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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabt« und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die fünfgespaltrn« Petktzvle oder deren Raum 15 Pfg. im Reüamruteil die Zeile 35 Pfg,

Berantwort!. Redakteur: G. Schricker tu genau

^U 210 Fernsprechanschlich Nr. 605

Samstag den 8. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1906

Politische Rundschau.

Deutscher Pfarrertag. Der zurzeit in Dresden tagende Deutsche Pfarrertag beschäftigte sich u. a. mit der Bedeutung des Religionsunterrichtes für die Erziehung. Referent über dieses Thema war Stadtpfarrer Schnizer-Kirch- berg. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Der Deutsche Pfarrertag stellt sich auf den Standtpunkt, daß der Religionsunterricht als Herz und Krone aller Er­ziehungsarbeit der deutschen Schule erhalten bleibt. Er er­kennt an, daß die Gegenwart an die Beschaffenheit des Re­ligionsunterrichts in mancher Beziehung neue, jedenfalls aber heute wie alle Zeiten die höchsten Anforderungen stellt. Er erwartet von dem Zusammenarbeiten der kirchlichen, theolo­gischen und pädagogischen Elemente eine fortgesetzte Vertie- fung und Umgestaltung des Religionsunterrichts, die dieser wichtigste Zweig des Erziehungswesens im evangelischen Volks­leben verdient. Er hält es für dringend erwünscht, daß über die wirkliche Lage und Beschaffenheit des Religionsunterrichts in allen deutschen evangelischen Landeskirchen, namentlich über die aktive Beteiligung der evangelischen Pfarrer ant Religions­unterricht, eine baldige Erhebung veranstaltet und für das Recht des Pfarrers in der Schule fortgesetzt gewirkt wird."

Die Zahl der Mitglieder des Vaterländischen Frauendereins beträgt nach dem in diesen Tagen er­schienenen Jahresbericht 336156. Das bedeutet ein Mehr von 44 960 gegenüber dem letzten Jahre. Den stärksten Zuwachs hat die Provinz Hannover mit 2770 neuen Mit­gliedern zu verzeichnen. Es folgen Westfalen mit 2600, Schlesien mit 2500 und Sachsen mit 1738 Mitgliedern. Der Vaterländische Frauenverein verfügt über einen Gesamt­vermögenswert von 17 645 775 Mk. Seine Einnahmen erreichten im verstossenen Berichtsjahre die Summe von 5 742 381 Mark, das ist über 750 000 Mark mehr als 1904. Die' größten Beträge erzielten die Provinzen Schlesien, Sachsen und Brandenburg. Der Zweigverein Ber­lin hat in seiner Abteilung für Säuglingspstege bis jetzt vier Kurse in den Räumen der Haushaltungsschulen abgehalten, an denen 142 Mitglieder des Vereins teilnahmen. Um den Umfang der Kenntnisse der Kursistinnen festzustellen, wurden diese zum Schluß einer mündlichen und schriftlichen Prüfung unterzogen. Neust von ihnen bestanden die Prüfung und erwarben damit das Recht, auf deM Gebiet der Säuglings­pstege für den Verein tätig zu sein.

Polnischer Nnfug. Die westfälischen Provinzblätter berichten über eine erneut einsetzende lebhafte Agitation für die nationalpolnische Bewegung im Jndustriebezirk. In Reck­linghausen forderten die Polen vom dortigen katholischen Pfarrer die sofortige Einrichtung einer besonderen Messe für die Polen, und drohten, ihn totzuschlagen, wenn er diesem Ansuchen nicht nachkomme. Daraufhin wurde die polnische Messe sofort eingerichtet, wogegen aber wieder die dortigen deutschen Katholiken Protest beim Bischof in Münster erhoben. In dem Orte Baukau wollen die Polen bei den bevor­stehenden Gemeindewahlen eigene Kandidaten aufstellen. Streitigkeiten mit polnischen Bergarbeitern sind an der Tages­ordnung, wobei die Polen meistens ohne Grund ihre deutschen Kollegen schwer mißhandelten. Einzelne Blätter fordern die Behörden auf, dem polnischen Unfug energisch entgegenzu­treten und die dem Polenlum bisher gemachten Zugeständ­nisse rückgängig zu machen.

