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Zweites Blatt.

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e». WailmhauseS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

LersnimsrU. Redakteur: S. Schrecker in £««.

Nr. 40

WernspL'LchaNschlich Nr. 605

Freitag den 16. Februar

^ernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Politische Rundschau.

Kaiserreise nach Kopenhagen. Der Kaiser traf am Donnerstag nm 3 Uhr nachmittags mit Gefolge in Kiel ein. Allf dem Bahnhof Hatien sich zum Empfange einge- funden: Prinz und Prirnessin Heinrich, Großadmiral von Koester, der Stadtkommandant, der Polizeipräsident und andere. Der Kaiser begab sich an Bord des am Bahnhof liegenden VerkehrsbootsHulda" und fuhr nach der Germania- werfl, wo eine Besichtigung der Werft und des im Bau be­findlichen LinienschiffsDeutschland" erfolgte. Im Laufe des Nachmittags empfing der Kaiser den Direkior der Ham­burg-Amerika -Linie, Kapiiän z. S. a. D. v. Stumme und begab sich um 6 Uhr nach dem königlichen Schlösse, um bei dem Prinzen und der Prinzeisin Heinrich von Preußen zu speisen. Nach dem Diner kehrte der Kaiser an Bord des LinienschiffesPreußen" zurück und trat um 9.45 Uhr die Reise nach Kopenhagen an. Als das Schiff den Hafen ver­ließ, feuerten die im Hafen liegenden Kriegsschiffe Salut und die Mannschaft paradierte.

Feldpost. Zwei Feldposten nach Afrika gehen wieder am 20. und 21. von Berlin ab. Am 20. wird eine Feld­briefpost vom Marincpostbuwau nach Antwerpen geschickt. Dort wird sie dem Reichspostdampfer übergeben, der am 17. Februar Hamburg verlassen hatte und in Antwerpen anlegt. Er verlânt den belgischen Hafen am 21. und trifft planmäßig am 13. März in Swakopmund ein. Gelegenheit zur Be­förderung von Postpaketen bietet sich voraussichtlich schon am folgenden Tage. Der Woermanu-DampferElbe", Kapitän Eisfeld, sollte, wie wir berichtet haben, Hamburg am 15. verlassen. Wie jetzt mitgeieilt wird, geht dieElbe" erst voraussichtlich am 22. Februar in See nach Swakopmund, Walfi schbap. Lüderitzbucht und Port Nolloth. Der Dampfer wird unoefäbr am 20. März in Swakopmund einh essen.

Handels- nnd Schisfahrtèvertrast- Der russische Minister für auswärtige Angelegenheilen, der Miwster für Handel und Industrie und der Botschafter von Oesterreich- Ungarn unterzeichneten gestern den neuen Handels- und Schiffahrtsvertrag, der das Abkommen zwischen Oesterreich« Ungarn und Rußland vom 14. September 1860 ersetzt.

Die cn?lischCtt Unionisten hielten gestern in London unter dem Vorsitz Balfours eine Versammlung ab. Unter den 500 Teilnehmern befanden sich der Herzog von Devonshire, Lord Curzon, Josef und Austen Chamberlain, sowie Lord Hugh Cecil. Balfour, der beifällig begrüßt wurde, wiederholte seine gestrigen Ausführungen über <die Fiskalfrage. Der Herzog von Devonshire sprach sein Bedauern darüber aus, daß der heute veröffentliche Briefwechsel zwischen Balfour und Chamberlain anzuzeigen scheine, daß beide im wesentlichen über die Fiskalfrage eines Sinnes seien; er für seinen Teil sei eins mit der unionistischen Partei in allen Fragen, aus­genommen die Fiskalfrage. Eine Resolution, die Balfour das Vertrauen der Partei ausspricht und die Chamberlain befürwortete, wurde einstimmig angenommen. Hugh Cecil legte Ansichten der Gruppe dar, die für Zollfreiheit der Lebensmittel ein tritt.

Die Rebellen von Mar Chica. Die spanischen KreuzerEstremadu' a" undZnfanta Isabel" sind in den Ge­wässern von Mar Chica eingetroffen. Der marokkanische DampferTurki" bereiter sich zu einem neuen Angriff auf die Faktorei vor. In den Lagern der Rebellen herrscht reges Leben, da El Roghi seinen Anhängern Befehl gegeben hat, sich um Udjda zu sammeln.

