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Erstes

Hanauer H Anzeiger

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Amtliches GlW str ÄM- M FaMms Km«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Somr« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 133 F-rnspr-chanschltttz Nr. 605. Samstag den 9. Juni

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 190 6

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die unter dem 12. März 1889 (Amtsblatt S. 60/61) erlassenen Aufsichtsmaßregeln gegen die Verbreitung der Schafräude, neue Fassung laut Bekanntmachung vom 15. März 1898 (Amtsblatt S. 63/65) letzte Gültigkeitsausdeh­nung am 22. April 1900 (Amtsblatt S. 135), werden hier­durch aufgehoben.

Cassel am 30. Mai 1906.

Der Regierungspräsident.

AIII 1251 J. V.: Mejer.

Landkreis Fjanau.

MinlttnchnWn ließ Köchlichen LWhrstßmts.

Unter dem Schweinebestande des Bürgermeisters zu M a r k ö b e l sind die Backsteinblattern ausgebrochen.

Gehöftsperre ist angeordnet.

Hanau den 7. Juni 1906.

Der Königliche Landrat.

V 4181 I. A. Conrad, Kreissekretär.

Der Königliche Polizei-Präsident in Frankfurt a. M. hat die Hundesperre im Stadt- und Landkreis Frankfurt wieder -ufgehobeu.

Hanau den 7. Juni 1906.

Der Königliche Landrat.

V 4204 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

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Stadtkreis Hanau.

Bekuuutmuchung.

Zur Unterstützung invalid geworbener Hanauer, welche 1870/71 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht haben, sowie der Familien der in diesem Kriege gefallenen oder nach- iveisbar an den Folgen desselben gestorbenen Hanauer steht aus ein Fonds zur Verfügung, aus welchen evtl, die Zinsen zur Verteilung kommen sollen.

An die betreffenden ehemaligen Militärs bezw. an die Witwen und Waisen von solchen oder bereit Vormünder, welche an jenen Fonds Ansprüche zu machen gedenken, ergeht daher die Aufforderung, sich unter Vorlage von Militärpapieren und allenfallsiger ärztlicher Zeugnisse bis zum 1. August v. Js. entweder schriftlich zu melden, oder auf dem Rathause, Zimmer Nr. 12, zu-Protokoll vernehmen zu lassen. Spätere

Feuilleton

Abeudgänge.

Seit sich die Menschen wieder ein wenig daran gewöhnt haben, den zusammengerollten Regenschirm in die Ecke zu stellen und vom wieder kalt gewordenen Ofen (mit dem in len Pfingsttagen eine ebenso unvermutete als innige Freund­schaft geschlossen wurde) mehr und mehr abzurücken, festigt sich in ihnen Optimisten wie die Menschen nun einmal 'ind aufs neue die Anschauung, daß sie von den Vor- ,ommertagen immerhin ein weniges an Sonne und Natur­zauber zu beanspruchen haben. Und der gutmütige Himmel tut ihnen den Gefallen, hüllt sich, wenn auch ein wenig post festuni in sein lichtblaues Festtagsornat und wirft zanze Bündel glänzender Sonnenstrahlen auf die noch regen- euchte Erde, die, anfangs ein wenig erstaunt über den un­vermuteten Segen, sich diesen doch recht gerne gefallen läßt. Siehst du! lacht die immer glanbensfrohe Seele zum immer ziveifelsbereiten Kopf, siehst fru, es ist doch noch nicht gar so trostlos auf der Welt! Und ein wenig Sonne und ein wenig Zephir ums alte Schädelgebein könnte dir am Ende richts schaden! Spricht die Seele nämlich. Und der arme Kopf gibt immer nach, weil er der Klügere ist von beiden, ilnb schon schwirren die Motten davon und das letzte Rcstchen rrmseligen Flügelstaubs, bett sie an ihrem winterlichen Asyl, 'ein sogenannten Träger der Intelligenz, hängen ließen, fegt :in lustiger West-Nordwest davon, der gerade ohne Passier- chein und Erlaubnisfrage durchs gottlob wieder offene Fenster hereinflitzt. Sonne, nichts als Sonne, und ein Freuen und Lachen da draußen, als habe die ewige Frühlings- zottin einen ganz besonders herzhaften Kuß auf die Stirne hrer srischgeschmücktcn Erde gedrückt, die so leuchtend und zlänzend daliegt, als wisse sie gar nicht, wie viel Kummer

Aumeldmtgeu können nicht mehr berüasichtigt werden.

Hanau den 1. Juni 1906.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 12248

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Hotel-Beschwerdebuch, 1 Ring (vergoldet mit 1 Stein), .1 Kinderhütchen.

Verlor en: 1 gelber Kinderschuh, 1 Portemonnaie mit Inhalt.

