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Genkral-Anzeiger

Amtliches ®rgan für Statt- nui Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-- und Feiertage, belletristischer Beilage.

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Nr. 65

Ferttsprechanschlitst Nr. 605

Samstag den 17. März

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

*

Hus Hanau Stadt und Hand.

Hanau, 17. März.

Seifende Sitzung der Stutztnerortzneten-VersuMiW

vom 16. März 1906.

Anwesend waren die Herren: Vorsteher Stellvertr. Schroeter, Aukamm, Baader, Beyer, Bonn, Brüning, Craß, Daßbach, Dr. Heraeus, Hoch, Hock, Holm, Honsen, Jost jr., Koburger, Kreuter, Loßberger, Ohl, Peteler, Salomon, Steinheuer, Schwabe, Slübing, Spatz, Uth, Voltz, Dr. Wagner, Dr. Wenke, Wohlfarth und Wolff; vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Erster Beigeord- veter Bode.

Zur Beratung steht zunächst der EtatStitelAllgemeine Verwaltung". Herr Stadtv. Hoch fragt, warum der Ver­waltungsbericht nicht mehr alljährlich, sondern nur alle drei Jahre herausgegeben werden solle.

Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus entgegnet, daß oer Magistrat der Meinung sei, es genüge die Herausgabe alle drei Jahre und daß es auch der Kosten wegen geschehe. Die Arbeit sei dieselbe, ja wohl noch größer bei dreijährigen Pausen. Uebrigens würde das wichtigste Zahlenmaterial be­sonders über die Kassenverhältnisse doch jedes Jahr den Mit­gliedern zugehen.

Stadtv. Hoch hält es für unbedingt nötig, daß der Be­richt wieder alljährlich erscheint mit Rücksicht darauf, daß die Mitglieder dann besser auf dem Laufenden bleiben und daß die einzelnen Herren dann auch besser in der Lage sind, ihn durchzuarbeiten, aI8 wenn er so umfangreich wird. Er be­antragt, die betreffende Etatsposition von 700 Mk. wieder auf 2000 Mk. zu erhöhen. Der Antrag wird abgelehnt.

Stadtv. Dr. Wagner verliest einen Brief, der ihm, wie den änderen Aerzten vom Armenamt zugegangen ist, worin die Aerzte ersucht werden, bei Behandlung von Stadtarmen keine kostspieligen Spezialmittel zu verordnen-, sondern lieber die Verbringung ins Landkrankenhäüs anzuordnen, unter Anführung eines Beispieles, wo ein Arzt für 37 Mk. Kinder­mehl verordnet habe. Nach seiner Ansicht sei die Verord­nung von teuren Spezialmitteln, die alle durch Arznei­mittel ersetzt werden könnten und nur zur Bereicherung gewisser Unternehmer dienten, allerdings unnötig, aber Kinder- prehl könne hierbei nicht in Betracht kommen.

Stadtv. Salomon sagt, daß ihm ein Schreiben zuge­gangen ist, wonach die s. Z. beantragte Hinaufsetzung des ortsüblichen Tagelohns für Hanau vom Regierungspräsidenten abgelehnt wurde und ersucht um Begründung. Weiterhin wünscht er, daß die städtischen Bekanntmachungen auch der Volksstimme" zugestellt' werden und kommt dann darauf zu sprechen, daß dem hiesigen katholischen Arbeiterverein vom Meldeamt Mitteilung gemacht werde von den neu zuziehen­den Bewohnern, während dem sozialdemokratischen Verein ein solches Ersuchen abgeschlagen worden sei, mit der Motivierung, daß politischen Vereinen grundsätzlich eine solche Mitteilung behufs Mitgliedergewinnung nicht geinacht werde. ! M-. ____-' I ^,«^.^..«.««

Feuilleton

Festkonzert des Gesangvereins Sumser.

Hanau, 16. März.

