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Donüerstafl

13. Dezember

daS beutfdse Volk, ba* 1870/71 nur bald so viel Fleisch kon­sumierte wie jetzt. deshalb nicht groß und stark geworden? Darf man deshalb von einer llntercrunbrnng reden? Dazu kommen für die Erklärung der höheren Preise auch die hohern Ansprüche an die Qualität des Fleisches in Be­tracht und weiter die hohen Lasten für die Fleischbeschau. Soll die etwa die Landwirtschaft allein tragen? Unter Hört! Hört l-Rufen der Rechten trägt der Redner die Ergebnisse der von ihm veranlassten Ermittlungen über die Fleischpreise in den einzelnen Ländern vor und konimt ins­besondere zu bem Schluß, daß die Lebenshaltung der eng­lischen Arbeiterschaft, soweit eS den Fleischgenuß anlangt, durchweg teurer ist als bei uns. Die Landwirte sind dem frühern Landwirtschaftsminister dankbar. (Stürmischer Bei­fall recht?, Lachen der Sozialdemokraten.) Ich habe den Dank der Landwirtschaft festgestellt, und Sie haben das Echo soeben vernommen. Hoffentlich wird sich nie ein preußischer oder deutscher Landwirtschaftsminister finden, der den deut­schen Diehstand der Verseuchung durch daS Ausland aussetzt. (Lebhafter Bestall rechts.) Die' Verantwortung _ könnte kein Zandwirtschaftsminister tragen, der beim geringsten Fall von Maul- und Klauenseuche im Inland die Gehöfte und Kreise sperrte und den Landkreisen die größten Opfer auferlegte und durch unverständige Nachgiebigkeit die Seuchengefahr über die Grenze ließe. ' (Lebhafter Bestall rechts.) In der Haut eines solchen LandwirtschaftsministeriumS möchte ich nicht stecken. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich hoffe, daß wir sehr bald dahin kommen, die Einfuhr lebenden Viehes überhaupt nicht mehr nötig zu haben. Die glücklichste Lösung wäre die, wenn die Fleischer schon geschlachtetes Vieh von den Land­wirten beziehen würden, aber damit würden die städtischen Verwaltungen sehr wenig einverstanden sein. Der Redner spricht über die Notwendigkeit einer Herabsetzung der Lasten aus der Fleischbeschau und macht längere Ausführungen über E^dHenforschung und Scuchenverhütung. Deutsche Kraft aM nicht nur am militärischem, sondern auch auf wirtschaft­lichem Gebiete zu erhalten, muß unsere Aufgabe sein. (Leb­hafter Beifall recht?.)

Korfanty (Pole): Unsere Wählerkreis« bestehen zum größten Teil auS kleinen Landwirten, bäuerlichen Besitzern und landwirtschaftlichen Arbeitern, die vielfach selbst sich ein Stück Vieh halten. Aber wir müssen doch erklären, die Fleischnot ist stellenweise geradezu zu einer Kalamität gewor­den. Der Redner bespricht diè besonderen Verhältnisse in Oberschlesien, die für den dortigen Jndustriebezirk und seine dichte Arbeiterbevölkerung mit allen niedrigen Löhnen be­sonders schlimm liegen.

Gamp (Rp,): Die speziellen oberschlesischen Verhältnisse wüten an anderer Stelle zur Sprache gebracht werden. Der Grenzverkehr läßt sich nicht noch mehr erleichtern: die Ein­fuhr muß begrenzt sein, weil man nur so die tierärztliche Untersuchung seststellen kann. Wir haben doch im übrigen die Freizügigkeit. Am Rhein sind die Löhne doppelt so hoch als die, die der Vorredner angegeben bat. Warum gehen die Polen nicht dorthin? (Gelächter links.) Ich meine es ganz ernst. Dort können Sie auch besser deutsch lernen. Auf die VerelendungStheorie der Herren Scheidemann und Dr. Wiemer gehe ich nicht ein. Wer vorurteilsfrei die Verhält­nisse lieht und nicht nur Agitafton treiben will, muß znge- ftehen, fein einziger Stand ist in seinen Einkünften in den Hirn Jahren w außerordentlich gestiegen, wie die Arbeiter. «Gelachter der Sozialdemokraten.) Sehen Sie doch die Löhne bei Krupp, jedes Jahr steigen sie um sieben und acht Pro- ZENt. (Lachen der Sozialdemokraten.) Jetzt werden wir ja m Preußen infolge der Steuerdeklaration der Arbeitgeber Emucht in die wirklichen Löhne der Arbeiter bekommen. Ich habe mich noch dieser Tage mit einem großen Industriellen unterhalten, der sagte mir: Sie haben gar keine Ahnung, wie gut meine Arbeiter leben. Das Einkommen so einer Ar- beiterfamilie ist besser als das Anfcmgsgehalt eines Amts- ncöterg. (Gelächter bei den Sozialdemokraten), weil die Familienangehörigen mitarbeiten. Sie sollten sich doch darüber freuen, wenn Sie wirklich Interesse für die Arbeiter hatten. Herr Wiemer hat den Sauern seine Anerkennung mt üjte V erdienste um die Viehzucht gezollt. Lieber wäre

