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Amtliches Organ für Stabt und Landkreis Kam.
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Oh Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Beraniwortl. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Nr. 241 Fernsprechanschltch Nr. 605*
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Wegen Neupflasterung wird die Wilhelmstratze zwischen Bogen- und Nordstraße vom 17. d. Mts. ab auf die Dauer von drei Wochen für den öffentlichen Knhrverkehr gesperrt.
Hanau den 12. Oktober 1908. ,
Königliche Polizcimrektion.
P8692 I. D.: Siemon, Reg.-Assessor.
Kaisertage im Kinzigtale.
Gelnhausen.
Lieblich an den Abhängen des Vogelsgebirges ausgebreitet, liegt Gelnhausen, die ehemals freie Reichsstadt, das „Dornröschen" Kurhessens, das in den letzten Tagen, seit bem Bekanntwerden des Besuches Sr. Mas. des Kaisers, sich in begreiflicher Aufregung befand. Kamen früher deutsche Kaiser nach Gelnhausen, galt es meist dem edlen Waidwerk in den fast unermeßlichen Forsten des nahen Büdinger Waldes obzuliegen, weshalb die meisten Kaisertage auch an Jagd- rreignisse anknüpfen. Andere Zeiten sind erstanden, der früher fast undurchdringliche Wald ist gelichtet, in Reviere zerlegt, schmucke Dörfer haben sich eingereiht. Die Kaiserbesuche haben sich auch anders gestaltet und zwar galt der gestrige Besuch zuerst der Marienkirche Gelnhausens, die in ihrer Bauart für die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirchc und die Kaiserin Augusta-Gedächlniskirche in Berlin zum Vorbilde gedient hat, und dann den Baudenkmälern, die so zahlreich in Gelnhausen vorhanden sind. Zu Ehren des Kaiserlichen Besuches hatte Gelnhausen sich festlich geschmückt. Nach einem Plane des Architekten Zöllner war die Ausschmückung einheitlich durchgeführt. Die Straßen, welche dèr Kaiser zu passieren hatte, waren mit grüngeschmückten Fahnenmasten besetzt. Am Eingänge des Ziegelhauses wqr ein imposanter Triumphbogen errichtet, welcher in weiß und gold gehalten, mit Girlanden geschmückt, den Reichsadler und die Kaiserkrone trug. An der Brücke zur Burg war ebenfalls ein reich mit Grün geschmückter Eingang errichtet. Vier mit grünen Kronen verzierte und durch Girlanden verbundene Pfeiler erboben sich an den Ecken der Brücke. Alle Vereine Gelnhausens, wie auch solche der Umgegend, bildeten Spalier. Leider ging in den Morgenstunden ein leichter Regen nieder, der recht unangenehm empfunden wurde. Als jedoch der kaiserliche Sonderzug im Bahnhöfe Gelnhausen einlief, hellte sich der Himmel auf. Die Ankunft des Kaisers, der die Uniform des 2. Leib- Husaren-Regiments angelegt hatte, erfolgte um 9 Uhr 50 Min. In seinem Gefolge befanden sich: Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, der Kommandant des Hauptquartiers General der Infanterie v. Plessen, General ü la suite Graf Hohenau, Flügeladjutant Major Frhr. v. Senden-Bibran, Leibarzt Generaloberarzt Dr. Jlberg, der Stellvertreter des Chefs des Geheimen Zivilkabinettes Geheimrat v. Eisenhart- Rothe und der Stellvertreter des Chefs des Militärkabinetts Oberst v. Oertzen. Auf dem Bahnsteige nahm der Kaiser die Meldung des Landrals v. Gröning entgegen. Hierauf begab sich der Kaiser mit Gefolge in.Automobilen nach der Marienkirche, von den sparlierstehenden Vereinen und der Einwohnerschaft enthusiastisch begrüßt. Am Eingang der Marienkirche empfing den Kaiser die Geistlichkeit und führte ihn zu den am Altar hcrgerichtetcn Ehrensitzen. Die Kirche