WeiterePolitische Nachrichten" im 2. Blatte

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanan, 8. September.

* Hessisches Diakoniffenhaus. Der 13. Sonntag nact) Trinitatis, an welchem die dem Dinkonissenhaus von der kirchlichen Oberbchördc gütigst bewilligte Kirchenkollekte ein­gesammelt werden soll, ist für dasselbe von größter Bedeutung. Der Ertrag beläuft sich auf mehr als 4000 Mark. Das besagt, daß durch die Kirchenkollekte mehr als der fünfte Teil der Zinsen und des Amortisationsbetrages gedeckt wird, welche das Diakonissenhaus jährlich aufzubringen hat. Eine summarische Uebersicht über die Arbeit des Diakonissenhanses und seiner Schwestern ergibt folgende Zahlen: Die Zahl der in der Krankenabteilnng des Diakonffsenhauses Verpflegten betrug 1031 Patienten mit 26 277 Pflegetagen; die Poli­klinik wurde benutzt von 1300 Kranken mit' 2949 Beratungen; 730 Operationen zum Teil eingreifendster Art fanden statt; in 62 Gemeinden waren 82 Schwestern angeftelU, welche 8421 Kranke und 1810 Arme in ihrer Pflege hatten. Die Gemeindeschwestern leiteten 46 Jungfrauenvereine mit 1588 und 32 Müttcrvercine mit 1737 Mitgliedern, 20 Flick- und

Nähschulen mit 846 und 9 Sonntagsschulen mit 722 Schülern; 81 Schwestern pflegten in 12 Krankenhäusern gegen 9000 Kranke; 80 Kleinkinderschulen wurden von 2110 Kindern besucht; in 12 Hospitälern und Siechenhäusern standen 350 Alte und Sieche in der Pflege der Schwestern ; 22 Schwestern waren in Erziehungsanstalten.angestellt, welche im Jahre 1905 392 Zöglinge zählten; in der Kinderheilanstalt Sooden wurden 553 Kinder verpflegt. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Sache des Reiches Gottes, welche dem Diako­nissenhaus in unserm Lande annerffaut ist, morgen durch einen größeren Ertrag der Kollekte in den evangelischen Kirchen unseres Landes zu seines Namens Ehre kräftig gefördert werde.

* Geistliche Mustkaufführung am 16. September, nachmittags 4 Uhr, in d er Kirche zu Winde cken. Der Marienkirchenchor wird infolge einer an ihn ergangenen Ein­ladung in der Kirche zu Windecken am 16. September, nach­mittags 4 Uhr, eine geistliche Mustkaufführung veranstalten, bei welcher Frau E. Wohlfahrt und Herr Frischkorn von hier gütigst mitwirken werden. Frau E. Wohlfahrt ver­fügt über eine sympatische, trefflich geschulte und in allen Lagen ausgeglichene Stimme, und auch die Leistungen des Marienkirchenchors sowie seines trefflichen iNitgliedes, des Herrn Frischkorn, sind hinlänglich bekannt und gewürdigt, sodaß bei dem äußerst mäßigen Eintrittspreise auf einen guten Besuch dieser geistlichen Musikaufführung gerechnet wird. Das Orgelspiel hat der Organist der Marienkirche, Herr Paulstich, freundlichst übernommen.

* Konzert des GesangvereinsSumfer". Der GesangvereinSumser" veranstaltet am 25. Oktober d. I. in derCentralhalle" sein dieswinterliches Stuhlkonzert. Die Konzerte derSumser" bilden seit Jahren beim Publikum einen besonderen.Anziehungspunkt, weil ihm einesteils eine gediegene Auslese schöner Männerchöre unter fachkundiger Leitung technisch gut ausgearbeitet geboten wird, die auch der Wärme und des tiefsten Eindrucks nicht entbehren, andernteils bedeutende Solisten die Konzerte verschönen. Das diesjährige Konzert dürfte sich den vorangegangenen würdig anreihen und noch ein besonderes Interesse beanspruchen durch die Mitwirkung von Solisten ersten Ranges. Eine Liste wird demnächst in Umlauf gesetzt.

