Zweites Blatt
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General-Anzeiger
Awtiilhes Organ für Stellt» and Landkreis Anna«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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^ernsprechanschlutz Str. 605
Dienstag den 12. Juni
Feritfprechtmschlittz Nr. 605.
1906
Ein Juvilor im nationalen Lager.
Soeben hat der „Allgemeine Deutsche Schul- oerrin zur Erh al tun g d e s D euts ch tums im A u S l a n d e " sein 25jähriges Bestehen festlich gefeiert. Breslau, Schlesiens altberühmte Hauptstadt, stets ein Bollwerk gegen nichtdeutsche Strömungen, hatte um die Ehre gebeten, die diesjährige Hauptversammlung des Deutschen Schulvereins in ihren Mauern sehen zu dürfen, und herzlich und mit offenen Armen sind die selbstlosen Verfechter der Deutschen Schulvereinssache im gastfreien Breslau ausgenommen worden. In Kürze werden wir über das Ergebnis >er Tagung ausführlich berichten.
Heute sei dem Jubilar ein herzliches „Glückauf" zum Jubelfest zu gerufen. 1881 ist er als ein reichsdeutscher Sproß des ein Jahr vorher nach den Ratschlägen des Arztes Dr. Lotz in Frankfurt a.M. gegründeten Wiener — jetzt Oesterreichischen — Schulvereins in’S Leben getreten. Ein stilles Arbeitsleben hat er im Durchschnitt der Jahre geführt. Geredet worden ist wenig in ihm; und auch nach außen hervorgetreten ist er selten. Sein Feld war die stille praktische Arbeit; die Verteilung der gesammelten Gelder an die Schulen, Kindergärten und Volksbüchereien der deutschen Diaspora. Erst in den letzten Jahren ist eine Wandlung darin eingetreten. War der Schulverein, namentlich in der Leitung, früher ein Kreis unpolitischer Idealisten, so sind allmählich mehr politisch denkende Freunde einer solchen nationalen Hilfsbewegung im Schulverein heimisch geworden, Männer der Praxis, Träger deS „praktischen Idealismus" sind in die Leitung mit eingetreten. Dadurch ist in das Leben des Schulvereins ohne Zweifel erhöhte Bewegung gekommen. Der Verein ist unpolitisch geblieben; aber sein Wirken ist bemerkbarer geworden. Während er früher in unbeobachteten Vorstandssitzungen die verfügbaren Gelder verteilte, steht er jetzt im Mittelpunkte der gesamtdeutschen Schulbewegung. Er unterstützt nicht nur notleidende deutsche Gemeinden fremder Staatsangehörigkeit, sondern er vermittelt auch für die Schulgemeinden Reichsangehöriger im Auslande, in Europa sowohl wir über See, die Wünsche und den Bedarf an Lehrkräften, Lehrmitteln und organisatorischen Verbesserungen im Kirchen- unb Schulwesen.
DaS starke Anwachsen des „größeren Deutschlands über See" hat naturgemäß dem Schulverein viel Wind in die Segel geführt. Aber der Verein hat auch die Gunst der Zeit und seine neuen Aufgaben begriffen.
War die Tätigkeit des Vereins ursprünglich gedacht und bestimmt für die in ihrem Deutschtum bedrängten Stammes- genofsen in Oesterreich-Ungarn, so hat der Verein dann den immer weiter sich ausdehnenden Interessen unseres Vaterlandes Rechnung getragen und überall, wo Deutsche leben, und um ihre Schulen kämpfen müssen, nach Maßgabe seiner Mittel eingegriffen. So umspannt seine Tätigkeit jetzt alle Weltteile.
Ein weiterer Fortschritt war die trotz erheblicher Schwierigkeiten doch endlich erfolgte Schaffung einer Lehrervermittlungs- sttlle für deutsche Auslandsschulen. Bereits 80 Stellen sind durch dieselbe bisher bereits besetzt worden, in vielen anderen Fällen ist ihre Mitwirkung bei Berufung von Lehrern förderlich gewesen.