-hnen gewesen, wenn er statt dieser platonischen Liebe das unterstützt hätte, was sie wünschen. Statt dessen Der« 'roßtet er sie mit weiterer Zersplitterung des Grundbesitzes und Hmdenmg der Fideikommißbildung. Die Bauern wer« - H^ Klemer, sagen: was kaufe ich mir da-

m ^stm noch Hunderte von Quadratmeilen, wo Rietqcaitent angesiedelt werden können. Gerade wir auf r er rechten Leite haben im Abgeordnetenhaus? auf eine groß- zugrge Politu der Distribution des Grund und Bodens Hin- gearbeitet. Wir haben in Pommem und andern Provinzen Besledlungsgefellschatten gebildet, aber Sie haben diese unsere Politik nicht unterstützt. (Beifall rechts. Lachen links.) Der Groggrundbentz ist der Pfadfinder für die Viehzucht der Zauern gerne en. Ich habe eine große Schweinezucht; meine tperbe war vor drei Jahren eine der besten in ganz ^Emern. Dann ist die Seuche gekommen, und meine (ièrde vernichtet. Seit drei Jahren ist die Schweinemast Esentabetfte Ge'chäst in meinem ganzen Betrieb, und l ^^" lucht mein Administrator mich zn bewegen, lUitzugeben. Ich habe das nicht getan, teil» aus au« Anstandsgefühl. (Gelächter linS,) Sie ^^tandsgefühl zu kennen. (Heiterkeit rechts.) 7Großgrundbesitzer sich das leisten kann, dann soll Jahre einmal ohne Rente arbeiten. Durch ^V^ "icht wenig zur Hebung der Schweine- ^. ^ ^nzeii Gegend beigetragen, und ich hoffe e» in ein ' "s^Aurer Jahren wieder zu erreichen.

beiderseitigen Interesse gehandelt, wenn ^^batte um zwei bis drei Monate hinausgeschoben .Dann wurden wir klüger sein. Wenn Sie die Sacke xcr^^ verwerten wollten, hätten Sie bie Ergebnisse ber Viehzählung abwarten müssen. (Lachen links.) Ich be­haupte, der Preisrückgang bei den Schweinen wirv dauernd . Ich berufe mich auf eine Autorität, die auch Herr Gothem anerkennen wird, denn er ist es selber. (Heiterkeit.)

!5 vorigen Jahre eine ganz.richtige Ausführung ge- macht. (Hott, hörtl rechts. Heiterkeit.) Er sagte, er habe emer Reihe von kleinen Leuten gesprochen das sollten

.e v/^" iun, Herr Gothein! (Heiterkeit) und habe sie gefragt, ob sie nicht Ferkel ansetzen möchten. Sie sagten: bei den hohen Ferkel- und Kartoffelpreisen? Nun, in diesem Jahre sind die Fettel- und Kattoffelpreise so niedrig, wie noch nie, und wenn die Bauern vernünftig sind und sie . ja, denn sie wählen konservativ (Heiterkeit) müssen ue srch fetzt auf die Schweinemast legen. Es kann einmal öie Zeit kommen, wo Deutschlano den Bedarf an Rindvieh

