitherigen Prinzipien nicht vorwärts schreiten und Stillstand ist Rückgang.
Die Stadt könnte die Initiative ergreifen und einen Ausschuß von 6 bis 8 Herren bilden, dessen Aufgabe
die Ermunterung industrieller Unternehmungen wäre und dem sie einen tüchtigen Beamten zur Verfügung stellt. Es gilt möglichst weite Kreise für diese Fragen zu interessieren, nur wenn jeder Bürger daran mitarbeitet, ist Aussicht auf Besserung. Es müßte eine Aufforderung in den hiesigen Zeirunqen erlassen und für jeden von dem obigen Ausschuß angenommenen Vorschlag ein Preis von 5—10 Mk. gezahlt werden.
Die Stadt könnte dem
Kaufmännischen Verein ein ganzes Hans mit Winschaftsbetrieb, wie z. B. Mark, vlatz 14, zur Verfügung stellen,, enthaltend mehrere Gesellschaftszimmer, 1 Billard-, 1 Lesezimmer, in dem zirka 30 kaufmännische Zeitungen für Rechnung der Stadt ausliegen; geheizt und erleuchtet. Eine Bibliothek müßte die neuesten Auflagen der bedeutendsten Adreßbücher enthalten, wie Leuchs, Drdot Botlin, Kelly, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Offenbach,
Aschaffenburg, Pforzheim, Gmünd rc. Alles für jedermann zugängig. Der Kaufmännische Verein würde dann erst die Stellung einnehmen, welche ihm seiner Wichtigkeit nach gebührt.
Der lleberganq aus dem handwerksmäßigen Betrieb in den Fabrikbetrieb sollte gefördert und unterstützt werden. An alle Handwerker und k eine Gewerbetreibenden müßte die Anfrage gerichtet werden, ob sie geneigt wären, ihren Betrieb zu vergrößern/ wenn denselben ein Teilhaber mit Kapital zur Verfügung gestellt würde. An Kapital fehsts nicht, das hat die Begründung der Kunstseidefabrik bewiesen.
Die Stadt könnte alljährlich
Geld-Prämien für die verschiedenen Gewerbe aus'etzen und einen dafür geeigneten Verein, vielleicht den Gewerbe- und Handwerker- Verein veranlassen, mehrere Preis-Ansschreiben zu veranstalten zur Herstellung gewerblicher Gebrauchsgegenstände.
Für Schlosser z. B. die Anfertigung einer hübschen Kassette, eines Blumentisches rc. Das für Stellung der Aufgabe ernannte Preisgericht müßte recht verschiedenartig zusammengesetzt sein, z. B. 2 Schlosser, 1 Maschinenfabrikant, 1 Eisenwarenhändler, 1 Fahrradhändler, 1 Spengler, 1 Akademielehrer rc. Die Hauptsache bei solchen Ausschüssen ist es, möglichst viele neue Leute für diese Frage interessieren.
Aehnliche Wettbewerbe und Prämiierungen könnten auch für andere Handwerke ins Leben gerufen werden, für Schreiner z. B. die Anfertigung eines Herren-Schreibtisches rc.
Auch für das weibliche Geschlecht könnten Dilettanten- Arbeiten prämiiert werden und zur Ausstellung gelangen, z. B. keine Handstickereien, Kissen, Deckchen rc.
Ich will nur an einigen Beispielen zeigen, wie ich mir die Sache UMWx deM, -äst SiM. har chas gröstie Interesse daran, die Steuerkrast ihrer Einwohner zu steigern. Die dafür gemachren Aufwendungen würden mit Zins und Zinseszins wieder einkommen. Aber ein Feld, das nicht bearbeitet wird, bringt auch keinen Ertrag. Ohne Fleiß, kein Preis.
Es sollte mich freuen, wenn meine Ausführungen zu einer Aufklärung führen, noch mehr aber, wenn die Stadt Veranlassung nehmen würde, dem einen oder andern Vorschlag näher zu treten.
Cives.
* Mustevung. Montag den 2. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinde Fechenheim.
* Wallonische Kirche. Morgen vormittag 11 Uhr wird ein Gottesdienst in französischer Sprache in der Kapelle abgehalten werden.
