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Vezag-prät

WerteltâhrNch 1,90 DL, monatlich 60 Pfg., für ** wittig« Abonnenten mit dem betreibenden PoßmifschUlg.

Die einjdae Nummer kotzet 10 Pf^

Kotationtbruck und Verlag der Buchdrucker» das Mttia. n. Waitenhoufes in Hanau.

General-Anzeiger

Kintilihcs Organ für Stabb anb faabkrtis Senat

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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AerauiwsrL Xedaktorr: 6. Schrecke, h, Heun»

Nr. 45 U-rnsprechanschlutz Nr. 605.

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Douncrstag den 22. Februar

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Am Samstag den 24. d. Mts., von 12 bis 1 Ahr mittags, wird der Herr Gewerbe - Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesaints im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit ju Besprechungen geben.

Hanau den 21. Februar 1906.

Königliche Polizei-Direktion.

p 1670 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.

Eandkreis Hanau.

BelmtlnchlNW Zes Königlichen LnnZrrtsNNts.

Erloschen: Die Schweineseuche in Lützelhausen, Kreis Gelnhausen.

Hanau den 21. Februar 1906. V 1190

Handelsregister.

Firma Storck & Sinsheimer in Hanau: Der Kauf­mann Lazarus Sinsheimer in Hanau ist durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Die offene Handelsgesellschaft ist durch Eintritt eines Kom­manditisten in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt worden. Persönlich haftende Gesellschafter sind: Kauf­mann Wilhelm Kredell und Kaufmann Adolf S i n s h e i m e r, beide in Hanau.

Die Prokura der Ehefrau des Kaufmanns Lazarus Sinsheimer, Lina geb. Oppenheim, in Hanau ist erloschen.

Hanau dm 16. Februar 1906.

Königliches Amtsgericht 5. 3944

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hana«, 22. Februar.

* Personalien. Herr Regierungsrat Schulin, der langjährige Fachreferent des Herrn Oberpräsidenten in Kirchen- und Schulsachen, ist zum kommissarischen Dirigenten der Ab­teilung für Kirchen- und Schulwesen an der Königlichen Regierung zu Trier ernannt worden. Herr Regierungsrat Schulin übernimmt seine neue Amtsstellung mit dem 1. März. Sein Nachfolger als Fachreferent des Herrn Oberprâsidenten wird Herr Regierungsrat Krause, bisher bei der Königlichen Regierung in Frankfurt a. O., ein Sohn des Herrn Geh. Medizinalrats Dr. Krause in Castel.

Feuilleton»

Sonderbare Bücher und sonderbare Bücherfreunde.

Von Dr. Franz Kühne.

(Nachdruck verboten )

So wenig man einen Kuß definiert, wenn man ihn die mechanische Piessung zweier Lippenpaare nennt (ein Mann, der weiser in der Mechanik, als in der Liebe gewesen sein muß, Hal diese Definition versucht), so wenig hat man auch das Buch definiert, wenn man es als die Vereinigung einer gewissen Anzahl von Seiten bedruckten Papiers bezeichnet. Daß es der unvergängliche Abdruck eines lebendigen Men'chen ist: das ist sein Geheimnis und sein ewiger Reiz. Das Buch ist eine phonographische Platte vor aller modernen Er­findung, aus der die geistige Stimme eines Pl-to oder Luther, ungeschwächt und unzersetzt durch die Jahrhunderte, an unser Ohr klingt. Ruskin hat die Bücher Könige genannt, die zum Unterschiede von den Königen der Menschenthrone zu jeder Zeit bereit seien, Audienz zu erteilen. Aber der Bücher gibt es gar viele und gar vielerlei, und ein großer Teil da­von vertritt weniger die königliche Natur des Menschen, als vielmehr sein Narrentum, wobei wir es galligen Philosophen überlassen wollen, zu entscheiden, ob diese oder jene Seite in der menschlichen Natur im allgemeinen stärker ausgebildet ist. Jedenfalls hat der bekannte Bibliophile CH. Nodier im Jahre 1835 eine eigeneBibliographie der Narren" er­scheinen lassen können, worin ein Ne^'erdlick über die oanze närrische ßiterahir gegeben wird. Ein Beispiel davon bilden die Werke eines gewissen Bernard de Dluet d'Arbères in Paris, der in einem eigenen Berichte über seine Schriften das Publikum davon in Kenntnis setzt, daß er weder lesen

