Erstes Blâ
Hanauer H Anzeiger
B^sgSpreis'
Wertei'Shrllch 1,86 Mk., monatlich 60 Pfg,, für auswärtig ALonuentm mit dem betreffenden PostaufjchiaZ- Die einzelne Nuuus-r kostet 10 Pfg.
SioiMonSdruck und Verlag der Buchdrucker« des verein, «v. Waisenhauses in Hanau.
Geueral-Allztiger Amtliches ®rgee für Steif- iei feeikrtie Ki«»«. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EiurÄSnngsgcbLhr *
Die filufgespalteae Petttzeils oder deren Raum 15 W^ im Reklamenteü die Zelle 35 Pfg
Lerantroortl. Redakteur: G. Schrecker in Hem«.
Nr. 183 F-rnspr-chaitschlittz Nr. 605*
Mittwoch den 8. August
Fernsprechartschlutz Nr. 605.
1906
Stadtkreis Ranau.
Um den Fremdenverkehr nach der Bukarester Jubiläums- Ausstellung zu erleichtern, hat die Rumänische Regierung für die Zeit bis zum 1./14. November d. Js. die Bestimmungen über den Paßzwang ausländischer Reisender teilweise außer Kraft gesetzt. Interessenten sonnen die betreffenden Vorschriften auf dem Sekretariat der Königlichen Polizeidirektion einsehen.
Hanau ben 7. August 1906.
Der Königliche Polizei-Direktor.
P 6682 v. Beckerath.
Landkreis Ran an, BckMMllMW W MWen LMMM.
Die Landstraße HcMtM—AschaffettLmrg wird von Station 4,7 bis 5,8 4- 56 (Landesgrenze) wegen Dampfwalzarbeiten für die Zeit vom 7. Ä. Mts. bis emschl» Verr 17. d. Mts. für Fuhrwerke mit einem Ladegewicht von über 20 Ztr. gesperrt.
Hanau den 7. August 1906.
Der Königliche Landrat.
V 5779 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Unter dem Schweinebestande der Witwe des
- Johs.
Vollmer zu Kilianstädten ist die Rotlaufseuche festgestellt worden.
Hanau den 4. August 1906.
Der Königliche Landrat.
V 5671
v. Beckerat h.
Unter den: Schiveinebestande des Milchhändlers Johannes Studenroth zu Bischofsheim ist die Rotlaufseuche festgestellt worden.
Die Gehöflsperre ist angeordnet.
Harran den 4. August 1906.
V 5673
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Unter dem Schiveinebestande des Landwirts Johannes Altvater IV. zu Ostheim ist die Rotlaufstuche festgestellt worden.
Die Gehöftsperre ist angeordnet.
Hanau den 6. August 1906.
Der Königliche Landrat.
V 5708 I, A.: Conrad, Kreissekretär.
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Feuilleton.
Dr. Karl Waßmannsdorfs f.
Wie bereits in diesem Blatte berichtet, starb am 6. d. M. früh ^48 Uhr in Heidelberg der Tnrnschrifisteller und Altmeister in der Erforschung der Turngeschichte und Turnsprache, Dr. phil. Karl Friedr. Wilh. Waßmannsdorfs, im 86. Lebensjahre. Er war geboren am 24. April 1821 zu Berlin, turnte dort als Schüler unter Ernst Eifeler und Wilh. Lübeck und war von solch glühender Liebe zur Turnfache ergriffen, daß er schon damals von Lübeck an die Spitze von Turnabteilungen gestellt wurde. Er studierte Philologie, ging 1845 als Lehrer nach Basel, wurde 1847 als Lehrer der Turnkunst nach Heidelberg berufen, wo er seitdem lebte und turnerisch und schriftstellerisch äußerst fruchtbringend tätig war. Die Schriften von Adolf Spieß, dem Begründer des Schulturnens als Unterrichtsfach, veranlaßten • ihn zu eingehendem Studium, dessen Ergebnisse er in seiner Schrift „Zur Würdigung der Spieß'schen Turnlehre" (Basel 1845) niederlegte. Als er in Basel mit Spieß zusammentraf, verband die beiden Forscher bald innige Freundschaft und mancher Gedanke in der Turnlehre verdankt Waßmannsdorff seine Entstehung. Schon in den Turnzeitungen der vierziger Jahre, namentlich im „Turner" (Dresden 1846.....1852) finden sich inhaltreiche Aufsätze von Waßmannsdorff, später veröffentlichte er Vieles in der „Deutschen Turnzeitung", den „Jahrbüchern der deutschen Turnkunst" und anderen turnerischen Zeitschriften. Von seinen Einzelschriften sind noch zu nennen: „Vorschläge zur Einheit in der Kunstsprache des deutschen Turnens" (Berlin 1861), „Die Ordungsübungen des deutschen Schulturnens" (Frankfurt 1868), „Die Turnübungen in den Philamropinen" (Heidelberg 1870), „Johann Christoph Friedrich Guts Muths" (Heidelberg 1884), „Guts Muths
In Kilianstädten sind die Backsteinblattern unter den Schweinen erloschen.