* Klassenlotterie. Die Erneuerungslose sowie die Freilose zur 4. Klasse der 214. Königlich preußischen Klassenlotterie sind nach den W 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 3. Klasse bis zum 3. Avril d. I., abends 8 Uhr, bei Verlust des An- rechts einzulösen. Die Ziehung der 4. Klasse dicker Lotterie w'rd am 7. April d. I., morgens 8 Uhr, im Ziehungssaale des Lotteriegebäudes ihren An'ang nehmen.
* Landeestüt Fillenburo. Der Oberleutnant von Prittwitz und Gaffron, bisher im Hutarenregiment von Schill (1. Schlesischen) Nr. 4, ist zum Direktor des Landgestüts zu Dillenburg ernannt worden.
* Kahsgrund - Eisenbahn - Aktien - Gesellschaft. In der gestern stattgefundenen Generalversammlung der Aktionäre der Kablgrund - Eisenbahn - Aktien - Gesellschaft zu Schöllkrippen, welche im Sitzungssaal des Gastbau'es „zu den 3 Rindern" in Hanau erfolgte, waren von 1260 Stimmen 722 Stimmen vertreten. Die Bilan; und Gewinnverteilung wurde einstimmig genehmigt und den Gesellschaktsoraanen für das Geschäftsjahr 1905 Entlastung erteilt. — Dem Geschäftsbericht ist folgendes zu entnehmen: Das Berichtsjahr war im allgemeinen nicht ungünstig, trotzdem sich die Erwariungen nur teilweise erfüllten. Gegen das Vorjahr sind die Einnahmen im Per'vuenverkehr etwas gestiegen, während die Einnahmen im Güterverkehr wegen Ausfall der Obsternte eiwas zurückgeblieben sind. Die Nebeneinnahmen waren im Eisenbahnbetriebe etwas höher wie im Vorjahre. Im Ringofenbetriebe blieb der Gewinn wegen abermaliger Steigung der Kohlenpreist und vermehrten Lohne gegen das Vorjahr etwas zurück. Der Steinbruchbetrieb am Hahnenkamm brachte einen kleinen Verlust. Einer Auflage der Aufsichtsbehörde zufolge wurde mit dem Bau eines Arbeiter-Waich- und Bade- hanses in Großblankenbach benennen« Behnks rationeller Ausbeutung des Kalksteinbruchs Eickenberg wurde eine Lokomotive und 14 Transportwagen beschafft, auch wurden die Geleise daselbst entsprechend umgebaut. Ein Lokomotiv
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schuppen wurde errichtet. Der kostspielige Betrieb mit Pferden ist dadurch in Fortfall gekommen. Wegen Neberlassunq eines Sandsteinbrucks in der Gemarkung Eichenberg, behuks Ausbeutung für Rechnung der Gesellschaft, schweben Verhandlungen mit der Königlichen Forstvcrwaltung. Der Stein kommt in weißer, gelber und roter Farbe zum Vorschein. Für das fonvrenbe Geschäftsjahr können die Aussichten al- günstig bezeichnet werden. — Auf der Kahltalbahn (Kabl-Schöllkrivven) wurden im Berichtsjahre 1905 befördert insgesamt 244 393 Personen (1904: 235 327). Die Einnahmen betrugen aus dem Personenverkehr 67 562.68 (im Vorjahre 64 726.06 Mk.), aus dem Gepäckverkehr 532.80 (L V. 542.30 Mk.), aus dem Güterverkehr 78 841.49 (i. V. 84 002.80 Mk.), aus Nebeneinnahmen 9438.34 (i. D. 8768.56 Mk.), aus dem Gesamtverkehr total 156 375.31 (i. V. 158 039.72 Mk ). — Der Gewinn der Aktien-Gesellschakt im Jahre 1905 stellte sich aus dem Eisenbahnbetriebe auf 78 469.11 Mk. (i. V. 81 487 Mk.), aus den Industriebetrieben auf 26 768.33 Mk. (i. D. 33 055.12 Mk.), insgesamt auf 105 237.44 Mk. (i. D. 114 542.12 Mk.). Die zu verteilende Dividende beträgt wiederum 7'-» pCt. wie im Vorjahre.