* Die Oberförfterftelle Manfried im Regierungs­bezirk Castel ist zum 1. April 1906 zu besetzen.

* Sprechstunde des Gewerbeinspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Samstag dm 24. d. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesmen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.

* Doppelbesteuerung durch Handwerks- und Handelskammer. Zwecks Versuchs über Vereinbarung der Beitragsleistung verschiedener Baugeschäfte in Hanau und Kesselstadt zu den Handelskammer- und Handwerkskammer- beiträgen hat der Regierungspräsident für Mittwoch, 7. Mär; eine Konferenz von Vertretern der Handelskammer zu Hanau und Handwerkskammer zu Cassel im Rathause zu Hanau anberaumt. Als Kommissare des Herrn Regierungspräsidenten werden Herr Regierungs- und Gewerbeschulrat Steinbrück und Herr Reg.-Rat Rötger der Versammlung beiwohnen.

* Stttdttheatev. Benefiz Stahl. Das morgen neu emstudiert zum Benefiz für Frl. A n n a S t a h l in Szene gehende Schauspiel mit Gesang:M u t t erseg en" gibt der beliebten Benefiziantin neben einer dankbaren Rolle auch Gelegenheit, ihre schönen stimmlichen Mittel zu entfalten. Neue Gesangseinlagen werden dem bekannten Stücke ein er­neutes Interesse verleihen und wünschen wir nochmals, daß die beliebte Künstlerin an ihrem Ehren-Abend durch zahlreiche Aufmerksamkeiten und durch ein recht volles Haus erfreut würde. Die Regie führt Herr Gehrmann. In den Haupt­rollen find beschäftigt die Damen: Braune (Marie!; J a ida (Marquise); M üll er (Margarethe) sowie die Herren: G e b r m a n n (Commandeur) ; K e m p f (Loustalot); Ny g rin (Pierrot); Nachbauer (Andre); Oscarfen (Pfarrer) und O. H. Müller (Lanque). Die Vorstellung peguim um 1 »8 Uhr.

MittelebeinischeS Kreisiurnsest. Die für das mittelrheinische Kreisturnf.st gebildeten Fest-Ausschüsse haben jetzt ihre igkeit ausgenommen und die Konstituierung voll­zogen. Gestern abend tag'e erstmalig der P r e ß a u s s ch u ß, der sich wie folgt konstitu erie: 1. Vorsitzender Prokurist Hch. H e u s o h n, 2. Vorsitzender Zeitungsverleger Loß - berger, 1. Schriftführer Redakteur G. Schrecker, 2. Schriftführer Redakteur H. Schenck.

9 Brarrer Siller, der Verüber des Revolver-Attentats auf den Kriminalbeamten Trott, wurde gestern mittag von Frankfurt aus nach Hanau eingelrefert. Im Landgerichts- gebände fand die Gegenüberstellung des Verbrechers mit dem Herbergsvater und dessen Tochter statt, die ihn bestimmt wiedererkannten. Darauf bequemte sich S i l l e r zu dem Geständnis, die Tat begangen zu haben. Ueber die Ver­haftung des Siller in Frankfurt a. M. berichtet das dortige