nicht mehr decken kann, aber den Bedarf an Schweinefleisch kann noch Dezennien lang produzieren. Das Serum gegen Schweinepest dein Landwirtschastsministet kann ich damit nicht recht geben versagt vollständig und kostet dem Landwirt bloß Geld. Es wird zu prüfen sein, ob nicht eine gewisse Kontrolle aud) für die Transporte im Inland« er- forberTitb ist. Graf Powdowsky hat erklärt, die Fleischbe- schaugebühren für das Ausland sollen ermäßigt werden. Ich hoffe dringend, daß der Landwirtschaftsniinister dann auch eine (Ermässigung für daS Inland verlangen wird, sonst wäre eS doch unerhört. Kolossale Verluste ân Fleisch entstehen durch die rigorosen Bestimmungen, wonach z. B. einfinnige Rinder drei Monate auf Eis gelegt werden müssen. Wie man das auf dem Lande machen will, ist mir unklar. . Den Zwischenhandel wollen wir nicht ausschalten. Aber mir hat vor zwei Jahren' ein sozialdemokratischer Verwalter" eines Konsumvereins gesagt, seit er direkt sich mit den Produzenten in Verbindung gesetzt habe, liefere er den Arbeitern das Schweinefleisch um 5 Mark pro Zentner billiger. Ich weiß nicht, wie ernste Leute die Berliner Preise vergleichen können mit den Preisen in irgendeinem Ort in Amerika, Frau von Gerlach ich weiß nicht, ob er verheiratet ist (Heiter­keit) geht auch nicht mehr in die Markthalle, sie be­stellt das Fleisch telephonisch beim Schlächter und läßt sich dann noch ein Pfund nachbringen, weil sie Gesellschaft hat, und so machen sie es alle, unbbaS verteuert das Fleisch. Auch Ihnen sollte bekannt sein, daß ein Rind ein größeres Gewicht hat, als ein Hammel. (Heiterkeit.) . Aber Herr Scheidemann hat es nickt gewußt. Meine politischen Freunde sind übereinstimmend der Ansicht, daß eine übermäßige Steigerung der Fleischpreise in gar keiner Weise erwünscht ist. Wir haben Rücksicht zu nehmen auf die Handwerker, auf die kleinen Beamten, im Interesse der Landwirtschaft wünschen wir eine wesentliche Erhöhung der Preise, aber ohne daß der Konsum wesentlich leibet. Plan sollte Schlacht­häuser au der Grenze errichten. Warum hat die Regierung nicht schon früher an eine Verbilligung der Eisenbahnfrachten gedacht. Nach Herrn Scheidemann ist da? Ausland ganz seuchenfrei, das Inland total verseucht, und ähnliche Aus­führungen hat auch Herr Gothein gemacht. (Gothein ruft: Ich? Ich habe ja noch gar nicht gesprochen.) Sie werden es gleich tun. (Heiterkeit.) Die ausländischen Regieningen tun alles, um Vermischungen zu verhindern, im Inland ge­schieht nichts. Das ist alles nur aus der Neigung des Deutschen zu verstehen, alles Ausländische in den Himmel zu heben und alles Inländische in den Kot zu ziehen. Herr Gothein hat vor Jahren gesagt, die amerikanische Trichine sei nicht gesundheiisgefährlich, und bot eine Werte an, er wollte lebende amerikanische Trichinen essen. Ich lehne eine solch? Wette ab, nicht wegen der 1000 Mark, die würde ich schon anlegen, wenn es sich um einen wohltätigen Zweck handelt (Heiterkeit),- aber ich möchte ungern Herrn Gothein vermissen.

Abg. Gothein (freis. Ver.) führt aus: Ueber den neuen Landwirischaftsminister war ich gerade nicht sehr enttäuscht: es war ein anderer Faden, aber dieselbe Nummer. (Heiter­keit.) Die Grenzsperre gegen Holland und die Schweiz ist überhaupt ein sonderbares Unternehmen. Der Minister scheint nicht zu missen, daß im großen Maßstabe holländisches Vieh nach Oesterreich Deutschland passiert, ohne daß eine Seuche eingeschleppt werde. Selbst der Bund der Landwine vertrat den Standpunkt, dass die Sperre aufgehoben werden müsse, weil die Seuchengefahr im Auslande nicht allzugroß sei. Redner belegt dies mit Beispielen. Durch die Grenz­sperre gegen Holland leide auch die Milchversorgung und die Landwirtschaft in erster Linie. Die Tuberkulinprobe ist eine direkt unsinnige Sache. Die Handhabung des Viehseuchen­gesetzes und des Fleischbeschaugesetzes wimmelt von Inkon­sequenzen. Die Maul- und Klauenseuche wird auch durch Menschen verbreitet und niemandem fällt es ein, bie" Gren­zen für jeglichen Verkehr von Menschen und Waren zu sperren. Mit der Prophezeihung, daß innerhalb 6 Wochen die Fleischnot beendet sein solle? hat Minister o. Podbielski, wie er selber zugegeben hat, eincorriger la verité vorge­nommen. (Heiterkeit.) Die statistischen Zahlen des Land- wirtschaftsminisrerS sind einfach Unsinn. Wenn es eine feile Dirne gibt, so ist es diese Statistik. Die Berechnung, nach welcher der Fleischkonsum im letzten Jahre pro Kopf 48 Kilo­gramm, im Jahre 1900 dagegen nur 40 Kilogramm be- tragen habe, ist unmöglich richtig, Ich habe schon früher auseinandergesetzt, daß das Kontingent nicht ausgenutzt werden kann, weil wir durch jahrelange Sperrung die Schweinezucht im Auslande so heruntergebracht haben, daß keine Schweine mehr an uns abgegeben werden können. Bei dieser Wirtschaft könne man nicht erwarten, daß die Schweinezucht im Auslande sich hebt. Dies treffe vor allem für Oesterreich zu. Wir haben allerdings eine Gewichtszunahme durch Verbesserung der Zucht gehabt, die aber nur bis Anfang oder Mitte der neunziger Jahre anhielt. Seitdem wir das ausländische Vieh nicht mehr einließen, verschlechtette sich die Zucht und ver­minderte sich das Gewicht. Menn die Jahl und das Ge­wicht der geschlachteten Schweine zurückgingen und die Be­völ kerungsziffer sich vermehrt hat, so müssen wir logischer­weise einen ganz enormen Rückgang des Fleischverbrauches pro Kopf der Bevölktrung gehabt haben. Eine Unterer­nährung des Volkes wird bestritten. In Breslau ist wissen­schaftlich festgestellt worden, daß 1906 nur die bestentlohnten Arbeiter sich so ernähren konnten, wie die Wissenschaft es für erforderlich erachtet. Die Steigerung der Löhne nahm nicht in dem Maßstabe ^u wie die Erhöhung der Lebensmittelpreise. (Tie weiteren Ausführungen 4eS Redners werden durch viel­fache Schlußrufe der Rechten unterbrochen.

