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»tetatieatoni# und Beriafl der Buchdrucker« Ml gaât. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für LIM- uni Landkreis Sinai
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 39
Fernsprechanschlich Nr. 605.
Donnerstag den 15. Februar
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
1906
Hus Hanau Stadt und Eand*
Hanan, 15. Februar.
Beamten-Personalnachrichten.
Ernannt: der Referendar Dr. Külz zum Gerichts- assessor, der Rechtskandidat Katzenstein zum Referendar, der Regierungsbaumeister Vespermann zum Landesbauinspektor in Kirchhain, der Sekretär Kobold bei der Hessi- ichen Brandversicherungs-Anstalt zum Landessekreiär, vom 1. April d. J. ab.
Angestellt: der char. Postsekretär Eskuche in Hanau als Postsekrctär.
Bestätigt: der zum Bürgermeister der Staht Schlüch- tern auf die Dauer von 12 Jahren gewählte Bürgermeister von Sooden a. d. Werra Albrecht.
Uebertragen: dem Inspektor Köhler bei der Landesheilanstalt zu Marburg die Verwaltung der Landes- renterei zu Kirchhain vom 1. April d. I. ab auftragsweise, dem Förster, Hegemeister Schindewolf zu Eichhorst in der Oberförsterei Friedewald, die Revierförsterstelle Frankenhain, Oberförsterei Meißner, vom 1. April d. J. ab probeweise.
Versetzt: der Oberförster v. Goerschen zu Wallenstein vom 1. März 1906 ab auf die Oberförsterstelle Gemünd, Regierungsbezirk Aachen, der Förster Cynthius zu Oberappenfeld in der Oberförsterei Wallenstein vom 1. April 1906 ab auf die Försterstelle Ginseldorf, Oberförsterei Marburg.
In den Ruhe st and versetzt: der Postsekretär Hüttig in Hanau.
A Personalien. Dem Gewerveasjessor MMer ist aufiragsweife die Verwaltung der Stelle des Eichungsinspek- chrs in Cassel übertragen worden.
* Oberrealschnle und Realschule. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: In der Montagsnummer Ihres ge- schâtz'en Blattes erschien ein Artikel unter der wiederholten Spitzmarke: „Oberrealschnle oder Realschule?" Als allein richtige Lösung dieser Frage wird am Schluß des Artikels die Umwandlung der Oberralschule in ein Realgymnasium ohne Doppelklassen — unter Beseitigung der Vorschule — bezeichnet. Es drängt sich uns hierbei die Frage auf: Wird die Frequenz eines Realgymnasiums der gewünschten Ideal- anstalt, soweit zurückgehen, daß die Einrichtring von Doppelklassen oder Parallelkursen überflüssig wird? — Und weshalb soll die Vorschule, die historisch mit der Anstalt verbunden ist, beseitigt werden? Was die Vorschule überhaupt mit der Frage der Umwandlung der Hauptanstalt zu tun hat, ist nicht recht begreiflich. Die Vorschule bestand lange schon, als die Anstalt noch einfache Realschule war. Unseres Erachtens wäre ihre Aushebung ebenfalls ein Fehler und würde von vielen Eltern aufs tiefste bedauert werden. Im übrigen sei noch bemerkt, daß die Vorschule gerade diejenige Schnlanstalt Hanaus ist, die den Stadtsäckel am allerwenigsten b e l a st e t.
* Die Oberrealschnle bleibt bestehen. In der gestrigen Magistratssitzung wurde beschlossen, die Obe r- realschulein ihrer jetzigen Form bestehen zu lassen, die drei oberen Klaffen also nicht aufzuheben.
* Namensänderung. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 15. Januar d. J. ist genehmigt worden, daß der Name des im Kreise Hünfeld gelegenen Gutsbezirks „Wehrda von Trümbach" in „Hohenwehrda" umgeändert wird.
* Nenverpachtmtg. Die durch den Tod des Domänenpächters Althoff freigewordene Domäne Wilhelmsthal ist mit dem 1. Febmar d. J. an den Domänenpächter Karl Strube, Grebenstein, auf 18 Jahre verpachtet worden.