* Aus dem Geschäftsbericht der Süddeutschen Edes- und N nedelmetall-Beru^s^enoffenschast pro 1905 ist nachstehendes hcrvorznbeben: 1. Die Zahl der der Genossenschaft angehörigen Betriebe stieg von 2209 im Jahre 1904 auf 2272 im Jahre 1905, also Zunahme: 63. 2. Versicherte Arbeiter waren beschäftigt 1905: 69 200; 1904 65 889, also Zunahme: 3311. 3. Die verausgabten Löhne betrugen 1905 : 63 724 266 M.; im Jahre 1904 59 359 669 M., Zunahme". 4 364 597 M. 4. Der Durch- schnutslohn für einen Arbeiter einschließlich der sugendlickeu Arbeiter und Lehrlinge stellte sich 1905 auf: 920.87 M., 1904 900.90 M., also Zunahme 19.97 M. 5. An Unfall« Ennchädiaungen wurden gezahlt 1905 : 314405.16 M., gegen 1904 286579.63 M., also mehr 27 825.53 M. 6. Rentenempfänger waren es: 1905: 2199, 1904: 2007, Zunahme 192. 7. Entschädigungen wurden 1905 erstmals ausgezahlt in 319 Fällen, 1904: in 293 Fällen, Zunahme 26 Fälle. 8. Das Schiedsgericht wurde angerufen 1905 in 190 Fällen, gegen 104 Fälle im Jahre 1904, 138 der 190 Fälle wurden zu Gunsten der Genossenschakt entschieden. 9. Die Verwaltungskosten der Gcnossenschast sowie der 4 Sektionen einschließlich der Entschädigungsfestsetzungs- sowie der Be- triebsrevisions-, Schiedsgerichts- und Unfallverbütungskosten betrugen 1905: 49468.15 M.; 1904: 40958.48 M. 10. Der Reservefonds wird sich nach Zuweisung des pro 1905 noch zu erhebenden Zuschlages auf 570415.78 M. stellen. Der Zuschlag zum Re'ervekonds pro 1905 betrug 37 507.65 M. Der Sitz der Süddeutschen Edel- und Unedelmetall-Berufsgenossm- schaft ist Stuttgart.
* Dienstjudiläum. Herr Eraminator Ad. Deberlt, an der Kinzigbrücke, Veieran der Kriege 1866 und 70/71, feiert morgen sein 25jähriges Jubiläum tm Dienste der Stadt. Seines schlichten, zuvorkommenden Wesens halber erfreut sich der Jubilar allgemeiner Sympaihie. Auch wir bringen ihm die besten Wünsche dar.
Jubiläum. Herr Jean Weiß, Bnreandiencr bei Georg Heydl Nachf., begeht morgen sein 25jähriges Geschäfts- jubiläum.
* Neues aus dem Prattsfttrfer Zoologischen Garten. Ein furchtbarer Vernichtungskrieg wurde diesen Wuiler gegen die Ranpcnncster geführt. Die Ganendireklion Hai nämlich feftgeftellt, daß. wenn nickt ein naßkalics Frühjahr die Tere tötet, die Goldafter-Ranpe in einer Menge aufireten wird, wie cs seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall war. Die Raupe schadet nun nicht so sehr durch Entlauben gewisser Balimanen, als vielmehr dadurch, daß ihre Haare, denen eine entzündliche Wirkung innewohm, bei den Spaziergängern in den Gärten und Anlagen heilige Hautaffeklionen bervorruft, sodaß die Tiere zu einer heftigen Plage werden. Den vereinten Bemühungen einer Schar von Gärtnern, dit fast jeden Baum bis sum Giv'el erklettern, dürste übrigen? die gründliche Säuberung gelungen sein. — Ein neues Tierhans entsteht soeben nabe den Hirichgehegen. Es ist ein achieckiger Bau mit Dachaufmtz, dessen Fundament bereits gelegt ist unb das über 20 Ställe bergen wi'd. Die Mauer wächst bereits aiis dem Boden. In einer Woche bürste der 'San stehen und im April von seinen vierbeinigen Einmietem bezogen werden.
* Non den Astotl eken ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Löwen - Apotheke geöffnet.
^âs Haßnenkammhaus ist Lonutags vo» 13 Uhr ab geöffnet.