* 2. Volkstag der Thoma-Ausstellung. Nach­dem der erste Volkstag der Thoma-Ausstellung im Frank­furter Kunstverein (Junghofstraße 8) einen über Erwarten großen Besuch ergeben und so das Interesse weitester Kreise an der. Veranstaltung gezeigt hat, sind von der Verwaltung des Kunstvereins noch weitere Volkstage in Aussicht genom­men worden. Der nächste Volkstag wird sein, Sonntag den 9. September, nachmittags von 16 Uhr, während welcher Zeit die Thoma-Ansstellung jedermann gegen Entree von 20 Pfg. zugänglich ist.

* Spessart - Touristen - Verein. Zur Erinnerung an die Gründung des Vereins, die vor jetzt 27 Jahren er­folgte, unternimmt alljährlich der Verein mit seinen Familien einen Ausflug in die nähere Umgebung von Hanau und ist diesmal Wasserlos als Rendezvous gewählt, wo bei Mitglied Reising die Saalräume reserviert sind, um daselbst einige vergnügte Stunden im Familien- und Freundeskreise zu ver­bringen. Eine kleine Hauskapelle sorgt daselbst für den musikalischen Teil, auch sonstige' Unterhaltungsnummern sind vorgesehen. In sehr zuvorkommender Weise wurde von der Betriebs-Inspektion der Kahlgrundbahn genehmigt, daß um 9 Uhr 14 Min. abends von Alzenau ein Extrazug zur Heim­fahrt benützt werden kann. Wenn der Himmel zu diesem Ausfluge ein freundliches Gesicht machen wird, stehen für die Teilnehmer einige vergnügte Stunden in Aussicht. Zu be­merken ist hierbei noch, daß der erwähnte Extrazug abend? von Schöllkrippen aus abgelassen wird und den sonsti­gen GebirgSbesuchern Gelegenheit gibt, diesen seitherigen Sonntagszug nochmals, wie mitgeteilt ist, zum letzten Male für diese Saison benutzen zu können.

* AbschiedskorrzerL Küchler. Donnerstag den 27.

b. M. veranstaltet Herr Ferdinand Küchler aus Frankfurt

a. M., welcher in den letzten Jabren als Dirigent des Oratorienvereins in unserer Stadt tätig war, ein Äbschieds- konzert unter Mitwirkung von Frau Emmy Küchler und Herrn Chr. G. Eckel. Das Programm des in derCen­tralhalle" stattfindcnden Konzertes wird in den nächsten Tagen bekannt gemacht werden.

* Saalweihe in Hochstadt. Einem allgemein ge­fühlten Bedürfnis entsprechend, hat Herr Gastwirt R a u ch in Hochstadt einen großen Saal erbauen lassen, dessen Ein­weihung morgen erfolgen wird.

* Zar Warnung. In Aschaffenburg trat ein Schwind- lerpaar auf, das in einem Laden Kleinigkeiten kaufte, ein Zwan­zigmarkstück zum Wechseln hingab und mit dein Wechselgeld

Die heutige Nummer umfaßt außer dem UnterhaUungsblatt 16 Seiten.

auch das Goldstück in gewandter Weise einstrich. Da die Gauner auch in anderen Orten in ähnlicher Weise operieren werden, sei rechtzeitig gewarnt.

* Kirchweihfest. Morgen findet in Großkrotzen­burg das Kirchweihfest statt.

* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 39 Uhr die Einhorn - Apotheke geöffnet.

