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eo. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer BeUage.
Verantwort Rrdattrrrr: G. Schrecker in Ham».
Nr. 182
Dernsprechanschlutz Nr. 605.
Dienstag den 7. August
Ferrrsprechanschlittz Nr. 605
1906
politische Rundschau.
Der Kaiser an Kardinal Discher. Der „Köln. Volksztg." zufolge erhielt gestern Erzbischof Fischer vom Kaiser folgendes Telegramm: „Potsdam, Neues Palais. Ich habe mir soeben mit größtem Interesse die wertvollen Stoffe vorlegen lassen, die dem Reliquienschrein Karls des Großen zeitweilig entnommen wurden, um ihrer kulturhistorischen Bedeutung entsprechend durch getreue Wiedergabe die Sammlungen des Kunstgewerbemuseums zu ergänzen und zu bereichern. Eure Eminenz haben durch die Bereitwilligkeit, mit der Sie die kostbaren Zeugnisse stilistischer und dekorativer Kunst einer altehrwürdigen Vergangenheit zur Verfügung gestellt haben, einen so wichtigen Beitrag für das Museum geliefert, daß ich nicht säumen möchte, Ihnen für diese, weiten Kreisen zu Gute kommende, für Studien der symbolischen Darstellung der alten Gewebe des orientalischen Kunstgewerbes bedeutende Erschließung eines bisher verborgenen Schatzes meinen wärmsten Dank zum Ausdruck zu bringen.
Wilhelm I. R."
Badische zweite Kammer. In der gestrigen Nach- ntttagssitzung der Zweiten Kammer stand die Frage der Verwertung der Wasserkräfte zur Beratung. Geheimrat Honsell führte aus, die Regierung verfolge die Frage der Verstaatlichung der Wasserkräfte mit Interesse; sie sei sich aber im Klaren, daß der Staat nur dann in der Lage sei, elektrische Wasserkraft-Anlagen zu bauen, wenn er die Kraft zu eigenen Zwecken verwende. Die Mitwirkung der Landstände bei der Konzessionserteilung hätte eine Verschleppung sondergleichen im Gefolge. Der Landtag wird am Mittwoch geschlossen.
In Deutsch-Ostafrika sind die Berliner Missionare in den ersten Monaten des Jahres wieder vielfach in schwerer Not und Gefahr gewesen. Die Umgebung der Stationen Lupembe, Kidugala und Emmaberg wurde völlig verwüstet. An manchen Tagen schien es zweifelhaft, ob die Missionare die Stationen würden behaupten können oder ob sie sie würden verlassen, der Zerstörungswut der Feinde preisgeben und Zuflucht bei den deutschen Militärstationen suchen müssen. Von den Behörden wurde ihnen öfter geraten, dies zu tun. Dennoch haben sie ausgehalten. Infolgedessen konnten außer den bereits früher zerstörten Stationen Milow und Jakobi, sowie der zeitweilig verlassenen und darum schutzlosen Station Muhanga, wo auch sämtliche Gebäude zerstört und verbrannt sind, die übrigen Missionsstationen gerettet werden. Seit Mitte Februar hielten die Missionare ihre Lage für sicher. Ueber die Bewährung der eingeborenen Christen und Katechumenen schreibt der Njassabote: Unsere Christen haben nicht nur Treue gehalten, haben nicht nur unsern Missionaren in
Feuilleton.
Kriegslist.
Von Hans Baron von .Hermsdorff.
(Nachdruck verboten.)
Aus dein Marktplatz trennte sich die Tennisgesellschaft. Da es später als gewöhnlich geworden, kürzte man das Abschiednehmen gegen sonst bedeutend ab. Noch ein Händedruck — „Auf Wiedersehen" — „Also Montag 5 Uhr!" — und jeder eilte, nach Hause zu kommen.
Fräulein von Ferthen wurde, wie immer, vom Leutnmrt von Walden nach Hause geleitet; er war ihr ständiger Begleiter, da sie beide den gleichen Weg hatten.