Hk Zolltarif für das Jahr 1906. Zufolge Dekrets der chilenischen Regierung bleibt der seit 1903 in Kraft stehende Zolltarif auch für das Jahr 1906 unverändert in Geltung.
A Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke Gedern - Hartmannsharn - Grebenhain soll am 1. April stattfinden, während um den 15. März die landes- polizeiliche Abnahme vorgenommen werden soll. An der Strecke, die die höchste Bahn des Vogelsberges und damit des ganzen Hessenlandes ist, wird jetzt nahezu drei Jahre gearbeitet. Ihr höchster Punkt ist bei dem von Sommerfrischlern reich besuchten Dorfe Hartmannshain. Hier mußte die Strecke einen mächtigen Basallrücken am Fuße der Herchenhainer Höhe durchschneiden. Der Einschnitt ist zirka 700 Meter lang und 13 Meter tief und erforderte eine Erdbewegung von 87 000 Kubikmeter Boden, fast nur aus
Basalt bestehend. Große Terrainschwierigkeiten boten sich zwischen Oberseemen und Gedern; hier mußte ein Berg umgangen werden, sod^ß die Bahn von der entgegengesetzten Seile im Bahnhof Gedern rinmünoet. Die Strecke hat eine Länge von 18 Kilometer und erhält die Stationen Gedern, Oberseemen, Hartmannshain, Holzverladestelle Oberwald, Bermuthshain und Grebenhain-Krainfeld. Die Bahn wird für den hohen Vogelsberg von großer Bedeutung sein und den Zuzug der Touristen und Sommerfrischler aus Frankfurt, Bad-Nauheim und den umliegenden Städten sehr steigen:. Das Zentrum des Vogelsbergs, Hoherodskopf und Taufstein liegt von Station Hartmannshain nur eine gute Stunde entfernt. Nach dem Fahrplan sollen je 4 Züge verkehren. Damit ist ein weiterer Teil der Gesamtstrecke Lauterbach - Grebenhain - Gedern - Stockheim-Windecken - Vilbel vollendet und das Ziel einer direkten Verbindung des Vogelsberges mit der Zentrale Mitteldeutschlands, Frankfurt, einen Schritt weiter genickt.
* Geseüenprüfima. Diejenigen jungen Leute, welche das Spengler- und Jnstallateurhandwerk erlernen und zu Ostern d. I. ihre Lehrzeit beenden und die Gesellenprüfung noch nickt bestanden haben, werden hiermit ersucht, sich bei dem Vorsitzenden der Prüfungskommission, Herrn G. Ernst Pforr, Nürnbergerstraße 24, baldigst zu melden.
* Das Deutsch der Kaufleute. In der am vergangenen Donnerstag abgebalienen Versammlung des A l l- gemeinen deutschen Sprachvereins hielt Oberrealschuldirektor Dr. Schmidt einen Vortrag über bas Deutsch der Kaufleute. Auf der Hauptversammlung des Allgemeinen deutschen Sprachvereins zu Breslau im Jahre 1903 wurde die Preisaufgabe gestellt: Wie ist die Sprach- verderbnis im deutschen Handelsstande zu bekämpfet: ? Zur Alfatm unö näheren Bepunmung der Ausgave waren Bemerkungen hinzugemgt, in denen etwa folgendes gesagt war: Die Sprache des deutschen Handelsstandes entspricht in mancher Beziehung nicht der achtunggebietenden Stellung, die er sich durch seine Tüchtigkeit errungen hat. Fremdwörter und Fremdausdrücke wuchern üppig weiter, obgleich durch die von dem Allgemeinen deutschen Sprachverein hcrausge- gebenen Verdeutschungsbücher von K. Magnus und F, W. Eitzen bewiesen ist, daß die Fremdlinge durch Eingeborene sehr gut ersetzt werden sönnen. Aber nicht bloß gegen die Reinheit, auch gegen die R i ch tigf eit und Sch ön- h e i t der Sprache wird häufig gefehlt. Weitschweifige, breitspurige Wendungen, gespreizte unnatürliche Ausdrucksweise, übertriebene Höflichkeit und übel angebrachtes Streben nach Kürze und Abwechselung des Ausdrucks führen oft zu Verkehrtheiten und Seltsamkeiten, die die kaufmännische Sprache verunzieren. Diese Dinge sollten an Beispielen erörtert und dabei die Frage beantwortet werden, woher die gerügten Fehler stammen und wie eine Teilung zu erzielen ist. Die Abhandlungen sollten anregend geschrieben, nicht