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«.Ilmsdnick «ab Verlag der Buchdruckerri der rerri«. o. Waisenhauses in Hanau.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Zwecks Herstellung der Bnicke über die Krebsbach wird der Landweg in Rüdigheim am 15., 16. und 17. d. Mts. für alle Unhrwerke gesperrt.
Hanau den 13. Oktober 1906.
Der Königliche Landrat.
D. Becker ath.
Hus E)anau Stadt und Eand.
Hanau, 13. Oktober.
Meerholz.
Da wo die nördlichen Höhen des Spessarts und die südlichen Ausläufer des Vogelsberges von den Ufern der Kinzig zurücklrcten, unweit der alten Reichsstadt Gelnhausen, liegt Schloß und Flecken Meerholz, Residenz des Grafen Gustav zu Isenburg und Büdingen, des Inhabers der Standesherrschaft Isenburg-Meerholz. Diese Büdinger Linie wurde mit den anderen, nämlich Wächtersbach und Büdingen, im Jahre 1806 mediatisiert und ihr Gebiet dem Fürstentum Isenburg (Linie Ossenbach-Birstein), einem Rhcinbundfürstentum, einverleibt. Durch die Wiener Kongreßakte wurde das Fürstentum Isenburg mediatisiert. Das Fürstentum, speziell das Gebiet der Linie Isenburg-Meerholz, kam unter die Souveränität des Kurfürsten und des Großherzogs von Hessen. Eine herrliche Aussicht genießt man von dem Schlosse. Ein schönes, ausgedehntes Wieseutal, von der Kinzig durchschlängelt, teilweise mit Wald bedeckt, an beiden Seiten mit fruchtbarem Ackerlande oder waldigen Anhöhen begrenzt, bietet dem Auge die größte Mannigfaltigkeit dar. In der Ferne winkt die einstige „Freistätte des Glaubens", die Ronneburg, herüber und direkt vor dem Beschauer liegt das malerisch aufgebautö Gelnhausen mit der herrlichen Marienkirche und der staufischen Kaiserpfalz auf der Kinziginsel. — Ueberall historische Stätten. Daß diese Kaiserpfalz, die bis in die vierziger Jahre deS vorigen Jahrhunderts hinein als allgemeiner Steinbruch benutzt wurde, überhaupt noch existiert, daß sie, in der eine Reihe glänzender Versammlungen deutscher Fürsten und 1207 die Vermählung der Tochter Kaiser Philipps von Schwaben mit Herzog Heinrich von Brabant stattfand, in der die Kaiser Friedrich I., Heinrich VI., Philipp von Schwaben und alle der Reihe nach bis auf Ludwig den Bayer öfters und länger residierten, nicht gänzlich von dem Erdboden verschwunden, das ist das Verdienst des Vaters des jetzigen Standesherrn und der Gräfin-Braut, des am 30. März 1900 verstorbenen edlen Grafen Karl zu Isenburg und Büdingen (geboren 1819). Im Jahre 1845 gelegentlich eines Aufenthaltes auf Schloß Wilhelmshöhe sprach Graf Karl sich dem damaligen Kurprinzen und Mitregenten von Hessen, dem späteren Kurfürsten Friedrich Wilhelm I., gegenüber, ob der Verwüstung der Kaiserpfalz, der architektonisch schönsten deutschen Burg, mit einem schonungslosen Freimute aus, der zur Folge hatte, daß die Regierung in Hanau nunmehr nachdrücklichst der Verwüstung Einhalt gebot. — In der Nähe von Meerholz gehen die alten Verkehrswege, die Weinstraße, die von Frankfurt durch den Büdinger Wald, den alten Reichsforst, in das östliche Deutschland, und der Frankenweg, der von Gelnhausen durch den Spessart in das Land der Franken führten, vorüber. Auch die große Leipzig-Frankfurter Handelsstraße zieht jenseits der Kinzig hin. Auf ihr strömte nach der Leipziger Schlacht im Oktober 1813 das geschlagene Heer der Franzosen, an der Spitze Napoleon, zurück und passierte am 29. Oktober die Meerholzer Gegend, sie benutzte Erzherzog Johann von Oesterreich 1848 zu seiner Reise nach' Frankfurt, um die Geschäfte als deutscher Reichs- oerweser zu übernehmen. In dem Schlosse zu Meerholz wird am 14. Oktober d. J. Prinz Albert zu Schlcswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg der Gräfin Ortrud zu Isenburg und Büdingen in Meerholz die Hand fürs Leben reichen. Der Deutsche Kaiser und eine große Anzahl Fürstlichkeiten oder deren Vertreter werden den Feierlichkeiten anwohnen, denn Prinz Albert ist ein vielverwandter Prinz. Ist er doch der Schwager der deutschen Kaiserin, ein Oheim des Königs von Norwegen wie auch der Herzogin von Sachsen-Koburg und Gotha und nahe verwandt mit den Häusern Hessen-Cassel, Anhalt und Waldeck, ein Vetter der Kaiserin-Witwe von Rußland, der Königin von England, der Herzogin von Cumberland, dem Könige von Dänemark und Griechenland.