Als sie aus der Hörweite der anderen waren, begann Herr von Walden: „Weißt Du, Elsa, diese ewige Geheimnistuerei habe ich jetzt wirklich satt — kommt man doch immer in Verlegenheit, sich zu verschnappen! In Gegenwart dritter „Gnädiges Fräulein" — „Herr von Walden", — als ob nicht jeder wüßte, wie es um uns steht. Alle Tage fragen die Kameraden, wann ich mich denn nun endlich verlobe, damit sie die Bowle bekommen — und warum diese Komödie? — nur weil es Deinem Herrn Papa nicht paßt, die Verlobung zu veröffentlichen. Glaube mir, auch der sanfteste Mensch wird dieses Zustandes überdrüssig. Morgen setze ich mir den Helm auf und bringe die Sache ins Klare. Entweder — oder. Dein Vater gibt seine Einwilligung — oder ich beantrage meine Versetzung zum andern Bataillon nach Neidersdors."
Auf diese schon oft vernommene Rede hatte Fräulein von Ferthen keinen anderen Trost als „Bitte, warte doch nur kurze Zeit — lieh, auch ich leide doch unter diesen: Zustande. Du weißt, die Besichtigung durch den groben Christian steht vor der Türe, Papa sitzt den ganzen Tag über den Karten und studiert alle Möglichkeiten für Gefechte in hiesiger Gegend. Seine Laune ist nicht die beste. Wenn Du ihm also jetzt mit Deinen — unseren Wünschen komme» würdest — ich weist wirtlick nicht, ob es gerade der aeeignete Moment
Freud und Leid redlich zur Seite gestanden, sondern es haben auch etliche ihr Leben gelassen. Da denke ich an den braven Mann von Kidugala, der sich bei Nacht durch die Reihen der Aufständischen hindurchgeschlichen har, um unsern in Jakobi eingeschlossenen Geschwistern Lebensmittel zu bringen. Gottlob, er blieb bewahrt. Ich denke an die wackeren Männer, welche Briefe von uns in der Heimat unter Lebensgefahr durch die feindlichen Posten hindurchgelragen haben. Einer von ihnen ist erschlagen. Ich denke an Luiengamaso, den Schüler von Missionar Neuberg, der in Milow zurückblieb, um die Station, soviel es möglich wäre, zu bewahren. Als die Feinde hereinbrachen, verbarg er sich im Walde in einem Versteck. Bei Nacht kam er hervor und suchte auf der Trümmerstälte, ob er noch irgeno welche brauchbaren Gegenstände seines Lehrers fände, um sie zu vergraben und dadurch für ihn zu retten. So hat er es lange getrieben, bis ihn die Feinde ergriffen. Sie Laben ihn geschlagen und mitgeschleppt. Doch gelang es ihm unterwegs zu entkommen. Seiner Kleider beraubt und bis zum Tode ermattet, kam er schließlich in Kidugala an." Diese Beispiele zeigten deutlich, daß die eingeborenen Christen die schwere Probe, die der Aufstand ihnen auferlegt hat, glänzend bestanden haben.
UeHcr DentsK - Südwestafrika sagt der leitende Inspektor der rheinischen Mission auf der letzten Generalversammlung in Bezug auf die eingeborene Bevölkerung folgendes: „Wir können konstatieren, daß die Hälfte unserer Christen (etwa 7000) den ganzen Aufstand hindurch treu geblieben sind. Davon bestand allerdings der größte Teil aus Bergdamara und Bastards, aber auch von den Namas — was viel zu wenig bekannt ist — kann man wohl 2500 rechnen, die den Aufstand nicht mitmachten, das ist mindestens der 5. Teil des ganzen Volks. Die Hererochristen waren mit wenig Ausnahmen in den Aufstand verwickeln Gerade aber die Christen kehrten zuerst wieder zurück und haben bei der Hereinholung ihrer heidnischen Stammesgenossen die wichtigsten Dienste geleistet. Der ungeahnte Erfolg bei der Sammlung der aufständischen Herero in Otjihaönena und Omburo hat bei Zivil- und Militärbeamten neue, günstigere Vorstellungen über den Wert der Mission erweckt." Um auch die im Nordosten sitzenden Herero noch besser zu erreichen, wurde der Plan zur Errichtung eines dritten Sammellagers am Waterberg gefaßt und der Gouverneur sprach gelegentlich die Hoffnung aus, daß Dank der missionarischen Sammelarbeit ein Eingreifen der Truppe nicht mehr nötig sein werde.
