Hanauer K Anzeiger
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WoMjthrlich 1,80 M., monatlich 60 M„ f» mä» »ihtifle tomttteirtm mit dem betreffenden PostaufschloG, Di« «inzüne NmvE k»ß«t 10 Pf«.
RstâllSdnick und Verlag der Buchdrucker« M3 v«â. n, Waisenhauses in Hanau.
Genxral-Anzeiger
Amtliches SrM für Stahl- nah FssLkreis Kaum
Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sanu- und Feiertage, mit belletristischer Stellage»
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Nr. 140 Fernfprechanschlus; Nr. 605*
Dienstag den 19. Juni
N-ri»sprechanschlittz Nr. 605*
1906
Amtliches.
Bekanntmachung.
Einzahlimgskurs für Postanweisungen nach dem Anslande.
Vom 1. Juli ab wird der Einzahlungskurs für die in der Frankenwährung auszustellenden Postanweisungen (nach Belgien, Frankreich, Italien usw.) auf 100 Fr. — 81 Mk. 40 Pf., für die Postanweisungen nach Rumänien auf 100 Lei = 81 Mk. 40 Pf., und für die in britischer Währung auszustellenden Postanweisungen (nach Großbritannien, den meisten britischen Kolonien) auf 10 Pfund Sterling — 205 Mk. festgesetzt.
Berlin W. 66 den 11. Juni 1906.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
I. A.: Gieseke.
Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feilgehaltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser-Temperatur cnisprechenden Wärmegrade von etwa 10° Cels. abzugeben. Gleichzeilig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter^ Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbesondere aber der Mineral-Wässer gewarnt.
Cassel am 2. Mai 1906.
Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Mejer.
Stadtkreis I^anau* Beka tmtmachung.
Die Generalversammlung des Zweigvereins vom Roten Kreuz findet
Freitag den 29. Juni, nachm. 4 Uhr, im Magistratssitzungssaal des Rathauses mit folgender Tagesordnung statt:
1. Kassenbericht,
2. Bericht der Rechnungsprüfer über die vom Schatzuieister gelegte Rechnung,
3. Wahl der Rechnungsprüfer für die Rechnung des Jahres 1906,
4. Mitteilungen.
Hanau den 16. Juni 1906.
Der Vorstand des Zweigvereins vom Roten Kreuz.
Dr. Gebeschus. 12886
( Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hier- selbst am Freitag den 10* August d. I. abgehalten werden.
Meldungen ;u dieser Prüfung sind unter porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 M. bis ‘ spätesteils den 14 Juli d. J. an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen :
1) der Geburtsschein,
2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),
3) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede zugclasscn, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzteir Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.
Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel am 18. Mai 1906.
Der Vorsitzende der staatlichen Hufschmiede-Prüfungskommission für den Reg. -Bez. Cassel.
Veterinärrat Tietze, Königlicher Departementstierarzt, Parkstr. 9. V 4052
Hus Han au Stadt und Cand*
Hanau, 19. Juni.
* Nachruf. Die Land wirtschaftskammer widmet dem am 9. Juni d. J. in Blankenheim bei Bebra verschiedenen Kgl. Oberamtmann Friedrich Otto folgenden Nachruf: „Mit ihm ist wieder einer der tüchtigsten Landwirte unseres Bezirks dahingegangen, ein Landwirt, der seine reichen Kenntnisse und langjährigen Erfahrungen stets gern und willig seinen Kollegen, sowie der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. So war es ganz natürlich, daß ihn das Vertrauen der hesstschen Landwirte in das Direktorium des Landwirt, schaftlichen Zentralvereins berief, und als am 16. Juni 1896 der Zentralverein sich in die Landwirtschaftskammer aufloste, da wählte ihn die erste Vollversammlung der Landwirtschafts- kammer in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste durch Zuruf zum kooptierten Mitgliede auf Lebenszeit. Hier hat er treulich weitergewirkt, bis zunehmende Kränklichkeit im Laufe dieses Winters ihn zwang, auch diese Tätigkeit wieder aufzugeben. Nun schläft er den ewigen Schlaf an der Stelle, wo er geboren und erzogen ist, wo er in segensreicher Tätigkeit gewirkt hat ein ganzes Leben lang. Die hessischen Landwirte aber werden das Andenken an den tüchtigen Landwirt, den schlichten, braven Mann stets hoch in Ehren halten. Möge ihm die Erde leicht sein!"
* Kommandiert: Mannkopff, Hauptmann und Adjutant der Kommandantur von Danzig, früher Regiments- Adjutant beim Jnf.-Regt. Hessen-Homburg Nr. 166 in Hanau, für die Zeit vom 1. September 1906 bis zum Schluß der Herbstmanöver an Bord eines Schiffes der aktiven Schlachtflotte nach Anordnung des Chefs der Flotte.