Samstag den 13. Oktober
Die Gräfin-Braut flammt ebenfalls aus weitverzweigtem alten Geschlechte, das seinen Stammbaum bis zu Gerlach, der ums Jahr 993 Graf im Niederlahngau war, hinaufführt. — Meerholz schickt sich an, Festschmuck anzulegen, um die Fürstlichkeiten, besonders unseren Kaiser, würdig zu empfangen, der, von Gelnhausen kommend, nach Besichtigung der Kaiserpfalz, deren Boden seit 1512 kein Kaiser mehr betreten, am Mittag des 14. Oktober d. J. in Meerholz eintrifft. c.
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* Der Kaiser in Gelnhausen. Aus der Ordnung des Gottesdienstes in der Marienkirche zu Gelnhausen, an dem auch Se. Majestät der Kaiser teilnimmt, ist zu ersehen, daß die Kapelle des Thür. Ulanenregiments Nr. 6 aus Hanau zur Mitwirkung herangezogen worden ist. Die Kapelle wird zur Einleitung des Gottesdienstes den Chor aus „Judas Makkabäus" von Händel „Tochter Zwn, freue dich" und zum Schluß das große Halleluja von Händel spielen.
FC. Meerholz, 12. Oktober. Prinz Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, der Bräutigam der Gräfin Ortrud zu Isenburg-Büdingen, ist heute im hiesigen Schlosse eingetroffen. Zu den. bevorstehenden Festlichkeiten traf ferner heute die Fürstin von Waldeck-Pyrma ein, morgen werden erwartet: Prinzessin Wilhelm von Hessen-Philippsthal- Barchfeld, Prinz Christian zu Hessen-Philippsthal Barchfeld, Erzherzog Heinrich Ferdinand von Oesterreich, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg als Vertreter des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg als Vertreter des Herzogs von Sachsen-Altenburg, Erbprinz zu Wied, Prinz von Ligne, Herzog und Herzogin Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg nebst Prinzessin-Tochter Alexandra-Viktoria, Fürstin-Witwe zu Isenburg-Birstein geb. Erzherzogin von Oesterreich, Staats- ministcr Willich als Vertreter des Großherzogs von Oldenburg, Prinz und Prinzessin Friedrich Wilhelm zur, Lippe, Graf Görtz zu Schlitz, kgl. preußischer Geh. Sberregierungsrat von Eisenhard-Rothe usw. Morgen abend findet im Schlosse eine Vorfeier, ein Polterabend, statt, zu dem 118 Einladungen ergangen sind. Am 14. Oktober vormittags treffen die übrigen zur Hochzeitsfeier gefabelten Fürstlichkeiten aus der Umgebung ein. Sie werden zum Teil in Automobilen, die die Firma Benz den Fürstlichkeiten zur Verfügung gestellt hat, von ihren Schlössern abgeholt. Um 2 Uhr trifft der Kaiser in Meerholz ein, am Portale des Schlosses vom regierenden Grafen Gustav zu Isenburg- Büdingen begrüßt. Der Graf geleitet den Kaiser zur Gräfin- Mutter und der Gräfin-Braut. Um 21/» Uhr setzt sich der Brautzug nach der Schloßkirche in Bewegung. Um S1^ Uhr ist Festdiner, nach dem Diner Cercle. Punkt 6 Uhr verläßt der Kaiser, kurz nachher das neuvermählte Paar Meerholz. Abends findet Hofball statt. Am 15. verlassen die übrigen Fürstlichkeiten Schloß Meerholz.
