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Erstes Blatt.

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PierteBâ^ 1,80 M^ nwnatlii 80 $?#., für rmS« M&tifr. »bdünmtm mit dem betrefsa-dei; PsstauM«-

Die ctapbae Simur».« kstet 10 Pf»

IbiotMseauf imb Verlag der vuchdriâei de» »«ei», au Baifenfaufei in Hanau.

Gencral-Anzeigcr

Amtliches Grgau fit Ztsdi- mL FauLkreis Kma.

Erscheint täglich Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Dr« ßü-fgespalte-u PetttMte »der deren «am» 15 Pf» bi p^«e^«^ Nt galt 15 ^

BerantwerfL Rcbahetc: ®. Schreck«, b Harm».

Ml. 299 Fernsprechanschlus; Nr. 605»

Samstag den 21 DtzcmSer

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1906

Die hckWNummtt rasa K artet h.MerhMllgsbktt

24 Seiten.

Hierzu Amtliche Beilage Nr. 22." m^Mn^^^^snnnnMm&MHinfi

Amtliches.

Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.

Der Entwurf zu dem HaushaltsplanOrdentlich" für m3 Rechnungsjahr 1907 liegt vom 24. Dezember 1906 an 8 Tage lang im Siadtsekretanat, Rathaus Zimmer Pr. 11, zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.

Hanau den 20. Derember 1906.

Der Magistrat.

Vi. G e b e s ch u s. 27162

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Bekanntmachung.

Der Entwurf zum Ortsstatut betreffend die Zahl der dem Magistrat zu .Hanau angehörenden Schöffen (Stadträte) liegt vom 24. v. Mts. ab zwei Wochen zur Einsicht der Gememdeangehörigen im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 11, offen.

^eH Entwurf können innerhalb der Offenlegungssrist bei uns erhoben werden.

Hanau den 20. Dezember 1906.

Der Magistrat.

I. A.: Dr. Koppen. 27163

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 15. bis 21. Dezember 1906:

1 Arbeiter, 3 Fabrikarbeiter, 1 Schlosser,

4 Tagelöhner.

Hanau den 22. Dezember 1906.

Städtische Arbeitsvermittelnngsstelle. 27161

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge­meinde Ravolzhausen belegenen, im Grundbuche von Ravolz-

Feuilleton.

BcihNlichtssMlaffcn. "

Eine liebevolle Studie.

Man spricht so gerne von den Deutschen als dem Volke derDichter und Denker" und vergißt fast immer, ihnen das am ersten gebührende Prädikat derSparer" beizulegen. Denn kein anderes Volk versteht sich auf die schöne Tugend des Sparens so vortrefflich wie wir; von der weisen ^Ein­teilung bis zum filzigsten Knickertum eine ganze Skala liegt dazwischen ist die Sparsamkeit in manchmal geradezu virtuoser Anwendung Gemeingut geworden und das faum selbständig sich foribewegende Kind macht seme Rechte darauf so gut geltend wie der Greis, der auf den Genuß irdischer Güter fast keinen Anspruch mehrerhebt. AuS dieser tief einge­wurzelten Gewohnheit mögen denn auch so nach und nach die zahlreichen Weihnachissparkaffen entstauben lein, die un- verkümmert und unberührt durch schlechte Zeiten ihr geruhiges und nutzbares Dasein führen und mit bei Polypcnarmen des Spartriebes allwöchentlich ein blankes Mai kstücklein aus den mehr oder minder roden Taschen ihrer Anhänger her­ausfischen. Und das ergibt im Jahr ? Das Exempel ist leicht genug.

Ob nun als Sport getrieben oder mit einsichtsvoller Selbstverleugnung als Zwecksache, immer hat die Aus­übung solcher Spartätigkeit einen verborgenen Reiz und zuweilen ihre offenen Freuden. Denn da der Standort in einem jedermann zugänglichen Lokale aufgeschlagen werben muß, ist man auf den nicht gerade ferne liegenden Ausweg verfallen, die in genügender Anzahl vorhandenen Wirtschaften dazu auszuersehen .

Hinter bem voluminösen Einlagebuch und der mhalts- schweren Kasse thront der Vorstand, jovial-würdevoll, un ganzen Vollgefühl seinerwirischafilicheit Bedeutung. Ge­messen und ernst trägt er die Beiträge in die langen Spalten, wirft das Markstück.wohlwollend lächelnd in di« Geldkassette

Hausen Artikel 452 zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Dienstknechts Friedrich Wilhelm Koch zu Ravolzhausen einaelragenen Grundstücke: Krtbl. 14 Nr. 153 Neue Anlage Nr. 10 9,72 ar,

a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten,

b) Stall,

c) Holzhalle,

Gebäudesteuernutzungswert 60 Mk. Krtbl. 1 Nr. 57/5 Auf dem Hütchen, Acker, 22,10 ar, 4,44 Tlr. Reinertrag,

am 14. Februar 1907, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold den 14. Dezember 1906.