Der Gesangverein Sumser leitete seine Jubiläümsfestlich- feiten durch das am Donnerstag abend im Saale der Centralhalle veranstaltete Festkonzert würdig ein, welches sich bei kunstvoller Anlage und Aufstellung des Programms anziehend und airregend im Verlauf und glänzend im Erfolg gestaltete. Mit Genugtuung unb dem Gefühl der Freude kann daher der Verein auf br 5 gegebene Konzert zurückblicken, das ein Markstein in der Geschichte der Vereins bildet und als eines der vornehmsten und schönsten in der dieswinterlichen Saison bezeichnet zu werden verdient.

Derweilen wir zunächst einen Augenblick bei den Leistungen des Vereins. Diese sind schon früher als tüchsig anerkannt worden, daher kommt es auch, daß die musikalischen Veran­staltungen der Sumser stets einen großen Kreis von Hörern anziehen. Der sehr gute Besuch des Festkonzertes der Centralhallensaal war bis auf den letzten Platz besetzt hat den Sumsern wieder bewiesen, daß sich ihr Verein großer Beliebtheit erfreut und dessen Seiftungen eine besondere Anziehungskraft ausüben. ,Das Gebotene war denn auch bei gutem Stimmenmaterial höchst beachtenswert. Die Sänger fühlten sich von ihrer hohen Aufgabe durchdrungen und setzten allen Eifer und ihr bestes Können zur Ehre des Tages ein. Reinheit der Intonation, hübsche Schattierungen, deutliche Aussprache der Teptworte, Wärme und verständnis­voller Vortrag waren in schönem Maße vereinigt und machten einen guten Eindruck, ein Verdienst des geschätzten Dirigenten Herrn G u st a v A l t v a t e r, der sein bestes Können ciu- setzt, um den Verein immer schöneren und voHtommeiieren Zielen entgepenzuführen.

Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u S entgegnet, daß sein Brief wohl die genügende Antwort sei. Daß man nicht seelsorgerische Tätigkeit mit politischer zusammenwerfen dürfe, sei wohl ohne weiteres klar. Der Brief an die Aerzte ist ihm unbekannt, er verspricht, sich zu erkundigen. Bezüglich des ortsüblichen Tagelohnes sei der Magistrat der Meinung, daß dieser hinaufgegângen sei und hat Erhebungen über dessen Höhe angestellt, worauf der Herr Regierungspräsident ersucht wurde, diesen auf 2.80 Mark festzusetzen, anstatt wie bisher 2.50 Mark. Dieser habe es aber abgelehnt. Der Magistrat könne rfun vorläufig nichts mehr tun. Betreffs der Ver­öffentlichung der Bekanntmachungen verweist er den Vor­redner auf den Weg der Antragstellung.

Stadtv. Craß bittet, die von dèr städtischen Arbeits­vermittlung für Arbeiter herzustellenden Eingaben an Behörden in doppelter Ausfertigung machen zu lassen, damit der frag­liche Arbeiter bei späterem Bedarf noch ein Exemplar zur Verfügung hat. Ferner bittet Redner, das Arbeitsamt an­zuweisen,'daß an Prinzipale, bei denen ein Streik ausge­brochen ist, keine Arbeiter gesandt oder dies wenigstens diesen mitgeteilt werde, damit die Arbeiter keine unnötigen Reisen zu machen oder gar Streikbrecher zu spielen brauchten.

Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u S bezeichnet den ersteren Wunsch als auf einem Irrtum beruhend. Seines Wissens werde dies bereits so gehandhabt. Den zweiten Wunsch des Herrn Craß halte er für bedenklich. Falls ein Betrieb geschlossen ist, werde natürlich kein Arbeiter überwiesen.

Stadtv. Salomon behauptet, daß der katholische Arbeiterverein ebensogut politische Tendenzen verfolge, als der sozialdemokratische. Sie müßten beide gleich behandelt werden. Bezüglich des ortsüblichen Tagelohns bitte er, weitere Erhebungen anzustellen.

Der Herr Oberbürgermeister entgegnet, daß nach den ihm vom Dechanten gewordenen Mitteilungen sich die erbetene Benachrichtigung nur auf die Seelsorge beziehe. Nach den Erhebungen des Magistrats verdienten die. Tage­löhner in industriellen Betrieben ungefähr 3,50 Mk., doch sage der Herr Reg.-Präsident, daß dies keine gewöhnlichen Tagelöhner mehr seien und sich schon eine gewisse Aus­bildung angeeignet hätten. Um den Herrn Regierungs­präsidenten von diesem seinem Standpunkt, der seinerMeinung nach allerdings ein unzutreffender sei, abzubringen, habe der Magistrat kein Mittel.