* Probewaschen veranstaltet die hiesige Firma Georg Stocker, Fischerstraße 5, am Dienstag den 11. September, von 36 Uhr nachmittags, zwecks Vorführung einer äußerst zweckmäßigen WaschmaschineWeltwunder". Infolge ihrer überaus einfachen Handhabung dürfte diese Maschine bald in jedem Haushalte ein beliebtes Hausgerät werden, zumal der Preis von vornherein auf einen großen Umsatz berechnet, und deshalb ein äußerst niedriger ist. In Anbetracht der Mühen und Plagen, die unsere Hausfrauen beim Waschfeste zu er­tragen haben, kommt diese Neuheit gerade zur rechten Zeit. Es sei deshalb an dieser Stelle nochmals auf obige Ver­anstaltung verwiesen. (Siehe.Inserat).

* Sehenswürdigkeiten. 'Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Ge­öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ^»l Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Soun- und Festtagen vormittags von 1112^2 Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.

* Das Hahuenkammhaus ist täglich geöffnet.

* Maittwafferwärme gestern abend 16 Grad.

Die städtische Bibliothek Gärtnerstraße 67 (alte Zeichenakademie) ist Sonntags, Mitt­wochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet. Gesamtkata­loge sind in der Bibliothek zu haben.

Vereins-Chronik.

* Der Steuographen-VereinStolze Schrey" veranstaltet morgen einen Familien-Ausflug nach Dörnigheim. Abfahrt 2 Uhr nachmittags Westbahnhof. Freunde und Gönner unseres Vereins herzlich willkommen. (S. Inserat.)

* Turngemcinve-Lpielabteilung. Das Spielfest der Spielabteilung beginnt Sonntag morgen 8 Uhr im Vereins­hause mit einem volkstümlichen Wetturnen, bestehend aus: Wettlauf 200 Meter Frei-Hoch ohne Brett, Schlagballweit­schlagen, Fußballweittreten, deutscher Dreisprung und Kugel­stoßen. Der Zutritt dazu ist jedermann gestattet. Der Familienausflug, welcher nachmittags stattfindet beginnt um 4 Uhr im Saale des Herrn Herty in Steinheim. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Eintrittskarten sind Sonntag morgen in der Turnhalle zu haben.

* Wettspiel. Kommenden Sonntag den 9. d. Mts., nachmittags 3'/- Uhr, findet auf dem hiesigen Exerzierplatz ein Wettspiel zwischen der ersten Mannschaft des Fußball­klubsMelitta" und der ersten Mannschaft des 1. Steinheimer: Fußballklub 1905 statt.

* *

-4 Rostdorf, 7. Septbr. (Feuer.) Heute mittag kurz vor 2 Uhr erscholl plötzlich der Ruf Feuer und im Nu stand auch schon die Scheuer des Landwirts Heinr. Scherer hier in Flammen und bedrohte stark die angrenzenden Stallungen des Landwirts Louis Lehr. Dank dem raschen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr und sonstigen Einwohnern des Ortes, unter umsichtiger Leitung des Herrn Bürger­meisters Lehning, des Herrn Oberbrandmeisters H. Schneider ir und des Herrn Brandmeisters Ph. Bechtel, wurde das Feuer so ziemlich auf seinen Herd beschränkt und als dann die beiden benachbarten Feuerwehren von Bruchköbel und Nieder­issigheim mit ihren Löschgeräten ankamen und auch tatkräftig eingriffen, konnte man des Feuers Herr werden. Ganz be­sonders muß bemerkt werden, daß sich bei den Löscharbeiten gerade die Frauen und Mädchen in aufopfernder und an­strengender Weise beteiligt haben, denn, wenn man bedenkt, daß das benötigte Wasser in Eimern beigetragen werden mußte, so kann man sich ein Begriff von den Anstrengungen machen, denen sich die Frauen und Mädchen unseres Ortes unter­zogen. Darum ein Bravo, und besonderen Dank den Roß­dorfer Frauen und Mädchen. Ueber die Entstehungsursache deS Feuers ist noch nichts bekannt. Vor 5 Jahren wütete schon einmal bei dem gleichen Besitzer eine Feuersbrunst.

Schiffsberichte.

(Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1).

Der DampferKaiser Friedrich der Große" ist am 4.

September wohlbehalten in New-Jork angekommen.