Einzelbild herunterladen
 

Drittes Blatt.

BWW IM DL, moncrüich 60 Pfz., fßr ftt* âi^ toonaenten mit dem betrefieodm Postaufschl«« Lie eiszel« Sdmimöe testet 10 Pf«.

i IMoKMiSbni« mA Berfas der Buchdrucker« «8 verek. au rSaiseuhause» ix Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stob and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiurückuugssrlckh,»

Lie stdrfgespaltene PetitzeU« oder deren Raum 15 PlA» im «Älaoieutril die Zelle SS M.

Berautivorü. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 243 F-rrtspr-chanschlus; Nr. 605»

Mittwoch den 17. Oktober

Fernsprechanschluft Nr. 605» 1906

Die Bedeutung des Handels.

Zur Gesundung unserer öffentlichen Verhältnisse würde nichts mehr beitragen, als wenn die großen Berufsstände stch gegenseitig in höherem Maße schätzen und würdigen lernten. Solcher Würdigung eines der wichtigsten Berufsstände, näm­lich des Handels, sollen die folgenden Zeilen dienen. Wir legen unseren Ausführungen ein treffliches Buch zugrunde, das soeben in zweiter, verbesserter Auflage erschienen ist. Es ist dies dasSystem der Handelspolitik" von Dr. Josef Gruzel (Leipzig, Verlag von Duncker u. Humblot. 1906. Preis 13 Mk.) Das Buch muß geradezu als ein Standard­werk auf seinem Gebiete bezeichnet werden und bietet sowohl dem Geschäftsmanne wie dem Verwaltungsbeamten und prak­tischen Politiker als auch dem Manne der Wissenschaft eine auf umfassendster Sachkenntnis beruhende, lichtvolle und lückenlose Darstellung des gesamten einschlägigen Materials dar. Es sei daher allen unseren Lesern hiermit aufs wärmste empfohlen.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Handels liegt darirt, daß er die Sachgüter zu Waren umgestaltet und das mit steigender Kultur immer unentbehrlicher werdende Bindeglied zwischen der Produktion und dem Konsum abgibt. Die Vor­teile, welche daraus entspringen, sind jene, welche jede Ar­beitsteilung in der modernen Volkswirtschaft mit stch bringt. Zunächst erwächst dem Produzenten ein Vorteil da­durch, daß ihm die Sorge für den Absatz der Ware, die er sonst allein zu tragen hätte, von dem Kaufmann abgenommen wird. Mit der Größe des Betriebes nimmt auch die Zer­splitterung des Absatzes zu; die industrielle Unternehmung müßte oft den größten Teil ihrer Arbeit und ihres Kapitals nur darauf verwenden, die zahllosen Fäden des nach Größe und Art differierenden Bedarfes zusammenzuführen, um da­nach die Produktion zu bestimmen. Hier tritt der Kaufmann ein, indem er die Nachfrage in größeren Bestellungen sam­melt und diese dem Produzenten überbringt. Durch die Ab­nahme dieser kommerziellen Tätigkeit kommt der Produzent in die Lage, seine volle Aufmerksamkeit und Tatkraft dem technischen Betriebe, der Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit zuzuwenden. Er spart an Kapital, weil er nur das Risiko des technischen Betriebes, nicht auch das des kommerziellen Vertriebes seiuem vollen Umfange nach zu tragen hat. Das vorhandene industrielle Betriebskapital wird besser ver­wertet und ausgenutzt.

Nicht minder evident sind die Vorteile für die Kon­sumenten. Mit der Erweiterung der Kenntnisse von der Erde und ihren Produkten ist auch die Zahl der Bedürf­nisse des Menschen ungeheuer gestiegen. Bei dem heutigen Stande der Volkswirtschaft scheint es ganz undenkbar, daß

Feuilleton.

Die Wunderflaschc.

Skizze von Else Krafft. (Schluß.)

Also so abergläubisch ist deine kleine Frau! Das sollte man neben dir aufgeklärtem, frechem Bursch kaum für mög­lich halten! Was wird sie denn aber nun sagen, wenn die Zauberflasche so trivial von uns geleert wurde?"

Der junge Ehemann machte ein verdutztes Gesicht. Daran hatte er noch gar nicht gedacht.

Weiß ich nich", gestand er ehrlich.

Der andere lachte.

Mach dir doch den Jux und gieße Wasser rein, Mensch! Wasser bis obenan, und dann wieder feste zugekorkt und an den alten Platz gestellt. Sollst sehen, das gibt einen Hauptspaß!"

Zuerst sah Hans etwas bedenklich drein. Dann machte tr beinahe einen Luftsprung vor Vergnügen über diese Idee.

Machen wir! Meine Putte soll Augen kriegen . . . . so groß!"

Er schnalzte mit der Zunge.

In aller Eile wurde die geleerte Rotweinflasche noch mit Waffer gefüllt, verkorkt und an ihren alten Platz ins Büfett gestellt, um dann Arin in Arm und in treuer Freundschaft gemeinsam zu wandern. Es war stockfinster in der Wohnung, als Hans zurückkehrte. Weder im Korridor Licht noch im Wohnzimmer noch sonst wo.