Der Bruch miL der Schweiz. Die Madrider Gaceta veröffentlichte gestern einen Erlaß des Finanzministers, wonach von heute ab bis auf weiteres für Verzollung von Küchengeräten aus emailliertem Eisen und Stahl, Geweben
wäre — also bitte, tu's mir zuliebe und warte wenigstens bis nach dem 23.“
Inzwischen waren sie in die Rochusstraße eingebogen und vor der Wohnung des Kommandeurs angelangt. Der Posten, welcher zur Sicherheit des Bataillonsheiligtums, der Fahne, vor dem Hause auf- und abschritt, eilte an das Schilderhaus, um die Ehrenbezeugung zu machen. Wieder solch ein „Dritter", vor dem man Komödie spielen mußte, wenn auch nur in Gestalt des braven Musketiers.
„Adieu, gnädiges Fräulein!"
„Adieu, Herr von Walden!"
„Auf Wiedersehen Montag!"
„Bitte um Empfehlung!""
Leutnant von Walden schritt langsam seiner Behausung zu mit allerhand Zukunstsplänen beschäftigt. Zu Hause angekommen warf er sich aufs Sofa, zündete eine Zigarette an und setzte sein Pläneschmieden fort, bis er sanft enr- schlummerte. —
Wie lange er so gelegen, wußte er nicht, als der Bursche eintrat, um Licht zu machen und Vorbereitungen für das Abendbrot zu treffen.
Erst der Sckein der Lampe gestattete Umschau in dem Zimmer zu halten. Die herumstehenden Spannbretter, Schmetterlingskasten und Raupenbehäiter ließen eher auf die Wohnung eines Gelehrten als eines Offiziers schließen, wenn nicht Waffen und Uniformstücke das rauhe Kriegshandwerk verraten hätten.
Nachdem der Bursche den Abendtisch gedeckt und für den nächsten Morgen die nötigen Anweisungen erhalten hatte, wurde er entlassen, während der Leutnant das bescheidene Abendbrot rasch einnahm und sich sehr bald zur Ruhe legte, um Kräfte für den nächsten Tag, einen Sonntag, zu sammeln.
Gänzlich dienstfrei benutzte er den Tag dazu, seiner Liebhaberei nachzugehen und einen Sammelaüsflug 51t machen. Wie oft zogen ihn die Kameraden wegen seiner „Sammelei", wie sie cs nannten, auf, aber er ließ sich dadurch nicht beirren und opferte der Wissenschaft manche freie Stunde: dafür hatte er aber auch nicht allein die Freude, daß seine Sammlung bedeutend anwuckS. sondern er erwarb sich auch
aller Art, elektrischen und wissenschaftlichen Instrumenten und Apparaten, Maschinen und deren Teile, kondensierter Milch und Kindermehl schweizerischer Herkunft ein fünfzig- prozentiger Zuschlag zu dem neuen Marimaltarif erhoben wird. Es handelt sich also um die Artikel, die für die Einfuhr aus der Schweiz nach Spanien in erster Linie in Betracht kommen. Im Vorwort wird die Maßregel als eine Vergeltung für den Beschluß des Bundesrates vom 28. Juni bezeichnet, der vom 1. Juli ab für die spanischen Waren ebenfalls einen fünfzigprozentigen Zollaufschlag anordnete. Spanischerseits habe man alles Mögliche versucht, um die Schweiz zur Zurücknahme dieses Schrittes zu veranlassen und zu dem Zweck sogar einen Sondergesandten nach Bern geschickt, aber alles sei vergeblich gewesen. Im übrigen sei man bereit, gegebenenfalls weiter zu verhandeln, um zu einer Verständigung zu gelangen. Das ist nun schon das zweite Land, mit dem Spanien im Zollkrieg ist, und auch die Verhandlungen mit Frankreich sollen keineswegs so günstig stehen, wie man hier glauben machen möchte. Auf Grund der neuen, übermäßig hohen Zollsätze sind eben Vertragsverhandlungen beinahe unmöglich.