«amnmmmiM^^ inimnii1 inwawEgyiwrqaraTjrcwara^ noch schreiben könne was ihn aber nicht verhindert hat, drei oder vier Bände zu verfassen. Da nun je^es Töpfchen sein Deckelchen findet, so hat es auch nicht an Büchernarren gefehlt, die in dem Besitze der Werke dieses Analphabeten ein Ziel würdig die'es Ehrgeizes erblickten, und Nodier be­richtet, daß ein vollständiges Exemplar seiner Werke im Jahre 1835 mit 600 Francs bezahlt worden sei. Ein englisches Seitenstück zu diesem Autor bildet der Lord Dexter, der in Wahrheit Timothy Dexter hieß und ein verrückter Kerl war, der, nachdem er großen Reichtum erworben hatte, seine Gärten mit hölzernen Bildsäulen anfüllte, sich wie einen römischen Senator kleidete, und, was für uns nun hierbei die Haupifache ist, seine W isheit in einigen Büchern niedcrlegte, die aller Gram­matik, Syntax und Etymologie der englischen Sprache spotten. Der Titel des einen lautet:A Pickle for the knowing ones, o Plain Truths in a homespun dress. Zu aller übrigen Verrücktheit entbehrte die erste Ausgabe dieses Buches all und jeder Interpunktionen; dafür enthielt die zweite einen ganzen Haufen von Zeilen, die nur aus Kommata, Semi- kolons, Kolons und Fragezeichen bestanden, die der Ver- fasser in dieser ebenso anmutigen wie einfachen Weise denen unter seinen Lesern zur Verfügung stellte, die sich mitSalz und Pfeffer" für den Text bedienen wollten.

Es sind aber nicht immer die Verfasser, die einem Buche das Relief der Sonderbarkeit geben, fohbern ebenso häufig sind es äußere Eigenschaften oder Schicksale der Bücher, die ihnen diesen Stempel aufdrücken. So interessieren sich manche Liebhaber ganz besonders für Bücher mittémoins", das sind solche Werke, in denen der Hobel des Buchbinders nicht alle Blätter getroffen hat, sondern einzelne noch den rauhen Rand des Papieres zeigen, wie eS aus der Bütte kam. Der Pariser Sammler M. Salomon harte eine andere Passion: er sammelte nämlich kleinste Bücker und harte 200 Exemplare dieser mikroskopischen Merkwürdigkeiten zusammcn- georacht. Für das kleinste Buck der Welt hielt er ein holländisches Werklein vom Jahre 1764, den .Blumenhof"

Jnt.-Bl/: Am DienStag mittag um halb 1 Uhr sah ein Arbeiter den Siller in der Herberge zur Heimat. Er kannte ihn auch als Flauderoan und hatte seinerzeit von ihm Ziga­retten gekauft, di" aus einem Diebstahl herrührien, den Siller mit einem Metzger Huber in einer Wirtschaft am Mainkai verübt hatte. Der Arbeiter, der wegen Hehlerei in Haft ge­nommen, aber wieder freigelaffen worden war, ging auf Siller zu und sagte:Ihr habt ja in Hanau schöne Sachen g-matyi!" Siller suchte sobald als möglich zu entkommen. Der Arbeiter machte die Polizei auf Siller au'merksam, und alle Reviere wurden alsbald telephonisch benachrichtigt, daß sich Siller in Frankfurt aufhalie. Der Zufall wollte, daß Siller nachmittags an einem Polizei-Revier vorüberging. Ein Schutzmann kam und wollte sich nach Hau e begeben; da sah er vor sich den Siller, den er von hinten packte und festhielt. Siller hatte einen neunläufigen geladenen Revolver bei sich, mit dem er sicher geschossen hätte, wenn er nicht von hinten gepackt worden wäre. Siller hatte sich vollständig neu gekleidet. Er trug einen Tyroler-Anzug, den er in Nürnberg gekauft haben will. Das Geld hierzu hat er sich wahrscheinlich durch Diebstähle verschafft.