Dor 2 Jahren konnte der Verein das langersehnte „Handbuch des Deutschtums im Auslande" herausgeben, eine vollständige, mustergültige, mit vieler Mühe und Fleiß zu- fammengetragene Darstellung der Verbreitung der deutschen Sprache und des Deutschtums außerhalb unseres Deutschen Reiches; mit einem Adreßbuch der deutschen Auslandsschulen, deren 1400 aufgeführt werden, ein Buch, das wie keines bisher uns vor Augen führt, „welch ein großartiges Netz deutscher Kulturorganisation über die Erde ausgespannt ist."
Eine besondere Aufgabe des Vereins ist es, die reichs- deutsche Presse andauernd über die Verhältnisse auf allen deutschen Kultur- und Kampfgebieten zu unterrichten.
Rüstig schreitet der Deutsche Schulverein überall mit praktischen Maßnahmen voran.
Don den Deutschen im Reiche wird er freilich noch immer nicht genug gewürdigt. Erst 35 000 Mitglieder gehören ihn: an, obwohl er nach der Wichtigkeit seiner Arbeit und nach seinen steigenden Erfolgen Hunderttausend? umfassen sollte. Und unser vornehmster Wunsch sei daher, daß ihm solch neue Kraft zahlender Mitglieder in seinem neuen LebenSab- schrlitt zuwachse.
Dem Schulverein der Deutschen in Oesterreich, der in Reichenberg in Böhmen an den Pfingsttagen jubilierte, wünschen wir das Gleiche. Er umfaßt auch erst »ur Zeit 56 000 Mitglieder. Abzüglich einer Jubiläumsspende von 600 000
Kronen nahm er im letzten Jahre 400 000 Kronen ein. Die Einnahme des reichsdeutschenSchulvereins betrug im vergangenen Jahre 200 000 M.
Reicher Segen ist von der Arbeit beider Vereine dem in höchster Not ringenden und dem voll Kraft vorwärts strebenden Deutschtum zugeflossen. Schulen, Kindergärten, Büchereien, Fortbildungsschulen, Wanderlehrer, Lehrergehaltszulagen, Lehrund Lernmittel, geprüfte Lehrer aus dem Reiche — alles das ist den Deutschen im Ausland und im Fremdlande zuge- wendet worden und an zahllosen Stellen ist daS trübselige Bild entdeutschter Städte und Dörfer verhütet worden, wo dem Besucher blondhaarige und blauäugige Jugend entgegenströmt ; aber ach, wenn man in Hörweite gelangt, fährt man zurück, weil man plötzlich ein fremdes Geschlecht lärmen und spielen zu sehen glaubt. Blut und Erscheinung sind noch deutsch-germanisch. Aber die Sprache ist italienisch, slovakisch, magyarisch — oder die der spanischen und portugiesischen Mischlingsstaaten.
Solche Derwelschung und Verderbung deutscher Art, solche Stärkung fremder Nationen und womöglich gar feindlichen Staaten auch in Zukunft zu verhindern, möge die Schulvereins-Bewegung auch fürderhin mit Tatkraft arbeiten!
Viele neue Mitglieder wünschen wir ihr und Opferfreudigkeit ringsum im Reiche und Volke.
politiTcbe RundTcbau*
Das Hevrenhaits beginnt am 15. d. M. die Generaldebatte über das Volksschulgesetz.