war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Gottesdienst begann mit dem Chor aus „Judas Maccabäus": „Tochter Zions, freue Dich", geblasen von dem Trompeterkorps des thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau, die Gemeinde sâng „Großer Gott wir loben Dich", dann folgte der Altardienst, ein Chor des Kirchengesangvereins: „Christe, Du Lamm Gottes", dann Gnadenverkündigung, Wechselgruß, Kollektengebet, Schriftverlesung, Glaubensbekenntnis, Chorgesang „Du bist's, dem Ruhm unb Ehr gebühret", das Hauptlied. der Gemeinde „Ich weiß, an wen ich glaube". Metropolitan Schäfer predigte dann über Marc. 10,27 „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; bei Gott sind alle Dinge möglich." Der Geistliche warf anknüpfend an den Besuch Sr. Maj. des Kaisers einen geschichtlichen Rückblick auf die früheren Kaiscrbesuche. Seine Predigt fesselte von Ayfang bis zu Ende in hohem Maße. Hieran schlossen sich der Chorgesang „Segne den König, Deinen Gesalbten", der von der Gemeinde stehend gesungene Choral „Breite, Herr, Dein Reich auf Erden" und das große Halleluja von Händel von der Ulanenkapelle. — Unter der Führung des Metropolitans Schäfer besichtigte der Kaiser eingehend und mit größtem Interesse ^2 Stunden lang das Innere der Marienkirche und machte dann einen
Montag den 15. Oktober
Rundgang um die Kirche. Insbesondere wurden der Chor und die unlängst freigelegten prächtigen Steinmetzarbeiten teils gotischen, teils romanischen Gepräges, welche, wie schon erwähnt, zahlreiche Motive für die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin geliefert haben, besichtigt. Bei dem Heranstreten aus der Kirche begrüßte der Kaiser auch die Vertreter der städtischen Körperschaften und zeichnete verschiedene von ihnen durch freundliche Worte aus, wobei er auch die schönen Leistungen des Kirchenchores erwähnte und sich lobend über den Empfang seitens der Einwohnerschaft Gelnhausens äußerte. Der Kaiser ging dann zu Fuß nach dem Neumarkt hinunter und besichtigte hier das romanische Haus, welches ein 1882 restauriertes, im Privatbesitz befindliches Gebäude ist. Es folgte eine Fahrt durch die alte Stadt in Automobilen unter Führung des Landrats v. Gröning. Hierbei sah der Kaiser die doppelte Siadtmauer mit den alten Türmen, besonders auch den Hexenturm, und unter den zahlreichen alten Häusern insbesondere den Fürstenhof, ein ehemaliges fürstliches Absteigequartier, und den Arnsburger Hof, eine ehemalige Cisterzienserabtei, ebenso auch das im Bau begriffene neue Kreishaus. Zum Schluffe besuchte der Kaiser die alte Kaiserpfalz, die sogenannte Barbarossaburg auf einer Kinzig- infel. Anwesend waren Baurat Michaelis- Gelnhausen und Bezirkskonservator Prof. Dr. Drach- Marburg. Die Burg, welche schon im 12. Jahrhundert erwähnt wird, ist in romanischem Stile aus rotem Sandstein erbaut. Heute ist sie eine moosbewachsene Ruine, dow der jedoch einzelne Teile vortrefflich erhalten sind. Der Kaiser sah die Eingangshalle mit der darüberliegenden Burgkapelle, den Burgfried und den Saalbau mit jenen schöngekuppelten Bogenfenstern und prachtvollen Kapitalen.
Sine. Reihe von O r d e n s a u s z e i ^juui g e u wurden verliehen. Ü. a. erhielten Landrat v. Gröning und Metro- politan Schäfer den Roten Adlerorden 4. Klaffe, Stadtver- ordnetcrvorsteher Meles und Sparkaffenkassierer Ruppel den Kronenorden 4. Klasse.
Gegen 1 Uhr fuhr der Kaiser im Automobil wieder beim Bahnhöfe vor und nahm mit den Herren des Gefolges im Sonderzuge das Frühstück.
Nach Meerhosz.