Die Gehoftsperre ist aufgehoben.
Hanau den 6. August 1906.
Der Königliche Landrat.
V 5706 I. A: Conrad, Kreissekretär.
In Fechenheim sind die Backsieinblaitern unter den Schweinen des Oekonomen Friedrich Wilhelm Fix erloschen.
Die Gehöftsperre ist aufgehoben.
Hanau den 7. August 1906. V 5742
In Bischofsheim sind die Backstein blättern unter den Schweinen erloschen.
Die Gehöftsperre ist aufgehoben.
Hanau den 4. August 1906.
Der Königliche Landrat.
¥5688/5672 v. Beckerath.
Mus Ran an Stadt und £and.
Hana«, 8. August.
* Tie Rlthsgehttltskaffe der Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Cassel schließt für 1905 in Einnahme und Ausgabe mit 20 458.58 Mk. ab. Die Vermögenslage weist einen Zugang von 17 863.65 Mk. gegen das Vorjahr nach.
* Ein Urteil über die Presse. In sehr beachtenswerter Weise äußert sich Ulrich Wendt, der ehemalige Direktor der Reichsdruckerei, in seinem Buche „Technik als Kulturmacht" über die Presse. Es heißt da: Die Presse ist es, welche auch dem Arbeiter heute einen Begriff beibringt von der Arbeit der Staatsmaschine; die seinen Geist lebendig macht und sein Interesse erweckt an dem Werdegang der Menschheit, die ihn auf eine höhere Stufe hebt gegenüber dem Arbeiter früherer Zeiten. Ob die Presse im Dienste dieser oder jener Partei steht, ist hierbei ganz gleichgültig; es handelt sich um die formelle Schulung, um die Beweglichkeit des Abstraktion?- und Kombinationsvermögens, und in letzter Linie auch um das Urteil. In diesem Felde wirkt die Presse bildend ein auf den Geist, die Presse aber ruht auf der Technik. Indem die Technik der Presse dient, ist sie rastlos bestrebt, das Volk zu heben aus dem Zustande des dumpfen, instinktiven Lebens ins das freiere Reich des bewußten Geistes." Dies Urteil stammt von einem Manne, der wie wenige die Hauptmächte der Gegenwart begriffen hat und die Technik noch über die Wissenschaft stellt!
* BeleidigltttstSpro^h. In der gegenseitigen Beleidigungsklage des Direktors Ehrlich von der Schlierbacher
Steingulfabrik und des Redakteurs Quint von der „Franks.
1793—1893" (Leipzig 1893) u. s. w. Außerdem veröffentlichte er mehrere Schriften über die Fechtkunst und die Ringerkunst und deren älteren Geschichtsquelleu.
Getreu seinem Wahlspruch: „Gründlich forschen, Richtiges lehren", ging Waßmannsdorff die geschichtliche Wahrheit über alles, selbst wenn damit eine schöne Legende zerstört werben mußte. So hat er namentlich in festen Schriften über Guts Muths diesem die ihm gebührende Stellung gegenüber Jahn verschafft. Kein Schriftsteller auf dem Gebiete des Turnwesens hat es gleich ihm verstanden, in der Tiefe zu forschen und so führte er mit Recht den Ehrennamen des „Turnphilologen". Der deutschen Turnsprache hat er zu festen Regeln verholfen und selbst im kleinsten hat er für die Wahrheit und Richtigkeit des Ausdrucks gekämpft. (Rühl „Deutsche Turner".) Es braucht hier Nur an die Kämpfe- für das Geschlecht des Wortes Hantel (der oder die Hantel, die literarische sog. Hantel- fehde in den 70er Jahren) und für das Wort Barrlauf erinnert zu werden.
Außer seiner besonders verdienstvollen Tätigkeit als Tum- schriftsteller, namentlich um die Reinigung der Turnsprache und die Erforschung der älteren und neueren Geschichte bemüht, stand Waßmannsdorf ein Menschenalter hindurch auch praktisch mitten im Turnvereinsleben. Schon 1848 beim Heilbronner Turnfest war er neben Spieß, Schärttner, Buhl und Fischer Kampfrichter, später in den 70er und 80er Jahren Kreisvertreter des X. Tnrnkreises (Oberrhein) und Mitglied des deutschen Turnausichufses. — Auf dem Krankenbette erhielt er noch vor wenigen Tagen die Festschrift vom Hanauer Turnfest, worüber er sich trotz großer Schwäche freute und seinen Dank aussprechen ließ. — Die Deutsche Turnerschaft wird daS Andenken des Verewigten, der sich um sie unvergängliche Verdienste erworben hat, stets in Ehren halten!
H. H è u s 0 h n.
Volksstimme" stand heute vor der hiesigen Strafkammer als Berufungsinstanz Termin an. Der Termin wurde auf Antrag der Parteien verlegt. Der Beleidigungsprozeß ist noch ein Nachspiel zum Streik in der Steingutfabrik, der das Schöffengericht zu Wächtersbach bereits in erster Instanz be- schäfttgt hat.