Vom Balkan. In der Antwort auf die ftanzâsische Note bezüglich der Dschanet-Oase wurde der türkische Botschafter in Paris beauftragt, der ftanzosischen Regierung eine Erklärung in dem Sinne zu geben, daß Dschanet immer türkisch und zwar ein Bezirk des Vilajets Tripolis mit organisierter Verwaltung gewesen sei, und daß es nicht einmal zum Hinterhand von Tripolis gehört habe. Folglich seien die ftanzosischen Behauptungen grundlos. In Kreisen der Pforte wird erklärt, daß sie bis aufs äußerst diesen Standpunkt vertreten würde. Man glaubt hier, daß die türkische Militärmission, der einige Geistliche angehören sollen, Dschanei schon erreicht habe.
Der Kaiser bei den Uebungen ans bem Truppenübungsplatz Mnnster.
Munster (Prov. Hannover), 6. August. Der Kaiser traf im Sonderzuge um 7 Uhr auf Bahnhof Munster ein und begab sich im Automobil durch Munster nach dem Truppenübungsplätze. Der Kaiser trug die Uniform der Königsulanen. In seinem Gefolge befinden sich Hausmarschall Frhr. v. Lyncker, die Generale v. Scholl, v. Löwenfeld, Graf Hülsen-Häseler und Graf Hohenau, Flügeladjutant Oberstleutnant v. Chelius, Gesandter Frhr. v. Jenisch, Oberstallmeister Frhr. v. Reiscbach und Leibarzt Dr. Niedner. In Munster waren Ehrenpforten errichtet und Vereine. Schulen und Bevölkerung begrüßten den Kaiser auf das lebhafteste. Die Schulmädchen trugen Kränze von Erika im Haare. Das Wetter war kühl und regnerisch. Auf dem
auf diesem Gebiete nicht unbedeutende Kenntnisse, welche es ihm ermöglichten, seine biologischen Beobachtungen in naturwissenschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen.
Am nächsten Morgen radelte Leutnant von Walden also in bürgerlicher Kleidung mit allen Fangapparaten versehen dem Briesener Forst zu) den er als reiches Ausbeutefeld für seine Sammlungen ebenso wie als beliebtes Felddienstgelände schätzen gelernt hatte.
Bei dem herrlichen Wetter und Hellen Sonnenscheine herrschte in der Jnsektenwelt ein reges Treiben, so daß Herr von Walden darüber all seinen Herzenskummer vergaß und 'ich ganz der Sammellust hingab. So verging denn schnell die Zeit, ohne daß er an das mitgebrachte Frühstück gedacht hätte, obwohl die Mittagsstunde bereits nahte. Aber das Butterbrot konnte er doch nicht wieder mit nach Hause nehmen: so legte er sich denn etwas abseits des Weges im Schatten einer alten Eiche nieder und begann zu frühstücken.
Nicht lange und ein Wagen rollte auf dem Waldwege heran, um dicht in der Nähe des Lagerplatzes zu halten Zwei Herren stiegen aus. Während er selbst durch das Gebüsch gedeckt war, konnte Leutnant von Walden die beiden Herren genau beobachten.
Der jüngere, welcher ihm den Rücken zuwandte, zog eine Karte heraus und begann seinem Begleiter die Gegend zu erklären: „Hier das Wegekreuz, — der Weg rechts führt nach Rieglitz, der Weg dort links nach Rönkendorf."
Leutnant von Walden hörte Wort für Wort. Die Stimme kam ihm doch so bekannt vor: wer mochte es sein? Jetzt machte der Herr eine Wendung, um nach einem seitwärts liegenden Punkte hinzuzeigen: "dadurch konnte Leutnant von Walden das Gesicht sehen. Was? Das war ja der Oberleutnant von Schlauen, der Regimentsadjutant. Was machte der denn hier und noch dazu in bürgerlicher Kleidung? Sollte es sich um einen SonntagSausflug handeln? DaS war doch nicht anzunehmen.
Jetzt redete er seinen Begleiter mit „Herr Oberst" an — das also war der neue Kommandeur, der gefürchtete grobe Christian: na, besonders vertrauenerweckend sah er nicht gerade aus, besonders in keinem Sivil I Was machten die beiden nur hier?