Hanau den 9. Juni 1906.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 9. Juni.

* Wallonische Kirche. Morgen und an dm nächst, folgenden Sonntagen bis einschl. 1. Juli sollen vier Pre­digten gehalten werden über das Thema:Die Vorläufer Christi und Christus im Urteil seiner Zeitgenossen."

* Ein großes Feuer hat gestern nacht die Rousselle- schen Basaltwerke im benachbarten Dietesheim heimgesucht. Das große Menagehaus, in welchem 40 Italiener, teilweise mit Frauen und Kindern, untergebracht waren, geriet um 12 Uhr, wahrscheinlich vom Kamin aus, in Brand. Die Flammen verbreiteten sich so schnell, daß die schlafenden Be­wohner völlig davon überrascht würben und nicht viel mehr als das nackte Leben retten konnten. Die freiwillige und die Pflichtfeuerwehr von Dietesheim waren glücklicherweise schnell zur Stelle, sodaß eine Weiterverbreitung des Brandes, der auch die anstoßende hölzerne Rampe und einen dort stehenden Güterzug zu erfassen drohte, verhindert werden konnte. Das Wasser zum Löschen wurde einem Brunnen entnommen; außerdem veranlaßte der Kommandant der Dietesheimer freiwilligen Wehr, daß durch die Italiener schleunigst eine Grube ausgehoben wurde, deren Grund- wasser ebenfalls benutzt wurde. Aus der an der einen Schmalseite gelegenen Wohnung eines Vorabeiters konnten die Möbel noch gerettet werden. Während des Brandes explodierte eine Flasche Kohlensäure, die sich in den Flammen befand, mit furchtbaren: Knall. Um 4 Uhr morgens war das Feuer gelöscht.

* Stadtgraben. Interessenten zur Nachricht, daß Montag den 11. Juni der Stadtgraben behufs Reinigung und Durchströmung abgelassen wird.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 39 Uhr die Hof-Apotheke geöffnet.

und Elend auf ihr hcrumkriecht. Was, Kummer und Elend? Die Sonne lacht und lockt und eine Amsel (sofern mich meine zoologischen Kenntnisse nicht trügen, es könnte am Ende auch ein Piepmatz sein) ruft immerzu: Geh' hinaus! Geh' hinaus! Wenigstens lege ich mir, der ich der Vogel­sprache gänzlich unkundig bin, das so aus. Geh' hinaus!

Ich möchte diese Aufforderung mit einem fröhlichen Purzel­baum befolgen, wenn nicht mein gesetztes Alter gegen solch jugendliche Betätigung protestierte. O, es ist manchmal recht lästig, so mit den Jahren über sein Herz hinauszuivachscn und spontane Regungen der Lebensfreude mit der unaussteh­lichen wohlerzogenen Vernunft glattweg zu ersticken.

In den dämmernden Abend hinein fliegt die losgebundene Seele und die Füße haben ihre Last (das macht dasgesetzte Alter") ihr nachzukommen, liniere Stadt steckt ja voller an­heimelnder Schönheiten, voll natürlicher und gepflegter Reize, voll malerisch-Heiterer Stimmungen, die uns so viel, so viel zu sagen haben, wenn wir nur ein ganz klein wenig unsere Seele offnen wollen. Wer lange in großen Städten gelebt hat, mit ihrer erdrückenden Raumarmut, ihrer brutalen Aus- nützung jedes grünen Fleckchens, der weiß das und schätzt es.

Also immer dem Zug der Seele nach, die ihre Richtung nach dem westlichen Teil der Stadt genommen hat. Ueber die niedrigen Mauern der Kinzigbrücke lacht von beiden Seiten ein gar liebliches, entzückendes Bild. Im dunkelnden Wasser, dessen Spiegelfläche kaum vom Fließen ein wenig bewegt wird, spiegeln sich die Uferbüsche und Laubbäume wie nickende Schatten, als wollten sie die nächtigen Dämmerungen rinken, die langsam aus dem Flusse herauswachsen. Am bläulich-schwarzen Himmel hängt noch ein letztes Rcstchen vom Tageslicht, das nach und nach verglimmt, während hier und da schon ein paar verschüchterte Sternchen aufblitzen. Da drunten auf den ziehenden Wassern ist's ganz still ge­worden. Ein kleines Boot gleitet mit schläfrigen Ruder­schlägen durch den Brückenbogen und sein Insasse hebt nicht einmal den Kopf, auf den etwas leise, wie ein dicker Regen-

Die heutige Kummer umfaßt außer dem Miterhattungsvlatt 16 Seiten.