Königliches Amtsgericht. 27164

Wegen Platzmangel wird der Ankauf von Heu und Stroh bis auf weiteres auSgesetzt.

V 9258 Königl. Proviantamt Hanau.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Mülleimer, 1 Portemonnaie mit etwas über 70 Pfg. und 2 Wochenkarten Wächtersbach Orb, 1 goldner Ohrring mit schwarzem runden Stein, 1 schwarzer langhaariger Muff (im Laden Nürnbergerstraße 20 liegen geblieben, Empfang daselbst), 1 grauer Nrbeitsbeulel (Pompa­dour), 1 Damen-Gummischuh, 1 graue Kapuze von einem Herren-Umhang.

62320. Aus bem Wege von der Ramsaystraße nach dem Westbahnhof gestern mittag in der Zeit von 12 IS1/« Uhr ein badisches Kilometerheft 2. Kl. (grünes Buch) verloren gegangen. Der Finder wird gebeten dasselbe Ramsaystr. Nr. 1 abzugeben.

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Hund mit weißer Brust.

Hanau den 22. Dezember 1906.

Hus Ran au Stadt und Tand.

Hana«, 22 Dezember.

* Kirchenchor der Johanniskirche. Die Haupt­probe für die am heiligen Abend in der Johanniskirche stattfindende liturgische Christfeier findet morgen abend u m 7 U h r i m A n s ch l n ß a n den Abendgottes- dienst st a t t.' Die Mitglieder werden hierzu freundlichst eingeladen.

und richtet wieder prüfend seine Blicke nach der Tür, um die eintretenben Gäste sofort in die zwei einzigen ihn in­teressierenden Kategorien: die Sparer und Nichisparer zu sortieren. Das Scherzwort des guten Freundes überhört und ignoriert er geflissentlich. Das Markstücklein der eigenen Frau prüft er mit der gleichen kritischen Gründlichkeit wie die zehn Groschen des rotwangigen Dienstmädchens, das sich unter verlegenem Kichern an den Tisch schiebt, den lustigen Spott- und Stichelreden der Umsitzenden in ihrer Hilflosig­keit nichts weiter entgegen'etzend als eine schleunige Flucht aus dem Lokal. Und Markstück um Markstück wandert in die Geldkassette, die unersättlich ist wie der Moloch von Karthago; die Spalten des Einlagebuches füllen sich wie daS Sündenregister eines neapolelanischen Taschendiebes der Vorstand verliert weber Contenance noch äußere Haltung. Kein Wunder auch! Ihm ist der scheue Jüngling, der nach Erlegung seines Obulus fluchlariig das Lokal verläßt, nicht weniger lieb wie der behäbige Bürger von nicht zu messendem Taillenumfang, der die Trauer um die gesparte Mark in der Flut von zwölf Schoppen zu ertränken pflegt.

Und endlich naht der große Tag, wo die Geldkassette hren friedlichen Raub wieder von sich geben muß. Das ist ein festlicher Tag, und Feste muß man ferrn. So sagt der Beherrscher des Sparlokales, so sagt der Vorstand und Jo sagen die Einleger in nicht zu erschütternder Ueberzcugtheit. Und wenn aus gewichtigen Männergehirnen sich die Erkennt­nis einer angenehmen Notwendigkeit ringt, wo wären die nörgelnden Griesgrämer, deren verbissene Widerrede den Feicrdrang zu zügeln vermöchte? ... So scharen sich denn eines Abends um den verlängerten Stammtisch mit baumelnden Röcken die Getreuen unb schauen mit funkelnden Blicken nach der schweren, soliden Geldkassette, aw die der Vorstand nicht minder schwer und solid seine Hände legt. Ein kurzes feierliches Schweigen und die Kastelle speit ihre angehäufitu Schätze aus, speit und speit und läßt nicht eher in dieser netten Tätigkeit nach, bis in allen den äaumelmen Röcken sich ein liebliches Klingen erhebt, melodisch und ver­heißungsvoll wie nur der vielgeschmähie Mammon klingen

* Wallonische Kirche. Morgen vormittag präzi» 11 Uhr findet ein Weihnachtsgottesdienst in französischer Sprache in der Kapelle statt.

* Die Müllabfuhr in der Stadt Hanau wird in denjenigen Bezirken, in denen sie planmäßig am 25. d. M. bezw. 1. Januar 1907 zu erfolgen hätte, am 24. bezw. 31. d. Mts. nachmittags vorgenommen. In den Bezirken, in denen die Müllabfuhr am 26. b. Mts. zu geschehen hätte, erfolgt sie am 27. d. Mts., von P/i Uhr nachmittags ab.