* Gelandete Leiche. An der Offenbarer Schleuse wurde vorgestern mittag 1 Uhr eine etwa 40 bis 50 Jahre alte unbekannte Frau, die etwa 2 Monate im Wasser gelegen haben mag, als Leiche aus dem Main geländet. Die Tote trug ein dunkelblaues gedrucktes Kleid, blaurote Schürze, Tuch- sckuhe mit Ltderabsatz, wollenes Kopftuch und einen abgenutzten Trauring, sowie Ohrringe.

Gerick»t?jfaal

Sitzung des Schwurgerichts vom 21. Februar.

Nach dreitägiger Verhandlung wurde gestern abend gegen 11 Uhr in der Meineidssache gegen den Landwirt Hahn er von Elters und den Bürgermeister Herr von Steens das Urteil gesprochen. Diese Urteilssprechung gestaltete sich inso­fern interessant, als nunmehr der Fall eintrat, daß die Geschworenen ihre Beratungen unterbrachen und eine neue Fragestellung verlangten. Der Staatsanwalt hatte nämlich zum Schluffe seines Plaidoyrs den Geschworenen anheim gegeben, falls sie für möglich hielten, daß Hahner aus Irr­tum gefehlt, wieder zurückzukehren und die Frage nach fahr­lässigem Meineid zu verlangen. Die Verteidiger hielten eine solche Aenderung der Fragestellung für unzulässig aus recht­lichen Gründen und auch für unangebracht auch sachlichen Gründen, da es sich nur darum handeln könne, ob Hahner mit Wissen einen Meineid geleistet hat oder nicht, denn falls er sich im Irrtum befand, habe er eben nach bestem Wissen und Gewissen die Fragen vor dem Schöffengericht beant­wortet und sich demzufolge nicht strafbar gemacht. Die Ge- von C. van L., gedruckt von B. Schmidt, das 49 Seiten enthält und genau ein Viertel von der Größe einer englischen Pennymarke mißt. Der Sammler war aber doch im Irr­tum. Denn noch kleiner ist ein Büchelchen, das in den neunziger Jahren erschienen ist und von Salmin in Padua gedruckt worden ist. Dies Buch, das einen imveröffentlichten Brief Galileos an die Christine von Lothringm enthält, umfaßt 208 Seiten, jede zu neun Zeilen und etwa 100 Buchstaben und mißt 9'/, zu 6 Milimeter, sodaß der ge­nannte Blumenhof gegen ihn schon ein kleines Ungeheuer ist. Man findet weiteres über diese Gruppe von Büchern, sowie überhaupt über alles, was das Gebiet der Bibliophilie angeht, in dem sehr gehaltvollen und interessanten neuen Bucke des englischen Bückerkenners I. Herbert SlaterHow to collect books", das vor kurzem bei George Bell and Sons in London erschienen ist Slater erzählt auch von Büchern, die den Büchersammlern dadurch von besonderem Interesse waren, daß sie auf Papier von anderer Farbe, als die gewöhnlichen gednickt sind. So sind manche Aldinen ans azurfarbenem Papier gedruckt; von einer Pariser Ausgabe von SternesEmpfindsame Reise" sind einzelne Exemplare auf rosa Papier abgezogen und 25 Exemplare der 70bändigen Kehler- Ausgabe von Voltaires Werken von 17841789 präsen­tieren sich auf blauem Papiere. Nun, blaue oder rosig, Bücher mögen für einmal ganz nett anzusehen sein; aber wie denkt der Leser und vor allem die Leserin über Bücher, die in Menschenhaut gebunden sind? Ist aber alles schon dageivesen! Der berühmte Astronom Flammarion be­wunderte einmal die Haut einer schönen Gräfin; und als die bewunderte Dame starb, hinterließ sie ihm den besagten Bestandteil ihres Körpers mit der Bestimmung daß Flam­marion ein Exemplar seines BuckesCiel et Terre" ein- binden lassen sollte. Jedenfalls bildete dieser Einband immer noch eine angenehmere Erinnerung, als die in englische« Bibliotheken befindlichen Bücher, die in die Haut Hingerichteter Mörder oder auiaehanaelter Here» gebunden worden sind.