Amerikanische Militäransgaben. Das Repräsen­tantenhaus der bereinigten Staaten hat Donnerstag das Gesetz betr. die Befestigungen angenommen. Durch dieses werden 4 384 000 Dollars für die Defest^gung-n und Kriegs­geräte angewiesen. In dieser Summe sind 600 000 Dollars für Hawai und die Philippinen enthalten.

Quittung und Tlintiemesteim.

Die Steuerkommission des Reichstags setzte in ihrer gestrigen Sitzung die Beratung der Quittungssteuer fort.

Äbg. Nacken (Ztr.): Der Staatssekretär hatte nicht recht, als er vorgestern davon sprach, die Quittungösteuer habe sich überall gut eingelebt, wo sic bestehe; denn in Bayern habe man sie wieder abgeschafft. Die Tantiemen­steuer sei eine gerechte Steuer, weil sie in ihrer exzeptionellen Höhe ohne Mühe erworbenes Geld treffe und in erster Linie die starken Schultern belaste. Die gestern ins Treffen ge­führte Verantwortung der Aufsichtsräte sei keine so große, wie man sie geschildert habe. Man denke an die vereidigten Revisoren, die heutzutage so vielfach von den Aufsichtsräten

herangezogen werben, die die Aufsichtsräte sehr entlasten. Man könne sagen, je größer die Tantieme, desto kleiner die Verantwortung. Die Verantwortung sei bei den vielfachen Kapitalerhöhunaen nicht in dem Mare gestiegen wie die Ge­winne. Die Arbeitslast der Muffle gräte sei keine große, ausgenommen die der Bankerl, für welche event. Ausnahme­bestimmungen geschaffen werden könnten, Redner weist da­rauf hin, daß oft 20 und 30 Aufsichtsralsstellen in einer Hand vereinigt sind. Er kenne einen Fall, wo ein Herr in 85 Aufsichtsräten Mitalied sei. In einem Falle beziehe ein Aufsichtsrat jährlich 1,060,000 Mk. Da könne man doch nicht mehr von Erfüllung der Pflichten reden, welche der Gesetzgeber bei den Aufsichtsräten im Auge gehabt habe. Wenn sein Antrag die Nebenwirkung haben werde, daß eine Dezentralisation eintrete, so begrüße er das. Wolle man sagen, mit seinem Anträge wolle er nur einzelne treffen, dann könne man dies auch von den anderen vom Bundesrat vorgeschlagenen Steuern sagen. Das treffe zu bei der Tabak-, Brau-, Zigaretiensteuer und erst recht bei der Antomobilsteuer. Wenn der Abgeordnete Singer getagt habe, man könne dann auch die Dividenden heran­ziehen, so sei dies nicht richtig. Bei der Dividende handle es sich um einen berechtigten Bezug aus dem Vermögen, bei der Tantieme sei dies nicht der Fall. Bei der Dividende handle es sich um das Risiko aus dem eigenen Vermögen, bei der Tantieme um das Risiko aus dem eigenen Handeln. Die Steuer sei seine direkte Steuer, wie behauptet worden sei, es sei vielmehr nur ein reiner Ouittungsstempel. Ueber« dies könne eine solche Erwägung nicht maßgebend sein, denn die Grenze zwischen direkten und indirekten Steuern sei viel­fach verwischt. Er (Redner) sei kein Gegner der direkten Steuer, diegerechteste Form der Besteuerung sei die Reichs- kinkommeisteuer. Diese möge einqejübrt werden. Es handle sich nicht um eine dreifache Besteuerung. Henie versteuere die Aktiengesellschaft die Dividende und den Reservefonds. Man könne also höchstens von einer doppelten Besteuerung sprechen. Es sollten aber auch die Ausländer, die Un'ummen von Tantiemen aus dem Lande schleppten, getroffen werden, ferner die wirtschaftlich Starken, die immer ein besonderes Interesse an der Welt- und Kolonialpolitik, sowie an der Heeres- und Flottenvermehrung an den Tag legten. Nach weiterer Debatte wurden die Regierungsvorlage und der Antrag Nacken (Tantiemensteuer), sowie der Antrag Raab (Staffelung der Sätze) ab gelehnt. Eine Quittungs- steuer fällt demgemäß vollständig aus.