Der Besuch deutscher Journattften in England findet nunmehr bestimmt in der nächsten Woche statt. Die leitenden Publizisten von 30—40 großen Zeitschriften und Zeitungen folgen der Einladung des englisch-deutschen Freundschafts-Komitees. Hauptpunkte des Programms sind: Bankett unter Vorsitz des Lord Avebury, Empfang im Unterhaus und im Oberhaus, Diner der großen Londoner Zeitungen, Empfang im Daily Telegraph, in Stratford on Avon (Shakespeares Geburtsort), Frühstück beim Lordmayor der Londoner City, Empfang in Cambridge usw. Politische Gesichtspunkte sollen die Veranstaltung nicht beherrschen. Aber man verspricht sich einen Fortschritt für die deutsch-englische Verständigungs-Aktion von einem vorurteilslosen Interesse der deutschen Publizisten für die hervorragendsten Einrichtungen * des englischen öffentlichen Lebens. Der Draht meldet aus London: Die „Daily News" gedenken in einem Artikel zur Begrüßung der Vertreter der deutschen Presse, die in der Woche dort eintreffen werden, der beiderseitigen Bemühungen, die deutsch-englischen Beziehungen zu verbessern, und meinen zum Schluß: Es ist leicht, die Wirkung solcher Höflichkeiten zu übertreiben, und in dem Falle, daß zwei Völker grundsätzlich nicht übereinstimmen, würden sie bewußter Heuchelei gleichkommen. Bei zwei Völkern aber, die, wie wir glauben, im Grunde eines Sinnes sind, sollten solche Versuche, ein gutes Kameradschafts-Verhältnis zum Ausdruck zu bringen, dazu dienen, die gegenseitige Achtung und das gegenseitige Verstehen zu fördern, die beide dem Frieden dienlich sind. — Diesen Standpunkt prinzipiell zu teilen scheint uns auch für die deutsche Publizistik selbstverständlich.
Ein Denkmal in Sigmaringen. Fast sämtliche nähern Verwandten des am 8. Juni vorigen Jahres gestorbenen Fürsten Leopold von Hohenzollern, einschließlich der Königin Carola von Sachsen, haben sich in (Sigmaringen eingefunden, um am Todestag das Andenken des Fürsten zu begehen. Nur das rumänische Königspaar und die Gemahlin des Thronfolgers konnten nicht erscheinen. Bald nach bem Tode des Fürsten bildete sich ein Ausschuß zur Errichtung eines Denkmals für Leopold von Hohenzollern. Die „Köln. Atg." schreibt hierzu: Man kann zweifellos in einer Zeit, wo mehr Denkmale entstehen, als in 300 Jahren vorher zusammengenommen, einer solchen Ehrung gegenüber verschiedene Ansicht haben. Aber gegen den hier und da in der Preffe erhobenen Vorwurf, in bem Aufruf zu diesem Denkmal, zu dem übrigens die Beiträge in überraschend schneller Zeit und in sehr ergiebiger Weise eingegangen sind, habe sich Byzantinismus breit gemacht, muß Einspruch erhoben werden. Den Verfassern des Aufrufs sind solche Gedanken fremd, wenn sie auch den Fürsten Leopold in ganz ungewöhnlicher Weise verehrt und hochgeschätzt haben. Gäbe es lauter solche Charaktere, wie Leopold von Hohenzollern einer war, dann gähnten die Gräben, die der Kastengeist in der menschlichen Gesellschaft gezogen hat, nicht so breit, dann würde der Wert wahrer, echter Nächstenliebe höher eingeschätzt, dann wäre auch das Bewußtsein strenger Pflichterfüllung lebendiger in unserm Volke, und wahrlich nicht zu seinem Schaden.
Wechsel im württembergischen Kriegsmini' sterium. Der bisherige württembergische Kriegsminister General der Infanterie von Schmuerlen ist auf sein Ansuchen unter Anerkennung der von ihm geleisteten ausgezeichneten Dienste in Gnaden von seinem Amte enthoben und unter Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Stellung & la suite des Infanterieregiments König Wilhelm I. Nr. 124 mit Pension zur Disposition gestellt worden. Der bisherige Kommandant von Stuttgart Generalleutnant von Marchtaler ist unter Belastung in dem Verhältnis als General ä. la suite des Königs zum Kriegsminister und der bisherige Kommandeur der 51. Infanterie-Brigade Generalmajor von Berger zum Kommandanten von Stuttgart ernannt worden.
Württembergische Abgeordnetenkammer. Ein Antrag aus allen Parteien, für die vom Württermbergischen Kriegerbund zu Gunsten der Veteranen und Hinterbliebenen veranstaltete Sammlung einen einmaligen Staatsbeitrag von 30 000 Mark zu gewähren; wurde einstimmig angenommen.