Staatssekretär Posadowsky führt aus: Deutschland befindet sich gegenwärtig in einer sehr hohen wirtschaftlichen Prosperität, daß wir den dieid der anderen Nationen erregen und manche politischen Schwierigkeiten sich daraus erklären lassen. Die Angriffe Gotheins gegen die amtliche Statistik sind unberechtigt. Jede Statistik ist relativ. Ich betone ausdrücklich, daß ich niemals in irgend einer Weise die Statistik beeinflusst habe und ich begreife nicht, wie Gothein die Statistik eine feile Dirne nennen tonnte. Der Leiter derselben ist ein angesehener Volkswirt, Per über jeden Zweifel erhaben ist. Ich muss die Angriffe gegen diese mir nachgeordnete Behörde entschieden zürückweisen. (Beifall.)

Präsident Graf S a 11 e ft r e m erklärt, daß Gothein nicht das Statistische Amt, sondern bie allgemeine Statistik als feile Dirne bezeichnet habe.

Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donners­tag 1 Uhr. Nachttagsetat für Südweftasrita. Fortsetzung der Besprechung der Fleischnotinterpellation.

Die ^nne in NMnnd.

Od-fla, 12. Dezbr. Heute nachmittag erschienen 12 Männer in der hiesigen Filiale der Internationalen Kommerz, bank, bedrohten die Anwesenden, acht Perionen, und bemäch­tigten sich des Betrages von 29 000 Rubeln in Dar und 62 000 Rubeln in Wertpapieren und entfernten sich. Bei der Verfolgung der Räuber ist es beinahe gelungen, einen derselben gefangen zu nehmen. Dieser Mann schoß jedoch einen der Polizisten nieder und erschoß sich dann selbst.' Den übrigen Mitgliedern der Bande gelang es, mit dem gesamten Gelde zu entfliehen.

Bachmitt, 12. Dezbr. In der Gemeinde Santurinsk wurden 49 ussinderische Bomben in einem Keller gefunden.

Irkutsk, 12. Dezbr. Ueber den Bezirk Minussinsk (Gouvernement Aeniseilk) ist der Zustand des verstärkten Schuhes verlängert worden.

Ägierz, 12. Dezbr. Heute abend bemächtigte sich eine Bande von 20 Terroristen der hiesigen Eisenbahnstation, be­raubte die Kasse und tötete einen Offizier. Die Täter find entkommen.

^eksiUstsorK, 12. Dezbr. Der bisherige Vorsitzende der Direktion der Bank von Finland, Wegelius, wurde zum Senator und Chef des finländischen Finanzministeriums er­nannt.

Kunst und Leben.

Prof. v. Bchrinys Proarurum für die Be­kämpfung der Tuberkulose.