* Neue Amtstitel für die Gerichtsschreibsr- laufbahn in Preußen. Der preußische Justizmimst-r Dr. Beseler hat bestimmt, daß in die Amtstitel, die von den Gerichtsschreibern und den gegen festes Gehalt auf Lebenszeit angestcllten Gerichtsschreiber-Gehilfen geführt werden, die Bezeichnung der Behörde, bei der der Beamte angestellt ist, aufzunehmen ist. Die Amtstitel lauten demgemäß: Ober- Landesgerichts-, Landgerichts-, bczw. Amtsgerichts - Sekretär und Landgerichts- bezw. Amtsgerichts-Assistent.
* Marienkirchenchor. Zu der Mittwoch den 20. d. Mts., abends 8 Uhr, im Stadtschloßsaale stattfindenden Gesangsübung werden die Mitglieder einer wichtigen Angelegenheit halber freundlichst und dringend eingeladen.
* Konferenz. Am Mittwoch den 20. Juni, nachmittags 2^2 Uhr, findet in der „Kleinen Wirtschaft" zu Wilhelmsbad die diesjährige Sommer-Konferenz der „Vereinigung evangelischer Lehrer und Schulfreunde für Hanau und Umgegend" statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1) Biblische Ansprache über das Thema: „Die Hoffnung der evangelischen Kirche in bezug auf die Offenbarung"; Referent : Herr Pfarrer Siebert aus Eichen. 2) Bortrag: „Lehrergestalten in Roseggers Dichtringen" ; Referent: Herr- Lehrer Gärtner- Dörnigheim. Gäste sind willkommen.
* Das 53. Feldbergfest ist bei herrlichem Wetter und ungemein starker Beteiligung sehr schön verlaufen. Den Besuchern des' höchsten TaunuSberges bot sich besonders nach Norden zu eine Aussicht, wie sie so klar nur selten vorkommt. Angemeldet waren über 1000 Wetturner, geturnt haben 918, bis jetzt die höchste Zahl. Das Wetturnen war erst gegen 5 Uhr beendigt. Die Uebungen bestanden in Freihochsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen und Wettlauf. Viele Weiturner waren weit hergereist, selbst von Köln und Berlin. Großen Eindruck machten um 11/a Uhr die Gesangsvorträge der Turner am Brunhildisfelsen unter Leitung des Herrn Reallehrers Stahl-Offenbach. Es würbe gesungen: „Wer hat dich, du schöner Wald" von Mendelssohn und „Harr' aus in deinem Spiele", bearbeitet von L. Stahl. Tausende von Zuhörern spendeten großen Beifall. Danach fand Gesang einzelner Gesangsriegen statt. — Beim Wetturnen erhielten den 1. Preis Eugen Keppler - Turnverein Pforzheim (40 Punkte); 2. Preis Emil Schütz-Turnverein Köln (391/» Punkte); 3. Preis Heinrich Berger - Tgm. Frankfurt a. M. (39 Punkte); 4. Preis Ludwig Burkart-Turnverein Bieber und Ludwig Müller-Turnverein Würzburg (381/» Punkte);
5) Preis Max Gaß - Turnverein Niederrad (38 Punkte);
6. Preis Heinrich Ungelin-Turnverein Niederrad und Arthur Götz-Turnges. Bornheim (ST1^ Punkte).
* Ausgestellt. Im Schaufenster von G. M. Alberti's Hofbuchhandlung (Clauß & Feddersen) sind die Preise für den am nächsten Sonntag in Roßdorf stattfindenden Sängerwettstreit anläßlich des Verbandsfestes des Nidderthalsänger- bundes ausgestellt.
* Biirgervereitt. Heute abend finbet das erste Konzert, ausgeführt von der Infanterie-Kapelle statt. In dem Pro
gramm wird die zweite Abteilung mit Stücken von C. M. v. Meber ausgeführt.
* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wi^elmsbad Militär- Konzert der Kapelle des Jnf.»Regts. Heffem Hombura Nr. 166 statt.
* Feuersgefahr. In der sogen. „Goldenen Aue" hinter dem Westbahnhofe brannte gestern abend ein Man- sardenzimmer aus. Das Feuer entstand durch Umfallen einer Petroleumlaterne. Hausbewohner und Feuerwehr beseitigten die Gefahr.
• Zirkus Hsnrp, Das weltbekannte Zirkus-Unternehmen, das zur Zeit auf der Durchreise von Nürnberg nach Würzburg und Frankfurt a. M. ist, veranstaltet am 28. d. Mts. ein kurzes Festspiel von nur 5 Tagen. Der Zirkus wird am Paradeplatz ausgestellt. Er verfügt über 110 Rasse- Pferde und annähernd 150 Personen, darunter ein Korps de Ballet von 30 feschen Ungarinnen; ferner vier Elefanten und andere Tierspezialitäten.