Hailer und Meerholz hatten sich, wie nicht anders zu erwarten war, für den Emfanss des Kaisers ebenfalls festlich geschmückt.. Die Straße vom Eingänge der Gemeinde Hailer bis zum Ansgange von Meerholz war in eine schöne Feststraße umgewandelt worden. Am Eingänge von Hailer erhob sich, von der Gemeinde Hailer errichtet, ein reich mit Fahnen verzierter grüner Triumphbogen, von da ab waren die Straßen von grüngeschmückten bewimpelten Masten eingefaßt, welche von Tannenbäumen unterbrochen wurden. Vor der Villa des Prof. Hilprecht erhob sich ein grüner Bogen der in babylonischer Keilschrift den Wunsch ausdrückte: „Gott schütze unsern Kaiser". Am Eingänge von Meerholz erhob sich der von der Gemeinde Meerholz errichtete Tiumphbogen, der in dem von mächtigen blauen wappengeschmückten Pfeilern getragenen grünumrahmten Giebel einen großen Reichsadler zeigte. Der Schloßplatz war von reich mit Wappen ver- zierzten bunt bewimpelten Masten eingefaßt, an denen große Spiritus-Glühlichllampen angebracht waren und zu dem imposanten Triumphbogen führten, der in. Tannengrün gehalten mit zahlreichen gelben Rosen besteckt und von einer funkelnden Kaiserkrone überragt war. Das Schloß war mit Fähnchen, Guirlanden und Emblemen in den preußischen, deutschen, Isenburger und schleswig-holsteinischen Farben prächtig dekoriert. Vom Schlosse zum Palais war der Weg mit Tannenbäumchen und Flaggenmasten eingesäumt. Ebenso war der Weg vom Schlosse nach dem Bahnhof mit Flaggenmasten und TannenbäumckM geschmückt.
DaS Br-rittpaar.
Prinz Albert Christian Adolf Karl Eugen von Schleswig-Holstein-Sonderbitrg-Glücksburg ist geboren in Kiel am 15. März 1863. Sein ältester Bruder Herzog Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücks- burg ist vermählt mit Karoline Mathilde, Prinzessin zu Schleswig-Holstein, einer Schwester der deutschen Kaiserin. — Gräfin Ortrud AgneS Marie Auguste Klara zu Iscn- burg und Büdingen in Meerholz ist geboren in Meerholz am 15. Januar 1879 als jüngstes Kind des 1900 gestorbenen Grafen Karl Friedrich Kasimir Adolf Ludwig und dessen 2. Gemahlin AgneS Marie Luitgarde, Tochter des Fürsten Ernst Kasimir zu Isenburg-Büdingen in Büdingen.
Die Ankunft des Kaisers in Meerholz.
Gegen 2 Uhr traf der Kaiser im Automobil nebst Gefolge im Schlosse ein, am Portale des Schlosses vom regierenden Grafen Gustav begrüßt. In dem in der ersten Etage gc-
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legenen Empfangsraum begrüßten die Braut, Gräfii . Ortrud, mit der Gräfin-Mutter und der Bräutigam, Prinz Albert zu Holstein-Glücksburg, den Kaiser. Der Kaiser zog sich hierauf auf kurze Zeit in die für ihn bestimmten Gemächer zurück und erschien bald darauf in der versammelten Hochzeitsgesellschaft, welche dem Kaiser vorgestellt wurde. Hierauf ordnete sich der Hochzeitszug.
Die Dränung.
