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Gtneral-Anzciger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
LiurüSuugSgeraho»
Die fèufgespalteni Petüzeil« oder der« Raum 15 ^ iw SieNamm t«il die Zal« 35 Pfg,
eetatrtwotfl. Redakteur: S. Schrecker i» H-a«
Nr. 23
Ferusprcchaufchlus; Nr. 605*
Samstast den 27. Januar
Feruspvechauschlutz Nr. 605,
1906
Ap't'ichrS.
Eandhreis Hanau,
BelMtmaANen K8 .Anißlièn LanKlltsmts.
Ausschreiben.
Am 26. ds. Mis., abends 6 Uhr, wurde der Kriminal- schutzmanu Trott in der Herberge zur Heimat von einem unbekannten Mann durch einen Revolverschuß schwer verletzt. Der Täter ist entkommen. Derselbe ist anscheinend Metzger, etwa 30 Jahre alt, 1,80 Mtr. groß, hat blonde Haare und starken blonden Schnurrbart, er trägt Metzger- kappe, braune gestrickte Metzgerjacke mit weißen Hornknöpfen.
In seiner Begleitung befindet sich ein Mann, der sich als Karl Kuber, geb. 10, 11, 1881 in Trippstadt bei Kaiserslautern ausgewiesen hat. Huber ist etwa 1,60 Mtr. groß, trägt grauen Anzug, braune wollene Metzgerjacke mit weißen Hornknöpfen.
Es wird ersucht, nach den Tätern zu forschen und sie sestzunehmen.
Hanau, den 27. Januar 1906.
v. Beckerath
Kgl. Landrat.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 20. bis 26. Januar 1906:
1 Arbeiter,
1 Hausbursche,
1 Schreiner,
6 Tagelöhner.
Hanau den 27. Janliar 1906.
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle. 2020
Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 20. Januar 1906 ist die Ehefrau des Kaufmanns Heinrich Lamy, Johannette geborene Friedrich, von Hanau wegen Trunksucht entmündigt.
Hanau den 20. Januar 1906.
_ Königliches Amtsgericht 2. 2023
Im Namen des Königs.
In der Strafsache gegen den Kaufmann Alfred Otto Eberhard Goldammer in Großauheim, geboren am 6. Februar 1882 in Leipzig-Gohlis, evangelisch wegen Widerstands rc. hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 2. .Januar 1906, an welcher teilgenommen haben:
Amtsrichter Hr. Siebert als Vorsitzender, Landwirt Philipp Stein X. aus Hochstadt, Waffenhändler Friedrich Menger aus Hanau, als Schöffen, Amtsanwalt Engler als Beamter der Staatsanwaltschaft, Assistent Dilling als Gerichtsschreiber,
für Recht erkannt:
Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung und Widerstandslèistung verurteilt zu achtzig Mark Geldstrafe, subsidiär für je 5 Mark 1 Tag Gefängnis und zu den Kosten des Verfahrens.
Dem Beleidigten, Polizeisergeani Glanz in Großauheim, wird die Befugnis zuerkannt, den entscheidenden Teil des rechtskräftigen Urteils binnen vier Wochen nach desskn Zustellung einmal auf Kosten des Angeklagten im „Groß- Auheimer Anzeiger" zu veröffentlichen.
gez. r. Siebert. 2047 Ausgefertigt unter Bescheinigung der Rechtskraft.
Hanau den 10. Januar 1906.
Der Gerichtsschreiber Königlichen Amtsgerichts 4.
Rößing, Sekretär,
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Schreinermeisters Iulius Körner in Hanau ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen — und zur Beschlußfassung der Gläubiger — über die nicht verwertbaren Vermögensstücke und über die Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer Vergütung an die Mitglieder des Gläubigerausschusses der Schlußtermin auf
den 2. März 1906, vormittags 11 Uhr,
Die heutige M
vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbst, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5, bestimmt.
Hanau den 22. Januar 1906.
Der Gerichtsschreiber 1987 des Königlichen Amtsgerichts Abt. 5.
Durch Beschluß des Vorstandes ist die Prämie für das 1. Halbjahr 1906 auf W/o des Viehversicherungswertes der Pferde festgesetzt worden. Neucintretende haben außer der Prämie ein Eintrittsgeld von l°/o und eine Nachzahlung von 2°/o des Versi cherungsweries der Pferde zu leisten.
Mit der Abschätzung der Pferde wird in den nächsten Tagen begonnen. Die Taratoren erhalten wegen des Tages der Abschätzung von dem Königl. Kreistierarzt Collmann vorher Nachricht.
Ravolzhausen am 25. Januar 1906. Der Vorsitzende des Pferdeversicherungsvereins des Landkreises Hanau.