Stadtv. Hoch hält die sozialdemokratische Sache für ebenso wichtig wie die Seelsorge. Das Vertrauen der Arbeiter zu der Behörde müsse schwinden, wenn sie sehen, daß mit zweierlei Blaß geinessen werde, denn der Zentrums- Verein sei ebensogut politisch, wie der sozialdemokratische. Bezüglich des Arbeitsamtes stelle er in erster Linie den An­trag, daß dieses seine Tätigkeit einstelle, wenn irgendwo ein Streik ausgebrochen ist, in'zweiter Linie, beantrage er, daß es den Arbeitsuchenden mitgeteilt werde, falls irgendwo ein Streik ausgebrochen ist oder Arbeiter ausgesperrt sind, falls dies dem Arbeitsamt durch' eine Arbeiterorhanisation kund getan würde. Die freien Gewerkschaften hätten übrigens !

DerFestliche Marsch für Männerchor und Orchester" aus dem Festspiel:Die Ruinen von Athen" von L. v. Beet­hoven war durch den edlen Vortrag äußerst wirkungsvoll und bildete eine vortreffliche Eingangsnummer. Die Wirkung wäre vielleicht noch eine günstigere gewesen, wenn man das Orchester nicht vor dem Chor auf der Sangerbubne, sondern zwischen den Sängern plaziert hätte. Die Aufstellung geschah wohl aus praktischen Gründen, um das Auf- und Abtreten der Mitwirkenden und das Zusammenrücken der Sänger zu vermeiden.

Bei den zwei prächtigen Volksliedern:Frühlingsgruß" von Schumann» undFrühlingsglaube" von Silcher würbe jede Phrase, jede Nüance mit Sicherheit herausgehoben; sie waren infolge des fein abgetönten Vortrages Glanznummerrt. Auch die Otheoravenschen Chöre:DaS Liebchen im Grabe", Bei Mondenschein" undEifersüchtelei", die in der Wieder­holung geboten wurden und von denen das ersteLiebchen im Grabe" kontrapunktistisch das wertvollste ist, kamen fein durchdacht zum Vortrag. Durch den schwungvollen, voll Urwüchsigkeit und Frische, dabei eigenartig angelegten Chor:Landerkennung" von Ed. Grieg beschloß der Verein mit Sicherheit und Kraft das in allen Teilen wohlgelungene Festkonzert. In letzterem Chor sang das Mitglied des Vereins Herr A. Bauer mit schöner Tongebung und Sicherheit den eingelegten Barilonsolo. Als eine höchst be­achtenswerte Leistung ist auch die solistische Darbietung des sperrn Bauer zu bezeichnen:Die Rede des Veit Pogner" aus der OperDie Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. Sie trug ihm viel Anerkennung ein. An derselbeir partizipiert auch der verdienstvolle Leiter des Vereins, Herr Altvater, der wie wir hörten diese Partie mit Verständnis und großem Fleiße einübte. /

Was dem Konzert noch besonders den Stempel echter Kunst aufdrückte, war die Mitwirkung zweier hervorragender Solistinnen, Frl. Elsie Playfair (Paris) und Frl. Elsa Fischer (Frankfurt a. M.) Zunächst muß anerkannt werden,

Die deutiLs Kummer umkast außer ve« UukrbaUuua^Vlalt 18 Heitsu.

ihre Vermittlungs-Tätigkeit eingestellt zu Gunsten des Ar- beitSamtes, der katholische Arbeiterverein habe das nicht getan.

Der Herr Vorsitzende bittet, doch solche Anträge späterhin einzubringen, und die Etatsberatungen nicht gar zu sehr in die Länge zu ziehen.

Herr Hoch verspricht das, soweit es möglich ist, doch könne man solche Sachen nicht zu jeder beliebigen Zeit vor­bringen.

Ter Antrag Hoch wird, nachdem der Passus bzgl. der Tätigkeitseinstellüng des Arbeitsamtes bei Streiken weggelasien wurde, angenommen. '

Hierauf wird der Etatstitel m, Vermögensverwaltung, verlesen und angenommen.