* Hühnerjagd. In Jägerkreisen werden die Aussichten der diesjährigen Hühnerjagd als sehr trübe bezeichnet. Die kalte und regnerische Witterung von Mai bis Juni hat manches Gelege zerstört.
* Ein Liebesdrama spielte sich in der Nacht vom Sonntag auf Montag auf dem gegenseitigen Mainufer, Rumpenheimer Gemarkung, gegenüber der Ruppelschen Wirtschaft ab, indem ein Arm in Arm dort noch spazierendes Paar sich im Main ertränkte. Leute, die mit der Fechen» Heimer Fähre nach 12 Uhr übergesetzt wurden, sahen das Paar in schnellem Lauf der Stelle zueilen, von der 10 Meter entfernt gestern früh Schiffer die Leichen ländeten. Eine kurze Strecke davon am Lande fand man einige abgelegte Kleidungsstücke z. B. einen schwarzen Strohhut mit weißer und roter Rose, 1 schwarzer Herrenhut und ein grau und weiß gestreifter Herrenrock, sowie einen Herren- und Damen- schirm in die Erde gesteckt. Dem Umstand, daß an dieser Stelle Lettenboden ist, ist es zuzuschreiben, daß beide nicht weiter von der Stelle trieben, sondern hier den Tod fanden Das Paar hielt sich fest umschlungen. In dem am Ufer liegenden Rock fand sich ein Brief folgenden Inhalts: Wir beide sind freiwillig in den Tod gegangen und bitten, daß für unser uneheliches Kind gesorgt wird; dasselbe soll mein und meiner Geliebten Vermögen bekommen, es ist in der Jordanstraße 47 in Bockenheim. Ich wohne Dürersiraße 11 in Bockenheim, meine Geliebte wohnt Kaiserstraße 3, 4. Su Frieda Rautzmann und Albert Kügler, Diener. Der Mann ist der 32 Jahre alte Herrschafts-Diener Albert Kügler aus dem Württembergischen, das Mädchen, die 22jâhrige Frieda Kautzmann aus Sindolsheim in Baden, war bei einem Friseur in der Kaiserstraße in Frankfurt als Dienstmädchen in Stellung. Die beiden verkehrten seit längerer Zeit miteinander. Ein ersichtlicher Grund für das Vorgehen der beiden, die in Uebereinstimmung handelten, liegt nicht vor. Die Eltern des Mädchens wollten, daß sich das Paar heiraten solle. Vielleicht fand der Plan bei den Eltern des Dieners, die ebenfalls als vermögend geschildert werden, keine Zustimmung. Wie es heißt, hatte ihnen der Sohn keine Mitteilung über das vorhandene Kind gemacht.
" Nstönberflinrrrfest. Am nächsten Sonntag findet auf ■ der Wasserkuppe bei Gerskeld das 2. Rhönbergturnfest statt und haben sich hierzu schon aus allen Gauen des Mittel- rheinkreises sowie der anschließenden Kreise große Turner-
Sommerhygiene.
Von CH. Täuber.
Wenn die Sonnenstrahlen glühend auf die Erde herab- strahlen und die Menschen in den dumpfen Stadthäusern schlaff und matt werden, dann soll man mehr denn je die hygienischen Gebote beobachten. Während die mit Glücks- gürern Gesegneten in die Sommerfrische reisen können, müssen viele tausend weniger Bemittelte daheim in der heißen Stadt bleiben.
Aber auch diesen ist eine Wasserkur wenigstens noch erreichbar, sofern ihnen eine Wasserleitung zur Verfügung steht, und solche Kur nützt auch nicht wenig, sie stärkt und kräftigt den abgearbeiteten Körper, der durch die drückende Hitze noch mehr ermüdet wird. Leider hat der Unbemittelte oftmals keine Badevorrichtung im Hause, darin haben es die englischen Arbeiter besser. Wir müssen uns daher mit bloßen Waschungen zu helfen suchen, wobei jedoch Erkältungen sorgfältig zu vermeiden sind.
Am besten ist es, früh aufzustehen, — etwa eine halbe Stunde vor der gewöhnlichen Zeit — den ganzen Körper rasch zu waschen, abzutrocknen und sich dann noch eine Viertelstunde ins Bett zu legen, um die vollständige Erwärmung zu erzielen.
Wer sehr geschwächt und empfindlich ist, verwende zu den ersten Waschungen gestandenes Wasser (das man sich am Abend vorher zu recht gestellt) und gehe allmählich zu kaltem über. Die Fenster müssen während der Prozedur selbstredend geschlossen sein.
Fußbäder sollen abends vorgenommen werden und zwar in lauem Wasser.
Eine unangenehme Folge der Tageshitze ist die reichliche Absonderung von Schweiß, mit dem die Wäsche und Kleider sich durchseuchten. Zudem enthält er krankhafte Stoffe, und deshalb ist häufiger Wechsel der Leibwäsche eines der ersten Gesundheitsgebote. Jedenfalls soll man wenigstens ver«