Eine Novelle zum Stempelgesetz.

Der Vorsitzende Büsing schlägt nunmehr vor, die Anträge Müller-Fulda betr. Besteuerung von Jnierimsscheinenüber Ein­zahlungen oder Einlagen auf inländische Aktien usw. und Antrag Nacken betr. Besteuerung von Ansichtspostkarten jetzt zu beraten. Abg. Müller-Fulda erhebt dagegen Einspruch, die Regierung könne selbst eine entsprechende Vorlage machen. Frhr. v. Stengel : Zu der nächsten Woche werde dem Bundesrat eine Novelle zugehen, welche die Vorschläge von 1904 enthält, soweit sie die Kommission gebilligt habe. Vorgesehen sei die Ermäßigung des Stempels für Arbitracegeschätte, Befreiung der unverzinslichen Schatzanweffungen, Ermäßigung für den Umsatz von Reichs- und Staatspapieren. Sodann werde eine Besteuerung der unbegebenen Aktien ins Auge gefaßt werden, nicht vorgesehen sei aber rückwirkende Kraft. Abg. Müller-Fulda macht den Vorschlag, die Anträge zurückzu­stellen, bis diese Novelle einet '-lait'en sei. Dann regt er an, ob nicht angesichts der Abstriche von 100 M (Honen eine Leiung über die Ersatzstcuern im Plenum wünschenswert wäre, ehe die Kommission die Erbschaftssteuer berate. Der Vorsitzende Büsing glaubt, daß die Besprechung von Ersatz- steuern im Plenum jetzt nicht z"!ässig sei, wenn es auch viel­leicht angebracht wäre. Die Ersatzsteueru könnten nach der ersten Lesung behandelt werden. Schließlich bestimmt die Kommission mit Mehrhsit, erst den Antrag Nacken (Ansichts­kartensteuer) zu beraten, dann dm Antrag Müller-Fulda (Jmerimsscheine) und bann die Erbschaftesteuer. Der Abg. Dr. am Zehnhoff (Ztr.) hat einen vollständig neuen Ent­wurf des ReichserbschastSgeietzes ausgearbeitet.

Die große WWhtffW

Berlin, 14. Febr.

D i e Deutsche L a n b w i r t s ch a f t s - G e s e l l s ch a f t entfaltet in ihren verschiedenen Abteilungen und Sonder- Ausschüsicn eine äußerst rege Tätigkeit. In der Saatzucht- Abteilung legt der Geschäftsführer Dr. Hillmann den Geschäftsbericht vor. Zum Schluß berichtete Prof. Dr. Remv-Bonu über den Vegetationsversuch als Hilfsmittel der <

Saatenprüfung. Die Betriebs-Abteilung be­faßte sich namentlich mit dem SvßemZmmergrün" (ewiger Roagenbausi Es berichtet hierüber Rittergutsbesitzer Dr. Schulz-Wulkow. Er hebt hervor, wie infolge der anwachsen- dm Arbeitslöhne und der Gespannungskosten die Rentabilität des Ackerbaues sehr beeinträchtigt würde und manche Land­wirte den Hackimcktbau und auch den Sommerhalmfruchtbau auf gewissen Außenschlägen aufgegeben haben. Da nun der Ausweg, Roggen und Lupinen als Gündüngung im Wechsel zu bauen, gewöhnlich unlohnend war, verblieb nur der Aus­weg, jahraus, jahrein Roggen in Handelsdünger zu bauen. Dies hat Berichterstatter und eine Anzahl anderer Landwirte seit Zahren getan und zwar mit gutem Erfolg. Es waren allerdings manche Fehlschläge zu überwinden; zweifellos aber habe sich der ewige Roggmbau als für viele Verhältniffe empfehlenswert herausgestellt. Es folgte eine lebhafte Be­sprechung. Die Versammlung beschloß auf Antrag des Be­richterstatters, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft möge die nötigen Geldmittel zur Verfügung stellen zur Bearbei­tung der Fragen des ewigen Roggenbaues. Ein weiterer Verhandlungsgegenstand betraf noch die Frage: Wie wer­den die Gestehungskosten tierischer Erzeugnisse berechnet? Es sprach hierzu der Dire'tor der Rieselgüter, Herr Schröder. Im Sonderausschuß für Pferdezticht wurde hinsichtlich des Preisausschreibens für 1907 beschlossen, die Kaltblutpferde nach Scksiagklassen einzu- teilen, und zwar in drei Klassen: 1. Rheinisch-belgisch-fran­zösisches Blut; 2. schleèwig-däniscbes Blut; 3. englisches Blut. Im Sonderausschuß für Schweinezucht wurde von der Herstellung eines deutschen Zucktviehaibums Kenntnis genommen und der Wunsch ausgesprochen, daß für weiße Edelschweine, veredelte Land'chweine und unveredelte Landschwcine die erforderliche Anzahl von Abbildungen aus­genommen werden möchten. Der Sonderausschuß für Ziegenzucht will im Preisausschreiben für 1907 auch für Ziegen verlangen, daß sie entwederin Milch" oder tragend ausgestellt werden.