Clauß. 1982
Gefundene ob verlorene Gegenstände 2t,
Gefunden: 1 grauer Pelzkragen, 1 Schlüsselbund (5 Stück), 1 desgl. (3 Stück), 1 schwarzer Pelz mit Köpfchen.
Verloren: 1 Arbeitstäschchen (braune Seide mit Seiten- täschchen, Inhalt: 1 Nürnbergerschere, 1 silberner Fingerhut, etwas blauweißer karrierter Stoff und blauweiße Spitze), 1 grünes Portemonnaie mit Silberbeschlag, 1 gelbes Portemonnaietäschchen.
En tl aufen: 1 weiße braungeströmte Bulldogge w. Geschlechts.
Hanau den 27. Januar 1906.
Znm Geburtstage M Kaisers.
Der Kaiser schließt heute ein Lebensjahr ab, bas an Glück und Freuden, aber auch an Ernst und Sorgen so reich war, wie kaum eines seines bisherigen Lebens. Ihm, der mit seinem ganzen Herzen an seiner Familie hängt, war es eine große Freude, als er in einem ausgedehnten Kreise verwandter und fremder Fürstlichkeiten die Hochzeit seines ältesten Sohnes feiern konnte. Wie der Monarch einst selbst, so hat auch der Kronprinz nach dem alten Worte gehandelt: „Jung gefreit, hat niemand gereut!" und nach demselben Grundsätze will auch der zweite Sohn des Kaiserpaares, Prinz Eitel Friedrich, verfahren.
Die frohen Tage in der Familie taten dem Kaiser not in einer politisch bewegten und ernsten Zeit. Schon in der Zeit, in der der Kaiser sein voriges Geburtstagsfest feierte, begannen sich die Wolken zusammenzuziehen, denn die Entsendung des Herrn Rrn4 Taillandier nach Fes und die Forderungen, die dieser Herr dort aufstellte, taten dar, daß die deutschen Interessen brüskiert werden sollten. Da aber zeigte der Kaiser, daß er als der oberste Vertreter der deutschen Nation jede Unbill, die seinem Lande zugefügt werden soll, als eigene empfindet, und er unternahm jenen Besuch in Tanger, der einen Markstein in der Marokkopolitik bedeutete. Ueber jene Reise ist im Auslande viel gezetert worden, Deutschland aber mußte dem Kaiser, der persönlich in die Bresche sprang, dankbar sein.
Mit diesem Danke hat auch das deutsche Volk nicht gespart. Mit einer der sonstigen Zersplitterung der öffentlichen Meinung in Deutschland entgegengesetzten Einmütigkeit wurde die vom Kaiser und seiner Regierung durchgeführte M. rokko- politik gebilligt. Und wenn Frankreich seinen, den Konferenzplan ursprünglich schroff ablehnenden Standpunkt aufgab, und wenn kurz vor dem heutigen Geburtstage des Herrschers die Konferenz in Alcegiras zusammcn- trat, so war dieser starke moralische Erfolg der deutschen Politik sicherlich nicht zuletzt der Erkenntnis des Auslandes zu verdanken, daß in dieser Frage Kaiser, Regierung und Volk ein unzertrennbares Ganze bildeten.
So ernst auch die Stimmung des Kaisers im letzten Jahre gewesen ist — die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages hat davon Zeugnis abgelegt —, so ist ihm doch eben aus dieser ernsten Situation die größte Freude erwachsen, die ein Herrscher empfinden kann: die Gewißheit, bet dem Rufe: „Vaterland in Gefahr" das ganze Volk hinter sich zu missen. Und daß diese Zustimmung des Volkes nicht nur eine platonische ist, das mochte der Kaiser aus dem Wohlwollen ersehen, das diesmal der Flottenforderung selbst von solchen Kreisen entgegengebracht wurde, die sich früher Mehrausgaben für die Wehrkraft gegenüber sehr skeptisch verhalten halten. Und da gerade die Flotte dem Kaiser besonders am Herzen liegt — kann man doch ohne Uebertreibung sagen, daß sie von ihm erst geschaffen worden ist —, immer temfagi ausser dem Unterhaltung
io mußte ihm natürlich der Umschwung der Stimmung m den Kreisen der früheren Flottengegner besonders ei freulich sein.
So kann man wohl sagen, daß das verflossene Lebensjahr trotz der vielen ernsten Stunden, welche die politisch schwierige Situation dem Kaiser gebracht hat — doppelt ernste Stunden bei dem so regen Veraniwortlichkeitsgefühl des Monarchen — doch ein glückliches gewesen ist. Die Ueberzeugung, sein Volk hinter Deutschlands Fahne, die er kräftigen Arms voranträgt, zusammengeschart zu wissen, wird dem Kaiser auch im neuen und in allen künftigen Lebensjahren seinen schweren Beruf erleichtern. Daß diese Jahre auch sonst recht glückliche sein mögen, wünschen wir ihm und wünschen wir uns, denn die Geschicke des Volles sind mit denen des Herrschers unlöslich verknüpft.