zu umfangreiche Flugschriften sein, die geeignet waren, das sprachliche Gewissen deS deutschen Kaufmanns zu schärfen. Die Geldmittel für die 3 Preise von 600, 400 und 200 Mk. waren von einem deutschfühlenden, für unsere Muttersprache begeisterten Kaufmann aus den Rheinlanden, der ungenannt bleiben will, zur Verfügung gestellt. Das Preisrichteramt übernahmen mehrere Universitätsprofesioren und Leiter von Handelsschulen. Die preisgekrönten Arbeiten sind die von August Engels, F. W. Eitzen und G. Mettin; der mit dem ersten Preise bedachte August Engels gehört dem Lehrerstande, die beiden andern dem Kaufmannsstande an. Aus dem Inhalt der Schriften von A. Engels und F. W. Eitzen, die von dem Allgemeinen deutschen Sprachverein veröffentlicht worden sind, teilte der Vortragende allerlei mit, was die Aufmerksamkeit der anwesenden Mitglieder fesselte und eine lebhafte Unterhaltung über Zweifelhaftes und Falsches im heutigen Sprachgebrauche veranlaßte.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht :Sch weineseuche (Schweinepest) : Stadtkreis Cassel: Gaffel; Landkreis Cassel: Dörnhagen, Vollmarsbausen, Rothenditmold, Wolfsanger, Waldau, Rengershauien, Hertingshausen; Kreis Eschwege: Frieda, Schafhof, Wanfried; Kreis Fritzlar: Maden, Werkel, Kirchberg, Haddamar; Kreis Fulda: Opperz; Landkreis H a- nau: Niederdorfelden; Kreis Hersfeld : Hilperhausen, Heimboldshausen; Kreis Hofgeismar: Grebenstein, Holzbausen, Veckerhagen, Lamerden, Ehrsten, Trendelburg (Stadt), Zwergen; Kreis Homberg: Ober- und Niederhülsa; Kreis Melsungen: Guxhagen, Beiseförth; Kreis Rotenburg: Hübenthal; Kreis Schmalkalden: Steinbach-Hallenberg; Kreis Wolfhagen: Rittergut Hohenborn, Domäne und Dorf Burghasungen, Domäne Rangen, Wolfhagen; Kreis Ziegenhain: Rittergut Kämmershagen; Influenza der Pferde
(Bruststuche): Stadtkreis Gaffel: Gaffel; Landkreis Castel: Niederkaufungen, Niederzwehren, Bettenhausen, Rothenditmold; Kreis Fritzlar: Fritzlar.
* Stadttheater. Benefiz Jaida und Krug. „Nachtasyl", das morgen zur einmaligen Aufführung gelangende hervorragende Werk Maxim Gorkis, erregt auch hier das der Bedeutung dieser gewaltigen Schöpfung entsprechende große Interesse. Es ist schon soviel über dieses eigenartige Werk geschrieben worden, daß es unnötig ist, hier nochmals die Vorzüge desselben hervorzuheben. Die wundervollen erhebenden Gedanken, die der Dichter seinen charakteristischen Gestalten in den Mund gelegt hat und die mit urwüchsiger Kraft geschilderten Vorgänge haben ihre Wirkung noch niemals verfehlt. Es ist selbstverständlich, daß die Aufführung eines so bedeutendes Werkes auch mit größter Sorgfalt vorbereitet wird, ja, es fordert begabte Künstler geradezu heraus, :hr Bestes, ihr Wirksamstes zu geben, denn es enthält überaus dankbare Rollen. Die Benefizianten, Frl. Jaida und Herr Krug, werden, erstere als „Wassiliffa" und letzterer als „Luka," in ihren Partien Aufgaben haben, die ihrer künstlerischen Individualität besonders liegen und sicherlich vortreffliche Leistungen bieten. In den zahlreichen weiteren Rollen treten am meisten hervor Herr Oberregisseur Sieger, welcher das Stück gleichzeitig inszenierte, als „Schauspieler", ferner Herr Nygrin als „Baron", Herr Hauser als „Pcpel", Frl. Holm als „Natascha", Frl. Helliot als „Nastja", außerdem noch Herr Kempf (Satin), Herr Na chbaur (Kletsch) u. s. w. — Es ist jedenfalls einer der interessantsten und künstlerisch sowohl als auch literarisch bedeutendsten Theater-Abende dieser Spielzeit zu erwarten und wünschen wir nochmals, daß die Bemühungen der Bene- fisianten durch ein recht volles Haus belohnt werden. — Am Sonntag wird Sudermann's Schauspiel: „Sodoms Ende" zur Aufführung gelangen.