* Handelskammer Hanau. Die Handelskammer hat beschlossen, an den Herrn Minister der öffentlichen Ar­beiten einen Antrag zu richten betr. den Bau großer gedeckter Wagen.

* Hanauer OWahnhof. Der Vertreter der Hanauer Handelskammer im Bezirkseiienbahnrat Frankfurt a. M. wird in dessen nächster Sitzung eine Anfrage an die kgl. Eisenbahn­direktion richten betreffend den Umbau des Hanauer Ostbahn­hofes mit Ausführung der notwendigen Unterführungen.

Prämiicruna im Tierschuhverein. Morgen Sonntag den 23. d. M. mittags 11^/i Uhr wird der Hanauer Tierschutzverein in seinem Vereinslokale (Restaurant Mohr) eine Anzahl Fabrburschen, die sich durch gute Pflege und Be­handlung der ihnen anverlrauten Tiere hervorgetan haben, prämiieren.

* Von feiten des Detaillifteu-Vereins Hanau werden wir um Aufnahme folgender Veröffentlichung ersucht: Da am vergangenen Sonntage speziell die auswärtige Kund­schaft ersichtlich in dem Glauben war, daß die Geschäfte Sonntag nachmittag zwischen 23 Uhr geschlossen leien, bemerken wir, daß der Verkauf von morgens IP/a8 Uhr abends ununterbrochen freigegeben ist.

* Kath. Gemeinde Hauau. Der katholische Arbeiterverein bat morgen Sonntag den 23. morgens in der */< 8 Uhr Messe seine G e n e r a l k o m m u n i o it, woran sich doch alle Mitglieder und Ehren­mitglieder b e-teiligen wollen. Am Abend um ^§8 Uhr veranstaltet er für dieFamilien der Mitglieder eine Weihnachtsfeier im ,,Brau­st übl". Der Präses, Herr Dechant Schlitt hält die Festrede.

* Futterkäftcheu für Vögel, angeschafft vom Hanauer Tierschutzverein, sind zum Selbstkostenpreise abzu­geben bei der Speditionsfirma I. A. Herold Nächst (B. Rei ch) in Hanau, Mainkanal.

* Don den Apotheken ist morgen nachmittag von 39 Uhr die Engel - Apotheke geöffnet.

* Das Hahnenkaminhaus ist nur Sonntags geöffnet.

kann. . . . Und die Augen der Getreuen nehmen einen starren Glan; an, der sich zum intensivsten Leuchten verdichtet, als nach unb nach an Stelle der rollenden Goldflücklein dampfende Schüsseln rücken und grünverkapselte Flaschen treten, die in jedem Sparerherz eine Revolte erzeugen. Und Dutzende »on Händen--

Silenzstum!" dröhnt es durch's Gemach und der Vor­stand erhebt sich langsam und gewichtig und blickt im Kreise geruht. Die Hände auf eine verdeckte Schüssel gelegt, beginnt er langsam, mit bedeutenden Worten eine schöne Rede ;u halten. Er spricht von den Tugenden der Menschenseele, bereit unbestrittenste und vornehmste die Spar­samkeit sei; er spricht vom Glanz der Fixsterne, von der Näbrkraft des Sauerkrauts, von der Schönheit des Ameisen- fresiers; spricht von Feiertagsbockbier, von den Vorteilen der Schnellsohlerei, von Lenz und Liebe; und in weitem Bogen kehrt er wieder langsam zum wurzelfrohen Saum der Spar­samkeit zurück, an beffen Aesten die köstlichen Früchte reifen, die Früchte des Wohlstands und der hehren Gesinnung . . ?. Und während er gerührt und übermannt die Hände vor's Gesicht schlägt, ziehen ungeduldige Finger die frei gewordene Schüssel weg und ein lautloser Vernichtungskampf gegen deren Inhalt beginnt, ein fieberhaftes Arbeiten von Kinn­backen und nur ganz vereinzelt unterbricht ein deplaciertes Schnalzen oder ein leises Gluckern aus den grünbekapselten Flaschen die feierliche St lle. Noch einmal erbebt sich der Vorstand, um seiner Spargesellschaft ein nefempfimdenes Vivat! Crescenz ! Florian! zuzürufenF dann neigt auch er den Kopf über den Teller, um im grimmigen Vertilgpngs- kämpfe seinen Mann zu stehen.

Viele, viele Stunden später sieht man seltsame Gestalten in der Nacht verschwinden, die einen im unsicheren Paßgang der Wüstentiere, andere im tastenden Schleichschritt; und was sie reden Hingt seltsam, und niemand ist im Stande, die Bcdetilung ihrer tiefen Aeußerungen zu interpretieren. Niemand! Und in den baumelnden Rockschößen Hingt es lieblich und verheißungsvoll, wie nur ein sauer «rsvartrr Mammon klingen kann.... 'k