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Bereinigung Deutscher Schweinezüchter.

Unter Beteiligung zahlreicher Interessenten trat heute vormittag im Weißen Saal der Philharmonie die Vereinigung Deutscher Schweinezüchter zu seiner 13. Mitglieder-Ver­sammlung zusammen. Der Vorsitzende, Geheimer Oekono- mierat Steiger- Kl.-Bautzen, eröffnete die Sitzung und begrüßte besonders den erschienenen Regierungs-Vertreter Ritter v. Kraus. Aus dem Geschäftsbericht des Oekono- miera's Hoesch-Neukirchen sei erwähnt: Die Vereinigung zählte am Schluß des Jahres 1805 1027 Mitglieder. Von der Geschäftsleitung wurde in allen einschlägigen Fragen Rat erteilt, auch die Nachfrage nach Schweinemeistern und -Wärtern war wieder febr groß. Die Haupt­abteilung hatte nach dem Kaffenbericht eine Ein­nahme von 14 590 Mark, die Ausgaben betrugen 16 836 Mk. Das Defizit ist zu erklären, daß im Jahre 1905 die staatliche Unterftütjuna ausgeblitben ist. T»e bakteologische Abteilung hatte eine Einnahme von 115 000 Mk., eine Aus­gabe von 104 000 Vik. Es wurde Entlastung erteilt, der Vorstand wicdergewählt. Die mat-rieße Tagesordnung leitete ein Vortrag des General-Sekretärs Burckhardt-Berlin ein über: Der Anteil der Schweinehaltung an der Fleischnoi des Jahres 1905 und wie kann derartigen Vorkommniffen in Zukunft vorg-beugt werden? Der Redner führte aus, daß die Ocffnyng der Grenzen ein absolut ungeeignetes Mittel, sei der Fleischtcuerung entaeaenznireten. Das Geschrei vieler Kreise nach Oeffnung der Grenzen werde aber sicher­lich unsere deutsche Landwirtschaft anfpornen, den heimischen Markt mit guter unb reichlicher Ware zu versorgen. Und es ist daher der einzige Weg, die Fleischpieise wieder zu er­mäßigen, die Hebung der Zuckt imb die b.ssere Verwertung anzustreben. Auf bieje Notwendigkeit hat auch die Denk­schrift der deutschen Landwirtschaft hingewiesen. Ein weiterer großer Fortschritt würde sein, wenn die von den Städten jetzt noch abgelehnte Schaffung von Organisationen sobald wie möglich ins Leben gerufen w-rden, damit Land­wirtschaft und Fleischerei Hand in Hand die Flesichversor- guiig der Städte unter Ausschaltung des Zwischen­handels übernehmen können. (Lebh. Beifall.)

Sodann berichtete Professor Dr. Wassermann- Berlin über die im abgelaufenen Jahre erzielten wissenschaft­lichen Fortschritte betr. Sch utzimpfung gegenüber Schweiii?>e"ck? -Pest.