* Parolemustk. Die Kapelle des Jnf.-Regts. Hessen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag im Schloßgarten folgende Stücke: 1. Hymne und Triumphmarsch a. d. Dp. Aida" von G. Verdi; 2. Ouvertüre z. OperetteFranz Schubert" von F. v. Suppè; 8.Ein Künstlerfest", Walzer von I. Klein; 4) Zwei Rosenlieder: a)Monatsrose", b) Rankende Rose" von Ph. zu Eulenburg; 5. Fantasie a. d. Op.Faust" von CH. Gounod.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Militär- Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. Hoffen- Homburg Nr. 166 statt.

Kinematograph. Die sich seit Jahren regen In­teresses erfreuenden kimematographischen Vorführungen dürf­ten auch diesmal wieder einen Hauptanziehungspunkt der Messe bilden, zumal der Besitzer keine Kosten gescheut, um wirklich Gediegenes und Fesselndes dem Publikum vor Augen zu führen. U. a. werden in der bekannteu lebensgetreuen Darstellung Bilder vom Grubenunglück von Courières und vom Ausbruch des Vesuvs geboten. Näheres ist aus dem heutigen Inserat zu ersehen. Wir möchten einen Besuch bestens empfehlen.

* Sehenswürdigkeiten.Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Ge­öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis 1/al Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn und Festtagen vormittags von 11121/» Uhr. Kinder unk 12 Jahren haben keinen Zutritt.

* Die Wiederbefeßitng ver Bürgermeisterstelle in Offenbach stand u. a. auf der Tagesordnung der gest­rigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu Offenbach. DieOff. Ztg." gibt über den Verlauf der Beratung über diesen Gegenstand nachstehenden interessanten Bericht: Beige­ordneter Walter: Die Amtszeit des jetzigen Bürgermeisters läuft mit dem 31. Januar 1907 ab. Der Verfassungsaus­schuß hat nun in seiner Sitzung am 1. Juni beschlossen, zu beantragen: die Stadtverordneten wollen eine Kommission von sieben Stadtverordneten wählen, die über die Wieder» besetzung der Bürgermeisterstelle zu beraten und Vorschläge zu machen hat. Stadtv. Orb betont, daß diese Kommission als Sonderausschuß zu betrachten sei. Stadtv. Boehm er» klärt sich gegen die Einsetzung einer solchen Kommission. Nach meiner Ansicht ist eS die Pflicht der Stadtverordneten, Herrn Oberbürgermeister Brink für seine aufopfernde, ver­dienstvolle und makellose 24jährige Tätigkeit in Offenbach den Dank dadurch auszudrücken, daß wir ihn glatt wiederwählen. Deshalb kann ich dem Antrag nicht zustimmen, es sei denn,

tropfen aufklatscht. Stiftekopf ! murmelt verächtlich ein Mann im Handwerkskleid, der sich weit über die Brüstung hinunter­beugt und den: Dootchen nachstarrt; die Seelenruhe des Rudernden, der nicht einmal den Kopf gehoben hat, wie etwas draufklatschte, scheint ihm zu denken zu geben. Und die Cigarre wandert unruhig auf die andere Seite des Mundes. Die webende Stille schlägt wieder über dem Wasser zusammen.

"Der Rotdom hat abgcblüt. Seine brennend roten Blütenbüschel nicken nicht mehr in den Abend wie glühende Kinderlippen. Aber von drüben, aus dem Schloßgarten strömen noch ganze Wellen von starken und weichsx Düften; Jasmin und Wachholder und und--Es ist be­schämend, wie schwach ich in der Botanik beschlagen bin; nun weiß ich nicht einmal, ist cs Akazien- oder Laoendelduft, der da herüberkommt, oder sind es am Ende die Gleiter» rosen, die so schwer duften, daß einem der Kopf ganz be- nommeit wird. Und wie ich den Schwall von Wohl- gerüchen in langem Zuge einsauge, wird das GegenwartS- bewußtsein ganz sackte fortgeschoben und die ganze Um- gebung, das ganze Leben ringsumher versinkt wie in einem klingenden Nebel. Aus den tiefen Schatten der hängenden Büsche lösen sich ganz absonderliche Gestalten in hellen, fließenden Gewändern, Haschen sich bei den Händen und stoßen ein leises Kickern aus; das klingt, als ob eine silberne Flöte aus unend­licher Wolkenferne töne. Und wie eS von der nahen Marien­kirche neun schlägt, schwirren auf jedem zitternden Nachklang der volltönenden Schläge jauchzende Pygmäen durch die Luft und rütteln an den alten Baumkronen, daß ein tiefes Raunen und Rauschen durch den Abend geht.

E scheen' Liftche Heini Owend!" spricht eint rostige Stimme dicht neben mir, ich schrecke auf

und all' meine zierlichen Traumgestalten hoch in der Luft purzeln jählings herunter und plumpsen in den aufspritzendcu Stadtgraben. Ich schaue mir zornig den Störenfried an; er zieht das Genick ein, setzt die Füße in