Mieze!" rief er.

Sie war schon da. Im Dunkeln flog irgend etwas Weiches, Warmes an seine Brust, und der Frauenkopf lag so fest an seiner Schulter, als wollte er von dort überhaupt nicht mehr weichen. Er streichelte ihr Haar. Antlitz und Hände.

ein halbwegs kultivierter Staat den Konsum seiner Bewohner auf die Produkte des eigenen Landes beschränken kann; denn die Kolonialwaren, Gewürze und fremden Rohstoffe sind uns vielfach ebenso wichtige Bedarfsartikel geworden wie das im Lande selbst gebaute Geteide. Ein direkter Verkehr des letzten Konsumenten mit den Produktionsländern aber ist un­durchführbar, zumal im überseeischen Verkehr große Mengen, oft ganze Schiffsladungen bezogen werden müssen. Um da­her den Konsumenten die Erzeugnisse fremder Länder zu­gänglich zu machen, ist der Kaufmann als Bindeglied unbe­dingt notwendig. Ebensowenig aber kann auch in der in­ländischen Produktion der einzelne Betrieb den einzelnen Konsumenten befriedigen. Während sich beispielsweise die Fabriken immer mehr auf bestimmte Artikel legen, verlangt der Konsument eine immer reichere Auswahl und eine Rück­sichtnahme auf seine Wünsche und seinen Geschmack, wie sie nur der Kaufmann üben kann, der mit einer ganzen Reihe von Fabriken in ständiger Verbindung steht.

Endlich aber bringt der Handel auch der großen Allge­meinheit unschätzbare Vorteile. Nur eine selbständige Be­rufstätigkeit im Handel vermochte dem Verkehrswesen jenen imposanten Aufschwung zu geben, welchen dasselbe nament­lich im 19. Jahrhundert erlangt hat. Die Transportkosten und überhaupt die Vermittelungsspesen des Handels sind da­durch auf ein solches Niveau hinabgedrückt worden, daß sich heute die Versorgung der Welt mit Gütern aller Art auf die denkbar leichteste und billigste Weise vollzieht. Die Er­rungenschaften und Verdienste des Handels liegen jedoch nicht auf dem Gebiete der materiellen, sondern ebenso auch auf dem der geistigen Kultur. Er ist im ureigensten Interesse der Hauptförderer einer gesicherten Rechtsordnung, er wirkt allen politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen entgegen und neigt zu einer stetigen, friedlichen Entwickelung. Der Handel endlich führt die Völker zusammen, schafft die vor­handenen oder vermeintlichen Gegensätze ab und verbreitet Toleranz und Aufklärung.

So schafft der Handel hohe wirtschaftliche Werte und bildet dadurch ein überaus nützliches Glied der Volkswirt­schaft. Es wäre herzlich zu wünschen, daß die Ueberzeugung hiervon zum Gemeingut aller Kreise und Stände unseres Volkes würde.

Koloniales.

Schulgemeinde Swakopmund. In Swakopmund wurde in Anwesenheit des Bezirksamtmannes und nach einem Vortrage von ihm die Gründung einer Schulgemeinde be­schlossen. Gleichzeitig wurde ein Schulvorstand bestimmt, der die Satzungen der Schulgemeinde vorberaten und weiter

Wie heiß du bist, Putte! Und noch im Dunkeln zu sitzen! Warum denn? Bist doch sonst so graulich!"

Sie hielt ihn immer noch.

Es war so gemütlich--so so," sie stotterte ganz ungewohnt und wandte, als er die Gasflamme über dem Tisch anzündete, das Gesicht ab. Sie sah wunderhübsch aus. ' Hans, dèm die Erregung seiner jungen Frau fremd war, trat wieder zu ihr.

Was hast du denn? Bist wohl wieder so schnell durch den Sturm gelaufen, Putte? Oder hat dich die Freundin so beiß gemacht? Wer war denn außer dir noch da?" Mieze machte sich von den sie umschlingenden Armen frei.

O o sonst keiner !. Die Eltern, die kleine Schivester und und der Bruder."

Hat denn die schöne Lotte überhaupt 'nen Bruder? Was ist denn das für einer?"

Mieze wurde noch roter. .

O Student erst ja, Hans ein ganz, ganz junger Mensch noch!"

So," meinte Hans,also Student! Na, dann wollen wir mal ein bißchen was zu Abend essen, Putte. Was haste 'n alles ?"

Sie atmete sichtlich erleichtert auf.

Kalbsbraten vom Mittag noch Schinken und Käse, Hans."

Und was zu trinken?"

Bier! Im Keller steht's. Soll ich raufholen?"

Er schüttelte den Kopf.

Nee, auf Bier hab' ich gar keinen Appetit, Putte. Weißte was?"

Er mußte sich Mühe geben, ernst zu bleibben.

Wir tun . uns heute Onkels Valentins Hochzeitsgeschenk an, damit der Unsinn einmal ein Ende hat. Der Alte wollte uns ja doch bloß uzen!"