* Geistliche Musikaufführrtng. Wir machen die Freunde edler Kirchenmusik nochmals auf die morgen abend halb 8 Uhr in der Johanneskirche stattfindende geistliche Mustkausführung, veranstaltet von Frl. Amalie Zehner und Herrn Otto Drum-Manuheim, empfehlend aufmerksam.
* Reichsbanknebsnsielle. Am 8. November d. J. wird in Lautenburg (Westpreußen) eine von der Reichsbank- stclle in Thorn abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Hk. Hebung des Hanauer Detailgeschäfts. Seit längerer Zeit bereits ist zu beobachten, daß sowohl durch die Nähe Frankfurts als auch infolge der, mangelhaften Verbindung unserer Stadt mit ihren Bahnhöfen und mit der Umgegend das Hanauer Delailgeschäft unter ganz besonderen Erschwernissen leidet. Dazu kommt, daß die gewerbliche und sozialpolitische Gesetzgebung, die steigenden Ansprüche der Gehilfenvcrbändc, die Rabatt- und Kredit- verhältnisse, die verschärfte Konkurrenz, btt Preissteigerung zahlreicher Artikel u. dergl. allgemein das Geschäft immer mehr kompliziert haben und dem einzelnen Drlailltsten seine Arbeit und sein Gedeihen umsomehr erschweren, als er allein meist nicht imstande ist, dem Uebel zu wehren. Infolgedessen hat der Syndikus der hiesigen Handelskammer, Herr Dr. phil. Grambow, auf Wunsch von Interessenten, an über 160 beteiligte Firmen eine Einladung ergehen lassen zur Besprechung gemeinsamer Maßregeln zwecks Hebung des Hanauer Detailgeschäfts.
* Stadttheatei'. Der Vorverkauf zu der morgen statt- siudcnden ersten Wiederholung der mit ganz außergewöhnlichem Erfolge gegebenen Detektiv-Komödie „Sherlock Holmes" findet heute nachmittag von 4—5 Uhr an der Theaterkasse statt. Auch die morgige zweite Aufführung dürfte wieder eine sehr große Zugkraft ausübeu. Die vortreffliche Darstellung der Titelrolle durch Herrn Hauser, dem als Partner Herr
Fernsprechanschlutz Nr. 665. 1906
Steger in der Partie des Professor Moriarty zur Seite steht, sowie die glänzende Inszenierung des Stückes werden ihm auch morgen den stürmischen Beifall der Hörer sichern.
* Gesangverein „Snmser". Der morgen stattfindende Familienabend des Gesangvereins „Sumser" beginnt um 5 Uhr und verspricht nach den getroffenen Vorbereitungen einen recht gemütlichen Verlauf zu nehmen. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß Freunde und Gönner des Vereins herzlich willkommen sind.