Deutschland und Persien. Das „Reutersche Bureau* hatte neulich allerlei Phantastereien über .angebliche „Deutsch« Pläne" in Persien veröffentlicht. Dazu wird jetzt der halbamtlichen „Südd. Reichskorresp." auS Berlin geschrieben „Das Reutersche Bureau" hat sich bedauerlicherweise die Verbreitung von allerlei Klatsch angelegen sein lasten, der in Konstantinopel über deutsche Pläne in Persien umlaufen soll. Zuerst ist von Nachsuchen einer Eisenbahnkonzession für die Linie Kermanschah-Hanekin die Rede, wodurch das Mitreden Deutschlands in allen persischen Fragen begründet werden solle, — eine rein phantastische Unterstellung. Denn eS ist zwar für deutsche Interessenten die Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Bagdad bis zur persischen Grenze gesichert worden, ans persischem Gebiet selbst aber haben wir niemals ein Recht zu Eisenbahnbauten nachgesucht. Dann wird behauptet, der dentsche Botschafter am Goldenen Horn habe bei der Pforte den Verkauf oder die Verpachtung der bei Barem liegenden Insel Golul oder El Awul an Deutschland vorge- schlagen. Auch hier handelt es sich um frei erfundene Ausstreuungen; denn es gibt keine deutschen Absichten aus Erwerb von Inseln im Roten Meer oder im Persischen Golf. Wen» schließlich der „Reuter"-Korrespondent darauf hinweist, daß „Deutschland", will sagen die deutschen Unternehmer in der Lage seien, den Bau der Bagdadbahn weiter zu fördern, s» hat er wenigstens etwas Richtiges gemeldet. Die Mittel für den Bau der zunächst in Betracht kommenden Taurusstrecke sind in der Tat vorhanden. Es braucht dafür fremdes Kapital nicht in Anspruch genommen zu werden. In Konstantinopel wird viel geklatscht. Wenn "Reuters" Korrespondent mit derselben Sorgfalt, die er der Verbreitung des auf Deutschland gemünzten falschen Geredes widmet, auch alle gegen England oder gegen Frankreich umlaufenden Gerüchte weitergeben wollte, so würde er in der Londoner und der Pariser Preße recht abfällige Aeußerungen über seine politische Urteilskraft
Hören bekommen"'.
zu
Das Expose Goluchowskis.
Wien, 11. Juni. In der heutigen Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der “ ungarischen Delegation hielt der Minister des Aèußern, Graf Goluchowski, ein Exposs, in welchem er ausführte:
Der lange Zeitraum, der seit der letzten Tagung der
Delegationen verfloßen ist, gehört zu den Epochen, die in der Flucht der weltgeschichtlichen Ereignisse tiefe Spuren zurüctzulaßen pflegen. Die an den Tag getretenen Erscheinungen haben den politischen Horizont wiederholt verdüstert, und wenn nichtsdestoweniger die Monarchie mit
2 7 7 die Zukunft blicken durste, so ist eS einerseits der beständigen emsigen Pflege freundschaftlich« Beziehungen zu allen auswärtigen Staaten, anderseits bem
ruhiger Zuversicht in
Vertrauen zuzuschreiben, das Ihre offene, loyale, von aufrichtiger Friedensliebe getragene Politik überall einzustößen vermochte. Durch engen Zusammenschluß mit unseren Verbündeten, gestützt auf das zu einer erfreulichen Intimität sich verdichtende Verhältnis zu Rußland und im vollen Genusse der sympathischen Gesinnungen aller übrigen Mächte konnten wir unentwegt die Ziele unserer Politik verfolgen. Im Zeichen der vertrauensvollen Uebereinstimmung bewegen sich ebenso wie je zuvor unsere Beziehungen zum Deutsche« Reiche. Fest und unerschüttert bilden sie den Angelpimkt jenes politischen Systems, welches sich bereits seit mehr al* einem Vierteljahrhundert bewährt und dessen Fortbestand nicht allein in unserem gegenseitigen Interesse liegt, sondern auch für den garten europäischen Kontinent eine eminente Friedensbürgschaft darstellt. Diese Grundlaae unversehrt zu erhalten, ist der Gegenstand steter Fürsorge beider Kabinett». Mcht minder befriedigend ist das Verhältnis zu unserem italienischen Alliirten. Die durch unverantwortliche Kreise unternommenen VerluL«. durch künstlich heroorgeruiene DiL»-