Er wunderte sich, daß sie so stumm blieb und nicht pro­

vorberatende Schritte tun soll. Der Bezirkshauptmann ist Vorsitzender des Schulvorstandes. Von 27 Anwesenden wurde Verpflichtung zu einer Jahresleistung von zusammen 640 Mk. für die Schulgemeinde gezeichnet.

Bautätigkeit in Tanga. In Tanga wird mit großem Eifer gebaut. Die Sigi-Gesellschaft sowie auch verschiedene andere Firmen errichten Geschäftshäuser. In Tanga - West ist gleichfalls eine regere Bautätigkeit zu be­merken.

Banknoten im Kiautschou-Gebiet. Der Deutsch­asiatischen Bank ist auf die Dauer von 15 Jahren die Be­fugnis verliehen worden, Banknoten durch ihre im Schutz­gebiet Kiautschou und in China befindlichen Niederlassungen auszustellen und auszugeben. Die Note^ haben ihren Nenn­wert von 1, 5, 10, 25 und 50 Dollars und von 1, 5, 10 und 20 Taels. Die Bank ist verpflichtet, ihre Noten an allen ihren Kaffen bei Vorzeigung einzulosen, und zwar an den Ausgabeplätzen jederzeit zum Nennwert, bei den übrigen Niederlassungen, soweit es deren Barbestände und Geldbe- dürfniffe gestatten, zum jeweiligen Wechselkurse. Die Bank ist verpflichtet, neun Monate nach Erteilung der Konzession mit der Ausgabe von Noten zu beginnen. Dem Reichs­kanzler steht das Ueberwachungsrecht zu.

Bergmännisches Laboratorium Tsinanfn. Das Bergbauamt von Tsinanfu errichtet ein bergmännisches La­boratorium, verbunden mit Schmelzvorrichtungen, um die vorkommenden Mineralien zu untersuchen und auf ihre Ab­bauwürdigkeit und ihren Mineraliengehalt hin prüfen zu können. Das Bergbauamt hat zu diesem Zwecke außerhalb des Osttores ein Stück Land angekauft.

Von der Schantung-Eisenbahn. Die Gesamtem» nahmen der Schantung-Eisenbahn in der ersten Hälfte des laufenden Jahres betrug über 1 Million Dollars. Die Ein­nahmen haben gegenüber dem Ertrage der gleichen Zeit des Vorjahres um mehr als 15 v. H. zugenommen. Wie die Tsingtauer Neuesten Nachrichten" melden, läßt die Eisen- bahngesellschaft eine Herabsetzung der Frachttarife eintreten. Dadurch soll die Zollzufuhr von Lebensmitteln nach den großen Städten im Innern der Provinz Schaniung erleichtert werden.

Das neue Südsee-Bcrmcfsnngsschiff. Das neue Vermeffungsschiff für die Südsee,Planet", ist am 29. August in Amboina eingetroffen und am 3. Oktober mit Bestimmung nach den Hermit-Jnseln in See gegangen. Das Schiff wird also bald deutsche Gewäffer erreichen.

D. K. G.

testierte. Er trat zum Büfett, öffnete die Tür und nahm die Flasche aus dem Fach. So würdig wie möglich hob er den Arm, um das Glas gegen das Licht zu halten. Im nächsten Augenblick hätte es Scherben gegeben, wenn Mieze nicht zu­gegriffen hätte.

Aber, . . . aber was tust du, Hans?"

Sie zitterte am ganzen Körper.

Beinahe--hätte, hätte der Wein--auf unserm guten Teppich gelegen!"

Er antwortete nicht. Er starrte bald die Flasche, bald das blühende, erschreckte Frauenantlitz an, und ihm war, als tanze das ganze Zimmer um ihn herum.. Ein parmal strichen seine Finger über Mund und Augèn, gerade so, als wollte er sich überzeugen, ob er auch nicht träume.

In der Zauberflasche, die er vor wenig Stunden selber noch mit Wasser gefüllt, war wieder Wein. Roter . . . . dunkelroter Wein wie vorher. Das verstand er nicht. Er, der Aufgeklärte, Moderne, hatte das Gefühl, als müßten ihm die Haare einzeln zu Berge stehn und im nächsten Augenblick has grienende, zerfallene Gesicht des alten Onkels vor ihm auftauchen und ihm zurufen:Siehst du, daß ich mehr kann als du! Siehst du, du Junger, Kluger, daß du kein Spiel mit meinem Zauber treiben kannst! Deine Frau ist so rein, so treu wie Gold, und wenn du tausendmal den Wein zu Wasser werden läßt!"

HanS hatte die Flasche mit einem kurzen« Ruck auf den Tisch gesetzt und blickte sich verstört um.

* Mieze stand noch immer neben ihm. Sie hatte die Hände wie leblos am Körper hängen und sah zum Erbarmen aus.

Das begriff er auch nicht. Was wußte sie von seinem Scherz?

Er fing an nachzudenken, zu enträtseln, stellte sich die natürlichsten, vernünftigsten Dinge vor und kam doch zu keiner Lösung. Er war gerade daran, sich steif und fest ein-