(:) Ravolzhausen, 14. Febr. (Beleuchtung«» frage.} Auch für den hiesigen Ort wird hinsichtlich der Bel^üchtungsfrage bald eine Entscheidung fallen. Die G. m. b. H. Ziegelei Ravolzhausen beabsichtigt, für ihr Werk elektrisches Licht und elektrische Kraft einzurichten, weiterhin ist sie nicht abgeneigt, auch an die Gemeinde elektrisches Licht abzugeben, falls sich genügende Abnehmer finden. Eine vorgestern stattgefundene Versammlung der Ortseinwohner beschäftigte sich mit dem Projekte, das beifällig begrüßt wurde. Die vorerst unverbindlich gegebenen Anmeldungen waren so zahlreich, daß ein Zustandekommen des Projekts ziemlich gewiß erscheint.
Gericktssaal
Sihnnfl des Schwurgerichts vom 14. Februar.
Raub.
Auf der Anklagebank sitzt der 24jährige Korbmacher Michael Siegler ans Le Perret im Seinedesiariement. Da der Angeklagte behauptet, nicht deutsch zu verstehen, mußte ein Dolmetscher bestellt werden. Zivei Stunden führte Siegler feine Rolle als Vollblutfranzose tadellos durch, nichts vernet, daß er außer den Fragen des Dolmetschers etwas von der Verhandlung verstand. Bei einer ihn besonders interefterenben Frage des Vorsitzenden, die natürlich an den Dolmetscher gerichtet war, wartete er dessen Vermittelung nicht ab, sondern platzte selbst mit dem schönsten deutsch heraus. Nachdem er nun einmal ungewollt aus der Rolle gefallen war, gab er die Komödie auf und gestand lächelnd, daß er das deutsche ganz gut verstehe. Er ist seit etwa 2 Jahren in Deutschland.
Die Anklage legt ihm zur Last, am 7. Oktober vor. Js. in Steinbach bei Burahaim einem Mitarbeiter mit Gewalt den Brustbeutel und das Portemonnaie entriffen und sich auf diese Weise etwa 20 Mk. angeeignet zu haben.
Er war zur fraglichen Zeit beim Bahnbau in der Nähe von Steinbach beschäftigt und logierte in der für die Arbeiter errichteten Kantine. In dieser Kantine wohnte auch ein Arbeiter namens Kunsch, ein etwas origineller Kauz; sonst aber scheinbar ein gutmütiger und ganz verständiger Mann. Dieser hatte eine kleine Erbschaft gemacht und trachtete nun, diese baldmöglichst unter die Leute zu bringen. In diesem Bestreben wurde ihm von feinen Mitarbeitern wacker Beistand geleistet. So hatte er sich kurz vor dem fraglichen Vorfall 60 Mark und an jenem 7. Oktober wiederum 30 Mark schicken lassen und einen Teil bereits in Gesellschaft seiner Kollegen in Alkohol umgesetzt. Am späten Nachmittag begab er sich mit dem Angeklagten in eine Steinbacher Wirtschaft und setzte das Zechgelage fort. Gegen 8 Uhr meinte der Wirtßsohn zu ihm, es wäre bester, wenn