* Frankfurter Quartettvereinigung. Die aus den Herren H. Hock, F. Dippel, A. Allekotte und H. A p p u n n bestehende „Frankfurter Quartettvereinigung" beginnt am nächsten Montag ihre diesjährigen Abonnementskonzerte. Die ständigen Besucher dieser Konzerte sind einer Meinung darüber, daß die fragl. „Kammermufikabende" zu den auserlesensten musikalischen Genüssen gehören, welche dem kunstliebenden Publikum hiesiger Stadt während der Konzertsaison geboten werden. Nicht nur, daß die vier zu einem Streichquartett vornehmster Art vereinigten Künstler immer ganz Hervorragendes ihren Gästen darbieten, auch jedesmal wird ein Solist zur Mitwirkung hinzugezogen, welcher in seiner künstlerischen Eigenart sich den vorzüglichen Leistungen des Quartetts aufs beste einzureihen im stände ist. Für das übermorgige Konzert ist Herr Königl. Musikdirektor Edmund Parlow (Klavier) engagiert. In dem am 3. Dezember stattfindenden zweiten Quartettabend wird die Gattin des Frankfurter Kapellmeisters Kaempfert singen, welche als bevorzugte Sopranistin in weiten Kreisen beliebt ist. Zur Mitwirkung beim dritten Kammermustkabend am 25. Februar 1907 ist der bereits auch hier in Hanau rühmlichst bekannte Pianist Chr. G. Eckel verpflichtet. Demnach stehen den Abonnenten der „Frankfurter Quartettvereinigung" auch dieses Jahr wieder künstlerisch feine und gediegene Musikabende bevor. Mögen die für das hiesige Musikleben so sehr verdienstvollen Künstler in ihrem idealen Streben auch die richtige Würdigung seitens der hiesigen musikalischen Kreise finden und mögen sich zu den alten, getreuen Abonnenten immer mehr neue Hinzugesellen 1 Die beiden Hanauer Hofbuchhandlungen halten Äbonnementskartcn zu 8 und 5 Mk., sowie auch Einzelkarten zu 3 und 2 Mk. vorrätig. Schülerkarten zu halben Preisen können durch Vermittelung der bcz. Musiklehrer und -Lehrerinnen nächsten Montag nachmittag von 2 — 4 Uhr auf Zimmer Nr. 1 der Musik-Akademie in Empfang genommen werden.
* Gewerbegericht. (Sitzung vom 12. Oktbr.) Der Hausbursche Konrad R. wurde am 17. September vom Restaurateur G. als Hausbursche eingestellt. Am 24. bekam er gekündigt mit dem Hinzufügen, daß er sofort gehen könne, sobald Ersatz für ihn vorhanden sei. Dies faßte der Haus- bursche als sofortige Entlassung auf und sah sich nach einer anderen Stelle um. Er fand eine solche, erhielt dann aber die Papiere nicht und wurde deshalb nicht angenommen. R. oerfangt als Entschädigung einen ortsüblichen Wochenlohn von 15 Mk. Der Restaurateur zahlt auf dem Vergleichswege 10 Mk. — Ein hiesiger Einwohner O. klagt auf Lösung des Lehrvertrages gegen den Meister seines Sohnes, weil dieser, der das Barbier- und Friseurgeschäft erlernen sollte, nicht genügend ausgebildet würde. Insbesondere kann ihm das Pcrückenmachen nicht gelehrt werden, weil es der Meister selbst nicht kann. Nachdem ein Sachverständiger bekundet, daß bei der allgemeinen Anwendung der Bezeichnung „Barbier und Friseur" das Perückenmachen nicht unbedingt zur Ausbildung des Lehrlings gehört, wenn ein Meister sich obige Bezeichnung zulcgt, wird die Klage abgewiesen. Es sei Sache des Vertragschließenden, sich über die Ausbildungsbefähigung eines Meisters im voraus zu erkundigen. — Infolge der allgemeinen Verwirrung und deshalb, weil eine maßgebende Person nicht anwesend war, waren nach dem neulichen Unglück bei der Dimlopfabrik die dort beschäftigten Maurer gezwungen, den Tag über zu feiern. Die die Maurerarbeiten ausführende Firma Fr. R. weigerte sich nun, den Leuten die versäumte Zeit zu bezahlen, sodaß diese sich an das Gewerbcgericht wenden mutzen. Das Gericht ist der Ansicht, daß die Firma schon anstandshalber zur Zahlung verpflichtet war, daß der Anspruch der Maurer aber auch rechtlich begründet ist. Auch für die durch Verfolgung der Klage den Arbeitern erwachsenen Versäumnisse muß die Firma diese entschädigen. — Der Tagelöhner Jean B. wurde von der Tabakgenossenschaft ohne Kündigung entlassen, weil er angeblich böswillig unentschuldigt von der Arbeit wegblieb. Die Behmtpmng des B., daß er krank war und dies dem Wickelmeister auch mitteilen ließ, erweist sich als wahr, weshalb dem Klageanspruch stattgegeben und die Genossenschaft zur Zahlung des 14tâgigen Lohnes im Gesamtbeträge von 32 Mk. verurteilt wird.