* Ausgestellt. Im Schaufenster der Firma Wilhelm Jaeger Söhne, Kramerstr., ist der 1. Vereinspreis des am vergangenen Sonntag in Gr.-Krotzenburg stattgefundenen Athleten-Wettstreits ausgestellt. Obengenannter Preis wurde von dem hiesigen Stemm- und Rinoklub „Eiche" mit 551’/* Punkten errungen.
* Mainwafierwärme gestern abend 16 Grad.
Gevichtsfaal.
Sitzung oes Schwurgerichts vom 18. Juni. Mordversuch.
(Schluß.)
Nach der weiteren Vernehmung des Angeklagten war er zwischen 5—6 Uhr abends, als er in die Herberge zur Heimat gekommen sei. Dort habe er gegessen und getrunken, worauf der Schutzmann Trott kam und die Anwesenden, etwa 10 Mann, nach ihren Papieren gefragt habe. Als du Reihe an ihn kam, habe er gesagt, daß er überhaupt nicht fremd sei und schließlich ein Statutenbuch vom GaSwerk in Bonn vorgezeigt. Dann habe der Schutzmann Huber gefragt und diesem, als auch dieser Papiere nicht zu haben behauptete, am Buffet die Taschen visitiert. Er selbst habe geglaubt fertig zu sein und keine Behelligung durch den Schutzmann mehr befürchtet. Als Huber dann fertig war, sei er aufgefordert worden, vorzutreten. Ec habe darauf sein Bier auS. getrunken und sei auf Trott zugegangen. Sie seien Gesicht an Gesicht auf ca. 2 Meter Entfernung einander gegenübergestanden. Als bann Trott eine Bewegung gemacht habe, als wolle er ihn anfafsen, habe er in die Tasche gegriffen, den Revolver hervorgeholt und einen Schuß auf den Schutz- mann abgegeben. Die Absicht, diesen zu toten, habe er jedoch nicht gehabt, er habe überhaupt nicht gezielt und nur den Wunsch gehegt, den Schutzmann für den Augenblick unschädlich zu machen, damit er entfliehen könne. Zuvor überlegt habe er sich nicht, was er tun wolle, wenn eS zu seiner Visitation komme. Den Revolver habe er in der rechten Hosentasche gehabt. Der Angeklagte trug bei seiner Verhaftung außer dem geladenen Revolver und dem kräftigen Taschenmesser ein riesiges Schlächtermesser bei sich, das er zum Essen verwendet haben will. Werkzeuge, wie sie Schutz- mann Trott bei ihm bemerkt haben will, habe er nicht besessen.
Zeuge Kriminalschutzmann Trott sagt aus: Ihm sei am 26. Januar durch den Kirchendiener der katholischen Kirche die Anzeige gemacht worden, daß kurz zuvor dort der Opferstock erbrochen wurde. Er habe darauf den Tatbestand an Ort und Stelle festgestellt und gefunden, daß da§ ft. Zentimeter starke Eisenblech der" Umhüllung des Lpferstockes mit großer Gewalt zurückgebogen worden war. Vom Kirchendiener wurde ihm gesagt, daß an mehreren Abenden 2 Personen beim Pfarrer gewesen seien und sich das Geld für das Nachtlager geholt hätten. Möglicher Weise ständen diese mit der Sache in Verbindung. Er sei darauf in die Herberge gegangen und habe sich zuvorbeimWirtdarüber befragt, ob vielleicht Fremde da seien, die sich durch viele Geldausgaben oder durch Ausgeben von vielem Kleingeld auffällig gezeigt hätten, was von diesem verneint wurde, doch seien ihm Huber und Ciller als im allgemeinen verdächtig bezeichnet worden. Darauf sei er inS Gastzimmer getreten, um die Fremden zu visitieren, habe aber, um die beiden nicht stutzig zu machen, von der anderen Seite angefangen. ; Als die übrigen fertig waren, wandte er sich an Siller, bekam aber von diesem die Antwort, daß er überhaupt nicht fremd, sondern nur besuchsweise nach Hanau gekommen sei. Als er dies nicht gelten ließ, wurde ihm ein Statutenbuch vom Bonner Gaswerk vorgezeigt, das er aber mit dem Bemerken, dies sei keine Legitimation, dies genüge ihm nicht, wieder zurückgab. In diesem Buche habe eine Aufforderung der Bonner Behörde gelegen, sich anzumelden und zu legitimieren. Die Adresse sei Flandergan gewesen. Als darauf Huber gleichfalls sagte, daß er keine Papiere habe, sei dieser von ihm am Büffet revidiert worden und eS habe sich gezeigt, daß er tatsächlich