Hus Ran au Stadt und Eand.
Hanau, 27. Januar.
* Für die Kaiser - Ehrengabe evangel. Gemeinden Hesiens wird gemäß eines PresbyterialbeschlusseS morgen in der Marienkirche eine Sammlung veranstaltet, und zwar in beiden Gottesdiensten, also vor- und nachmittags. Das schließt aber nicht aus, daß die Geistlichen dieser Gemeinde auch noch gerne persönlich viele und reiche Gaben von ihren Gemeindegliedern zu diesem Zwecke entgegennehmen. Reichen Segen hat Gott auf den Ehestand unseres Kaiierpaares gelegt. Vorbildlich ist das Familienleben der Majestäten mit ihren Kindern unserem ganzen Volke. Das ist ein Grund dankbarer Freude für unser Volk, und es will denselben durch jene Sammlung einen bleibenden Ausdruck geben. Es wird sicherlich bei unserem Kaiserpaare große Freude Hervorrufen, wenn es wahrnimmt, wie auch die evangelischen Gemeinden des Hessenlanves Anteil an seinem Familienglück nehmen und dies durch eine aufopfernde Tat barmherziger Liebe bekunden. Wir zweifeln nicht daran, der Eingang reichlicher Gaben wird bezeugen, daß unsere evangelischen Gemeinden nicht hintenanstehen, wenn er gilt Opfer des Dankes und der Liebe zu bringen.
* Evangel. Vereinshans. Morgen abend 7l/t Uhr findet ein Familienabend mit Kaffee, Deklamation und Ge- sangsvorträgen im hiesigen evangel. Vereinshause statt. Herr Pfarrer Goebels und Herr Pfarrer Fuchs werden Ansprachen halten. Jedermann ist freundlichst eingeladen. Eintritt 40 Pfg.
* Oratorkenverein. Wir verweisen auf die im Jn- seraien'tile enthaltene Ankündigung des 2.Abonnememskonzertes.
• Parole-Musik. Die Ulanen-Kapelle spielt morgen im Schloßgarten folgende Stücke: 1. Kaiser-Marsch von Voigt; 2. Fest-Ouverture von Marx; 3. Kaiser-Walzer von Morena; 4. Gebet fürs Vaterland von Mchul; 5. Militär- Fanfare von Schreiber.
* Siadtthrater. „Stein unter Steinen", Sudermanns erfolgreiche Schauspiel-Novität gehl morgen nachmittag 'M Uhr bei bedeutend ermäßigten Preisen letztmalig in Szene. — G a st s p i e l Anny Hannewald. Abends 7 Uhr wird, wie schon gemeldet, Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm" mit der Königl. Schau- sp elerin Frl. Anny Hannewald als Gast in der Rolle der „Franziska" in Szene gehen. Von Herrn Oberregissrur Steger verständnicvoll inszeniert, wird das Meisterlustspiel in den Hauptrollen wie folgt besetzt sein: Minna — Frl. Braune, v. Tellheim — Hr. Hauser, Just — Hr. O. H. Müller, Werner — Hr. Kempf, Biccaut — Hr. Steger und Wirt — Hr. Gehrmann. Ein künstlerisch hochbedeuren- der Theater-Abend ist bestimmt zu erwarten. — Vorverkauf heute Samstag nachm'ttag von 4—5 Uhr an der Theaterkasse.
• Maingau - Turnfest. Für das dem Turn- und Fecht-Klub in Klein-Steinheim übertragene diesjährige Gautnrnfest des Maingan-Verbandes ist, wie bestimmt verlautet, der 1. Juli festgesetzt worden.
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Altstadt - Apotheke geöffnet.
* Das Hahnenkammhans ist Sonntags von 11 Uhr ab geöffnet.
* Kaisers Geburtstao ist herangekommen, die öffentlichen Gebäude tragen Flagenschmuck, auch zahlreiche Privat- Häuser haben geflaggt. Der Kriegerverein veranstaltete gestern abend im „Deutschen Hau'e" eine Vorfeier, auf die wir noch zurückkommen werden, in den Schulen sandln beute gesteifte statt. Die militärische Feier nahm den vorgesehenen Verlauf, Die Parade fand um 11 */* Uhr statt. Oberst T ü l f f, der die Parade abnahm, hielt eine kurze kernige Ansprache, die mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn, Se. Maj. itt 14 Leiten.