Kanalbernchimgsgebühr.

Beim Titel IV, Steuerverwaltung, wird vorerst die K «< nalbenutzungsgebühr beraten.

Hierzu liegen 4 Anträge vor, nämlich der Antrag bei Finanzausschusses bezw. des Magistrats, ein Abänderungs­antrag des Herrn Schwabe und ein solcher des Herrn Wag­ner, sowie ein Antrag des letzteren, die Gebühren nicht nach dem Mietwert der Wohnungen, sondern nach dem Einkommen der Mieter festzusetzen. Der Abänderungsantrag des Herrn Wagner bezügl. der Gebühren ist als Eventualantrag gestellt, falls der Antrag auf Einkommensteuerzuschlag abgelehnt wird.

Die Gebührensätze sind folgende:

Antrag des Finanzauss chusseS:

200 Mk. bis einschließlich

240 Mk.

1

Proz-

240

ff ff ff

400

2

ff

400

ff ff ff

750

3

ff

750

ff ff ff

1000

4

ff

1000

1250

5

1250

ff ff ff

1500

6

ff

über 1500 Antrag

Antrag

ff

Schwabe: 240360 Mk. 1

360500 2

500750 3

7501000 4

10001250 5

12501500 6

15002000 8

über 2000 10

Wagner: 200400 Mk. 1 400500 2

500800 3

8001000 5 1000-1250 7 12501500 9 über 1500 11

Vs Proz.

ff

ff

ff

ff

ff

ff

Proz.

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7

ff

daß der Verein Sumser keine Opfer gescheut hat, auch nach der solistischen Seite selbst verwöhnte Ansprüche zufrieden zu stellen. Diè Violinkünstlerin Frl. E. Playfair ist für Hanau keine neue Erscheinung. Schon einmal, vor etwa 2 Jahren, trat sie im Konzert des Lehrersängerchores auf und entzückte damals alle Zuhörer durch ihren vollendet schönen Vortrag. Daß sie auch in dem Festkonzert der Sumser Proben ihres ungewöhnlichen Talentes geben würde, dessen war man über­zeugt. Sie wurde beim ersten Auftreten mit Beifallspenden warm empfangen. Im ersten Teil des Programms spielte sie das schwierigeKonzert für Violine" mit Begleitung bei Orchesters von Mendelssohn und bewies sich durch den Vortrag auf der Höhe ihrer künstlerischen Befähigung. Technische Schwierigkeiten kennt die Künstlerin nicht; die feuerigsten Passagen, Triller, Terzen, Oktavengänge, Staccati u. f? w. gelangen ihr mit bewundernswerter Sicherheit und Leichtig- keit. Der Vortrag war temperamentvoll, musikalisch tiefem­pfunden, in der Kantilene warm und edel. Eine vortreffliche Unterstützung fand sie in der Orchesterbegleitung unserer Jn- fanteriekapelle unter Leitung des Herrn König!. Musikdiri- genien Schmidt. Die Begleitung verdient höchstes Lob; sie wußte sich dem Vortrag in prächtiger Weise anzuschmiegen, so daß wir in dem Mendelssohnschen Konzert eine abge- riinbete und fertige Leistung hörten. Daß der Kapelle und ihrem Leiter ein wesentlicher Teil an dem Gelingen zufiel, hat wohl auch Frl. Playfair empfunden, als »sie nach Schluß der Nummer Herrn Schmidt die Hand reichte. Auch in den ungarischen Melodien für Violine von Ernst zeigte die Dor- tragenbe die hervorragenden Eigenschaften ihres Spiels. Sie wurde mit Beifall reichlich bedacht.

Einen bedeutenden Erfolg errang sich auch Fräulein Elsa Fische r, Hofopernsängerin in Mannheim gegenwärtig an der Frankfurter Bühne tätig durch ihre gesanglichen Vorträge. Ihre Stimme ist vortrefflich geschult und in allen Registern wohl ausgeglichen; bezüglich des Vortrags fand sie immer den richtigen Ausdruck." Dies bewies St durch