Gegen 2*/, Uhr setzte sich der Brautzug nach der Schloßkirche, die in unmittelbarer Nähe des Schlosses liegt und vor kurzem erst vom Grafen Gustav gründlich restauriert worden, in Bewegung — bei Sonnenschein, der gerade die trüben Wolken verscheucht hatte. Vier gräfliche Lakaien eröffneten den Zug, es folgten der gräfliche Forstmeister, mehrere Offiziere des Garde-Kürassierregiments, General Graf Hohenau, Generaladjutant von Plessen, Staalsminister Willich, als Vertreter des Großherzogs von Oldenburg, der Erbprinz zu Wied, Gräfin Otto zu Castell-Rudenhauien, Prinz Ernst von Schönburg-Waldenburg, Erbgräfin zu Castell-Rudenhauien, Fürst zu Jsenburg-Birstein, Fürstin zu Isenburg und Büdingen, Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg, als Vertreter des Herzogs von Sachsen-Altenburg, Prinzessin Sofia von Sachsen-Weimar, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg als Vertreter des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin, Prinzessin Gerta von Sachsen-Weimar, Prinz Wilhelm von Sachsen-Weimar, Fürstin-Mutter von Jsenburg-Birstein, geb. Erzherzogin von Oesterreich, der gräfliche Kammerdirektor, Kinder, Brautführerinnen, das hohe Brautpaar, Kinder, Brautführer, der Kaiser in der Jnterimsuni- form des Leibgarde-Huiarenregiments und die Gräfin-Mutter Agnes, die Fürstin zu Waldeck und Pyrmont, Graf Gustav zu Isenburg und Büdingen, Prinzessin Wilhelm von Hessen- Philippstal-Barchfeld, die Herzogin zu Schleswig-Holstem- Sonderburg-Glücksburg, Schwester der Kaiserin, Fürst zu Isenburg und Büdingen usw. Lakaien schloffen den Zug. Die Schloßkirche konnte nur mit Mühe die Geladenen fassen. Bei Eintritt in die Kirche wurde der Brautzug mit einem Orgelpräludium empfangen. Nachdem man die Plätze ein- genommen hatte, sang der Meerholzer Kirchenchor die Motette von B. Klein „Der Herr ist mein Hirte". Pfarrer Kohlen- b u s ch-Meerholz, dem vier Patronatspfarrer der ehemaligen allen Grafschaft assistierten, hielt die Traurede über Psalm 23, 1: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln", den Konfirmationsspruch der Prinzessin. Daran schloß sich der Trauungsakt (Gebet, Trauftagen, Ringwechsel, Zusammensprechung, wobei die Orgel leise intonierte: „So nimm denn meine Hände"), Gebet re. Die Gemeinde sang dann unter Begleitung der Orgel und zweier Posaunen Vers 1 und 4 des Liedes: „Jesus geh voran". Hierauf wurde von Pfarrer Kohlenbusch die von der Gräfin-Mutter gestiftete Traubibel dem jungen Paare überreicht und der Segen gesprochen. Die Gemeinde sang: „Unsern Ausgang segne Gott" und der Hochzeitszug verließ die Kirche, während die Orgel als Huldigung für Se. Majestät das Finale aus Rinks Variationen über „Heil dir im Siegerkranz" spielte. Der Hochzeitszug begab sich in den Schloßgarten, in welchem ein Podium errichtet war, auf welchem die ganze Hochzeitsgesellschaft photographiert wurde. Alsdann begab man sich in den Speisesaal zum Hochzeitsmahte.
Die Galatafel.
Im großen Saale des Schlosses waren vier Tafeln auf- gestellt. Gleich am Eingänge stand die ganze Breite durch - messend die Braurtafel, der sich nebeneinander drei Tafeln anschlvssen. Die Wand an der Brauttafel zeigte ein großes Gemälde, das die Wappen der beiden nun in Verbindung getretenen Geschlechter trug. An der Brauttafel nahm der Kaiser in der Mirte Platz, ihm zur Rechten die Gräfin Thekla zu Isenburg und Büdingen in Meerholz, zur Linken die Prinzessin Albert zu Schleswig-Holstein, dann Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, weiter folgend die Gräfin- Mutter, Herzog Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein (Schwager der Kaiserin), Fürstin-Mutter zu Stolberg, Prinz Alfred zu Isenburg und Büdingen, verw. Erbgräfin zu Isenburg und Büdingen, Graf Isenburg-Philippseich, Prinzessin Wilhelm von Hessen, Fürst zu Isenburg in Büdingen, Herzogin zu Holstein, Graf Gustav zu Isenburg und Büdingen in Mcerholz (dem Kaiser gegenüber), verw. Fürstin zu Waldeck, Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe, Prinzessin Marie zu Holstein, Prinz Ernst von Schönburg, Gräfin - Clotilde • zu Isenburg und Büdingen in Mecrholz, Oberhof und Hausmarschall Graf zu Eulenburg, Gräfin Helene zu Isenburg und Büdingen in Meerholz, Erbgraf zu Castell-Rüdenbawen, Prinzessin Friedrich Wilhelm zur Lippe,/Staatsminißw Willich; am rechten Tische saßen: Prinz Alfons zu Jsenburg-Birstein,