Stuttgart, 11. Dezbr. Im würiiembergischen Landes- verein des deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien entwickelte heute, wie ein Telegramm derFrankf. Zeitung" meldet, Prof. v. Behring-Marburg sein Programm für die Bekämpfung der Tuberkulose. Der Vortragende be­handelte kurz den Gegensatz seiner Anschauungen zn Robert Koch, welcher die Entstehung der Lungenschwindsucht im vor­geschrittenen Lebensalter in den Vordergrund stelle, während Behring lehrt, daß die entscheidenden Tuberkulose-Infektionen in das Kindesalter fallen und durch SäuglingSmilch erfolgen. Behring empfiehlt sein neues Tuberkulosemittel Tulaselaktin in erster Reihe als immunisierendes Tuberkuloseschutzmittel im Säuglingsalter. Da es gelungen ist, nicht bloß großen, sondern auch kleinen Tieren durch Verabreichung von Tulaselaktin einen beträchtlichen Schutz gegen Tuberkulose zu verleihen, so nimmt Behring nach allen früheren Erfahrungen an, daß die immunisierende Wirkung deS Mittels sich auch beim Menschen bewähren wird. Die Milchkühe könnten diesem Zwecke dienen. Tulaselaktin solle in erster Linie präventiv wirken. Aber bisher hat Behrung nur tuberkulöse Menschen damit behandelt, weil andere sich nicht zur Ver­fügung gestellt haben. Das Gefühl der großen Tuberkulose- gefahr ist zwar lebendig, aber es herrschte bisher ein Jrttum, daß erst im spätereil Lebensalter die Wirkung der Schwind­suchtskeime beginnt. Notwendig sei es, auf das Säuglings­alter als auf diejenige Periode des Lebens hinzuweisen) in, der die vorbeugende Immunisierung der Säuglinge auch- möglich sei durch Ernährung von Milch von mit Tulase be­handelten Tieren oder durch die Milch ihrer eigenen tuber- kuloseimmuu gemachten Mutter. Die direkte Immunisierung verleihe eine längere dauernde Immunität. In der Skrofu­losebehandlung sowie in der präventiv immunisierenden Be­handlung der Säuglinge werde das Tulaselaktin eine wich­tige Stoße spielen. Zm Vordergründe der Bekämpfung stehe die Entfernung der Säuglinge aus den Wohnungen tuber­kulös belasteter Familien in Säuglingsheime, wo die Be­handlung beginnen muß. Es muß noch in einer längeren Anstaltsbehandlung statistisches Material über die Wirkungen des neuen Schutzmittels geliefert werden. Der Vortrag, dem auch das Königspaar, der Kultusminister und der Minister des Innern beiwohnten, wurde mit großem Beifall ausgenommen.

Bericht des öffentlichen Wetterdienstes.

Dienststelle Weilburg a. d. L. (Landivirtschaftsschule)

Dienstag, 11. Dezbr. 1906, 8 Uhr morgens.

Wittenmg im Gebiet während der letzten 24 Stunden

Niederschlagsmengen in Deutsch­land währen?, der letzt. 24 Stunden (in Litern auf den qm.

Marburg Hachenburg

MtsIlledssSchn.ee» Mecerschl Oclmee)

Hamburg

V

Dresden

1

Memel

10

Breslau

0

Wiesbaden

Fulda

Ger. Nied. (Schnee >

Meist bewö'kt. _ Niedssz. T. Schnee)

Aachen

2

Metz

0

Hannover

2

Karlsruhe

1

Cassel

Berlin -

2

München

»

Allgemeine Uebersicht.

Das gestern im Nordosten lagernde Tief ist südostwatts gezogen. Seine südwestlichen Randtiefs haben sich dabei verstärkt imb brachten uns heute nacht und morgens noch Niederschläge (meist Schnee.) Auf der sich uns nähernden Rückseite unserer Randtiess setzen jedoch Nordwinde ein, so» daß diese bald auch auf unsere Witterung einwirken dürsten, ein Aufhören der Schneefälle und Sinken der Temperatur bewirkend.

Diese Aufklärung fdjeint jedoch nur eine ganz vorüber­gehende zu sein, denn im Nordwesten lagern bereits neue Tiesdruckwirbel. Diese scheinen südostwärts zu ziehen, sodaß wir auch morgen trotz Ausbreitung des nördlichen HochS bei westlichen Winden wieder Bewölkung und Niederschläge er­warten müssen. Die Wetterlage ist jedoch heute sehr un­sicher.

Oksfcntlilher Wetterdienst.

D i e n st st e I l e Weilburg (Landwirtschaftsschule).

Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Aber«d des 18. Dezember bis zum nächsten Abend.

Schwache westliche Winde, ziemlich trübe, geringe Nieder­schläge, Temperatur nicht erheblich geändert.'